Was genau wird bei einer ADS/ADHS Diagnose gemacht

Hallo, ich wollte wissen was konkret bei einer Diagnose gemacht wird und gewichtet.
Also die Frageboegen und der Test. Und bei dem Test was sind das fuer Test reicht der HAWIK aus? Ist das nur ein IQ Test? Wie wird dann die Diagnose gestellt?
Gruß Max

DP in Medizin owt
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Hallo Max,
so weit ich weiss, gibt es keine zuverlässige diagnostische Erhebung / Test der ADS / ADHS ermittelt.
Bei einem Verdacht auf ADS / ADHS werden Gespräche geführt (mit dem Betroffenen, mit den Eltern, Erziehern, Lehrer oder Kinderarzt) und es wird in verschiedenen Tätigkeiten beobachtet.
In erster Linie stellt das Testverfahren aber ein Ausschlussverfahren dar, d.h. es werden zunächst eventuelle körperliche Leiden (z.B. Stoffwechselerkrankungen, Seh- und Hörstörungen) ausgeschlossen.

Auf psychologischer Ebene werden ebenfalls Störungen versucht auszuschießen (z.B. Lgasthenie, Konzentrationsschwäche, bipolare Störungen, Angststörungen oder Dyskalkulie).

Also kein Fragebogentest im Stil eines IQ-Tests. Der IQ sagt nicht direkt etwas über eine ADS / ADHS Störung aus. (HAWIK ist ein reiner IQ-Test).

Aber es gibt sehr viel zu diesem Thema - google doch mal!

Viele Grüße

Hallo,

das UP wurde im Brett ‚Medizin‘ inzwischen gelöscht.

MfG
Montanus

leider macht´s kaum einer!
hi,

eine psychiatrische diagnose, so auch die „einfache hyperaktivitäts- und aufmerksamkeitsstörung“ -auch genannt: „adhs/ads“, wird immer aus den ergebnissen psychologischer tests UND dem persönlichen (klinischen=heilkundlichen) eindruck des behandlers getroffen.

die ergebnisse der tests können dabei auch dem klinischen eindruck des behandlers und dessen bewertung unterliegen, z.b. wenn eine unauffällige konzentrationsleistung im test gezeigt wird, aber die hyperaktivität und ablenkbarkeit in der therapeutischen situation und nach aussage der lehrerin auch in der schule deutlich sind.

der behandler sucht sich seiner meinung nach geeignete tests aus, der hawik ist ein iq-test und vor da her sehr gut geeignet, adhs zu testen, weil die darin enthaltenen aufgaben eine leistungsanforderung darstellen, die neben der fähigkeit, bestimmte probleme zu lösen auch den blick auf den patienten ermöglicht, wie dauerthaft konzentriert er/sie an die probleme drangeht. adhs zeigt sich vorrangig als beeinträchtigte aufmerksamkeitsleistung mit spontanen abbrüchen der leistungsaktivität in eine einzige richtung.

kinder, die bei mir einen iq-test machen, zeigen sich damit auch in sachen auffälligkeit in bezug auf adhs. es gibt auch computertests zur aufmerksamkeits-ermittlung.

die diagnose kann aber nur gestellt werden, wenn alle anderen störungen, die eine einschränkung der aufmerksamkeitsleistung (auch mit tests und befragungen/ interview) mit sich bringen, ausgeschlossen sind. solange das nicht erfolgt ist, UND DAS IST LEIDER DIE REGEL, handelt es sich um eine verdachtsdiagnose!

solche anderen psychischen störungen, die hyperaktiv und unaufmerksam machen, sind:

-angst
-depression, agitierte form
-traumafolgen
-aggression
-impulskontrollstörung
-psychosoziale deprivationsfolgen (schlimme und belastende lebensbedingungen)
-anpassungsstörung nach belastenden lebensereignissen bis zur dauer von ca. 6 monaten
-u.a.

es ist eine tatsache, das oft zu ungenau und zu schnell adhs diagnostiziert wird. gleichzeitig ist es aber auch aus patientensicht fast egal, denn wenn ich als behandler erkenne, wie das problem aussieht und hilfreiche interventionen anbiete, die das symptom zurückführen, war es im nachhinein unwichtig, wie es geheissen hat.

wichtiger als der name ist die richtige behandlung!

Hi

es ist eine tatsache, das oft zu ungenau und zu schnell adhs
diagnostiziert wird. gleichzeitig ist es aber auch aus
patientensicht fast egal, denn wenn ich als behandler erkenne,
wie das problem aussieht und hilfreiche interventionen
anbiete, die das symptom zurückführen, war es im nachhinein
unwichtig, wie es geheissen hat.

wichtiger als der name ist die richtige behandlung!

