Ich habe den Eindruck gewonnen, daß ein
nenneswerter Anteil in diesem Forum
Ingenieure und Naturwissenschaftler (vor
allem Physiker) sind.
Ich glaube, dies ergibt sich durch die „natürliche“ Verteilung dieser Berufsgruppen innerhalb der Menschen, die Online-Zugang haben.
Bedeutet dies, daß sich Menschen mit
einem naturwissenschaftlich/technischen
Studium mehr für Religion interessieren
als andere Menschen?
Ich vermute, dass hauptsächlich Zufall ist.
Religiöse Menschen haben vielleicht auch nicht so häufig das Bedürfnis, sachliche Fragen zum Thema Religion an die Allgemeinheit zu stellen. Sie sind in sich selbst zufrieden oder reden in intimeren Gesprächskreisen über ihre Gefühle. Aber das sachlich-nüchterne, das den Fragenden sowie den Antwortenden durchaus bloßstellen und somit subjektiv verletzbar mahchen kann, ist bestimmt nicht jedermanns Sache.
In den entsprechenden Newsgroups scheinen sich auch eher 10% laut schreiende Fanatiker zu befinden (pro und kontra Religion), 20% leise Träumer die sanfte Postings machen und 70% selbsternannte Atheisten.
Hallo Carlos,
mir geht es da ähnlich wie Dir: Auch ich verfolge dieses Forums-Brett seit einiger Zeit mit großem Interesse. Allerdings auch aus - wie man so sagt - „aktuellem Anlass“. Bin in anderen Bereichen (Familie, Freundeskreis u.ä.) in letzter zeit ziemlich stark mit religiösen Fragen konfrontiert worden. Da ist dieses Brett ein wirklich ideales Medium, mit vielen Leuten zu diskutieren und Meinungen zu hören und auszutauschen. Nebenbei gesagt: Meine T-Online-Rechnung hat seitdem einen Sprung nach oben gemacht. Vielleicht sponsern die dieses Forum.
Doch zur Sache: Ob „sich Menschen mit einem naturwissenschaftlich/technischen Studium mehr für Religion interessieren als andere Menschen“ hat wohl noch niemand gezählt. Wenn sie in diesem Forum gehäuft auftreten, liegt’s wohl mehr daran, dass sich Techniker/Naturwissenschaftler mehr mit Internet u.ä. beschäftigen bzw. es nützen als der Durchschnitt der Bevölkerung, d.h. dass sie hier nur scheinbar gehäuft auftreten. Hinzu mag kommen, dass sie es aufgrund der Ausbildung und des Berufs mehr gewohnt sind zu diskutieren.
Aber der Eindruck drängt sich schon auf. Z.B. haben in der ersten Hälfte des 20. Jhdts. viele Physiker (wieder) zur Religion gefunden. Vielleicht liegt das daran, dass die materialistische Denkweise und Euphorie des 19 Jhdts., alles erklären zu können, im 20. einen starken Dämpfer erhielt, als man sah, wie kompliziert, aber auch wie wunderbar das Ganze wirklich ist und dass sich mit jeder gefundenen Antwort mehrere neue Fragen ergaben. Physiker stehen halt an der vordersten Front der Erklärung der Natur, etwas, was früher der Religion vorbehalten war.
Einige Beispiele/Anekdoten:
Vor einiger Zeit wurde im Fernsehen ein Porträt des deutschen D2-Astronauten gesendet (Name?). Wenn ich mich richtig entsinne, war er früher sogar Atheist (verbessert mich!), mindestens aber sehr distanziert. Nun glaubt er, dass es einen Gott gibt.
Im Studium (E-Technik, schon lange her!) hörte ich in der Vorlesung „Theoretische E-Technik“ über die Maxwellschen Gleichungen - vielleicht hast Du davon gehört, sie beschreiben elektromagnetische Felder. Die letzte Vorlesung des Semesters beendete der Professor mit den Worten „War’s ein Gott, der dieses schrieb?“ Man kann sich dieser Vorstellung nicht so ganz entziehen.
Nun, für mich ist’s - wie ich schon woanders sagte - zumindest kein Gott, „zu dem ich vor jedem Happen, den ich in den Mund stecke, dankbar beten muss“. Aber das ist ein anderes Thema und meine ganz persönliche Meinung.
Gruss Stucki
wenn es so sein sollte, dass gerade Naturwissenschaftler in diesem Forum posten(obwohl ich auch denke dass es eher an der Kombination Internet-Naturwissenschaft liegt) dann liegt es sicherlich daran, dass gerade Physiker oft an ihre Grenzen stossen, und versuchen müssen Phänomne durch den Zufall zu erklären.
Ein Beispiel: Ein Grundprinzip der Physik ist es, das einer Wirkung immer eine Ursache zugrunde liegt. Bei der Weltenstehung findet man aber keine Ursache. Die einzig logische Schlussfolgerung ist ein Erschaffer. Es ist doch unlogisch, dass sich ein solches Universum mit einer solchen Feinabstimmung von allein entstanden ist. Wenn ich ein paar 1000 Ziegelsteine zusammenbringe und ordentlich durchschüttle kommt ja auch kein Haus raus.
Gutes Zitat! Da dürfte etwas Wahres dran sein. Ich, z.B., begann mich auch erst während des Physik-Studiums intensiv mit dem Glauben auseinander zu setzen. Und war dabei nicht alleine…
Liebe Forumsteilnehmer,
Ich habe den Eindruck gewonnen, daß ein
nenneswerter Anteil in diesem Forum
Ingenieure und Naturwissenschaftler (vor
allem Physiker) sind.
Bedeutet dies, daß sich Menschen mit
einem naturwissenschaftlich/technischen
Studium mehr für Religion interessieren
als andere Menschen?
