Hallo!
Wieviel praktische Erfahrung hast du mit - z.B. einer
ORientierungsstufenklasse (5./6. Klasse in Hessen)? Mit einer
8. Klasse Hauptschule (klar, Hauptschule gibt es dann nciht
mehr, aber die Schüler wären tendenziell dieselben)? Einer 3.
Klasse Grundschule?
Nur Erfahrungen als Schülerin in Grund-, Real-, Berufs-, und Fachoberschule. Zusätzlich als Übungsleiterin im Eiskunstlauf. Hauptsächlich bei Kindern von 3-12. Außerdem lerne ich selbst viel und gern Fremdsprachen und habe schon alle möglichen Medien ausprobiert. Vom Computerprogramm über Audio-Sprachkurse, verschiedene Lehrbücher für Kurs- und Selbstunterricht. Manche Programme, die gut gemacht sind, können sehr fesselnd sein, so dass man den Stoff sehr spielerisch erdaddelt, ohne dass einem dabei die Arbeit wirklich bewusst wird. Manche Programme haben ganz tolle Ansätze, aber später fallen Schwächen auf, die eigentlich nicht nötig wären. Es gibt sehr schöne Lehrbücher und dazu passende Programme und Medien und schon unser Mathelehrer in Klasse 7 gab uns bereits ein (damals noch gedrucktes) Programm mit nach Hause, weil wir das Prozentrechnen zeitlich nicht mehr unterbekommen hätten. Das hat wunderbar funktioniert. Prozentrechnen kann ich heute noch sehr gut und es war das erste Mal, dass ich im Matheunterricht nicht auf schwächere Schüler warten musste. Wenn ich überlege, wieviel Zeit ich dort vertrödelt hatte, die ich viel besser mit englischen Vokabeln verbracht hätte! Darin war ich nämlich ziemlich schwach.
Vokabeltrainer am Rechner sind bei mir außerdem viel effektiver. Beim herkömmlichen Vokabeln lernen in einer Liste konnte ich immer wunderbar die Reihenfolge von oben nach unten aufsagen, aber die Bedeutung wusste ich immer noch nicht. Und die Rechtschreibung auch nicht.
Wie gesagt, ich befasse mich hobbymäßig viel mit dem Lernen, habe aber oft den Eindruck, dass in der Schule trotzdem immer noch ganz ähnlich gearbeitet wird, wie früher bei uns (eingeschult 1971). Nur die Bücher sind gammeliger - wir hatten immerhin noch neue! Wenn ich bei einem VHS-Kurs in einer Schule mal einen Blick in die herumliegenden Gammel-Bücher werfe, vergeht mir eigentlich schon alles. Computer sind weit und breit nicht zu entdecken. Genausowenig CD-Abspielgeräte, Fernseher für Lehrfilme, Lernspiele oder sonstige Medien. Klar, irgendwo im abgeschlossenen Kämmerchen wird sich mal so ein Gerät verbergen. Aber von einer ordentlichen Versorgung keine Spur.
Und die Schulgeschichten, die die Mädchen im Verein erzählen, sind fast die gleichen wie früher bei uns: Langweilige Lehrer, lästige Hausaufgaben - nichts hat sich geändert. Wo leben wir heute eigentlich? Immer noch im 20. Jahrhundert?
Warum darf Schule an den Fortschritten des Computerzeitalters so gut wie gar nicht teilhaben? Warum werden immer noch Kinder in entsprechende Schulformen für Herrschaft, Mittel- und Unterschicht eingeteilt? Den einfachen Arbeiter, der nur mit Kraft und mit wenig Hirn seinen Job erledigte und sein Brot verdiente, gibt es nicht mehr. Warum werden aber immer noch Schüler für solche Jobs herangezogen? Oder wofür besuchen die die Hauptschulen? Um das Hartz IV Formular richtig ausfüllen zu können?
Im Beruf wird selbstständiges Arbeiten verlangt. Warum dürfen Kinder das als Schüler kaum lernen? Warum betet man ihnen alles vor?
Ich habe in der Schule das Lernen nicht gelernt. Das hat sich später gerächt. Warum bringt man Kindern das nicht rechtzeitig bei? In meinem Englischkurs gestern erzählte noch eine andere Teilnehmerin, dass sie das in ihrer Schulzeit auch nie gelernt hat und bis heute nicht kann. Das Mädel hat gerade erst die Schule verlassen. Ich glaube vorletztes Jahr.
Wir leben im 21. Jahrhundert, aber der Unterricht läuft noch wie in der Mitte des 20., denn auch bei uns war nicht alles neu. Die Welt ist eine andere, besonders die Arbeitswelt. Aber die Schule bleibt wie sie ist - weitgehend.
Der ungehinderte Zugang zum Internet ist sicher nicht der richtige Weg. Aber gut gemachte Lernprogramme und intelligente Medienpakete, bei denen sich Bücher, Audio-Material und Computerprogramme ergänzen und abwechseln, wären doch viel zeitgemäßere Lernmethoden als immer dieser Alleinunterhalter vor der Tafel in Verbindung mit gammeligen Büchern oder auch lähmender Gruppenarbeit in einem lauten Klassenraum.
Wären in dem Bereich die Vorgaben vom Ministerium weiter gefasst, gäbe es sicher schnell Verlage, die die entsprechenden Medien entwickeln. Gewisse Sachen sind ja bereits als Lernhilfen für Kinder spendabler Eltern erhältlich. Das lässt sich sicher auch ausweiten.
Viele Grüße
Anne