Warum 'Making off'?

Hallo Leute,

ein cooler Streifen zeichnet sich doch dadurch aus, dass er den Zuschauer in eine imaginäre Welt entführt (ganz typisch z. B. Herr der Ringe, Star Wars, etc.)

Die Imagination muss dabei aber so perfekt sein, dass sich der Zuschauer der Tatsache, dass es sich „nur“ um einen Film handelt, nicht bewußt ist, sonst wäre der Film schlecht gemacht.

Das „Making off“ zu einem Film, welches ja praktisch auf jeder DVD als Feature enthalten ist, zerstört aber gerade diese Imagination. Das ist so ähnlich, als würde ein Zauberer dem Publikum seine Tricks erklären. Das ist im Falle des Zauberers aber ein absolutes Tabu.

Warum ist das im Filmbereich nicht so? Warum läßt der Schöpfer eines Films zu, dass durch Zeigen des Making off´s die Imagination seines Films obsolet wird?

Sobald ich mir das Making off eines Films angesehen habe, den ich vorher total geil fand, bin ich danach total ernüchtert und sehe den gleichen Film schlagartig mit völlig anderen Augen. Nachdem ich mir das Making off angesehen habe, gefällt mir der Film dann plötzlich nicht mehr.

Hat der ein oder andere von Euch vielleicht auch diese Erfahrung gemacht?

Vielleicht könnt Ihr mir da ein wenig auf die Sprünge helfen.

Vielen Dank und schöne Zeit!

Rolo

hallo

kommt immer drauf an - wirklich gute filme leben von einem guten drehbuch. special effekts unterstreichen zwar die story, sind aber nicht essentiell für den film. in solchen fällen kann ein making of den film nicht vermiesen.

dann gibt es noch filme, die zwar nicht das überdrüber drehbuch haben, aber zumindest ist es grundsolide. ein paar gute schauspieler dazu und wir haben wieder einen guten film. hier sind die special effects schon wichtiger, um über die mängel im drehbuch hinwegzutäuschen. ein making of kann hier in der tat den effekten etwas an reiz wegnehmen, muss aber nicht. herr der ringe ist ein gutes beispiel: gute hintergrundgeschichte, leidliches drehbuch, schauspieler von ganz gut bis naja aber extrem gute effekte. bei mir hat das making of lediglich bewirkt, dass ich die effekte noch besser gefunden habe. zu wissen, wie die effekte gemacht wurden und trotzdem eine gute illusion zu bekommen, ist schon was feines.

zuletzt gibt es filme, die eigentlich nur von den tricks leben. hier hast du durchaus recht - das making of nimmt den film den einzigen grund, ihn sich anzusehen - zumindest wenn man beim making of den fehler macht, auch die wirklich guten szenen zu zeigen.

warum macht man dann making ofs? nun - das meiste material ist ja schon da. ein paar interviews dazu und schon hat man einen halbstündigen werbefilm, den fernsehsender praktisch gratis herzeigen. optimal um zu billiger fernsehwerbung zu kommen. ausserdem kommt etwas selbstdarstellung dazu - wer präsentiert nicht gerne stolz die früchte seiner arbeit. und so ein fx-techniker, der normalerweise nur im abspann genannt wird freut sich, wenn er mal vor der kamera stehen darf. noch dazu, wenn es auch werbung für den techniker selbst ist.

und letztendlich wird ja niemand gezwungen, sich das making of anzuschauen.

lg
erwin

Hallo,

vielen Dank. Sehr interessant. So differenziert hab ich das noch gar nicht gesehen.

Sich einen Film anzusehen und ihn zu erleben, ist sicher eine sehr subjektive Sache, ähnlich wie das Lesen eines Buches. Jeder stellt sich für sich etwas anderes vor und projeziert andere Dinge hinein.

Für mich persönlich ist es z. B. ein Widerspruch, dass ich weiß, wie ein Effekt zustande gekommen ist, ich dann aber diese Illusion umso besser finde. Für mich ist das ganze dann zerstört. Aber das sieht wahrscheinlich jeder anders. Schneidet sicher auch den Bereich „Filmpsychologie“ an.

