Guten Tag,
eines der „Rätsel“ in Zusammenhang mit Tai Chi, welche ich noch nicht lösen konnte:
Warum schreibt man in der offiziellen Pinyin-Übertragung „Taiji quan“ für die Chinesische Bewegungskunst (Kampfkunst) „Tai Chi Chuan“ (korrekt nach Wade-Giles-System: „T’ai Ch’i Ch’üan“), obwohl der Begriff für „Chi“, also: „Qi“, bei „Qi Gong“ sehr wohl verwendet wird?
Anmerkung: Mittlerweile weiss ich, dass „ji“ auch für „Methode“ steht, aber „Tai Methode Faustkampfmethode“ macht doch keinen Sinn, oder ist mit jenem „ji“ in „Taiji Quan“ (Pinyin) etwas anderes gemeint, als das „Chi“ bei „Tai Chi Chuan“ nach Wade-Giles?
Bzw.: Wenn der gleiche Begriff wie bei „Qi Gong“ gemeint ist, warum lautet es dann nicht „Taiqi quan“?
Kann dies jemand erklären?
Bin dankbar für jede fachlich fundierte Erklärung.
Hallo,
Warum schreibt man in der offiziellen Pinyin-Übertragung
„Taiji quan“ für die Chinesische Bewegungskunst (Kampfkunst)
„Tai Chi Chuan“ (korrekt nach Wade-Giles-System: „T’ai Ch’i
Ch’üan“), obwohl der Begriff für „Chi“, also: „Qi“, bei „Qi
Gong“ sehr wohl verwendet wird?
weil beides nichts miteinander zu tun hat und mit völlig verschiedenen Kanji geschrieben wird - 太極拳 (Taijiquan) und 氣功 (Qigong).
Anmerkung: Mittlerweile weiss ich, dass „ji“ auch für
„Methode“ steht, aber „Tai Methode Faustkampfmethode“ macht
doch keinen Sinn, oder ist mit jenem „ji“ in „Taiji Quan“
(Pinyin) etwas anderes gemeint, als das „Chi“ bei „Tai Chi
Chuan“ nach Wade-Giles?
Also letzteres haben wir ja schon geklärt. Ansonsten - das ‚Ji‘ steht da nicht isoliert, und selbst wenn, hieße es nicht ‚Methode‘ sondern (als Substantiv) ‚Gipfel‘, ‚Extrem‘, ‚Pol‘. ‚Taiji‘ (wörtl. etwa ‚höchstes/ältestes Extrem‘) ist hingegen ein fester philosophischer Begriff, es bezeichnet die Polarität / Spannung zwischen den Prinzipien Yin und Yang vor deren Differenzierung.
Freundliche Grüße,
Ralf
Vielen Dank, lieber Ralf, für Deine Antwort.
weil beides nichts miteinander zu tun hat und mit völlig
verschiedenen Kanji geschrieben wird - 太極拳 (Taijiquan) und 氣功
(Qigong).
Leider beantwortet dies „nicht ganz“ warum in Wade-Giles System „Chi“ gesetzt wurde und in Pinyin für „Chi“ „Qi“ verwendet wird.
Asche auf mein Haupt: Ich weiss auch nicht, was ein Kanji ist.
zu
Anmerkung: Mittlerweile weiss ich, dass „ji“ auch für
„Methode“ steht, aber „Tai Methode Faustkampfmethode“ macht
doch keinen Sinn, oder ist mit jenem „ji“ in „Taiji Quan“
(Pinyin) etwas anderes gemeint, als das „Chi“ bei „Tai Chi
Chuan“ nach Wade-Giles?
Also letzteres haben wir ja schon geklärt. Ansonsten - das
‚Ji‘ steht da nicht isoliert, und selbst wenn, hieße es nicht
‚Methode‘ sondern (als Substantiv) ‚Gipfel‘, ‚Extrem‘, ‚Pol‘.
