Hallo,
aus gegebenem Anlass stellt sich mir mal eine Architekturfrage - nachdem ich einige Jahre in einem attraktiven Betonklotz gearbeitet habe (der immerhin 1971 mit einem hochdotierten Architekturpreis ausgezeichnet wurde), arbeite ich jetzt in einem Gebaeude, das 1886 gebaut wurde. Das ist sehr schoen und ein erhabenes Gefuehl macht sich breit, allerdings auch Kaelte, da sowohl die Fenster als auch die Heizung nicht wesentlich juenger zu sein scheinen - ausserdem ist die Decke in meinem Buero vermutlich zehn Meter hoch (das ist natuerlich masslos uebertrieben, aber ich wuerde mal schaetzen fuenf Meter werden’s schon sein) - und es froestelt mich. Der Betonklotz liess es zwar an Charme fehlen, den der alte Kasten hier durchaus aufzubieten hat - aber es war im Beton immer kuschelig warm.
Unter der Decke ist es sicher jetzt auch hier lauschig - aber das nuetzt mir natuerlich nichts, da es mit dem Schweben noch nicht so recht klappen will.
Warum baute man frueher eigentlich Gebauede mit so riesig hohen Decken? Konnte man nicht anders? Das war doch frueher auch nicht besser zu heizen? Was nuetzt mir denn der ganze Prunk, wenn ich zitternd vor meinem Computer kauer und mir den Arsch abfriere? Wozu diese immense Platzvergeudung? In mein Buero wuerde locker noch ein weiteres Stockwerk reinpassen.
alles ist eine Frage der Proportionen. Eine Kammer mit 10 qm erscheint bei über 3 m Deckenhöhe zu hoch und in einem Raum mit 100 qm bekommst Du bei der gleichen Deckenhöhe das Gefühl, erdrückt zu werden. Außerdem ist ein so niedriger, großer Raum vom Tageslicht nicht mehr hell zu bekommen.
Hohe Räume mit entsprechend großen Fenstern wirken großzügiger. Die Freude darüber hält sich bei zugigen Fenstern und unzureichender Heizung natürlich in Grenzen.
Früher lief auch niemand im Hemd durch die Wohnung. Der Herr trug immer einen Hausmantel, der ihn wärmte. Und die Dame ähnliches.
Und man hatte früher in jedem Raum eine separate Torf- oder Kohleheizung und die Abgase blieben so mit 4 m Decken weit weg von den Lungen der Bewohner.
Erstens: Das Raumgefühl.
Es ist hier (3,60-3,70 muß es mal genau messen) einfach nicht so beengt, wie in einer Neubauwohnung, in der ich immer irgendwie das Gefühl habe, daß mir die Decke auf den Kopf fällt.
Zweitens: Das Luftvolumen.
Ich kann hier wesentlich länger bei geschlossenen Fenstern im Raum sitzen, ohne daß mir der Sauerstoff ausgeht.
Wie es mit Ofenheizung in niedrigen Räumen aussehen würde wage ich mir garnicht erst vorzustellen. Aber zu Zeiten der Ofenheizung gab es noch keine dichten Fenster…
Ach ja, die Heizung: Ist garnicht so schlimm, wenn die Fenster gescheit dicht sind. Meine Außenwand hat mindestens 40 cm, und das isoliert auch ohne das neumodische „Dämmzeug“.
Über die Kosten der Heizung kann ich momentan nichts sagen, weil wir bis letztes Jahr noch mit ner Uralt Heizung heizten, da waren die Kosten um die 10 % höher als in den niedrigeren Stockwerken (allerdings liegen die auch in der „Mitte“).
Viele Grüße
HylTox
PS noch eins: Tapezieren und Decke streichen ist echt besch*****!