Warum sind die Wahlen immer so knapp ?

Hallo

Weiß Jemand eine Erklärung dafür, das die letzten Wahlen besonders in den USA immer so ein enges Kopf an Kopf rennen ist ?
Bei s einem großen Land kann das eigentlich kein Zufall sein.
Das es bei vielen Millionen Stimmen am ende auf ein paar Zehntausend ankommt, de ev. sogar noch per Hand ausgezählt werden müssen.
Dahinter müste doch irgendein psychologischer oder soziologischer Zusammenhang stecken. z.B. der , dass die Wähler lieber den wählen der gerade weiter hinten liegt.
Weiß Jemand was genaues, gibt es da schon Theorien zu ?

Hi GorAran,

über psychologische oder soziologische Hintergründe weiss ich nichts, allerdings vermute ich, dass die Entscheidungen der letzten beiden Präsidentschaftswahlen in den USA eigentlich eher Kriminologen (Stichwort. Wahlbetrug) beschäftigen sollten . . .

-Wenn es 5 Bewerber und eine Mehrheitswahl gäbe (wie z.B. bei der US-Präsiwahl) gibt es nach der Wahl nur EINEN der Stimmen gewertet bekommt. Es macht also keinen Sinn politisch ganz weit Linke, weit Linke, halb Linke und etwas Linke getrennt antreten zu lassen. Wenn jeder von denen 15% erhält, also insgesamt 60% gewinnen trotzdem die rechten 100% der Sitze obwohl nur 40% der Stimmen.
Es werden sich also vermutlich lediglich ZWEI Lager gegenüberstehen um die Kräfte maximal zu bündeln: Linke und Rechte.

-Erwarten die Prognosen eine Links=60%/Rechts=40%-Stimmung in der Wählerschaft werden die Rechten ihre ganze Energie aufbringen um Linke auf ihre Seite zu ziehen. Dagegen werden die Linken solange nix unternehmen, bis sie ihren hohen Vorsprung gefährdet sehen. Und wann ist das? Richtig bei fast 50:50. Und wann ist eine Wahl interessant für die Öffentlichkeit? Richtig, wenns knapp ist. Dann steht selbst im Hase-und-Igel-Boten was über die Kalifornische Bürgermeisterwahl

-Erwarten die Prognosen eine Links=99%/Rechts=1%-Stimmung in der Wählerschaft werden die Rechten vermutlich aufgeben. Dann steht am Tag nach der Wahl auf der letzten Seite der Times „wie erwartet bekamen die Linken 100% der Stimmen“ und kein Mensch nimmt die Wahl wahr.

-Nur knappe Wahlen wandern in die Hirne der Leute

Grüße
J~

Hallo

Weiß Jemand eine Erklärung dafür, das die letzten Wahlen
besonders in den USA immer so ein enges Kopf an Kopf rennen
ist ?

Erklärungen wird wohl keiner geben können, Vermutungen und Theorien gibt es natürlich.

  1. Mehrheitswahlrecht

Wie schon geschrieben hat die USA ein Mehrheitswahlrecht (the winner takes it all) für die Präsidentschaftswahl. Bei solch einem Wahlsystem gibt es immer zwei aussichtsreiche Kandidaten/Parteien (wie schon gepostet schließen sich die einzelnen politischen Blöcke zu größeren Parteien zusammen um Chancen auf den Sieg zu wahren). Mehr dazu unter dem Stichpunkt Duverger’s Law. Boix, Sartori und Cox haben auch viel über Wahlsysteme geschrieben.

  1. Ausrichtung der Parteien zur Mitte

Rational Choice Theorien (z.B. Downs) stellen sich einen Wählermarkt vor, der von ganz links bis nach ganz rechts alle wahlberechtigten Bürger umfasst. Die Partei mit den höchsten Marktanteilen gewinnt. Eine Partei die durchweg linke Themen anspricht, wird nur linke Wähler gewinnen. Eine Partei die nur rechte Wähler anspricht hat dasselbe Problem, dass sie keine Mehrheiten bekommt. Große Parteien versuchen daher den sogennanten Median-Wähler anzusprechen, quasi die Interessen des Durchschnittsbürgers in der Mitte der Gesellschaft. Das klappt auch ganz gut und gerade in einem Mehrheitswahlsystem würden Wähler mit extrem linken Ansichten ihre Stimme verschwenden, wenn sie einen extrem linken Kandidaten ohne Siegchancen wählen würden anstatt einen moderat-linken Kandidaten einer größeren Partei zu wählen. Somit kann die moderat-linke Partei in solch einem Wahlsystem theoretisch alle Stimmen der Wähler links der Mitte gewinnen (ein Gewerkschafter in den USA würde kaum die Republikaner wählen) und eine moderat-rechte Partei umgekehrt alle Stimmen der Wähler rechts der Mitte. Umkämpft sind deshalb v.a. die Wähler in der Mitte, die eben keine festen politischen Überzeugungen haben und bereit sind zwischen den großen Parteien zu wechseln. Wahlen werden also von der wechselbereiten Mitte entschieden und das ist mit ein Grund dafür, warum Wahlergebnisse so knapp sind, da der Median-Wähler eben zwei ernsthafte Alternativen hat.