‚Taiji‘ (wörtl. etwa ‚höchstes/ältestes Extrem‘) ist hingegen
ein fester philosophischer Begriff, es bezeichnet die
Polarität / Spannung zwischen den Prinzipien Yin und Yang vor
deren Differenzierung.
Freundliche Grüße,
Ralf
Der Kosmologische Begriff „Tai Chi“ bzw. „Taiji“ (Pinyin) ist mir klar.
Dennoch dachte ich, dass „ji“, wie in den beiden chinesischen Worten für Krise “wei-ji” und Chance “ji-hui” jeweils das identische Schriftzeichen verwendet wird und man dieses mit “Werkzeug”, “Gerät”, “Maschine”, am besten jedoch mit “Mechanismus” übersetzen könnte.
Wäre dann: „Tai ji quan“ ungleich „Tai Chi chuan“ und die unterschiedlichen Quellen (Übersetzer) meinten andere System - Oder: Gibt/Gab es eine andere Schriftweise (Schriftzeichen), welche mit Einführung des Pinyin-Systems „einfach normiert“ wurden?
…entschuldigt bitte für meine Hartnäckigkeit und Neugier.
Vielen Dank
G.
Verzeiht bitte - Ein Nachtrag als Zusatzinfo:
Es wird/wurde „Qi Gong“ (nach Pinyin-System) ja auch „Chi Kung“ (bzw. „Ch’i Kung“ nach Wade-Giles geschrieben.
Warum setzte man da nicht „Tai Qi Quan“ bei Pinyin-Übertragung?
Weichen die ursprünglichen chinesischen Schriftzeichen zwischen „Chi Kung“ und „Qi Gong“ auch schon ab?
Danke für Eure Geduld.
Hallo,
Leider beantwortet dies „nicht ganz“ warum in Wade-Giles
System „Chi“ gesetzt wurde und in Pinyin für „Chi“ „Qi“
verwendet wird.
im Prinzip doch, denn pinyin ist differenzierter, es handelt sich um verschiedene Zeichen, deren Aussprache nur ähnlich ist (zumindest für uns Europäer).
Es handelt sich bei „Qi“, „Gong“, „Tai“ und „Chi“ um 4 (vier!) verschiedene Schriftzeichen.
氣 (oder vereinfacht 气) = Qi
功 = Gong
太 = Tai
極 (oder vereinfacht 极) = Chi
Man sieht, dass Qi und Chi zwei verschiedene Bedeutungen haben.
Kanji
ist eine japanische Schriftart, keine chinesische.
Gruß
Bona
Mein Gott ne, macht euch doch nicht so nen Ast…
Hi
Das eine hat mit dem andern nichts zu tun und ob es sich hier um verschiedene Zeichen handelt spielt in diesem Falle auch gar keine Rolle.
Die Antwort ist ganz einfach: Aus Tradition.
PinYin ist die offizielle Umschrift der VR China, sie ist mMn viel differenzierter, aber man muss sie auch lernen und eben q wie 'ch aussrechen und nicht wie „ku“. Auch „j“ wird nicht wie y ausgesprochen sondern eher wie dch.
Wade Giles war lange die beliebteste Umschrift (ich persönlich hasse sie wie die Pest, aber v.a. in den USA ist sie sehr verbreitet). Aber es gibt noch 6 weitere häufige und unzähle andere Umschriften.
Dazu kommt, dass jedes Land chinesische Wörter so wiedergibt, wie es ihm passt, und das sind dann die Krankheiten die man in populären Büchern liest.
Irgendwann bilden sich bevorzugte Umschriften aus. Darum wird bei Koreanern auch ein und der selbe Nachname mit Rhee, Yi, und I angegeben.
Und so ist es auch hier: Tai-Chi ist eben die eingebürgerte Umschrift.