Der Name, gerade bei „Syndromen“, also Symptomzusammenfassungen*, dient im Zweifelsfall gerade dazu, von der Behandlung abzulenken.

(Die Schublade ist gebaut und das ist schon die halbe Miete, Person ist Patient, somit behandlungsbedürftig, und nur Fachleute brauchen sich darüber Gedanken zu machen- Verantwortungsdelegation ist gefragt. Sorry, nicht meine Art und Weise.)

Bei „Syndromen“ sagt dies doch schon aus, dass sie nur eine Schublade für Symptome, also „Zeichen“ sind. Der Hintergrund ist komplex und „belastet“ vor allem die Eltern- und „die Gesellschaft“, daher ist es ja so einfach, alles in einen Topf zu werfen und eine Pampe draus zu backen und das irgendwie zu bezeichnen.

Pampen brauchen außerdem Schubladen, damit sie sich nicht in der Umgebung ausbreiten.

Gruß Anwärter

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Ganz einfach: Der Arzt liest dem Kind einen Auschnitt aus einem Roman vor. Zum Beispiel etwa drei Stunden lang „Der große Gatsby“. Dann fragt er das Kind zum Beispiel, wieviele Tassen Daisy auf Seite 17 aus dem Schrank nimmt. Weiß das Kind die richtige Antwort nicht, hat es mit absoluter Sicherheit ADS.

Wenn ich noch böser wäre, würde ich jetzt fragen, wie man eine Krankheit diagnostizieren soll, die gar nicht existiert. Aber das ist sicherlich falsch, die Krankheit existiert natürlich. Ich habe nur nicht gut genug aufgepasst.

Gruß
Ultra

Hallo!

es ist eine tatsache, das oft zu ungenau und zu schnell adhs
diagnostiziert wird. gleichzeitig ist es aber auch aus
patientensicht fast egal, denn wenn ich als behandler erkenne,
wie das problem aussieht und hilfreiche interventionen
anbiete, die das symptom zurückführen, war es im nachhinein
unwichtig, wie es geheissen hat.

wichtiger als der name ist die richtige behandlung!

Ich kann deine Logik da schon nachvollziehen, aber gerade bei ADHS greift das m.E. schon zu kurz:

  1. Es ist ja nicht unbekannt, dass sich Patienten gerne mit „ihrer“ Diagnose identifizieren bzw. dass Diagnosen auch als bloße Namen schon psychosoziale Relevanz haben.
    Bei ADHS ist dies sicher verstärkt der Fall, weil es ein allgemein bekanntes Label ist, das dazu auch eine sehr hohe Identifikationsbasis bietet, weil es die ganze Persönlichkeit erklären zu können scheint: „Ich bin ADSler“

  2. Es ist auch ansatzweise erforscht, wie sehr Lehrer oder Nachhilfelehrer plötzlich einen Schüler ganz anders wahrnehmen und mit ihm anders interagieren, nur weil sie gehört haben, er habe ADHS.

  3. Etwas typisches für ADHS sind die oft sehr seltsamen Formen des Medikamenten-Controllings durch die Eltern, die in vielen Fällen die Einnahme von idR Ritalin 3-4 am Tag penibel kontrollieren, ja geradezu zum Familien-Ritual erheben, dann aber wiederum in den Schulferien das Medikament ganz absetzen, weil sie meinen, da wäre es nicht so wichtig, weil ja jetzt keine Schule sei (vielleicht entlasten manche so auch mehr oder minder bewusste eigene Schuldgefühle), obwohl dieses Absetzen medizinisch völlig sinnlos ist.
    Ich denke, auch hier hat das viel mit dem Label zu tun, weil dadurch ja zugleich die Eltern zu „ADS-Eltern“ werden, die sich dann an den (medial vermittelten) typischen Verhaltensmustern von „ADS-Eltern“ orientieren. Auch hier also nochmal ein zweiter Identifizierungsvorgang.

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð € _

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***
*g*

Hi Max,

solange es nach dem Testen hektoliterweise Ritalin gibt, ist doch alles im grünen Bereich. :smile:

Glücklicherweise findet langsam ein Umdenken statt und nicht jeder Arzt schwört mehr auf das scheinbar doch nicht alleinig glücklichmachende Ritalin.

http://www.adhs.ch/adhs/diagnostik/diagnostik2.htm
http://www.ads-hyperaktivitaet.de/ADHS/Ziele/multimo…

Ciao,
Romana