Gibt natürlich noch viel mehr Ansätze in der Wahl- und Parteienforschung, aber das Wahlsystem und die Ausrichtung der Partei sind sicherlich sehr bedeutend.

Bei s einem großen Land kann das eigentlich kein Zufall sein.
Das es bei vielen Millionen Stimmen am ende auf ein paar
Zehntausend ankommt, de ev. sogar noch per Hand ausgezählt
werden müssen.

Das hat aber speziell was mit dem System der Wahlmänner in den USA zu tun, wo wenige Stimmen in einzelnen Bundesstaaten wahlentscheidend sein können.

Hallo Goran,
politische Wahlen gehen immer dann knapp aus, wenn es den Wählern relativ gut geht und keine wirklichen Alternativen angeboten werden.
Zur Zeit ist es in Deutschland durchaus ähnlich. Die angebliche Politikmüdigkeit, erkennbar an geringer Wahlbeteiligung, entspringt hauptsächlich der Erkenntnis, dass es niemand gibt, der wirklich etwas ändern könnte.
So entscheidet sich der Wähler (zu 90% politisch ahnungslos),meistens im Sinne seiner Tradition oder an der Sympathie, die er für einen bestimmten Kandidaten empfindet.
Extrem- Wähler, rechts oder links, fallen von vornherein aus dem Raster.

Gruß, Nemo.

Hallo,

Weiß Jemand was genaues, gibt es da schon Theorien zu ?

Theorien wohl nicht, aber über das Wahlverhalten doch viele
Analysen und Spekulationen.
Du hast die USA angesprochen.
In Deutschland gehen die Wahlen selten knapp aus.
Von der Sicht einer bestimmten Partei aus gesehen sind die
Wahlergebnisse (nehmen wir mal CDU bzw. CSU) in den Bundesländern
zwischen ca 20% und 60% - selten knapp.
Mögliche Koalitionen streben wegen der Interessenlage zwangs-
läufig auf eine Minimierung der beteiligten Parteien, da die
Handlungsfähigkeit einer Regierung umgekehrtproportional zur
Anzahl der beteiligten Parteien sinkt.
Es ensteht dann wohl der Eindruck, das Ergebnis von Wahlen sei
immer knapp.
Auch die „Vor-ab-Koalitionen“ streben einer Minimierung zu
weshalb auch solche „Lager“ meist kein deutliches Wahlergebnis
erzielen.
In Staaten mit einem praktischen Zwei-Parteien-System sieht das
etwas anders aus.Auch hier hat jeder Staat seine spezifische Wähler-
struktur welche aber meist um einen „Mittelpunkt“ pendelt.
Extreme Ausschläge gibt es eben da nur in „Extremsituationen“.
Ich spreche hier nur von „westlich“ struktuierten Demokratien.
In anderen ist es eher die Regel, daß der „Wahlausgang“ deutlich
zugunsten einer Partei ausfällt - der Regierungspartei.
„Knapper“ Wahlausgang ? -das ist kennzeichnend für freie Wahlen
und - eigentlich auch für Wahlen „mündiger“ Bürger.
Gruß VIKTOR

Hallo,

m.E. ist es in Laendern wie den USA gewollt dass die Wahlen knapp ausgehen damit die Buerger Vertrauen in ihre diktaturaehnliche Demokratie haben indem sie denken dass ihre Stimme doch ausschlaggebend ist.

Dies geschieht nicht durch Wahlbetrug sondern dadurch dass die Medien darauf achten dass keine Partei uebermaechtig wird.

Liegen die Demokraten bei 60 % werden Medien welche den Republikanern nahe stehen vermehrt negatives ueber die Demokraten berichten bis die beiden Parteien wieder gleichauf sind. Wenn Medien durchgehend negatives ueber eine Partei berichten wuerde dies den Buergern auffallen, weshalb damit nicht uebertrieben wird.

M.E. ist es den amerikanischen Grosskonzernen und assoziierten Medien wichtig dass die USA von einer der beiden grossen Parteien regiert wird und die Menschen denken mit ihrer Stimme etwas zu veraendern um einer dritten Partei (evtl. Sozialisten) vorzubeugen, weshalb die Medien das Halten einer Balance und gelegentliche Regierungswechseln unterstuetzen.

Eigentlich gehoert dies ins Politikforum, aber diese Frage hat m.E. keine psychologische Antwort.

Gruss

Desperado

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