Hallo Werner!
…weil wir entgegen der Maßgabe des Grundgesetzes eben doch eine Staatskirche haben.
Staatskirche ist nun wirklich was anderes als die Finanzierung von ein paar dutzend Stellen in der Kirche.
Schon eine einzige Stelle wäre indiskutabel.
Rolf hat ja auch weiter unten die historische Begründung dafür geliefert, warum diese Posten von Staat bezahlt
werden.
Rolf bemühte das Jahr 1806, als es diesen Staat noch gar nicht gab. Es gab das Heilige Römische Reich deutscher Nation, ein lockerer Bund autonomer Fürstentümer. Was damals geschah, taugt nicht zur Rechtfertigung heutiger Lasten in einem Staat, den es überhaupt erst seit 1871 gibt.
Weisst du eigentlich wieviel % der Personalkosten das sind? Ich nicht, aber ich schätze es liegt im
romillebereich.
Die Vertiefung dieser Sichtweise kann Interessantes zutage fördern. Der kirchliche Einflußbereich und der kirchliche Personalbestand wird nämlich künstlich hoch gehalten. Zahllose Einrichtungen befinden sich in kirchlicher Trägerschaft, wobei die Kirche dafür nichts bezahlt, sondern aus den Betrieben vom Kindergarten bis zum Krankenhaus Tendenzbetriebe macht, die komplett aus öffentlichen Kassen finanziert werden.
Kirchen nehmen unmittelbaren Einfluß auf Lehrinhalte staatlicher Schulen, an denen es in den meisten :Bundesländern konfessionellen Religionsunterricht gibt. Wenn du schon mit dem heiligen Grundgesetz kommst, :dann schießt du dir hier ins Knie, weil Religionsunterricht (übrigens nicht christlicher!) als einziges Fach im :Grundgesetz garantiert wird.
Willst du nun Grundgesetz oder nicht? 
Ja, ich will das Grundgesetz und ich will Religionsunterricht, weil ich ihn für elementar wichtig halte. Ich will aber keinen von Religionsgemeinschaften geprägten Religionsunterricht und keinen konfessionellen Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Ich will wertneutrale Information über alle großen Weltreligionen und halte jede andere Vorgehensweise für eine Eselei, wenn nicht sogar für ein Verbrechen. Diese harte Aussage will ich begründen und damit auch wieder den Bezug zum Thema dieses Brettes herstellen:
In einem besonders deutlichen Fall konnte man Menschen davon überzeugen, Angehörige einer anderen Religionsgemeinschaft gehörten einer anderen Rasse an. Es gab Rassengesetze und Mediziner prüften, wie sich die Nasenbeine der anderen Rasse von der eigenen unterschieden. Mit der doch sehr schlichten Information, daß Christentum und Judentum gleiche Wurzeln haben, was erst eine 2stellige Anzahl Generationen zurück liegt, hätte es den rassistisch begründeten Massenmord nicht geben können. Nazis konnten aber wunderbar auf der verbreiteten Verdummung aufbauen, die auf einem lange gepflegten Informationsmonopol über nur eine einzige Glaubensrichtung fußte. Die Verdummung geht bis heute weiter und Glauben wird instrumentalisiert. In einigen Regionen der Erde werden Nicht-Moslems als Ungläubige bezeichnet und bei uns kann man Menschen erzählen, vom Islam (nicht von den Knallköppen, die ihn mißbrauchen) ginge eine Gefahr aus. Sowas ist die Folge von Defiziten in einem als Monopolveranstaltung mißbrauchten Religionsunterricht. Noch einmal: Solches Treiben ist ein Verbrechen an den jungen Menschen!
Es gab eine Zeit als in deutschen Schulen der Staat ideologische Indoktrination durchführte. Das ist heute so :nicht mehr zu befürchten, aber die Lehrinhalte der Schule werden von Politikern oft willkürlich nach ihrer
olitischen Ideologie beeinflusst.
Du wirst es vielleicht nicht vermuten, aber ich war auch mal Schüler und vor über 40 Jahren erzählte uns unser Klassenlehrer, wie Amerikaner in Vietnam unsere Freiheit verteidigen. Das hab ich ihm nie verziehen.
