Was bedeutet anrechnen?

Hallo zusammen,

was bedeutet bei einem ALG II-Empfänger, wenn die ARGE ihm etwas „anrechnet“? Beispiel: Jemand verdient einen größeren Betrag aus einem Werkvertrag (der ja nur einmalig ausgezahlt wird).

Dann geht die ARGE her und rechnet an… aber was heißt das konkret? Muss derjenige dann sein Geld der ARGE ausbezahlen - etwa in Form einer Überweisung? Oder versteht man unter Anrechnung, dass ihm das auf sein ALG II Einkommen aufgerechnet wird und er für einen gewissen Folgezeitraum kein Geld mehr bekommt?

Aber wie sieht es dann mit der Krankenkasse aus? Ist derjenige - außer in dem Monat, in dem er die Zahlung erhält - dann trotzdem noch über die ARGE versichert (und bekommt eben „nur“ keinen Lebensunterhalt mehr, weil er sich von dem Verdienst zeitweilig selbst finanzieren soll), oder zwingen die ihn noch, sich für 350 Euro monatlich „freiwillig“ zu versichern?

Da würde doch kein Mensch mehr arbeiten wollen - ohne Anreiz. Wenn man nicht gerade zu denen gehört, die sich jahrelang sinnlos in ein Euro-Jobs herum plagen, nur um sich einreden zu können, sie tun was. Menschliche Arbeit ist was wert und sollte auch belohnt werden - gehört nicht vom Staat einkassiert.

Hallo zusammen,

Auch hallo,

was bedeutet bei einem ALG II-Empfänger, wenn die ARGE ihm
etwas „anrechnet“? Beispiel: Jemand verdient einen größeren
Betrag aus einem Werkvertrag (der ja nur einmalig ausgezahlt
wird).

Anrechnen heisst, das die ARGE diesen Betrag gegen die Leistungen, die sie normalerweise auszahlen würde, aufrechnet/gegenrechnet. Wie du schon selbst sagtest so, dass evtl. in der nächsten Zeit keine Leistungen (Geld) fließen. Der ALG II-Empfänger ist in diesem Zeitraum nicht bedürftig (oder nur anteilig).

Zu den Krankenkassenleistungen kann ich nichts sagen, ich denke mal, da gibt es sicher Systeme wie das weiterläuft/weiterlaufen kann. Insbesondere wenn die Einkünfte nur über eine begrenzte Zeit oder einmalig stattfinden.

Da würde doch kein Mensch mehr arbeiten wollen - ohne Anreiz.
Wenn man nicht gerade zu denen gehört, die sich jahrelang
sinnlos in ein Euro-Jobs herum plagen, nur um sich einreden zu
können, sie tun was. Menschliche Arbeit ist was wert und
sollte auch belohnt werden - gehört nicht vom Staat
einkassiert.

Ja, Arbeit ist was wert und man wird belohnt in dem man seinen „Lohn“ dafür erhält. Wenn allerdings alle der Meinung wären, sie sollten davon nichts abgeben, fielen die Sozialabgaben auch weg und die ALG II Gelder würden davon dann ja wohl auch betroffen sein, oder?

Der Anreiz ist nicht dem Staat (und damit der Allgemeinheit) auf der Tasche zu liegen, sondern sich selbst zu versorgen. Geht man natürlich mit dem Anspruch an die Arbeit heran, dass das obendrauf kommt und man sich endlich mal wieder was leisten kann, wird man enttäuscht.

Der Staat ist kein anonymes Wesen, welches sein Volk gefälligst zu erhalten hat und dafür irgendwoher die Mittel erhält oder bunkert. Der Staat sind - wie du überall hörst - wir!

Gruß
Nita

Danke für die interessante Antwort. Es lässt sich lange darüber wertend diskutieren, ob der Staat ein „anonymes Wesen“ ist. Ich persönlich denke… ja das ist er.

Im Sinn politischer Ideologie ist ein Staat natürlich eine Ansammlung von Bürgern, die miteinander in wirtschaftlichen Wechselbeziehungen stehen, bzw. „Vater Staat“ bestenfalls als Umverteilungsinstanz steuerlicher Abgaben funktioniert?

Die Frage ist nur… wo fließen die Gelder denn hin und hat „Vater Staat“ - gemessen am exponentiellen Wachstum zinslicher Verschuldung bei gleichzeitig sinkendem Sozialprodukt überhaupt noch die Möglichkeit, jemals aus der Schuldenfalle „herauszukommen“? Um so mehr, wenn an falschen Ecken gespart und investiert wird.

Kein Mensch regt sich auf, wenn der Staat Milliarden verschleudert, um Banken oder bankrotte Firmen aus der Misere zu retten, die am Ende noch mehr Schulden anhäufen bzw. das Geld ins Ausland abwandert. Aber klar… es werden hier zwar Milliarden „fehlinvestiert“ - übrigens auch von wertvollen Steuergeldern - nur da regt sich niemand auf, weil: Erstens darf der Staat alles und zweitens ist der Mensch so „gestrickt“, dass er gerne nach oben buckelt und nach unten tritt - in der unbewussten Hoffnung, dass eines Tages vielleicht auch etwas für ihn abfällt.

Nur ist das seltenst der Fall, wenn man nicht als einzelner den Mut zur Veränderung und kritischem Denken hat. Im Zweif sind dann die kleinen Arbeitslosen die Sündenbocke der Nation. Aber Konzerne und Bankenmanager dürfen alles - gegen diese Obrigkeit im Konglomerat mit dem Staat - darf man kein Kritik äußern.

Bestenfalls können die komplexen Systemzusammenhänge gar nicht begriffen werden und man schweigt. Aber keine Sorge… auch auf Seiten der Unternehmen werden fleißig Steuern hinterzogen bzw. abgeschrieben, denn sonst würde die Wirtschaft heute überhaupt nicht mehr funktionieren.

Nur, wenn der kleine Arbeitslose, dessen Lebenswelt konkreter ist und den man persönlich angehen kann, dann sein verdientes Geld in Weiterbildung investieren will… dann geht das natürlich nicht. „Wie kann er nur…“

Komische Ansicht, für mich nicht nachzuvollziehen. Der Staat sind nicht wir, das ist ein ideologisches Obrigkeitsdenken ohne Realitätsbezug, leider… Komplexe Strukturen nehmen überhand bei quasi Null Mitsprache- und individuellem Gestaltungsrecht. So dass Strukturen, die ursprünglich der Gerechtigkeit dienten, heute absurd e und unbeabsichtigte Wechselwirkungen annehmen. Wenn DAS nicht anonym ist, dann weiß ich auch nicht.

LG
Allegra