Hallo StudIng
Hallo.
Der 2. Weltkrieg hat erhebliche Nachwirkungen gezeigt. Europa
verlor in jeder Hinsciht die Vormachtsstellung in der Welt.
Beide deutsche Staaten waren kleine Bündnispartner in einem
übergeordneten Bündnissystem. Und die großen Fische in diesen
Bündnissystemen - USA, Sowjetunion - durchdrangen auch
weitreichende Aspekte der Kultur.
Der Westen Deutschlands stand unter amerikanischem Einfluss,
ja sogar unter amerikanischer Herrschaft (unter britischer und
franzoesischer auch). Viele waren den Amerikanern dankbar und die
amerikanische Kultur wurde Vorbild. Wenn das erklaeren soll,
warum Deutsch vom Amerikanischen ueberschwemmt wird, dann muss man
die Frage beantworten koennen: Warum fand die grosse Ueberschwemmung
nicht in den 50er und 60er Jahren statt?
Fand doch: Man übernahm das Wirtschaftssystem in all seinen bunten Facetten, gab sich von der Lebensart her tendenziell schon amerikanisch. Auf dieser Ebene war also die Überschwemmung sofort gegeben.
Dann übersiehst Du genau das, was ich eigentlich implizit mitschwingen ließ: Welche Generation und welche Folgegeneration lebten denn in den Endvierzigern, Fünzigern, Sechzigern, Siebzigern in den beiden deutschen Staaten.
Richtig, die GANZ ANDERS ERZOGENE Kriegsgeneration und die direkt unter einer „klassischen deutschen“ (meint nicht nationalsozialistischen) Erziehung stehende Nachkriegsgeneration.
Die Rückschlüsse auf Wechselwirkungen bei Sprachkultur kannst du jetzt
leicht alleine ziehen.
Hinzu kommt noch, daß die deutsche Kultur erst einmal an sich
relativ ausgelaugt ist. Anders gesagt, sie hat ihre große
Stunde in der Weltgeschichte bereits hinter sich. Momentan
sind auf dem Erdball andere am Drücker, die deutsche Kultur
kann *vorerst* nichts mehr geben.
Auf welche europaeische Kultur trifft das weniger zu? Weder
die franzoesische, noch die italienische noch die schwedische noch
irgendeine andere dominieren. Alle haben ihre Hoch-Zeiten
hinter sich oder waren nie tonangebend.
Dabei übersiehst Du aber, daß gerade aus dem Land der Dichter und Denker der erste vollorganisierte Völkermord mit modernen Mitteln emporstieg. Es ging mir um das komplizierte Wechselspiel, was sich bereits bei Nietzsche andeutete, daß sich die abendländische Philosophie mit Nietzsche genau genommen in einer echten Sackgasse befand (auch wenn diese weit über alles andere strahlte).
Man sagt heute nicht umsonst, daß die Freundschaft Wagner-Nietzsche wahrscheinlich von beiden aus ziemlich intuitiven Motiven heraus beendet wurde - der eine war kein Machtpositivist, aber tendenziell antisemitisch und übersteigert nationalistisch eingestellt, der andere war kein Antisemit oder Chauvinist, aber Machtpositivist.
Beide haben vermutlich gespürt, wohin die Verbindung dieser beiden Einzelmotive letztendlich führen würde.
Genau genommen ist es mit der Überschwemmung in den von Dir genannten Ländern aber ähnlich, wenn auch nicht so stark ausgeprägt. Die Tendenz und die generelle Richtung kommen aber sehr gut hin. Insofern näherst Du Dich genau von der falschen Seite her, daß Du die intensive Ausprägung von der generellen amerikanischen Beeinflussung trennst.
Hinzu kommt die gewaltige genetische Verwandtschaft des Deutschen mit dem Englischen. Speziell das Amerikanische steht dem Deutschen sowieso näher als das heutige britische Englisch.
Ist das in Italien oder Frankreich anders? Gut, die Franzosen,
so weiss man, sind sehr stolz auf ihre Sprache, aber sind andere
Voelker auch stolzer auf ihre Sprachen als die Deutschen? Das weiss
ich nicht. Das Absinken des Bildungsniveaus jedenfalls trifft auf
einige andere europaeische Staaten auch zu.
Italiener sind ebenfalls voller Nationalstolz, auch in den ehemaligen Ostblockländern weht einem ein gewaltiger Patriotismus entgegen, wenn man danach fragt und durch die dortigen Lande wandelt.
Und Du spaltest wieder eine Teilaussage von mir recht problematisch ab. Ich gab einen Kanon verschiedener, stark miteinander verzahnter Argumente und Überlegungen an, die genau genommen für sich alleine noch keine Katastrophe darstellt.
Du übersiehst jedoch dabei, daß wieder einmal das dynamische Resultat größer als die Summe seiner Einzelheiten ist.
MfG