Warum seit ihr Kirchenmitglieder?

Eine Frage, die ich mich schon öfters gefragt habe ist: Warum sind so viele Menschen Mitglied einer kath. oder ev. Kirche? Stimmt ihr alle mit den Ansichten der Kirche überein?

Schaut man ausserdem die kath. Kirche an, so zeigt sich da, das die Kirche oftmals gar nicht so tolerant, menschennah ist wie sie es behauptet. Es wird den Menschen gesagt, wie gütig, tolerant Gott ist und das er alle Menschen liebt - aber wie passen dann die Diskriminierung Homosexueller und die Benachteiligung von Frauen in der kath. Kirche dazu? (um nur zwei Beispiele zu nennen).

Und sagt, wer von euch geht regelmäßig in die Kirche, anagiert sich in der Gemeinde, in gemeinnützigen kirchlichen Organisationen oä.? Höchstens an Weihnachten wird ein Pflichtbesuch in der Kirche absolviert, die Kinder werden selbstverständlich getauft…ok. und heiraten kann man dann natürlich kirlich in weiß. Das kommt mir alles etwas verlogen vor - eine Mitgliedschaft nur der Tradition wegen?

Viele wundern sich, warum sich die Jugend von der Kirche abwendet. Ja, es stimmt, schaue ich auf meine vergangenen Schuljahre zurück, so war der Religionsunterricht das unwichtigste Fach (aus Sicht der Schüler und auch oft der Eltern), zu den Messen nach den Ferien ging man pflichbewusst mit und machte allerlei Schabernack. Und eine gute Sache hat es für die Kids aus deren Sicht ja: zur Konformation bzw. Kommunion gibt es lauter schöne Geschenke bzw. einen schönen Batzen Geld! Ist das der Sinn der Sache?

Somit bin ich froh, nicht getauft zu sein und somit nicht Mitglied in einer Organisation zu sein, die unter der Berufung auf die Bibel und das Wort Gottes Meinungen und Ansichten vertritt die heutzutage einfach nicht mehr zeitgemäß und Bevölkerungsgruppen ausschließen, wenn sie nicht in die kirchliche Norm passen.

Anscheinend sind diese Aspekte jedoch für den Größtteil der Kirchenmitglieder unwichtig…sonst wären sie nämlich schon längst ausgetreten und hätten ohne ihre Unterschrift weiter an Gott selbst geglaubt.

Bin gespannt auf Reaktion!

Grüsse

Laura
aus dem katholischen Bayern

Weils halt so üblich ist…
Hi Laura,
ich spreche jetzt mal so aus meiner Sicht und denke daß dies für die meisten der um die 40jährigen zutrifft. Bei meiner Generation war es eben so üblich, da gab es gar keine Alternative. Man war eben dabei. Ein Austritt war immer noch mit etwas Überwindung verbunden, und viele blieben eben dabei, weil sonst keine kirchliche Hochzeit, keine Taufe der Kinder und solche Sachen möglich gewesen wären. Da kommen schon noch die alten Traditionen zu Tage.
Aber keiner - und ich kenne viele Leute in meiner Umgebeung, und zwar in allen Gesellschaftsschichten; - wirklich keiner schert sich um die wahren Inhalte des katholischen (oder protestantischen) Glaubens, die oben genannten Gründe sind wirklich die einzigen, die diese Leute noch in der Kirche halten. Mich selbst gar nicht ausgeschlossen.
Meiner Meinung nach hat da die Kirche in der letzten Zeit gewaltiges verabsäumt, gut, die Zeit ist ja mit rasanten Wandlungen und Werteänderungen vorangeschritten wir nie zuvor in der Menschheitsgeschichte, da hat die Kirche nie so richtig Schritt gehalten. Ist auch nicht ihre Aufgabe, sagen manche, das Wesen des Glaubens ist von keinen Zeit/Modeströmungen abhängig; das ist im Prinzip auch richtig.
Die nächste Generation jedoch, oder die übernächste, hat diese traditionelle Bindung an die Kirche nicht mehr so oder gar nicht mehr. Da wird sich sicher einiges tun, da werden die traditionellen Kirchen sicher eine Menge Mitglieder verlieren, zudem ja viele Alternativen in Form von Sekten und Scharlatanen um die Heranwachsenden werben, und das Interesse zeigt, daß durchaus ein Religionsbedarf gegeben ist…
Schöne Grüße,
D.G.Didi