Noch ein Beispiel, um die Sache noch etwas anschaulicher zu machen :smile:Ich hab z. B. auch schon mal geträumt, dass ich mir im Traum bewußt bin, dass ich träume. In dem Moment war das eigentlich kein richtiger Traum mehr…Das war dann ein Widerspruch irgendwie.

Viele Grüße,
Rolo

Hallo,

Die Imagination muss dabei aber so perfekt sein, dass sich der
Zuschauer der Tatsache, dass es sich „nur“ um einen Film
handelt, nicht bewußt ist, sonst wäre der Film schlecht
gemacht.

Das finde ich auch, deshalb sehe ich mir ein Making-off immer erst hinterher an. Ist der Film wirklich gut gemacht, stört es mich gar nicht, wenn ich erfahre, wie z.B. Effekte erzielt werden. Im Gegenteil, ich finde es immer wieder hoch interessant, welche technischen Möglichkeiten bestehen und wie vielfältig ihr Einsatz ist. Bei manchen Effekten merkt man im Film ja gar nicht, daß einer eingesetzt wurde. Bei anderen Szenen fragt man sich unwillkürlich: Wie zum Kuckuck haben die denn das gemacht?

Das „Making off“ zu einem Film, welches ja praktisch auf jeder
DVD als Feature enthalten ist, zerstört aber gerade diese
Imagination. Das ist so ähnlich, als würde ein Zauberer dem
Publikum seine Tricks erklären. Das ist im Falle des Zauberers
aber ein absolutes Tabu.

Das dürfte jeder anders empfinden. Mich stört es nicht, selbst wenn ich mir den Film später nochmal ansehe, dann vergesse ich das früher gesehene Making-off, vorausgesetzt der Film ist wirklich gut und spannend.

Sobald ich mir das Making off eines Films angesehen habe, den
ich vorher total geil fand, bin ich danach total ernüchtert
und sehe den gleichen Film schlagartig mit völlig anderen
Augen.

Beim Making-off finde ich auch immer wieder interessant, wer daran alles mitgewirkt hat, Maske, Kostüme, Bühnenbau, wo gedreht wurde und warum, Komparsen, Kameraeinstellungen usw.

Die Kommentare bringen dann nochmal Klarheit, z.B. was der Regisseur mit dem Film aussagen wollte, weshalb er bestimmte Szenen so und nicht anders darstellte usw. Warum welche Szenen gekürzt wurde u.ä.m. Seine Sichtweise mit dem zu vergleichen, was ich dem Film entnommen habe ist spannend, habe ich das so gesehen oder anders? Das kann den Wert des Films steigern, wenn man ihn das zweite Mal sieht und dann mehr auf die Feinheiten achtet, die beim ersten Mal mehr oder weniger untergegangen sind.

Hat der ein oder andere von Euch vielleicht auch diese
Erfahrung gemacht?

Die Illusion nimmt es mir nicht - allerdings trifft das nur auf wirklich gute Filme zu (meine rein subjektive Sicht), die anderen gucke ich mir eh nur einmal an…

Gruß,
Cantate

hallo

wie du schon sagst - das empfinden ist immer subjektiv.

gutes beispiel ist wieder mal herr der ringe. ziemlich gut gefällt mir da, dass die hobbits ziemlich gut von der grösse her dargestellt werden. beim ersten mal ansehen dachte ich mir: „hey - guter trick - vermutlich irgendwie mit computer und so“. dann habe ich das making of gesehen und bemerkt, dass es eigentlich relativ simple optische tricks sind (hobbit ist einfach nur weiter im hintergrund). beim zweiten mal anschauen habe ich dann speziell auf entsprechende einstellungen geachtet, in denen hobbits und menschen gemeinsam im bild sind. im wissen, wie die szene hergestellt wurde, habe ich sie eigentlich noch mehr bewundert.

gut - das liegt vielleicht auch daran, dass ich ein technik-nerd bin, der lösungen sehr sexy findet, die einfach, elegant und trotzdem hochgradig effektiv sind.

ach ja - ein film, der deine these unterstreicht: chronicles of riddick ist ein film, der praktisch nur von den grenzgenialen effekten (und den paar coolen sprüchen) lebt. story und schauspielerische leistung ist ja nicht wirklich nennenswert. hier könnte es durchaus sein, dass mir das making of den film vermiesen könnte.

lg
erwin

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Hi und danke nochmal.

