Hi
Bin wohl einfach noch viel zu still.
Es hat mit Stillsein weniger zu tun als mit der Ausstrahlung. Ich kenne auch stille Leute, mit denen man famos weggehen und Spaß haben kann - die strahlen aber nicht aus, dass sie gerne weniger still wären, sondern die strahlen aus, dass sie Spaß haben ohne viel labern zu müssen.
Fällt euch irgendwas ein, wie ich das quasi üben könnte? [Jaja
dumme Frage, werden wohl jetzt alle sagen „einfach machen“
*seufz*]
„Einfach machen“ ist aber das einzige, was hilft. Leider merkt man das über lange Zeit allerdings nicht.
Ich kann dir jetzt nur beschreiben, wie ich damals von deiner Seite auf die heute andere Seite gekommen bin.
Wie angedeutet kenne ich das, was du erlebst, auch, aus der Schulzeit und den ersten Studienjahren danach. Es wurde ganz, ganz schleichend besser. Ich sag mal, innerhalb von mehr als 10 Jahren. Ich habe dazu allerdings zwei Mal mein Umfeld komplett gewechselt, durch Umzug, neues Studium, Arbeit etc.
Mit einem alten Umfeld, mit dem ich schon viele unangenehme Erfahrungen verbunden habe, hat es bei mir nie funktioniert, da war ich in meiner eigenen Wahrnehmung und in der der anderen schon in einer gewissen Rolle drin. (Und nach allem, was ich in Bezug auf das Zwischenmenschliche erreicht habe, kann ich meinen ehemaligen Klassenkameraden auch heute immernoch nicht gegenübertreten wie ich es neuen Menschen gegenüber kann.)
Das wird für dich natürlich schwieriger, evtl. versuchst du, wenn du eine Möglichkeit hast, am Klima unter deinen Kollegen erstmal gar nichts ändern zu wollen und lieber in einem anderen Umfeld zu „experimentieren“.
Meistens haben sich dann (oft erst im Nachhinein bemerkt - bis zu mehreren Jahren später!) unweigerlich Verbesserungen eingestellt, wenn ich gar nicht mehr so doll wollte. Wenn ich akzeptiert habe, dass ich wohl zu dieser oder jener Gruppe nicht so dazupasse, und daraufhin dann etwas weniger drauf geachtet habe, ob ich bei denen ankomme. Sondern einfach innerlich dazu gestanden habe, so zu sein wie ich bin und ok damit. Und v.a.: nichts von den anderen zu erwarten!
Das ist es nämlich, was die anderen Menschen sofort merken. Ob ich ok bin oder ob ich von anderen erhoffe, dass die mir sagen, dass ich ok bin.
Keiner hat Bock auf letzteres, das hättest du bei anderen auch nicht.
Indem ich mit dem, was ich damals „erreichen“ konnte, erstmal zufriedengegeben und mir verziehen hab, aus diesen und jenen Gründen (deine eigenen hast du ja selbst schon bisschen erkannt, wie’s scheint) nicht das zu erreichen, was anderen so leicht zu fallen scheint, wurde ich gelassener. Und dann hab ich mich irgendwann in genau den Gruppen wiedergefunden, zu denen ich damals gehören wollte (oder aber ich habe tatsächlich gemerkt, dass mir an den Gruppen auch was fehlt - aber dann konnte ich loslassen von dem Wunsch). Besser gesagt: nicht zu GENAU den Gruppen (denn es funktioniert nicht mit genau den gleichen Menschen), sondern mit neuen Menschen, die aber diese Art Gruppe waren.
Also nicht auf der einen Arbeit, sondern auf der anderen. Nicht die lässigen Freunde meiner Mitbewohnerin von vor 5 Jahren, aber die ähnlichen Kreise meiner Mitbewohnerin von vor 2 Jahren. Etc.
Aber wie gesagt, es geht in ganz, ganz kleinen Schritten. Mit ganz kleinen Zielen. Vielleicht erstmal das Ziel, nur mit einem gut klarzukommen. Und dann schon zufrieden zu sein, wenn das gut klappt.
Grob gesagt: du musst lernen, für deinen eigenen Spaß verantwortlich zu sein. Du kannst natürlich nicht erwarten, dass du Spaß hast, wenn du mit Menschen weggehst, mit denen du dich einfach noch unwohl fühlst. Zum Spaß haben in Gesellschaft braucht man aber Menschen. Du musst halt in kleinen Schritten anfangen. Erstmal nur Spaß haben mit einem Menschen beim gemeinsamen Kaffeetrinken etc.
Du hast einfach andere Startvoraussetzungen als andere und musst an anderem arbeiten. Und die spüren das, glaub mir. Sonst würden sie dich nämlich einladen.
Verhaltenstherapie fänd ich keine schlechte Idee. Aber letzten Endes muss man hierzu echt leben und mit vielen Menschen Erfahrungen sammeln.
Gruß
judy