Was gehört zur Geschichtswissenschaft?

Liebe Historiker/innen

Geschichtswissenschaft beschäftigt sich mit vergangenen Ereignissen
und Entwicklungen. Müssen Ereignisse oder Entwicklungen abgeschlossen
sein, bevor man sie wissenschaftlich bearbeiten kann? Wann ist ein
Ereignis ‚vergangen‘? Wann ist eine Entwicklung ‚abgeschlossen‘? Wie
weit müssen solche Ereignisse und Entwicklungen zurück liegen? Müssen
die Historiker/innen in jedem Fall fünfzig Jahre warten, bis sie ein
Thema wissenschaftlich bearbeiten dürfen?
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtswissenschaft
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_%28Begriffsk…

Sollten Historiker/innen auch Sandkastenspiele machen: „Was wäre
geschehen, wenn …“
Sollten Historiker/innen auch Prognosen stellen: „Man kann aus der
Geschichte lernen; wenn ihr das wieder soundso macht, dann geschieht
dies und jenes …“

Mit Gruss & Dank

Rolf

Hi Rolf

Müssen
die Historiker/innen in jedem Fall fünfzig Jahre warten, bis
sie ein
Thema wissenschaftlich bearbeiten dürfen?

Das wäre mir neu. Geh mal in die Buchhandlung und schau nach Literatur z. B. zum Thema „Wiedervereinigung“ oder „DDR“. Wenn das keine historischen Abhandlungen sind, die du dann findest, was ist es dann?
Was wäre denn mit der Zeitgeschichte? Dürfte darüber nicht geforscht werden??? Oder dürfen das nur Politikwissenschaftler, nicht aber Historiker machen?

Müssen Ereignisse oder Entwicklungen
abgeschlossen
sein, bevor man sie wissenschaftlich bearbeiten kann? Wann ist
ein
Ereignis ‚vergangen‘? Wann ist eine Entwicklung
‚abgeschlossen‘?

Gute Frage über die man bestimmt diskutieren kann. Ich würde so ansetzen: ein Ereignis ist und bleibt ein Ereignis: Regierungswechsel 1998. Das „Ereignis“ war damit abgeschlossen. Nicht so die Entwicklung. Wann eine Entwicklung abgeschlossen ist, hängt sicherlich davon ab, was Gegenstand der Betrachtung ist und wie sehr es eingegrenzt wird.

Sollten Historiker/innen auch Sandkastenspiele machen: „Was
wäre
geschehen, wenn …“
Sollten Historiker/innen auch Prognosen stellen: „Man kann aus
der
Geschichte lernen; wenn ihr das wieder soundso macht, dann
geschieht
dies und jenes …“

Schön, dass du die beiden Fragen mit „Sollten…?“ formuliert hast. Meine Meinung: NEIN. Und meines Wissens ist das auch allgemein nicht üblich. Ich weiß, dass diese „Was wäre wenn…“ Spiele zu manchen Zeiten durchaus modern waren. Ich glaube in der Generation meiner Eltern, da wurde im Schulunterricht damit gearbeitet. Heute jedenfalls ist es nicht mehr üblich, weder in der Geschhichtswissenschaft noch im Schulunterricht.
Zum Lernen aus der Geschichte: Im Sinne Deiner obigen Formulierung „wenn ihr das wieder so und so macht geschieht das und das…“. Ebenfalls ein überholter Ansatz. Ein wenig findet man das noch bei den Römern und in der Renaissance (Bodin, Macchiavelli, wobei die das auch nicht so formuliert haben). Der im 19. Jh. aufkommende Historismus hat sich davon völlig losgemacht, indem er sagt, Geschichte ist individuell und einmalig.
Ich würde sagen lernen kann man trotzdem draus: in der ethischen Auseinandersetzung zum Beispiel. Oder bei dem Versuch zu begreifen, warum manche Dinge geschehen. Der Nahost-Konflikt z.B. ließe sich nicht mal annähernd begreifen ohne eine Auseinandersetzung mit den historischen Hintergründen.

gruß von kati

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Besten Dank

Besten Dank. Von mit aus kann man diese Diskussion schliessen.

Freundlich grüsst

Rolf