Was bewirkt dieser medikamentenmix?

hallo , wer kann mir weiterhelfen?
bei mir wurde morbus parkinson und ein prostatakarzinom diagnostiziert.
nun schlucke ich täglich pentalong50 , ass100 .carvedilol 625 , spasmex 20, amlodipin 5, dioran 160, rasilez 150, nacom 100 , torem 10, l-thyrosin 25 , xipamid ct 40 mg , sifrol 0,18 , eviprostat, und bifiteral 10ml,

in letzter zeit leide ich unter starker müdigkeit und antriebslosigkeit.

vielleicht kann mir jemand helfen und mal nachsehen ob sich die medikamante alle untereinander vertragen oder sich eventuell in der wirkung potenzieren oder aufheben…
ich wäre sehr dankbar für einen entsprechenden hinweis bzw eventuell einen rat wo man sich neutral informieren könnte.

mfg ralf

Hallo ralf,
in so jungen Jahren schon so viele Erkrankungen, da hast Du ja reichlich zu leiden.
Also, Deine Frage bzgl. Müdigkeit ist aus der Ferne nicht so einfach zu beantworten: Du nimmst 5 Medikamente gegen erhöhten Blutdruck, und nicht einmal die leichtesten, und dazu noch 2 wassertreibende Pillen; das alles kann(!) zu Müdigkeit und Antriebsunlust führen. Allerdings kann natürlich auch das Wissen um diese üblen Erkrankungen Deine psychische Leistungsfähigkeit stark einschränken. Kannst Du mal mit Deinem Hausarzt sprechen, ob diese Menge am Medikamenten erforderlich ist? Eine Überweisung zu einem Psychologen oder Psychotherapeuten ist auch eine Möglichkeit, Dich seelisch zu stärken.
Gute Besserung wünscht
synapse

Hallo Ralf,

wer hat Dir denn das alles verschrieben?
Insbesondere bin ich über die maximale Blutdruckmedikation überrascht - auch die Kombination von Diovan und Valsartan ist höchst ungewöhnlich.

Das Prostatamedikament, was Du nimmst, deutet eher auf eine Hyperplasie hin, also kein Krebs, sondern eine gutartige Vergrößerung der Prostata.

Hast Du einen guten Hausarzt? Der sollte sich mal Deiner annehmen - Schilddrüsenwerte überprüfen (L-Thyroxin notwendig?), vor allem die Blutdruckmedikation (oder ist die vielleicht hintereinander verschrieben worden?) und vielleicht, wenn der Druck wirklich so schlimm ist, sollte man doch mal schauen, ob vielleicht eine andere Ursache dahiner steckt LZ-RR etc…
(Im Übrigen würde man bei einer Prostatahyperplasie eher ein anderes Medikament geben, was auch den Blutdruck senken kann, aber das ist ja alles Spekulation! Wichtig ist, daß Du mal richtig DIAGNOSTIZIERT wirst und dann dementsprechend THERAPIERT).
Auch ist mir nicht ganz klar, ob Du das Spasmex brauchst, weil die Blasenfunktionsstörung doch eher mit der Prostatahyperplasie zu tun haben könnte, eventuell noch mit dem Parkinson.
Bevor Du also die Verträglichkeit überhaupt angehst, solltest Du schnellstens schauen, ob Du das alles wirklich brauchst!
Ein guter Hausarzt und ein guter Neurologe sind hier gefragt!

Viel Erfolg!

Garlochi

…und ‚Compliance‘
sprich einen Patienten, der nimmt, was ihm verordnet wurde oder sagt, was er nicht genommen hat, und warum. Viele Patienten bekommen einen Megamix verordnet, da sie nur Bruchteile der Arznei einnehmen, die Krankheit natürlich unbehandelt bleibt, weshalb der nächste Doktor gleich das nächste Medikament verschreibt. Also, falls Du aus Angst nicht alles genommen hast, sags Deinem Hausarzt, der sollte letztlich doch Verständnis dafür haben. Sonst hat alles wirtschaften keinen Sinn.

pp

Hallo,

hallo , wer kann mir weiterhelfen?

Ich will es mal versuchen.

bei mir wurde morbus parkinson und ein prostatakarzinom
diagnostiziert.
nun schlucke ich täglich pentalong50 , ass100 .carvedilol 625
, spasmex 20, amlodipin 5, dioran 160, rasilez 150, nacom 100
, torem 10, l-thyrosin 25 , xipamid ct 40 mg , sifrol 0,18 ,
eviprostat, und bifiteral 10ml,

Es macht sich ganz gut, die Medikamente in Gruppen einzuteilen, die einer bestimmten Erkrankung/einer bestimmten Komplikation zugeteilt werden können. Die Zuordnung ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da einige Medikamente bei verschiedenen Krankheiten verordnet werden können und deshalb die folgende Ausführung auf Mutmaßungen basiert:

Morbus Parkinson:

Levodopa + Carvidopa (Nacom) gilt als Standardmedikament zur Behandlung der Parkinsonschen Krankheit. Als mögliche Nebenwirkung kann eine Erhöhung des Blutdrucks auftreten.
Pramipexol (Sifrol) wird gerne zusammen mit Levodopa verordnet, was eine häufige Kombination darstellt. Eine relative Gegenanzeige ist bei koronarer Herzkrankheit gegeben, da es die Gefäße weiter verengen kann.

