Hallo liebe Forummitglieder,
heute kam im Unterricht die Frage auf „Warum Kinder von 7-12 Jahren besonders schnell lernen?“. Die banale Antwort hat mir nicht gereicht - deshalb setze ich alle Hoffnung auf Sie alle .
Als kleine Diskussionsanregung: Ich kann mich nicht mehr genau dran erinnern, aber in einem Vortrag von Prof. Dr. Manfred Spitzer habe ich es so verstanden, dass dies Überlebenswichtig ist um sich erst schnell an ein Mittelwert heranzutasten (schnelles lernen) und dann muss man langsam lernen, da mann sonst keine wieder schnell von diesem Mittelwert wegkommt.
Konkretes Beispiel: Ich bin in der Steinzeit geboren und esse leicht Beeren die ein bisschen giftig sind. Esse ich zuviele hab ich Bauchschmerzen - essen jedoch zu wenig hab ich hunger. Jetzt taste ich mich (ich lern ja schnell) an die richtige Menge heran - also den Mittelwert. Damit ich jetzt aber nicht sofort wieder von diesem Mittelwert wegkomme, wird meine Lerngeschwindigkeit langsamer. (Nota bene: es kann durchaus vorkommen das ich mehr beeren als das Mittel esse und mir nicht schlecht wird - das war aber nur eine Außnahme).
Ich hoffe ich konnte mich verständlich ausdrücken. Ist meine Annahme richtig? - BZW. habe ich es noch richtig in Erinnerung/Verstanden? Oder warum lernen wir erst schnell und dann langsam.
Da unklar ist, wie Lernen überhaupt neuronal funktioniert, kann auch die Neurowissenschaft keine klaren Antworten finden. Im Gehirn werden jedoch offenbar das schnelle und das langsame Lernen von unterschiedlichen Vorgängen reflektiert. Bezüglich Motorik scheint das schnelle Lernen innerhalb der motorischen Funktionsschleife „zu passieren“ – über synaptische Plastizität, die eine Dopaminausschüttung erfordert. D.h. wenn Du etwas überraschend besonders gut machst, dann verändern sich die synaptischen Stärken in den Schleifen zwischen Kortex und Striatum (Teil der Basalganglien). Diese initialen Veränderungen vermitteln sehr wahrscheinlich mit zunehmendem Wiederholen der Bewegung bzw. über Schlaf neuronale Veränderungen im Kortex (der Kortex lernt langsam). Dort wird dann die Bewegungsrepräsentation in „kleinen Schritten“ verbessert, die kaum wahrnehmbar sind. Ähnlich läuft es möglicherweise beim Entwickeln von „schulischen Gedächtnisinhalten“, nur dass der Hippocampus hierbei das schnelle, über Dopamin arbeitende System darstellt und der Kortex das langsam lernende System.
So ist schnelles Lernen, dopaminerges Lernen und langsames Lernen, kortikales überschreiben bestehender Gedächtnisinhalte.
Eine gute Antwort konnte ich Dir somit leider auch nicht geben, hoffe aber, einen kleinen neurowissenschaftlichen (da Name Spitzer kam) Einblick geben zu können.
ich bin zwar auch nur Laie, aber ich vermute, das könnte auch mit der „flüssigen“ und „kristallinen“ Intelligenz zusammenhängen.
Die flüssige Intelligenz schreibt man überwiegend der Jugend zu, sie steht dabei für geistige Flexibilität und schnelles Begreifen der Zusammenhänge.
Die kristalline Intelligenz ist das Zurückgreifen auf Erfahrung und Allgemeinwissen, sie wird daher eher dem Alter zugeschrieben.
Vielen Dank für die beiden Antworten.
Zu ersteren - ich glaube man darf hier nicht Ursache und Folge verwechseln - falls ich mich täusche, dann würde ich bitte noch genauer auf die beiden „Lernarten“ ein zu gehen, da sie mir nicht bekannt sind.
Zum letzteren Artikel. Auch wenn die Antwort die Frage nicht expliziet beantwortet, ist es ein sehr interessanter und informativer kleiner Artikel gewesen - vielen Dank hier für.
Warten wir doch einfach noch ein bisschen ab, vlt. verirrt sich ja ein neurowissenschaftler in dieses Forum !
Offtopic:
Achso, noch zum dem Lernen: Jop neurobiologisch, kann man so ein komplexen Vorgang wie das lernen sicherlich nicht vollständig verstehen. Aber wie Sie ja auch schon geschrieben haben - ein wenig weiß man über das lernen in der neurophysiologie bescheid (-> Siehe die vielen Vortrage von Spitzer) !
Hallo war das eine Waldorfschule oder sowas (also mir eigenem Vokabular).
Ich hab noch nie was von flüssiger oder kristalliner Intelligenz gehört, im gesamten Studium nicht.
Hallo, ich habe eine ernsthafte Frage gestellt. Du hast gesagt, Ihr hättet es in der Schule gelernt, und ich habe gesagt, dass ich es selbst während des Studiums (wegder in Psychologie, noch in Pädagogik) nicht gehört habe. Daher würde es mich interessieren, woher diese Bezeichnungen kommen.
Also bitte schön, was war das für eine Schule?
Auf Waldorf-Pädagogik habe ich getippt, weil es dort oft etwas sonderbare Formulierungen gibt und ich schon befürchtet hab, dass meine Frage, ob es eine Waldorfschule war, in den falschen Hals kommt.
Mit oder mir ist übrigens nicht Grammatik sondern Rechtschreibung oder schlicht zu schnell getippt.