Warum sind Behörden nachmittags nicht geöffnet?

Ein Teilnehmer hatte die Frage gestellt, warum denn die Behörden nachmittags meistens nicht geöffnet sind.
Ich hatte Lutz diese Frage beantwortet, diese Antwort wurde, aus mir unverständlichen Gründen, gelöscht.

Also Lutz, Behörden haben nachmittags keinen Publikumsverkehr, weil die Fälle, die morgens abgegeben wurden, dann bearbeitet werden. „Fälle“ sind z.B. Einkommensteuererklärungen.

Der zuständige Beamte müßte, wenn nachmittags das steuerzahlende Volk Eintritt hätte, immer auf seinem Platz bleiben. Das geht nicht, weil die Unterlagen in der großen Ablage im Keller liegen oder sonstwo und der Beamte diese erstmal holen muß. Sind es 20 Stück, dauert es seine Zeit.
Oder ein Steuerpflichtiger hat sich schriftl. beschwert und der betroffene Beamte muß bei seinem Sachgebietsleiter antanzen. Das dauert, bis das geklärt ist. Und so gibt es viele Ursachen, warum ein Beamter nachmittags nicht für seine St.pflichtigen präsent sein kann.
Kann ein Steuerpflichtiger nur nachmittags, steht es ihm jederzeit frei, sich einen Termin von „seinem“ Beamten geben zu lassen und er kann auch dann kommen.
Lehrer z.B. sind meistens auch Beamte und man sieht sie auch nur morgens arbeiten. Das ärgert auch die meisten, trotzdem sie alle wissen, daß Lehrer nachmittags die Arbeiten und sonstiges korrigieren müssen.

Gruß Werner

… mehr sag’ ich zum Tenor Deines Postings nicht und Du weißt genau, ich ich damit meine.

Ich gehöre zu den Leuten bei w-w-w, die ganz und gar unverdächtig sind, einige Auswüchse öffentlicher Verwaltung besonders zu lieben. Auch mein Mitleid mit der Arbeitsbelastung und Unterbezahlung einiger Bediensteter unseres Staates hält sich eher in engen Grenzen.
Deshalb glaubst Du mir vielleicht folgendes: Man kann eine effektive Sachbearbeitung vergessen, wenn ganztägig die Telefone läuten und Besucher vor der Tür stehen. Deshalb müssen Mitarbeiter Zeit für die Sachbearbeitung frei halten und das bringt es mit sich, daß ganztägiger Publikumsverkehr einfach unzweckmäßig ist.

Ich kenne alle Seiten aus eigenem Erleben oder bekomme hautnah das Geschehen mit. Meine Lebensgefährtin als beamtete Lehrerin und ein ehemaliger Kommilitone als Prof. an einer FH - das ist die eine Seite. Meine Schwester als Beamtin im Amt für soziale Dienste - das ist die andere Seite. Du und ich, wir können notfalls die Straßenseite wechseln, wenn’s zu schlimm kommt. Beim Sachbearbeiter im Sozialamt sitzt sowas aber auf der Schreibtischkante! Den Job nehm’ ich nicht mal geschenkt. Andererseits lache ich manchen Lehrer aus, der mir nach einigen Jahren Berufserfahrung etwas von Vor- und Nachbereitung erzählt. Ich wäre manchmal froh, solche Arbeitszeit am Stück zu haben, wie diese Leute während einer ganzen Woche, einschließlich gelegentlicher Konferenz und Korrekturarbeit. Ich glaube deshalb, man sollte differenziert urteilen. Andererseits sollten öffentlich Bedienstete nicht gleich beleidigt reagieren, wenn offenkundige Mißstände zur Sprache kommen.

Na gut, ich höre ja schon auf. Es ist ein endloses Thema.

Gruß
Wolfgang

Gegenbeispiel!!!
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Ayla, die einige Behördengänge auch abends nach 19 Uhr erledigen kann…

Vollste Zustimmung o.T.
Gruß
HaWeThie

Also Lutz, Behörden haben nachmittags keinen Publikumsverkehr,
weil die Fälle, die morgens abgegeben wurden, dann bearbeitet
werden. „Fälle“ sind z.B. Einkommensteuererklärungen.

Gleich vorweg, ich gehöre eher zu den Leuten, die von den Mitarbeitern des öffentl. Dienstes erwarte, daß sie sich daran erinnern, sie sind Staats-„Diener“ und wir sind immerhin das Staatsvolk. Über faule Beamte lästere ich also auch. Andererseits habe ich oft genug Beamte/Angestellte erlebt, die mehr tun als sie eigentlich „nach Vorschrift“ tun müßten. Ich kann das beurteilen, weil ich selbst mal in Behörden gearbeitet habe.

Beruflich habe ich viel mit dem Bauwesen und Wirtschaftsförderung zu tun. Dabei erlebe ich desöfteren Leute, die sich sogar am Wochenende Zeit nehmen und mir hilfsbereit die notwendigen Informationen geben. Es ist halt wie im richtigen Leben;
Es gibt solchene und solchene; faule und fleißige, sture Hunde und vernüftige Leute. Mit etwas Vernuft kommt man auch mit dem Beamtenapparat ganz gut klar. Andererseits schadet es nicht, wenn man sich mit der Materie auskennt bzw. jemanden hat, der sich damit auskennt. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, oder wie sagte uns ein Prof. des Verwaltungsrechtes in einer jur. Vorlesungen: Laßt´s Euch vom Staat nicht alles gefallen, wenn ihr Recht habt, steigst ihm auf die Hühneraugen. Ein aktuelles Beispiel? Nun, weil eine Staatsbürgerin zur Bundeswehr wollte, der „Staat“ sich stur stellte, klagte sie. Heute wurde das Grundgesetz entsprechend der gewonnenen Klage geändert. Man kann also was „gegen den Staat“ erreichen, wenn man sich zu Recht auf sein Recht berufen kann. Es braucht natürlich Stehvermögen und oft viel Zeit und Geld.