Mir kommt’s so vor, als ob man bei Wild (Reh, Wildschwein, Elch oder Rentier) immer nur eins brät, bei domestizierten Viechern aber immer mehrere (eben Schweinebraten, Rinderbraten, Hühner…suppe).
Manchmal bin ich froh, daß ich Ausländern nicht unsere Sprache beibringen muß…
Aber mal im Ernst, kann sich jemand den Ursprung dieser Logik erklären??
identische Spekulationen
Hallo, Markus!
Ich glaube nicht an einen wirklichen Grund. Eher an eine schlecht erklärbare Unregelmäßigkeit.
Aber Deine Theorie macht mir Spaß:
Schweine, also die ordinären Hausschweine, gibt es einige. Viele Tausend dieser domestizierten Speckschwarten tummeln sich in den Ställen, warten auf das Schlachtermesser und landen auf dem Teller… die Schweine , die vielen…
Aber das Wildschwein , der scheue Waldbewohner, ist eher eine Seltenheit. Da gibt es halt mal ein Exemplar, welches der Kugel des Jägers nicht mehr entkam, die besondere Delikatesse (außer bei Obelix, der hat die Viecher gleich dutzendweise niedergemacht).
Gruß!
Tino
Schwoinsbraten
Hi,
deswegen liest man ja auch in ausländischen Restaurants von Schweinkotelett.
Einen Grund kann ich Dir auch nicht nennen, aber es soll ja auch das Wort Schweinsbraten geben. Das wäre ja auch eher Singular.
Gruß
Christian
Lieber Markus,
die Antwort auf diese Frage findet sich im kompliziertesten Kapitel der deutschen Grammatik, nämlich in den Regeln zur
Wortbildung.
Die finden sich im Grammatikduden (Band 4) auf den Seiten 386 bis 501. Schon an der Anzahl der Seiten sieht man, dass man da in einem Dschungel umherirrt.
Die für deine Frage einschlägigen Paragrafen finden sich auf den Seiten 452 bis 458. Genau einschlägig sind die Paragrafen 817 (Fugenzeichen -er-) und 820 (Fugenzeichen -(e)s-), 821 (Besonderheiten) und 823 (Zusammensetzungen ohne Fugezeichen; Doppelformen und Besonderheiten).
Auch aus dieser Aufzählung mag man erkennen, dass man sich da in unmittelbarer Nähe eines „Höllenlochs“ aufhält.
Ich habe auch nicht die geringste Lust, dies hier auseinander zu klamüsern. Dazu reicht meine Geistes- und Nervenkraft einfach nicht.
Bis etwa zwei Minuten nach der Lektüre eines solchen Paragrafen glaube ich, ihn verstanden zu haben. In der dritten Minute ist alles wieder verflogen.
Nur ein Beispiel aus Paragraf 823:
„Häufig ist das Bestimmungswort entscheidend, und zwar
a) durch seine Herkunft … (folgt ein längerer Passus);
b) durch seine Lautgestalt … (folgt ein noch längerer Passus);
c) durch seine Silbenstruktur … (Wieder ein längere Passus);
d) durch seine Formenbildung … (blablabla);
e) durch seine Bedeutung: Hier spielt vor allem die unter b und c genannte Bedingung eine Rolle, dass die Bedeutung der Zusammensetzung einen Bezug auf die Mehrzahl des im Bestimmungswort Genannten voraussetzt.
Doppelformen sind vor allem landschaftlich bedingt: So kennt z. B. das Österreichische (z. T. auch das Süddeutsche) etwa Schweinsbraten, Rindsbraten, Kindsmutter Toiletteartikel, Toiletteraum neben binnendeutsch Schweinebraten, Rinderbraten, Kindesmutter, Toilettenartikel (vgl. 815ff.)“
Man unterscheidet bei Komposita: Haustür
zwischen Grundwort: Tür
und Bestimmungswort: Haus
Noch irgendwelche Frage offen?
Das Ganze klingt wie eine Wetterregel:
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist,
ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist.
Viel Spaß bei der genauen Lektüre dieser Abschnitte.
Wenn du es verstanden hast, gib mir bitte Bescheid
Gruß Fritz Ruppricht