wie funktioniert das Gedächtnis
Hi,
Annas Bild von den geschlossenen Türen ist gar nicht so daneben-
Das Ganze hängt (logischerweise) mit unserem Gedächtnis bzw. unserer Gedächtnisstruktur zusammen.
Ich vereinfache und verkürze etwas, da man ewig lange Vorträge übers Gedächtnis schreiben kann und das was in unserem Gehirn passiert relativ kompliziert ist.
Zu unterscheiden gilt hier das Kurzzeitgedächtnis (KZG) und das Langzeitgedächtnis (LZG) [das sensorische ist hier zu vernachlässigen]
In allen 3 Gedächtnissystemen ist der grobe Ablauf:
- Enkodierung
=> Übersetzung der eintreffenden Reizenergie (Wahrnehmung) in einen einzigartigen neuronalen Code
- Speicherung
=> die Aufbewahrung des enkodierten Materials für die Zeit X
- Abruf (Retrieval)
=> das „Wiederauffinden“ der Informationen
Die Enkodierung setzt voraus, dass die Aufmerksamkeit auf den entsprechenden Reiz gerichtet wird (schließlich blenden wir tagtäglich eine Fülle vom scheinbar unwichtiger Information aus)
Der Zeitpunkt X wird in erster Linie durch das Fassungsvermögen des jeweiligen Systems bestimmt. (Das KZG KANN nun mal nicht länger speichern als eben nur kurze Zeit)
Im LZG landet alles das, was entsprechend länger zurückliegt-
zb. das Wissen um einen Namen eines Schlagerbarden. Dieses Wissen „wandert“ zunächst durch das KZG und wird dort vorbereitet.
Um „richtig“ im LZG zu landen, darf im KZG also schon einmal kein „Fehler“ passieren. IM KZG werden Informationen als „Chunks“ verarbeitet. Das sind sozusagen kleine Bündel-
1, 9, 8, 4 entsprechen 4 Chunks 1984 dagegen nur einer.
Je weniger Chunks, desto mehr Kapazität für andere Informationen.
(Kennen wir gut von Telefonnummern)
„11 88 0“ ist vom Werbeträger sozusagen schon „vorgechunkt“ zudem mit semantischen Erinnerungshilfen versehen (Fußballmannschaft,…)
Der Übergang von KZG ins LZG wird durch stetiges Wiederholen gefördert. (Weshalb man uns mit diesem Spot so oft belästigte)
Die Information wird also „künstlich“ länger im KZG gehalten als üblich, wird damit „wichtig“ und landet im LZG
Das LZG kann man sich dann vorstellen wie einen riesigen Karteikasten. Die Info wird kontextabhänig unter Reiter X gespeichert.
Je besser die Abstimmung zwischen der Organisation der Enkodierung und den Hinweisen, die beim Abrufen gegeben werden, um so besser ist die Erinnerungsleistung. Es geht also drum die Info in dem großen Kasten „richtig“ abzulegen. Ähnlichkeiten des Kontextes und von Befindlichkeiten beim Enkodieren und Abrufen steigern die Erinnerungsleistung zusätzlich.
Vergessen geht auf 4 Wegen
- Verfall => Informationen gehen verloren (es streiten sich die Geister ob tatsächlich und wieso), ähnlich wie ein altes Bild irgendwann verblasst
- Interferenz => Die Info wird durch ähnliche Inputs blockiert, das abzurufende Bild verliert an Klarheit
- motiviertes Vergessen => Die Info wird vor dem Bewusstsein aus Gründen X verborgen
- Mißlingen des Abrufs => die Abrufhilfen sind zu wage, die Infos werden nicht wiedergefunden
Diese „Gedächtnishänger“ -sofern nicht organisch bedingt- sind also idr „falsch abgelegte“ Informationen oder aber „falsch abgerufene“ Informationen.
Anekdote am Rande:
So erinner ich mich zb. an eine Spezialität meiner Mutter, die ihren Fahrradpass im Ordner nicht unter F wie Fahrrad oder R wie Rad ablegte, sondern unter D wie Diebstahl (andernfalls bräuchte sie ihn ja schließlich nicht). Klingt halbwegs logisch. Zu Recht darf bezweifelt werden, dass sie ihn dort wiederfand als das Rad des Nächtens verschwand. Die ganze Wohnung suchte sie nach dem verdammten Ding ab, bis sie das im Radio dudelnde Ba- Ba- Banküberfall auf den Diebstahl und somit zu ihrem Pass führte.
Das Wissen darüber, dass wir etwas wissen und doch nicht erinnern, hängt damit zusammen, dass wir zb. die Kontextvariablen oder Einzelteile erinnern, also gut abrufen können (weil gut vorbereitet und verarbeitet).
zusammenfassend vereinfacht:
„Hier dieser Schlagerfuzzi mit den Schulterlangen braunen Haaren, der ein bißchen aussieht wie ein Dackel, wie hieß der noch?“
(am besten noch das Lied summend)
Dass der Mann Bata Ilic heißt ist bei Weitem nicht so spektakulär wie seine Frisur. Das Gespräch darüber „wie sieht der denn aus?“ sorgt für die nötige Wiederholung. Das erinnerte Lied und Bild sorgen also für den „Wiedererkennungseffekt“ und das Wissen darüber, dass man den Namen eigentlich auch kennen müsste.
Dieser wird mit dem Kontext (Lied, Bild, Situative Faktoren) abgelegt und u.U. auch nur mit diesen Abrufhilfen wieder erinnert.
(zb. summt man dann häufig das Lied, bis einem zunächst der Text, dann der Name wieder einfällt- der Kontext wird quasi Reproduziert)
So weit…
Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage hinlänglich
Grüße Fro