Man merkt, dass Dich das Ganze wirklich sehr interessiert.

Gehen wir mal weg vom Making-Of. Es gibt noch andere Möglichkeiten, wie man bei einem Film die Illusion zerstören kann.

Hab vor ein paar Jahren nen US-Thriller gesehen. Der spielte glaube ich in Maine. Immer schlechtes Wetter und triste Stimmung. War gar kein schlechter Streifen.

Dann gab es aber so eine Szene, wo in einer Fischerhütte zwei Leute am Küchentisch sitzen und sich unterhalten. Bei dieser Szene gab es dann eine Panne. Es ragte für eine Sekunde ein Mikro vom oberen Bildrand ins Bild. Ab da war es dann um den Film geschehen. Das war irgendwie ganz schrecklich. Plötzlich wurde mir schlagartig bewußt, dass da ein Kamerateam hintendran steht und ich fand den Film plötzlich total lächerlich,

Nur so am Rande…

LG Rolo

Hi,

Beim Making-off finde ich auch immer wieder interessant, wer
daran alles mitgewirkt hat, Maske, Kostüme, Bühnenbau, wo
gedreht wurde und warum, Komparsen, Kameraeinstellungen usw.

Die Kommentare bringen dann nochmal Klarheit, z.B. was der
Regisseur mit dem Film aussagen wollte, weshalb er bestimmte
Szenen so und nicht anders darstellte usw. Warum welche Szenen
gekürzt wurde u.ä.m. Seine Sichtweise mit dem zu vergleichen,
was ich dem Film entnommen habe ist spannend, habe ich das so
gesehen oder anders? Das kann den Wert des Films steigern,
wenn man ihn das zweite Mal sieht und dann mehr auf die
Feinheiten achtet, die beim ersten Mal mehr oder weniger
untergegangen sind.

Ja, da hast Du natürlich Recht. Das betrifft dann aber nicht die technische Seite, also das Filmische, sondern eher die Motive und die Perspektive des Regisseurs hinsichtlich der Story und was der Film für Message haben soll. Diese Dinge finde ich auch sehr interessant.

Vielen Dank jedenfalls.

LG Rolo

Hallo
Augen. Nachdem ich mir das Making off angesehen habe, gefällt
mir der Film dann plötzlich nicht mehr.
Hat der ein oder andere von Euch vielleicht auch diese
Erfahrung gemacht?

Mich beruhigt es immer irgendwie, wenn ich sehe, dass da echte
Menschen mit viel Engagement und Enthusiasmus am Werk sind.
Der Filmgenuss wird mir durch das Hintergrundwissen nicht
vermiest.

Am meistens hat mich das Making-Of von „The Terminator“ beeindruckt.
Bis vor kurzem habe ich geglaubt, dass der Tanklaster, der am
Ende explodiert, ein echter ist… Aber nach wie vor finde ich den
Film ueberaus spannend.

Gruss
Patrick

Hallo,

also erst einmal wirst du ja nicht dazu gezwungen dir das Making off anzuschauen. Du kannst es ja lassen, wenn es dir deine Illusionen nimmt.

Ich habe da eine etwas andere Meinung als du. Ich schaue mir solche Making Offs super gerne an. Mich interessiert einfach wie das Ganze technisch bewerkstellig wurde. Was gibt es für technische Möglichkeiten dieses und jenes umzusetzen. Ich finde das einfach spannend. Mag vielleicht an meinem generellen technischen Interesse liegen.

Gruß

Samira