Warum verhält sich jemand so?

Hallo,
vielleicht kann hier jemand was zu dem Thema beitragen, dass ich heute mit einer Kollegin besprochen habe.
Es ging dabei um Menschen, die plötzlich aus Deinem Leben verschwinden. Wir haben beide solche Erfahrungen gemacht und uns gefragt, warum sich jemand so verhält.
Zum Beispiel: Ein Bekannter von mir hat mir beim Übersiedeln geholfen und war danach plötzlich nicht mehr erreichbar (hatte sich aber freiwillig zum Helfen gemeldet und es war auch währenddessen nichts Spezielles vorgefallen). Er hat am Telefon nicht mehr abgehoben und war einfach futsch. Zwei Jahre später habe ich dann plötzlich eine Email von ihm bekommen (meine Mailadresse hat er relativ mühsam herausbekommen) und die Freundschaft so als ob nichts gewesen wäre weiterführen wollte. Er meinte nur, bei der Übersiedlung wäre ich so „bestimmend“ gewesen und damit wäre er nicht zurechtgekommen. Hallo???

Oder: Der Exfreund einer Freundin war immer phasenweise „weg“. Sie waren verabredet, alles war im schönsten Einklang, sie wollen ins Kino gehen, am verabredeten Tag taucht er nicht auf und ist dann drei Wochen verschwunden, unerreichbar, hebt nicht ab, nix. Sie will entnervt ihre Sachen von ihm zurück, er ist wieder da, sie verzeiht ihm, einen Monat später planen sie im Urlaub gemeinsam eine Woche rad zu fahren, wenige Tage davor ist er verschwunden, wiederum unerreichbar.

Auch meine Kollegin hat solche Erfahrungen gemacht.

Meine Frage: warum meldet sich in so einem Fall der/diejenige nicht einfach und sagt klar, was los ist? Ist es nicht eine Art von „seelischer Grausamkeit“, den anderen einfach im ungewissen zu lassen? Es gibt ja Fälle, wo sich derjenige dann ja überhaupt nicht mehr meldet und der andere nie erfährt, was er denn eigentlich „verbrochen“ hat.

Irgendwelche Ideen, was jemanden zu so einem Verhalten bewegen kann?

Danke für alle Antworten im voraus,
Shewolf

Hallo,

es ist selbstverständlich schwierig, aufgrund der wenigen Informationen die Beweggründe derjenigen Personen, die Du beschreibst, zu beurteilen. Allgemeiner gesehen kann man einige Hypothesen über mögliche Gründe formulieren:

  1. Das Verschwinden kann Folge eines Autonomie-Abhängigkeits-Konflikts sein. Zum einen möchte die Person zwar eine engere Bindung an die andere Person, wenn es dann aber ernst wird, nimmt sie aus Angst, daß der andere ihr zu nahe kommt, Reißaus. Dazu paßt zumindest die Erklärung des einen Freundes, der Dich als zu „bestimmend“ erlebt hat. Auch die Anlässe des Verschwindens im zweiten Fall stimmen mit der Annahme überein: Verabredung ins Kino, gemeinsamer Urlaub (eine Woche Radfahren, da lernt man sich schon genau kennen).

  2. Daß darüber nicht gesprochen werden kann, könnte auf eine große emotionale Verletzlichkeit hindeuten, wenn der Konflikt thematisiert werden würde. Des Weiteren sind defizitäre soziale Kompetenzen oder die Erfahrung, daß solche Gespräche zu keinen für die Person befriedigenden Ergebnissen geführt haben, als Gründe denkbar.

Grüße

Hallo,

die Ausgangssituation ist immer ein Konflikt. Das darfst Du bei der
Erkläsungsfindung nicht ignorieren. Für DICH war die Beziehung
während der „Übersiedlung“ (was auch immer das genau war) normal -
für den anderen eben nicht. Für Deine Freundin war die Beziehung in
Butter - bei ihrem Freund gab es Konflikte - ob sie was mit ihr zu
tun hatten oder nur mit ihm alleine ist egal - wichtig ist nur, dass
eben nicht alles im Einklang ist, nur weil einer es so wahrnimmt. Das
kann an einer fehlenden Sensibilität liegen, aber auch daran, dass
sich der andere nicht klar genug ausdrücken kann, wenn ihm etwas
nicht passt. Er fühlt sich unverstanden, denkt womöglich, dass das
Fehlverhalten des Anderen absichtlich getan wurde und zieht sich
zurück.

Wir haben alle im Laufe des Lebens Strategien entwickelt, um in
Konfliktsituationen möglichst ungeschadet heraus zu kommen. Die einen
gehen offensiv drauf los und stellen zur Rede - die anderen ziehen
sich wortlos zurück. Trotzdem den Kontakt zu suchen und ein oder
mehrere klärende Gespräche zu führen die einzige Möglichkeit heraus
zu finden, was in dem anderen steckt und warum er sich so verhält.
Meist ist es nicht so, dass einer Recht und der andere Unrecht hat,
vor allem dann nicht wenn es um Gefühle geht. Aber jemanden zu
verletzen, bzw. seine Grenzen zu durchtrampeln ohne es im Geringsten
mit zu bekommen ist doch, wenn man davon erfährt auch kein schönes
Gefühl, oder?

Viele Grüße

Hallo,
vielleicht ist es so:?
Das Leben ist wie eine Reise im Zug:

Man steigt oft ein und aus, es gibt Unfälle, bei manchen Aufenthalten angenehme Überraschungen und tiefe Traurigkeit bei anderen.

Wenn wir geboren werden und in den Zug einsteigen, treffen wir Menschen, von denen wir glauben, dass sie uns während unserer ganzen Reise begleiten werden: unsere Eltern.

