Was findet der E-Check, was nicht?

Hallo Wissende,

eben war grad in der ARD Ratgeber „bauen und Wohnen“ ein Kurzbericht.

Da ist leider irgendwo eine Frau gestorben als sie aus der Dusche heraus den metallenen Handtuchhalter anfasste, der Vormieter hatte wohl beim Befestigen eine stromführende Ader kontaktiert.
Und es gab wohl schon einen FI, irgendwie war der fehlerhaft, aber lassen wir das weg, 70 % der Wohnungen haben gar keinen FI, so sagten sie im Beitrag.

Daraufhin wurde im Beitrag der E-Check empfohlen.

Jetzt meine Frage, wären die Elektriker beim E-Check auf das tötliche Risiko der Handtuchhalterung gestossen durch irgendwelche Messungen?
Oder müßten sie dafür alles was an die Wand geschraubt wurde einzeln überprüfen?

Frage2, man sah einen Elektriker wie er von Steckdose zu Steckdose ging und da einen Stecker einsteckte der mit einem Meßgerät verbunden war wo er aufs Display schaute.
Wie heißt so ein Gerät?

Danke ^ Gruß
Reinhard

Jetzt meine Frage, wären die Elektriker beim E-Check auf das
tötliche Risiko der Handtuchhalterung gestossen durch
irgendwelche Messungen?

KANN sein - muss aber nicht.
Hat der Handtuchhalter nur Kontakt zum Außenleiter („Phase“), dann zeigt eine Isolationsmessung nur einen minimal erniedrigten Wert an, da der Handtuchhalter eine Brücke von Außenleiter zum MAuerwerk herstellen wird, welche bei trockenem Mauerwerk durchaus im Megaohm-Bereich sein könnte und als „guter Wert“ durchgehen wird.

Oder müßten sie dafür alles was an die Wand geschraubt wurde
einzeln überprüfen?

Nicht abschrauben, aber eine Messung vom Handtuchhalter zum Schutzleiter („Erde“) hätte den Fehler gefunden.
Das ist aber nicht vorgeschrieben, da der Handtuchhalter kein Teil der Elektroinstallation ist (bzw. hier: „hätte sein sollen, war er ja leider“).

Ich nehme diesen Fall als Anreiz, ab sofort im Bad sämtliche berührbaren Metallteile gegen PE zu messen. Das habe ich bisher nicht gemacht (und auch nicht machen müssen), aber danke für die Anregung!

Frage2, man sah einen Elektriker wie er von Steckdose zu
Steckdose ging und da einen Stecker einsteckte der mit einem
Meßgerät verbunden war wo er aufs Display schaute.
Wie heißt so ein Gerät?

Installationstester.

Und obwohl Du nicht fragtest, sage ich kurz, was dieser misst:

Direkt beim Einstecken erkennt er, ob am Schutzkontakt ein Leiter angeschlossen ist, der keine Spannung führt.
Hat der Schutzkontakt 230V: Rote LED leuchtet.
Ist der Schutzkontakt nicht angeschlossen: Rote LED.
Wenn am Schutzkontakt der Neutralleiter („Null“) oder Schutzleiter („Erde“) angeschlossen ist, gibt es GRÜN.

Nun erfolgt eine Messung.
Wenn ein RCD („Fehlerstrom-Schutzschalter“) vorhanden ist, werden einige mA (weniger als der Auslösestrom des RCD) auf den PE gegeben.
An der Spannungsanhebung des Schutzleiters erkennt das Gerät den WIderstand des selbigen. Ein Messergebniss würde also so aussehen:
Schutzleiterwiderstand = 1 Ohm
Berührungsspanunng bei 500mA RCD = 0,5 V
Auch hierbei kann noch nicht erkannt werden, ob am Schutzkontakt Neutral- oder Schutzleiter angeschlossen ist!
Erst eine zweite Messung schafft Klarheit.
Jetzt wird nämlich ein Mehrfaches des Auslösestroms auf den Schutzleiter gegeben. Der RCD muss nun innerhalb kürzester Zeit auslösen, auch hierbei wird der Schutzleiterwiderstand gemessen und angezeigt. Ein Messergebniss würde also so aussehen:
Re = 1 Ohm
Ub = 0,5V
Auslösezeit ta = 23 ms

Den Schutzschalter in der Verteilung prüft man einmal:
Dazu wird ein ständig steigender Wechselstrom auf den Schutzleiter gegeben, so dass als Ergebniss nicht nur die Auslösezeit bei kräftigem Fehlerstrom (Messung mit sofortigem Auslösen) bekannt ist, sonder auch der genaue Strom, bei dem eine Auslösung erfolgt. Dieser Strom darf nicht unter der Hälfte des aufgdruckten Auslösestroms sein und nicht höher als dieser.
Meist liegt er so bei 2/3 des Nenn-Auslösestroms.

Hallo xstrom

Ich nehme diesen Fall als Anreiz, ab sofort im Bad
sämtliche berührbaren Metallteile gegen PE zu messen. Das habe
ich bisher nicht gemacht (und auch nicht machen müssen), aber
danke für die Anregung!

Sehr gute Idee.

Und ich nehme diesen Fall als Anreiz, weiterhin den Teil der aktuellen VDE 0100 Teil 701 zu mißachten, in dem immer noch steht, daß fest angeschlossene Wassererwärmer und deren Zuleitung nicht über RCD geschützt werden müssen.

Hans

Und ich nehme diesen Fall als Anreiz, weiterhin den Teil der
aktuellen VDE 0100 Teil 701 zu mißachten, in dem immer noch
steht, daß fest angeschlossene Wassererwärmer und deren
Zuleitung nicht über RCD geschützt werden müssen.

Wir missachten sie ja nicht, sondern nehmen den DLE freiwillig zum RCD-Schutz dazu. Habe ich auch noch nicht anders gemacht. Ich bin ehrlich, ich wusste bis zur Meisterschule gar nicht, dass man den DLE nicht an den RCD hängen muss…

Guten Tag,

Ich bin ehrlich, ich wusste bis zur Meisterschule gar nicht,
dass man den DLE nicht an den RCD hängen muss…

VDE Vorschriften kannte ich vorher kaum. Nur allgemeines - mündlich überliefert. Weiß gar nicht, ob mein früherer Chef überhaupt das VDE Abo hatte, geschweige denn mal in die Neuerungen reingeschaut hat.

Hans