Hallo,
Ich habe eine sehr einfache Frage und hoffe, jemand weiß Bescheid. Ich habe das Archiv nicht bemüht, weil ich denke, mit „F“ und „V“ hätte ich da zu viel gefunden.
Also: Warum wird der Laut /f/ im Deutschen mal mit und mal mit wiedergegeben? Beim sind’s ganz klar Lehnwörter, aber warum heißt es Vogel, Vater, viel, von, vorne aber folgen, fliegen, fiel, fast, usw.?
finde ich eine sehr spannende Frage und habe mal in der Deutschen Sprachgeschichte von Polenz nachgeguckt. Die Antwort ist: reine Willkür.
„V“ und „F“ sind aus unterschiedlichen Alphabeten ins deutsche Alphabet gekommen und waren schon im Mittelhochdeutschen beide für den F-Laut gebräuchlich - mit regionalen Präferenzen. Ein Wort konnte damals sowohl mit „V“ oder mit „F“ geschrieben werden.
Die verschiedenen Rechtschreibreformen ab dem 16. Jahrhundert haben diese Willkür dann zementiert.
Als ähnlich gelagerte Rechtschreibphänomene nennt Polenz: i, j, y und Konsonantenverdoppelungen wie dt, dd, tt.
das Niederdeutsche hat ja eine V-Präferenz: Bremerhaven, Cuxhaven und Wilhelmshaven sind bekannte Beispiele, aber nicht völlig allgemein bekannt: manchmal bekomme ich Post an meine Adresse in Wilhelmsha f en - schriftliche Willkür.
(Die Deutsche Post bringt die Post trotzdem)
Jever-Bier kennt auch ziemlich jeder, aber viele Nicht-Niederdeutsche bestellen ein Je w er statt ein Je f er. Viele Touristen hier in der Ecke finden natürlich irrtümlicherweise auch, dass Je w er ein nettes Städchen ist.
Es gibt außerdem Leute, die steigen bei Bahnreisen in Hanno w er um, statt in Hanno f er - mündliche Willkür.
Und Varel - das kennt kaum jemand. Daher wird es von den Touristen gewltig vergewaltigt: Waréll, Wahrel, Faréll, Fárrel … aber nein: „Aussprache: Fahrel, Betonung auf der ersten Silbe“ http://de.wikipedia.org/wiki/Varel
Das Niederländische ja wohl auch. Gibt es da überhaupt autochtone Wörter, die mit „F” anfangen?
Jever-Bier kennt auch ziemlich jeder, aber viele
Nicht-Niederdeutsche bestellen ein Je w er
statt ein Je f er.
Wird das nicht auch in dem Werbespruch, den die Brauerei durchs Land senden lässt (Wie das Land,so das …) mit einem stimmhaften labiodentalen Reibelaut [v] ausgesprochen?
Es gibt außerdem Leute, die steigen bei Bahnreisen in
Hanno w er um, statt in
Hanno f er - mündliche
Willkür.
Danke für die Aufklärung.
Ich als Österreicherin habe natürlich Jewer und Hannower gesagt. Ich glaub, wir hier im Süden neigen überhaupt weit eher dazu, das v als w zu sprechen, wenn auch nicht immer. Ich erinnere mich auch, einmal bei einem Norddeutschen Vase als Phase verstanden zu haben, was ich nur im Zusammenhang identifizierte. („Hol doch mal die Phase für die Blumen“ ist nämlich ziemlich sinnlos. Wobei ich nimmer weiß, was er damals wirklich gesagt hat.)
Das Niederländische ja wohl auch. Gibt es da überhaupt
autochtone Wörter, die mit „F” anfangen?
Die niederländischen Sprachen sind niederdeutsche Mundarten, gelten aber aufgrund der eigenen Schriftsprache als Sprache, nicht als Dialekt. Vgl. auch Luetzeburgisch/Luxemburgisch.
