Was für ein Motortyp treibt den Lüfter an?

N’Abend,

ich habe hier einen Lüfter für Netzspannung. Der beherrscht zwei Geschwindigkeitsstufen. Deren Auswahl erfolgt durch Aufschalten der Phase auf Klemme 2 oder 3 am Klemm-„Brett“.

Die nominellen Angaben behaupten 22 W auf Stufe 1 und 25 W auf Stufe 2, keine Ahnung, ob hier elektrische Leistungsaufnahme (liegt nach meinen Messungen nahe) oder mechanische Leistungsabgabe gemeint sein soll.

Gemessen habe ich tatsächlich auf beiden Geschwindigkeiten - fast identisch - rund 25 W. Stufe 2 ist aber erheblich langsamer als Stufe 1, also die Drosselungsfunktion ist definitiv gegeben.

Wie kommt es aber nun, dass die angeblich geringere Leistungsaufnahme in Stufe 1 nicht einritt?

Also habe ich weiter gemessen…
Zwischen L-Klemme der Stufe 1 und N 890 Ohm und zwischen L-Klemme 2 und N 690 Ohm. Zwischen den beiden L-Klemmen 1 und 2 sind es 200 Ohm. Dies verleitete mich zur Annahme, dass einfach ein Widerstand mit 200 Ohm zur Drosselung verwendet wird.
Um das zu verifizieren, habe ich noch Spannungswerte gemessen, die meine Annahme leider konterkarieren: Auf Stufe 1 liegen um die 45 V (hätte ca. 20 V erwartet) zwischen den L-Klemmen 1 und 2 an. Auf Stufe 2 sind es sogar 65 V. Zwischen N und der jeweils „schwebenden“ L-Klemme messe ich 195 V auf Stufe 1 und 237 V auf Stufe 2, bei lediglich knapp über 220 V an der Steckdose!

Lüfter dieser Größenordnung haben ja zumeist Spaltpol-Motore. Und auf Grund der Spannungsmesswerte und praktischer Erwägungen kommt ja eigentlich nur in Frage, dass es zwei konduktiv an irgendeiner Stelle verbundene Motor-Wicklungen oder vielmehr (auf Grund der Widerstandswert-Konstellation) eine Wicklung mit Anzapfung gibt.

Und jetzt bitte ich euch um konstruktives Rätselraten!

Welchen Motortyp vermutet ihr und wie ist die Zweistufigkeit umgesetzt? Und warum ist die Leistungsaufnahme auf Stufe 2 überhaupt nicht geringer? Da muss es ja an irgendeiner Stelle reichlich Verluste geben.

Zusatzfrage: Was würde passieren, wenn man L gleichzeitig auf beide Klemmen 1 und 2 läge? Und was wäre, wenn man L und N an an die beiden L-Klemmen 1 und 2 packen würde?

Gruß
Marius

L auf 1 und 2: Der Motor wird wohl mit höchster Leitung laufen.
L und N auf 1 u. 2: Vermutlich wird eine der Wicklungen überlastet, überhitzt u. zerstört.

Ist es denkbar, dass zur Leistungsreduktion einfach ne Gleichrichterdiode verwendet wird, um ne Sinushalbwelle abzuschneiden? Bei Fönen kenn ich sowas.

Wirklich Watt und nicht VA?

Wirklich Watt. Der Leistungsfaktor ist laut Messgerät auch tatsächlich > 95 %, also nimmt es sich eh nicht viel. Hatte ich vergessen zu erwähnen. Speicht eigentlich gegen Spaltpolmotor.

Ich erinnere mich an einen ähnlichen Fall, der Anfang meiner Lehrzeit für Köpferauchen sorgte. Wicklungsmessungen ergaben glaubwürdige Widerstandswerte, auch drehen liess er sich.
Der Motör war sovietischer Herkunft (ich glaube Tschechoslowakei).
Erst beim Zerlegen entdeckten wir einen Kondensator, der IN die Wicklung mit eingelegt war. (Ich war noch Grünschnabel).
Dieser war durchgeschossen/legiert, daher messbarer Wid., wenn ich mich richtig erinnere.

Gruss; Kudo

Da mein Exemplar nagelneu ist, würde ich einen Defekt eher für unwahrscheinlich halten.

Ja, das wird mitunter gemacht. Hier gibt es aber keine Hinweise darauf. Da müsste in Stufe 1 ein deutlich schlechterer Leistungsfaktor erkennbar sein.

Simulierte 2. Phase vielleicht?

Ist anzunehmen. Aber es kommt ja noch ein Aspekt hinzu: Wenn einer der beiden Anschlüsse offen bleibt, wird offenbar auf induktivem Wege eine Spannungsdifferenz dorthin erzeugt. Nun würde man diese aber praktisch kurzschließen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich folglich bei gleicher Drehzahl eine höhere Leistungsaufnahme ergibt.

Du spielst auf einen Kondensatormotor an? Ich glaube, die haben tatsächlich mit die besten Leistungsfaktoren. Aber dann müsste der Kondensator irgendwo versteckt und nicht austauschbar angeordnet sein.

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Geht aber nur mit permanenterregtem Gleichstrommotor.

Beim Universalmotor müsste das m. E. auch gehen. Elektrisch erregte Gleichstrommotoren sollten damit auch halbwegs laufen.

Da bin ich mir nicht ganz sicher. Die Statorwicklung wird ja dann mit pulsierendem Gleichstrom beaufschlagt, was zu einer erhöhten Stromaufnahme führen könnte.