Blase/Prostata:

Trospiumchlorid (Spasmex) wird bei bestimmten Blasenstörungen bzw. bestimmten Formen der Inkontinenz eingesetzt.
Eviprostat wird aus der Sägepalme gewonnen und hilft in frühen Stadien einer Prostatavergrößerung beim Wasserlassen.

Koronare Herzkrankheit/Bluthochdruck:

Pentaerythrityltetranitrat (Pentalong) wird zur Weitung der Gefäße, die das Herz versorgen, eingesetzt und zwar zur Langzeitvorsorge gegen Angina pectoris. Die Dosis ist am unteren Ende angesiedelt.
Acetylsalicylsäure (ASS) bekommen Sie nicht als Schmerzmittel, wie man es sonst kennt (dafür reicht die Dosis nicht), sondern ebenfalls zur Vorsorge bei Angina pectoris verabreicht, denn ASS hat die tolle Eigenschaft, die Blutplättchenzusammenlagerung zu hemmen, was das Risiko eines Herzinfarktes senkt.
Carvedilol ist ein Alpha-und-Betablocker und daher ebenfalls ein Medikament für’s Herz. Wird gerne gegeben, wenn neben der koronaren Herzkrankheit ein ausgeprägter Bluthochdruck besteht - das Herz wird damit entlastet und gleichzeitig besser mit Sauerstoff versorgt.
Amlodipin hindert die kleinsten Äderchen daran, ihren Durchmesser zu verkleinern, sodass ebenfalls der Blutdruck sinkt. Amlodipin ist quasi das Standardmedikament unter den Kalziumkanalblockern.
Valsartan (Sie schrieben zwar Dioran, aber ich denke, Sie meinen Diovan) ist ein sog. AT1-Blocker und ist damit ebenfalls ein Medikament zur Blutdrucksenkung.
Aliskiren (Rasilez) ist ein neuartiger Renin-Hemmer und als solcher ebenfalls ein potenter Blutdrucksenker.

Torasemid (Torem), eine „Pinkeltablette“ (ein sog. Diuretikum), kurbelt die Wasserauscheidung an und wirkt damit ebenfalls als Blutdrucksenker.
Xipamid, auch ein Diuretikum, jedoch aus einer anderen Untergruppe als Torasemid, senkt ebenfalls den Blutdruck durch vermehrte Wasserausscheidung über die Niere.

Verstopfung:

Lactulose (Bifiteral) regt die Darmtätigkeit an

L-Tyrosin ist eine Aminosäure, die der Körper z.B. benötigt, um das Glückshormon Dopamin herzustellen, weshalb es als Stimmungsaufheller eingesetzt werden kann. Denkbar wäre aber auch die Behandlung einer angeborenen Stoffwechselstörung (Phenylketonurie), bei der es zu einem Mangel an L-Tyrosin kommen kann.
Sollten Sie aber L-Thyroxin gemeint haben, dann hat Ihnen dies Ihr Arzt vermutlich wegen einer Schilddrüsenunterfunktion verschrieben. In dem Falle sei aber erwähnt, dass Angina pectoris eine relative Gegenanzeige für L-Thyroxin anzeigt.


Eine Beurteilung Ihrer Medikation ist aus der Ferne nicht so einfach, weil bisher nichts über Nebendiagnosen, Unverträglichkeiten oder Komplikationen bekannt ist. Daher kann aus der reinen Medikamentenliste nicht geschlussfolgert werden, was Sie genau wofür einnehmen sollen bzw. welche Krankheiten damit behandelt, welche Komplikationsrisiken eingedämmt werden sollen.
Dennoch vermute ich, dass zumindest ein oder zwei Blutdrucksenker abgesetzt oder die ganze Medikamentengruppe Herz/Kreislauf neu umgestaltet werden könnte. Zumindest Valsartan ist überflüssig, da Sie ja auch Aliskiren einnehmen und dieses die Bildung eines Stoffes hemmt, der in der Hormonkette vor dem Wirkort des Valsartans liegt. Eine Mischtherapie wäre nur denkbar, wenn am recht teuren, weil neuartigen Alsikiren gespart werden muss (mehr dazu wissen Arzt und ggf. die Krankenkasse).
Was jedoch mögliche Probleme beim Zusammenwirken der einzelnen Medikamente angeht, bin ich überfragt. Wo ich davon wusste, habe ich auf möglicherweise für Sie problematische Gegenanzeigen und Nebenwirkungen hingewiesen, jedoch sollte sich da Ihr Apotheker wesentlich besser auskennen.

Vor dem Hintergrund der nicht geringen Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Arzneimittel miteinander interagieren oder dass u.U. einzelne Präparate überflüssig sein könnten, sollten Sie in jedem Falle Ihren Arzt (und auch Ihren Apotheker!) bitten, diese doch eher umfangreiche Medikationsliste noch einmal auf Herz und Nieren zu überprüfen. Vielleicht stellt sich ja tatsächlich heraus, dass eines der Medikamente abgesetzt werden kann.

Mit freundlichen Grüßen,
jaZoo

PS: Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber da ich mich derzeit intensiv damit beschäftige und unter Ihren Arzneimitteln auch ein NO-Spender, Pentaerythrityltetranitrat, enthalten ist, will ich gleich die Gelegenheit nutzen und Sie vor einer nicht mit Ihrem Arzt abgesprochenen Einnahme von Viagra warnen, da die Kombination Sildenafil + NO-Spender zu drastischen und u.U. lebensgefährlichen Blutdruckabfällen führen kann. Dies nur am Rande und weil Sie ja noch zusätzlich einige Blutdrucksenker einnehmen.