Ich erinnere mich auch, einmal bei einem Norddeutschen Vase
als Phase verstanden zu haben, was ich nur im Zusammenhang
identifizierte. („Hol doch mal die Phase für die Blumen“ ist
nämlich ziemlich sinnlos. Wobei ich nimmer weiß, was er damals
wirklich gesagt hat.)
Mein Großvater -selig- hat Vasen auch immer als „Phasen” ausgesprochen und der war Rheinländer. Komischerweise hat er aber bei Venen nie von „Fenen” oder „Phenen” gesprochen.
Latinismen, die mit beginnen, mit [f] auszusprechen, f ürde ich im Gegenteil eher ph ür ein bairisches V änomen halten.
Das Niederländische ja wohl auch. Gibt es da überhaupt
autochtone Wörter, die mit „F” anfangen?
Die niederländischen Sprachen sind
niederdeutsche Mundarten, gelten aber aufgrund der eigenen
Schriftsprache als Sprache, nicht als Dialekt. Vgl. auch
Luetzeburgisch/Luxemburgisch.
Ich hoffe, das bleibt unter uns: Bei mir rennst du da offene Türen ein!
Sag es aber bloß keinem Niederländer oder Luxemburger!
Die niederländischen Sprachen sind
niederdeutsche Mundarten, gelten aber aufgrund der eigenen
Schriftsprache als Sprache, nicht als Dialekt. Vgl. auch
Luetzeburgisch/Luxemburgisch.
Ich zitiere wieder einmal: „Eine Sprache ist ein Dialekt mit eigener Armee.“ Demnach sind Niederländisch und Luxemburgisch eben doch Sprachen (wobei ich mir nicht sicher bin, ob Luxemburg tatsächlich eine Armee hat).
Ich zitiere wieder einmal: „Eine Sprache ist ein Dialekt mit
eigener Armee.“ Demnach sind Niederländisch und Luxemburgisch
eben doch Sprachen (wobei ich mir nicht sicher bin, ob
Luxemburg tatsächlich eine Armee hat).
Aber Österreich hat doch auch eigene Streitkräfte, demnach … ?
Die niederländischen Sprachen sind
niederdeutsche Mundarten, gelten aber aufgrund der eigenen
Schriftsprache als Sprache, nicht als Dialekt. Vgl. auch
Luetzeburgisch/Luxemburgisch.
Ich hoffe, das bleibt unter uns: Bei mir rennst du da
offene Türen ein!
Sag es aber bloß keinem Niederländer oder Luxemburger!
warum sollte man das keinem Luxemburger oder Niederländer sagen? Die Staatsbürger beider Nationalitäten sind stolz darzauf, eigene Sprachen zu besitzen.
Ich verstehe sowieso und immer noch nicht, warum nicht das Schwiizerdüütsch nur als Dialekt, nicht aber als Sprache gilt.
Aber das ist ja schon wieder ein anderes Thema…
„V“ und „F“ sind aus unterschiedlichen Alphabeten ins deutsche
Alphabet gekommen
Das würde mich ja arg interessieren, aus welchen! Ich dachte immer, wir hätten unser Alphabet von den Lateinern.
und waren schon im Mittelhochdeutschen beide
für den F-Laut gebräuchlich - mit regionalen Präferenzen. Ein
Wort konnte damals sowohl mit „V“ oder mit „F“ geschrieben
werden.
Das kann gut sein; aber die meisten Mittelhochdeutschen Lyriker (egal ob aus Polen oder Südtirol) haben sich doch an die Regel gehalten, dass am Wortanfang v steht, wo im Wortinneren f zu schreiben ist. Dasselbe galt für k/c, weshalb man auch bei Walter lesen kann: „… und vluoc in anderiu lant.“ (= und flog in andere Länder)
Feststehen dürfte allerdings, dass in deutschen Wörtern immer den f-Laut bezeichnet und in Lehnwörtern (zumindest im Hochdeutschen) den w-Laut.