Glaub mir ich war dabei! Die Lehrpläne deutscher Schulen entstehen nicht nach objektiven Kriterien.
Frei von Einflußnahmen kann keine Einrichtung sein, in der Menschen tätig sind. Während meiner Schulzeit hörte die deutsche Geschichte kurz nach Bismarck auf. Wer dennoch nach den Vorgängen nach 1933 und nach dem WKII fragte, bekam Sprüche vom tapfer kämpfenden deutschen Landser zu hören. Nun sind ja nicht alle Schüler blöde und merken durchaus, wenn ihnen offenkundig Unfug erzählt wird, was in etlichen Fällen Verachtung gegenüber solchen Lehrern zur Folge hatte und u. a. einer der Gründe für die Unruhe damals in der Jugend wurde, bis hin zu gewalttätigen Entgleisungen und bis zu den Anfängen der RAF. Die weltanschauliche, auch die religiöse Einäugigkeit, war ein Mosaiksteinchen dazu.
Zum Verständnis vieler Vorgänge gehört die Kenntnis der speziellen Eigenheiten aller Religionen.
Genau das ist nämlich auch Inhalt des Religionsunterrichtes (allerdings schafft man nicht alle Religionen, dazu :gibts zuviele). Wenn du nun aber forderst, dass dies neutral vermittelt werden soll, dann verlangst du :Unmögliches. Auch der Ethiklehrer ist nicht weltanschaulich neutral.
Lehrer haben i. d. R. ein Studium an einer wissenschaftlichen Hochschule hinter sich. Wenn ein so ausgebildeter Lehrer nicht in der Lage ist, einen Unterricht abzuhalten, der alle großen Weltreligionen weitgehend wertfrei darstellt, ist er schlicht eine Fehlbesetzung, soll zu Penny an die Kasse, aber an keine Schule gehen. Das Verständnis der großen Weltreligionen hilft beim Verständnis der Geschichte und der aktuellen Vorgänge in der Welt. Einseitig informierte (= indoktrinierte) Menschen sind überall auf dem Globus das ideale Brennmaterial für machthungrige Leute, die Dummvolk zum Verheizen brauchen.
Das gesamte theologische Personal wird auf Staatskosten ausgebildet
Genau, wie das Personal der gesamten Bundesrepublik!
Es ist schon einmalig, daß auf Staatskosten Leute für einen einzigen speziellen Tendenzbetrieb ausgebildet werden.
Mein zentraler Kritikpunkt ist der Religionsunterricht, wie ich ihn vor über 40 Jahren erlebte und wie er im wesentlichen bis heute üblich ist. Ich verstehe ein bißchen von Marketing und aus diesem Verständnis heraus kann ich das Bestreben der Amtskirchen nachvollziehen, Jugendliche möglichst einseitig im Sinne der Amtskirchen zu unterrichten. Aber bitte - bei allem Verständnis für schlitzohrige Strolchereien, sich am Markt der Spiritualität einen Wettbewerbsvorteil zu sichern, kann es nicht Aufgabe staatlicher Schulen sein, Dummerchen heran zu ziehen, die Vorgänge in der Welt und in ihrem Umfeld nicht verstehen können. Es ist geradezu eine friedenssichernde Maßnahme, dem bisher praktizierten Unsinn ein Ende zu setzen. Etwa ein Mann wie G. W. Bush kann seine göttliche Mission nur erfüllen, weil ihm eine ausreichende Zahl ungebildeter Trottel folgt. Zahllose Aktionen kriegerischer Art sind letztlich eine Folge von Indoktrination statt Bildung. Wir müssen deshalb jeden Kirchenmann in die Schranken weisen, der immer noch der Verblödung durch einseitigen Unterricht das Wort redet. Es steht allen Religionsgemeinschaften frei, sich mit überzeugenden Postulaten und Angeboten außerhalb staatlicher Schulen an informierte Menschen zu wenden.
Gruß
Wolfgang