Hallo Laura,

kurz nach meiner Geburt wurde ich getauft, bin in einer kleinen Kirchengemeinde aufgewachsen, wurde mit 15 Jahren konfirmiert und bekam mit 20 Jahren auf meiner Steuerkarte unter dem Punkt Konfession ein „ev“ eingetragen und habe somit automatisch Kirchensteuer abgeführt.
Übrigens ist Deutschland meines Wissens das einzige Land in dem die Kirchensteuer vom STAAT eingezogen wird, die Kirchen also nicht proaktiv tätig werden müssen.
Durch diese Tatsachen bin ich „Mitglied“ in einer Kirche, wie die meisten Deutschen wohl auch.
„Die Kirche“ im Sinne von Organisation ist für mich nicht greifbar, deshalb habe ich nach Menschen gesucht, die in dieser Organisation arbeiten und mir etwas vermitteln können und die mit der Kirche und sich selbst sehr kritisch umgehen.
Deshalb ist meine Kirche nicht an meinem Wohnort, diese habe ich mir selbst ausgesucht.
Geschenke zur Konfirmation/Kommunion, an Weihnachten, oder eine Hochzeit in weiß sind für viele der einzige Wert den sie in der Kirche sehen, von den meisten Deutschen wird dies auch so erwartet, insbesondere von Kindern. Das zeigt auch die Wertevorstellung unserer Gesellschaft.
Für mich hat Kirche etwas mit Gemeinschaft (Gemeinde) zu tun, die ich leben darf, wenn möglich ohne Einschränkungen, auch gegenüber anderen -dazu musste ich eben auf die Suche gehen.
Für mich ist ein Mensch der Kirchensteuer zahlt noch kein Mitglied in der Kirche, eher ein Mitläufer, weil es hier so üblich ist.
Die Kirchen haben ein Problem mit dem Wandel unserer Gesellschaft und versuchen sich neu zu definieren, was da an Meinungen kommt trifft sicher nicht immer meine eigene Meinung, aber das ist auch gut so, denn solange es unterschiedliche Meinungen gibt, gibt es einen Wandel, eine Entwicklung die uns Menschen weiterbringt, egal ob mit oder ohne Kirche für den einzelnen Menschen.

Gruß
Klaus

Hallo!!

Soviel ich weis wir in Össterreich auch die Kirchensteuer vom Staat eingeholt.

Seit Hitler soviel ich weis.

Hallo Laura,

Eine Frage, die ich mich schon öfters gefragt habe ist: Warum
sind so viele Menschen Mitglied einer kath. oder ev. Kirche?

Ich bin vor vier Jahren in die evangelische Kirche eingetreten weil ich finde, wenn ich das schon glaube, dann stehe ich auch öffentlich dazu.

Stimmt ihr alle mit den Ansichten der Kirche überein?

Ich bin evangelisch und da gibt es „die Ansichten der Kirche“ nur in beschränktem Maß, da es kein verbindliches Lehramt gibt. Es gibt natürlich gewisse Grundansichten, aber an sich sind die Evangelischen flexibel und akzeptieren es (wenn auch nicht alle), dass man z.B. Homosexualität heute wissenschaftlich anders betrachtet als zu Paulus´ Zeiten. Frauen werden bei uns nicht diskriminiert. Meine Gemeinde wird von einer Pastorin und einem Pastor im Team geleitet, die Frauen übernehmen viele Funktionen. Ich mache z.B. die Homepage und arbeite in einer Gesprächsrunde mit.

Viele wundern sich, warum sich die Jugend von der Kirche
abwendet. Ja, es stimmt, schaue ich auf meine vergangenen
Schuljahre zurück, so war der Religionsunterricht das
unwichtigste Fach (aus Sicht der Schüler und auch oft der
Eltern), zu den Messen nach den Ferien ging man pflichbewusst
mit und machte allerlei Schabernack. Und eine gute Sache hat
es für die Kids aus deren Sicht ja: zur Konformation bzw.
Kommunion gibt es lauter schöne Geschenke bzw. einen schönen
Batzen Geld! Ist das der Sinn der Sache?

