Servus,
Er wurde ausdrücklich als lehmig beschrieben…
Er wurde als lehmig angesprochen. Das hat den einfachen Grund, dass umgangssprachlich fast immer von Lehm gesprochen wird, wenn Ton gemeint ist.
Deswegen frage ich hier immer in unklaren Fällen nach, ob tatsächlich von Lehm die Rede ist. Dieser Fall ist aber gänzlich klar, weil der Boden als Tonboden beschrieben wird: „hart wie Beton“, Drainage ohne nennenswerte Wirkung, in 20 cm Tiefe nicht mehr mit Schaufel oder Spaten auszukoffern: Diese drei Charakteristika sind so eindeutig, dass man kein großer Bodenkundler vor dem Herrn sein muss, um den Boden als Ton zu erkennen.
Ach ja? Du darfst hier im Norden gern mal vorbeischauen.
Neben lockeren Lehmböden mit besten Erträgen gibt es hier auch
stark verdichtete Böden, die wie Beton sind.
Das hat mit der Geologie Schleswig-Holsteins zu tun: Sowohl im östlichen Hügelland als auch in der Marsch kommen reine Lehmböden nicht vor - die Endmoränen und Grundmoränen der Weichseleiszeit (Östliches Hügelland) und die der Saaleeiszeit (Marsch) bringen ein Gemenge von verschiedensten Bodenarten. Wo Tonstreifen sind, merkt man das beim Ackern daran, dass der Schlüter unwillig aufschreit, schwarz qualmt und den Pflug gleich mal eine Handbreit aushebt. In den Sanderflächen der Geest wird man Verdichtungen wie die im UP beschriebenen ziemlich lange suchen müssen, zumal dort sowohl Lehm als auch Ton eher Seltenheitswert haben.
Und zwar jede Menge…
Gerade in Neubaugebieten ein typisches Problem.
Das Problem bei Neubaugebieten heißt in der Regel Auenton - je nachdem, wo und wie sie liegen. Auf dem Ackerland, wo in der Marsch Schluff und Lehm vorherrschen, gibt es keine Neubaugebiete - das Bauland wäre nicht gut bezahlbar.
Was im Einzelfall zu entscheiden wäre oder siehst du grade das
Stückchen Garten in deiner Glaskugel?
Nein, die Beschreibung hat mir ausgereicht. Die Problematik der Bodenverdichtung im Mikrobereich durch mechanische Bearbeitung wurde vor inzwischen über vierzig Jahren durch den Bodenkundler Brunk Meyer und den Agrarchemiker und Spezialisten für Tonminerale Wolfgang Ziechmann ausführlich untersucht, man braucht da nichts Neues mehr hinzuzufügen. Zumal Meyers sehr pessimistische Prognose zu dem Thema sich mittlerweile bestätigt hat: Die pro Meter Arbeitsbreite benötigte Schlepperleistung steigt bis heute immer noch an - die Mechanisierung im Ackerbau schafft sich auf die lange Sicht selber ab, indem sie den Ackerbau unmöglich macht.
60 cm tief, um anschließend Rasen zu pflanzen?
Ja. Für Tiefwurzler müsste man den ganzen Boden, nämlich bis 90 cm, bearbeiten. Wenn man bloß am Oberboden bis 30 cm herumwerkelt, passiert bei staunassen Böden überhaupt nichts.
Und wozu berechnest du den Aushub?
Ich berechne nicht den Aushub, sondern das Volumen, das bearbeitet werden muss. Das mache ich, um das Volumen an Sand und Kommunalkompost zu bestimmen, das notwendig wäre, um die Struktur des Bodens nennenswert zu verändern. Natürlich meine ich nicht, dass jemand im Ernst so vorgehen würde - es geht mir nur darum, dass eine Schubkarre Sand und ein Sack Torf im Vergleich zu den Volumina, die bei Boden im Spiel sind, unter „Hintergrundrauschen“ abgehandelt werden können. Das belege ich, indem ich zeige, welche Mengen benötigt würden, um etwas an der Struktur des Bodens nennenswert zu verändern. Diese Rechnung dürfte übrigens auch den Fachleuten von „Bio-Gärtner“ einleuchten.
Es war nie von Kompost die Rede…
Ja, ich weiß - die Hochmoore des Baltikums sind noch nicht restlos zerstört, da kann man noch richtig aasen: Die armen Schlucker da drüben trauen sich ja doch nicht, der Barbarei Einhalt zu gebieten.
Welchen „Humus“ empfiehlst Du denn? Eigener Kompost fällt bei derartigen Mengen allenfalls innerhalb von Jahrzehnten im benötigten Umfang an.
Da du den Standort ja gesehen hast…
Ach weißt Du, man kann über Bodenkunde und Gartenbau auch dieses und jenes wissen, ohne alles in Augenschein zu nehmen. Die beschriebene Situation ist so eindeutig, dass eine Inaugenscheinnahme das Ergebnis mit Sicherheit nicht verändern würde.
Aber wir sind wohl alles Dilettanten, da du ja hier nur eine
Möglichkeit festgelegt hast.
Welche wirksame Alternative gibt es denn?
Und mein Beileid dem armen Wurm, der sich durch betonharte
Böden beißen soll.
Du wirst lachen - die Regenwürmer in Deinem Garten bewegen Jahr für Jahr ein größeres Volumen als ein Gärtner, der diesen Garten spatentief umgräbt: Wenn Du mal für Spaß in einem tonigen Gartenboden einen sechzig Zentimeter tiefen Aufschluss anlegst, wirst Du überrascht sein, wie viele Regenwurmgänge sogar noch dort verlaufen, wo mit bloßem Auge an der Farbe kein Humus mehr erkennbar ist. Voraussetzung ist, dass man ihnen die Futtergrundlage lässt (Rasen und Laubbläser sind die größten Feinde der Regenwürmer) und dafür sorgt, dass dort, wo er fehlt, genügend Kalk da ist.
Viel wichtiger als das eindrucksvolle Volumen, das sie durcharbeiten, ist aber, dass es zu wesentlichen Teilen durch die Regenwürmer durchgeht, und dass sie in ihrem Verdauungskanal für die Bildung von Ton-Humus-Komplexen sorgen, die einen Tonboden langfristig retten können.
Schöne Grüße
Dä Blumepeder