Leider ist die Wahrheit eine andere.

Sie steigen bei einer Station aus und lassen uns ohne ihre Liebe und Zuneigung, ohne ihre Freundschaft und Gesellschaft zurück.

Allerdings steigen andere Personen, die für uns sehr wichtig werden, in den Zug ein.

Es sind unsere Geschwister, unsere Freunde und diese wunderbaren Menschen, die wir lieben.

Manche dieser Personen die einsteigen, betrachten die Reise als kleinen Spaziergang.

Andere finden nur Traurigkeit auf ihrer Reise.

Und es gibt wieder andere im Zug, die immer da und bereit sind, denen zu helfen, die es brauchen.

Manche hinterlassen beim Aussteigen eine immerwährende Sehnsucht…

Manche steigen ein, und wieder aus, und wir haben sie kaum bemerkt…

Es erstaunt uns, dass manche der Passagiere, die wir am liebsten haben,
sich in einen anderen Wagon setzen und uns die Reise in diesem Abschnitt
alleine machen lassen.

Selbstverständlich lassen wir uns nicht davon abhalten, die Mühe auf uns
zu nehmen, sie zu suchen und uns zu ihrem Wagon durchzukämpfen.

Leider können wir uns manchmal nicht zu ihnen setzen, da der Platz an ihrer Seite schon besetzt ist.

Versuchen wir mit unseren Mitreisenden gut auszukommen, und suchen wir das Beste in jedem von ihnen…

Erinnern wir uns daran, dass in jedem Abschnitt der Strecke einer der Gefährten schwanken kann und möglicherweise unser Verständnis braucht.

Auch wir werden öfter schwanken und es wird jemanden geben, der uns versteht.

Das große Mysterium der Reise ist, dass wir nicht wissen, wann wir endgültig aussteigen werden und genauso wenig wann unsere Mitreisenden aussteigen werden, nicht einmal der, der gleich neben uns sitzt.

Ich glaube, ich werde wehmütig sein, wenn ich aus dem Zug für immer aussteige…

Ja, das glaube ich.

Die Trennung von einigen Freunden, die ich während der Reise traf, wird schmerzhaft sein.

Meine Liebsten allein zu lassen, wird sehr traurig sein.

Aber ich habe die Hoffnung, dass irgendwann der Zentralbahnhof kommt, und ich habe das Gefühl, sie ankommen zu sehen, mit Gepäck, das sie beim Einsteigen noch nicht hatten.

Was mich glücklich machen wird, ist der Gedanke, dass ich mitgeholfen habe ihr Gepäck zu vermehren und wertvoller zu machen.

Schauen wir darauf, dass wir eine gute Reise haben und dass sich am Ende die Mühe gelohnt hat.

Versuchen wir, dass wir beim Aussteigen einen leeren Sitz zurücklassen, der Sehnsucht und schöne Erinnerungen bei den Weiterreisenden hinterlässt.

Denen, die Teil meines Zuges sind, wünsche ich…

…Gute Reise !

Ist nicht von mir, ich würde aber gerne den Verfasser erwähnen … den kenn ich aber nicht.

Liebe Grüße
usch

Hallo,
es sin die unterschiedlichsten Gründe um sich so zu verhalten.
Ich selber habe z.b. vor ca. 2 Jahren die Stadt ohne Vorwarnung verlassen, um vor meinem Mann zu flüchten. Da mir in den ganzen Jahren kein Mensch geholfen hat, habe ich dabei auch den Kontakt zu allen Bekannten & Freunden abgebrochen.
Ich brauch mich zwar nicht mehr verstecken, werde mich aber trotzdem bei niemand mehr melden.

Gruß

Hallöchen Zusammen,

ich muss gestehen, dass ich das auch schon drauf hatte.
Einfach bei Menschen, die mir in meinem Leben begegnet sind und von denen ich meinte sie würden mir nichts mehr geben. Nicht im Bezug auf materielles, sodern zu unserer Beziehung tragen sie nichts bei. Ich meine jetzt auch nicht die flüchtigen Begegnungen. Sondern schon Menschen, mit denen man längere Zeit zu tun hatte. Irgend wann hat man das Gefühl, dass wir uns nicht gleichermaßen weiter entwickeln und uns in unserer Verbindung im Kreis drehen. Dieses vom „ich“ zum „wir“ fehlt in den Beziehungen.

Was soll ich mich mit diesen einseitigen Verbindungen belasten. Viel lieber gebe ich mich mit den Menschen ab, von deren Beziehung ich geistig wertschöpfen kann und wo ich merke, dass sich unser Verhältnis weiter entwickelt.
Warum soll ich den Menschen, die ich verlassen habe sagen, dass ich mich nach der Begegnung leer fühle? Ich denke, dass das eine Kränkung für den Betroffenen wäre. Also ziehe ich mich still zurück.
Liebe Grüße
Flotte Lotte

Hallo,

mir ist soetwas auch vor Jahren passiert, ich habe erst jetzt wieder daran gedacht.
Ein guter Bekannter hat in meiner neuen Wohnung en Regal angedübelt, hat zu Belohnung eine handbedruckte Tischdecke mitgenommen, weil sie ihm ausgesprochen gefallen hat, und war Tage verschwunden, bis sie ihn auf dem Dachboden seines Hauses aufgeängt gefunden haben. Wahrscheinlich Selbstmord. Ich habe den ganzen Nachmittag nichts gemerkt, dass er Probleme hätte oder sowas. Was da los war, wird sich wohl nie rausfinden lassen. Vielleicht treffe ich ihn „drüben“ mal wieder und frag ihn dann…
Grüße härtl-Kipp

MOD: Vollzitat gelöscht