Nein. Und dass Jugendliche in der Gruppe gerne blödeln heißt noch nicht, dass sie allein nicht ernste Fragen stellen. Ich korrespondiere sehr viel mit Jugendlichen - in meiner eigenschaft als Jugendschriftstellerin - und finde, dass sie sich oft mit Themen wie Selbstmord, Sinn des Lebens, Einsamkeit, etc. befassen. Also durchaus religiösen Themen.

Anscheinend sind diese Aspekte jedoch für den Größtteil der
Kirchenmitglieder unwichtig…sonst wären sie nämlich schon
längst ausgetreten und hätten ohne ihre Unterschrift weiter an
Gott selbst geglaubt.

Na, jetzt stellst du uns alle als ein bisschen doof hin, oder Meinst du wir alle, die hier diskutieren, Katholiken, Protestanten, ZJ, Freikirchler etc. hätten uns noch nie mit diesen Fragen beschäftigt? Meinst du wirklich wir seien so unkritische Kirchenschafe? Die Frage ist für mich die: Wenn ich eine perfekte Organisationen suche, dann kann ich lange suchen. also arbeite ich lieber in einer nicht perfekten Kirche mit.
mfg,
bb

Hallo Laura,

Eine Frage, die ich mich schon öfters gefragt habe ist: Warum
sind so viele Menschen Mitglied einer kath. oder ev. Kirche?
Stimmt ihr alle mit den Ansichten der Kirche überein?

Ich war mal Mitglied der römisch-katholischen Kirche, bin aber letztes Jahr ausgetreten und in die evangelisch-lutherische eingetreten. Gründe dafür gab es viele, einer davon war z.B., dass ich eben nicht mit der Lehre übereinstimmte, dass nur der getaufte MANN zum Priester geweiht werden kann.
Anfangs wäre eine Konversion zurück für mich vorstellbar gewesen, aber inzwischen würde ich, denke ich, auch dann nicht mehr katholisch werden, wenn ich zwar zur Priesterin geweiht werden könnte, sich aber ansonsten nichts ändert.

Und sagt, wer von euch geht regelmäßig in die Kirche, anagiert
sich in der Gemeinde, in gemeinnützigen kirchlichen
Organisationen oä.? Höchstens an Weihnachten wird ein
Pflichtbesuch in der Kirche absolviert, die Kinder werden
selbstverständlich getauft…ok. und heiraten kann man dann
natürlich kirlich in weiß. Das kommt mir alles etwas verlogen
vor - eine Mitgliedschaft nur der Tradition wegen?

Meine Mitgliedschaft ist garantiert nicht der Tradition wegen. Ich gehe fast jede Woche in die Kirche, singe im Chor, bereite Gottesdienste mit vor und erledige kleinere anfallende Arbeiten, weil ich persönlich das alles gerne mache.

Anscheinend sind diese Aspekte jedoch für den Größtteil der
Kirchenmitglieder unwichtig…sonst wären sie nämlich schon
längst ausgetreten und hätten ohne ihre Unterschrift weiter an
Gott selbst geglaubt.

Wieso denkst Du, dass jedes Kirchenmitglied alles phlegmatisch hinnimmt und nachplappert, was ihm vom Papst oder sonstwem vorgesagt wird? Du bist auch als Kirchenmitglied nicht gezwungen, automatisch Deinen Denkapparat abzuschalten. Ob Du das persönlich aber möchtest, ist eine ganz andere Sache.

Viele Grüße,

Anna
ebenfalls aus dem katholischen Bayern

Eine Frage, die ich mich schon öfters gefragt habe ist: Warum
sind so viele Menschen Mitglied einer kath. oder ev. Kirche?
Stimmt ihr alle mit den Ansichten der Kirche überein
Grüsse Laura aus dem katholischen Bayern

Hallo Laura!
Ich bin in die Evangelischen Kirche hineingeboren. Warum bin ich noch drin? Weil ich durch sie das Evangelium von Jesus wie die Muttermilch eingesogen habe. Ich habe damals die Geschichten von Jesus immer gerne gehört und habe sie in mein inneres aufgenommen. Später habe ich zu der Kirche gefunden, die von Jesus gegründet wurde. Aber ich bin trotzdem aus Dankbarkeit in der Ev. Kirche geblieben. Wenn sie nicht zu große Fehler macht, die ich nicht mittragen kann, werde ich auch weiterhin drinbleiben.
Gruß Helmut ([email protected])