Genau das selbe gilt etwa für Sun Yatsen, der eigentlich ganz anders augesprochen wird, aber du wirst kaum einen Text finden, in dem man den Herrn nach gewöhnlicher PinYin Umschrift schreibt.
lg
Kate
Verzeiht bitte - Ein Nachtrag als Zusatzinfo:
Es wird/wurde „Qi Gong“ (nach Pinyin-System) ja auch „Chi
Kung“ (bzw. „Ch’i Kung“ nach Wade-Giles geschrieben.
Nein. Pinyin ‚Qi Gong‘, Wade-Giles ‚Ch’i Kung‘. Pinyin ‚Tai Ji Quan‘, Wade-Giles ‚T’ai Chi Ch’üan‘. Das sind beides anerkannte Transkriptionssysteme, wobei Wade-Giles veraltet ist und hoffentlich bald ausgestorben. Andere Schreibarten vergiss mal am besten.
Warum setzte man da nicht „Tai Qi Quan“ bei
Pinyin-Übertragung?
Weil Wade-Giles ‚Ch’i‘ eben Pinyin ‚Ji‘ geschrieben wird. In der Wade-Giles-Transskription ist ‚Ch’i‘ nun einmal ein anderer Laut als ‚Chi‘, auch wenn es sich ähnlich schreibt und manche „Fachbuchautoren“ diesen kleinen aber erheblichen Unterschied ignorieren. Pinyin (‚Ji‘ und ‚Qi‘) stellt diesen Lautunterschied deutlicher dar.
Falls es immer noch nicht klar sein sollte, noch mal ganz explizit: ‚Tai Chi Chuan‘ ist kein Wade-Giles, sondern eine nach üblichen Transsriptionsvereinbarungen falsche Schreibweise. Dasselbe gilt für ‚Chi Kung‘ oder ‚Chi Gong‘ oder was da sonst noch an Fantasiebezeichnungen üblichen ist.
Weichen die ursprünglichen chinesischen Schriftzeichen
zwischen „Chi Kung“ und „Qi Gong“ auch schon ab?
Neeeiiin!!!. Wenn ‚Chi Kung‘ Wade-Giles sein soll, ergibt das schlicht Blödsinn. Diese Atem- und Meditationsübungen heissen nach Wade-Giles ‚Ch’i Kung‘ und das gibt selbstverständlich dieselben Schriftzeichen wieder wie Pinyin ‚Qi Gong‘.
Nur ganz am Rande bemerkt - der Laut, der in Wade-Giles mit ‚Ch’i‘ und in Pinyin mit ‚Qi‘ wiedergegeben wird, kann für eines von ca. 200 verschiedenen chinesischen Schriftzeichen stehen. ‚Chi‘ bzw. ‚Ji‘ sogar für ca. 275. 275 Andere Schriftzeichen, versteht sich.
Gruß,
Ralf
Vielen Dank für die Infos.
Neeeiiin!!!. Wenn ‚Chi Kung‘ Wade-Giles sein soll,
ergibt das schlicht Blödsinn. Diese Atem- und
Meditationsübungen heissen nach Wade-Giles ‚Ch’i Kung‘ und das
gibt selbstverständlich dieselben Schriftzeichen wieder wie
Pinyin ‚Qi Gong‘.
Nur ganz am Rande bemerkt - der Laut, der in Wade-Giles
mit ‚Ch’i‘ und in Pinyin mit ‚Qi‘ wiedergegeben wird, kann für
eines von ca. 200 verschiedenen chinesischen Schriftzeichen
stehen. ‚Chi‘ bzw. ‚Ji‘ sogar für ca. 275. 275 Andere
Schriftzeichen, versteht sich.
Gruß,
Ralf
Dies hat mir sehr geholfen. Es ist mir klar geworden, dass die Problemstellung nicht nur Sinologen betrifft, sondern auch etymologisch betrachtet werden muss.
Danke nochmals. Gebe mich damit zufrieden.