Warum weinen Menschen?

Hallo,

stellen wir uns mal ein dreijähriges Kind vor, das irgendwo gegengelaufen ist: Die Gesichtsmuskeln kontrahieren auf eine Weise, die das Gesicht völlig entstellt, das Gesicht wird rot, die Tränendrüsen produzieren so viel Flüssigkeit, dass in den Augenlidern kein Platz mehr ist und die Tränenflüssigkeit die Wangen hinabrinnt. Die Stimme produziert ein lautes Sirenengeheul. Die Nasenschleimhäute werden hyperaktiv und sondern viel Schleim ab. Die Atmung ist unregelmäßig und stoßweise (Schluchzen).

Meine Fragen: Was soll dieser Zirkus? Hilft die Evolutionstheorie, zu erklären, warum Menschen weinen und zwar genau auf die beschriebene Weise? Warum weinen Tiere nicht? Tiere können bei Schmerz zwar wimmern und heulen, aber von der menschlichen Art zu weinen sind sie weit entfernt.

Tychi

Hallo Tychi,

stellen wir uns mal ein dreijähriges Kind vor, das irgendwo
gegengelaufen ist: Die Gesichtsmuskeln kontrahieren auf eine
Weise, die das Gesicht völlig entstellt, das Gesicht wird rot,
die Tränendrüsen produzieren so viel Flüssigkeit, dass in den
Augenlidern kein Platz mehr ist und die Tränenflüssigkeit die
Wangen hinabrinnt. Die Stimme produziert ein lautes
Sirenengeheul. Die Nasenschleimhäute werden hyperaktiv und
sondern viel Schleim ab. Die Atmung ist unregelmäßig und
stoßweise (Schluchzen).

Meine Fragen: Was soll dieser Zirkus?

es alarmiert Menschen, die helfen können - in diesem Fall die Mutter.
Gerade bei einem kleinen Kind, das noch nicht sprechen kann, ist so eine einfache aber wirkungsvolle Ausdrucksweise arg sinnvoll.
Auch in anderen Situationen ist eine solches Verhalten, selbst wenn das Lebewesen (Mensch, Frühmensch…) der Sprache mächtig ist, sinnvoll: Es kann ja aufgrund einer Verletzung oder Erkrankung aktuell nicht sprechen können, oder sich zu erklären wäre in der Situation zu umständlich.

Beim Weinen werden unter anderem „überschüssige“ Stresshormone ausgeschieden.

Warum weinen Tiere nicht?
Tiere können bei Schmerz zwar wimmern und heulen, aber von der
menschlichen Art zu weinen sind sie weit entfernt.

Tiere haben dafür andere Ausdrucksweisen. Von daher würde ich Weinen nicht als etwas so Spezielles bezeichnen - es gibt viele Gefühlsausdrucksweisen, die nur bei einer Tierart vorkommen.
Schimpansen haben übrigens eine unserem emotionalen Weinen ähnliche Verhaltensweise - es fehlt dabei im Prinzip nur der Tränenfluss, Körperhaltung und Mimik sind vergleichbar.
Bei vielen anderen Tierarten gibt es temporär starken Tränenfluss, der aber allerhöchstwahrscheinlich andere Funktion hat (Reinigung der Augen).
Von Ratten und Rennmäusen ist mir bekannt, dass sie bei extremen Stresssituationen eine durch Eisen rot gefärbte Flüssigkeit aus ihren Augen absondern. Hierzu weiß ich aber nicht mehr.

Damit Weinen wie beim Menschen (also nicht nur Schreien, sondern wirklich Tränen runterlaufen lassen und das Gesicht verziehen) möglich ist, muss das Gesicht sehr beweglich sein - bei vielen Tieren ist es das aber nicht.
Verheulte Augen wären auch bei vielen Tieren nicht gut erkennbar; das „weiße im Auge“ bei uns Menschen, das beim Weinen rot werden kann, ist bei den allermeisten Tieren hinterm Lid verborgen oder braun gefärbt.
Desweiteren muss ein Interesse darin bestehen, anderen ins Gesicht zu sehen und natürlich überhaupt die Möglichkeit, sich in ein anderes Individuum einfühlen und ihm helfen zu können - geistige und auch körperliche Merkmale.

Die Anpassung ist sicherlich wechselseitig geschehen.
So sind auch menschliche Ohren genau in dem Frequenzbereich, in dem Säuglinge schreien, am empfindlichsten.

Viele Grüße,
Nina