Was meint ihr dazu?
Gruß
Carlos
Hallo Carlos,
eine sehr gute und - wie ich meine - auch
zeitgemäße Frage!-
Die heutige moderne Technik reicht in beinahe alles hinein, was den Menschen
betrifft: Leben und Sterben, Denken und
Fühlen, Tun und Erleiden, Umwelt und Dinge,
Wünsche und Schicksal, Gegenwart und
Zukunft,kurz: sie ist ein sowohl zentrales
wie bedrängendes Problem des gesamten
menschlichen Seins auf Erden (H.Jonas,Technik).
Der technische Fortschritt hat das Potential, den Fortbestand der Menschengattung zu gefährden oder deren
genetische Unversehrtheit zu verderben
oder sie willkürlich zu ändern, ja sogar
die Bedingungen höheren Lebens auf der
Erde zu zerstören.
Da Technik eine Ausübung menschlicher
Macht ist, d.h. eine Form des Handelns
und damit moralischer Prüfung ausgesetzt
ist, unterliegt sie ethischen Überlegungen.-
Neben vielen nutzbringenden Erfindungen,
welche die technische Zivilisation
hervorgebracht hat, sind uns auch
Atombomben, Drogen, Pflanzengifte,
Kernkraftkatastrophen und Umweltskandale
beschert worden.-
Technikwissenschaftler und Ingenieure
unterliegen einer strengen moralischen
Verpflichtung.-
Da liegt es doch nahe, wenn sie sich mit
ethischen und religiösen Fragen beschäftigen. - Oder? -
Im Studium (E-Technik, schon lange her!)
hörte ich in der Vorlesung „Theoretische
E-Technik“ über die Maxwellschen
Gleichungen - vielleicht hast Du davon
gehört, sie beschreiben
elektromagnetische Felder. Die letzte
Vorlesung des Semesters beendete der
Professor mit den Worten „War’s ein Gott,
der dieses schrieb?“
Und Gott sprach:
rot H = d/dt(D)+J
rot E = - d/dt(B)
div D = rho
div B = 0
und es ward Licht.
-)
Viele Grüße von
Stefan
Christ und theoretischer Elektrotechniker
Hallo Stefan,
ein wunderbarer Satz, der mir ausserordentlich gefällt! Wie gesagt: Lang, lang ist’s her und ich habe damit nie wieder zu tun gehabt, hatte etwas Bedenken, dass das, was ich da schreibe, nicht ganz richtig ist, war auch zu faul, im guten alten Simonyi, der da noch irgendwo im Schrank steht, nachzulesen. Verstehe das auch überhaupt nicht mehr.
Sei’s drum. Die Frage ist für mich allerdings, wie dieser Gott verehrt werden sollte. Will er überhaupt veerhrt werden? Müssen wir dabei in liturgische und geistige Verrenkungen verfallen? Aber wenn man es dann tun sollte: nach welchem Glauben? Um auf Naturwissenschaft zurück zu kommen: Denken wir doch daran, dass unsere heutigen Erkenntnisse ganz wesentlich, ja entscheidend von den wissenschaftlichen Erkenntnissen der ach so bösen und „heidnischen“ islamischen Araber beeinflusst wurden, dass diese im Mittelalter den Christen in Naturwissenschaft und Medizin (!) um Jahrhunderte voraus waren. Ganz andere Sache: Sie waren auch toleranter gegenüber anderen: Im maurischen Spanien, im heiligen Land vor und während der Kreuzzüge, und auch die Türken auf dem Balkan waren es. Auch wenn letztere häufig „nicht sehr nett“ waren, so muss man doch sehen, dass die Christen mit ihrem Glauben dort weitgehend in Ruhe gelassen wurden, häufig sogar geschützt wurden (Bogomilen in Bosnien). Wenn Christen ein Land erobert hatten, waren sehr bald keine anderen Religionen mehr da, meist auch die eroberten Menschen nicht mehr … Das ist das, was mir immer wieder durch den Kopf geht, wenn ich manche Postings hier lese und was es mir schwer macht, an „Gottes unendlicher Liebe“ zu glauben.
Du sprichst ein Problem an, das mir schwer zu schaffen mach, nämlich, das sich Christen eben nicht christlich verhalten und das macht es mir wiederum schwer, für Christus zu argumentieren.
Ich möchte da immer wieder darauf hinweisen, dass man nicht die Christen mit dem Christus verwechseln darf.
Wenn ich glaube, dass Jesus für mich die bessere Theologie hat als andere Religionen oder Nichtreligionen, dann werde ich mich danach richten, ohne mich darum zu kümmern, wie das bei anderen aussieht, die den selben Anspruch haben. Also mir kommt es auf das Prinzip an und nicht auf dessen mangelhafter Umsetzung.
Noch etwas zur ursprünglichen Fragestellung:
Vielleicht sind ja auch deswegen so viele Physiker hier, weil die sich auf tiefergehende Diskussionen einlassen. Die Diskussionen im Esoterik-Brett sind jedenfalls viel flacher.
Bedeutet dies, daß sich Menschen mit
einem naturwissenschaftlich/technischen
Studium mehr für Religion interessieren
als andere Menschen?
Nein. Es bedeutet nur, dass Techniker auch die metaphysische Welt so klar und eindeutig wie eine Maschine sehen wollen und daher gerne einfach, vorgeprägte Glaubensinhalte haben.
gruß,
bb
Hallo bb,
nachdem ich Deinen Beitrag 3x gelesen habe,
war mir immer noch nicht klar, ob Du Deine
Aeusserung ernst meinst oder ob Du Spass
machen wolltest. Habe zu Deinen Gunsten
das Letztere angenommen.
Gruss Katschi
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