Was hätte geholfen?

Guten Morgen,

Ich bin ein bisschen durcheinander und weiss nicht, wie ich mich hätte verhalten sollen in in dieser Situation:

Ich bin heute abend in einen Park gegangen zum Boule spielen und hab mich zu einer Frau auf eine Bank gesetzt. Die Frau war offenbar betrunken und ich setze mich zu ihr, weil es die einzige trockene Bank
wegen eines vorangegangenen Regenschauers war. Sie war mir auch nicht unsympathisch.

Sie sagte sofort, dass ich mich da nicht hinsetzen könne und weg gehen sollte, da sie Probleme habe und vorhabe, sich jetzt umzubringen. Sie telefonierte laut mit mehreren Bekannten und kündigte darin auch ihren Suizid an. Ich wußte nicht, was ich tun sollte und habe ihr angeboten, sie zum nächsten Krankenhaus zu begleiten. Sie lehnte ab, da wolle sie auf keinen Fall hin.

Ich habe mich dann abseits woanders hin gesetzt, sie beobachtet, als sie weg und weit hinein in die Parkanlage ging. Sie setzte sich in die Wiese, telefonierte weiter, über einen sehr langen Zeitraum, in dem ich ab und zu noch mal hinsah, sie irgendwas herumwurschtelte, wahrscheinlich denke ich jetzt, dass sie versuchte, sich einen Arm abzubinden und sich eine Spritze setzte. Als ich später wieder hinschaute, sah ich, dass sie von einer Ambulanz regungslos
abtransportiert wurde.

Ich fühle mich jetzt nicht schuldig, aber nicht gut. Hätte ich sofort bei einer betrunkenen Frau mit Suizidabsicht einen Notarzt rufen sollen,
hätte ich ihr die Tasche wegnehmen sollen, hätte ich auf ihr wirres Gespräch eingehen sollen ("Mein Leben ist Scheisse,
keiner kann helfen etc). Irgendwie denke ich doch, ich hätte mich anders verhalten können. Was tut man am besten in einer solchen Situation?

Danke für einen Rat
orangegestreift

Moin

Sie sagte sofort, dass ich mich da nicht hinsetzen könne und
weg gehen sollte, da sie Probleme habe und vorhabe, sich jetzt
umzubringen.

hier ruft man die Polizei und die kümmert sich um den Rest.

Wie man einen Menschen, der einen Selbstmord ankündigt, tatenlos sich selbst überlassen kann, verstehe ich nicht.

Christian

Hallo Christian,

Wie man einen Menschen, der einen Selbstmord ankündigt,
tatenlos sich selbst überlassen kann, verstehe ich nicht.

ich gebe zu bedenken, dass eine Menge Leute mit so einer Situation vollkommen überfordert sind und nicht so umsichtig wie du reagieren.

Was bringt es dir, orangegestreift jetzt solche Vorwürfe zu machen, frage ich mich ernsthaft.

Er/sie hat ja nun, wie es scheint, doch ganz erhebliche Bedenken und dafür zu sorgen, dass er/sie sich jetzt noch mieser fühlt, bringt die Selbstmörderin auch nicht wieder auf die Beine.

Gruß

Annie

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Hallo,

Du hast recht, etwas. Fakt bleibt, er/sie/es hätte die Polizei rufen müssen. Ganz objektiv.

Ändern kann man das nun nicht mehr, das ist klar.

ABER…wenn wenigstens EIN Mensch daraus etwas lernt, ist schon was erreicht.

Unterlassene Hilfeleistung redet man nicht einfach so weg. Die Schuldgefühle haben dort ihren Platz. Nur weil andere Menschen sich genauso idiotisch verhalten, ist das weder Entschuldigung noch Rechtfertigung.

Gruss
Petra

Hallo Petra,

so wollte ich das jetzt aber wirklich nicht verstanden wissen. So, die Frau ist jetzt hinüber, nix mehr zu ändern, Schwamm drüber. Nee, echt nicht.

Jedoch sollte man jemanden in einem öffentlichen Forum, der sich gewissermaßen dahingehend outet, doch wohl ganz entschieden daneben gewirkt zu haben und nu einigermaßen bänglich fragt, wie denn beim nächsten Mal möglicherweise besser zu verfahren wäre, nicht einfach nur Vorwürfe machen, finde ich.

Natürlich hätte man Hilfe rufen sollen, ganz unbestritten. Aber wie du schon erwähntest, Hauptsache einer liest hier mit und lernt fürs nächste Mal daraus.

So gesehen, kann man über die Frage des UP wirklich nur froh sein.

Gruß

Annie

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Hi orange,

Hätte ich sofort bei einer betrunkenen Frau mit Suizidabsicht einen
Notarzt rufen sollen,

ja

Irgendwie denke ich doch, ich hätte
mich anders verhalten können.

Allerdings

Was tut man am besten in einer solchen Situation?

Den Notarzt oder die Polizei anrufen und bis zum Eintreffen die Frau in ein Gespräch verwickeln.

Gruß,

Anja

Hi,

Wie man einen Menschen, der einen Selbstmord ankündigt,
tatenlos sich selbst überlassen kann, verstehe ich nicht.

ich gebe zu bedenken, dass eine Menge Leute mit so einer
Situation vollkommen überfordert sind und nicht so umsichtig
wie du reagieren.

Was bringt es dir, orangegestreift jetzt solche Vorwürfe zu
machen, frage ich mich ernsthaft.

Ich zitiere aus dem Urspungspost:
„Ich fühle mich jetzt nicht schuldig, aber nicht gut.“
DAS bringt mich dazu, mich deutlicher auszudrücken.

Er/sie hat ja nun, wie es scheint, doch ganz erhebliche
Bedenken und dafür zu sorgen, dass er/sie sich jetzt noch
mieser fühlt, bringt die Selbstmörderin auch nicht wieder auf
die Beine.

Die Frage lautete: „Was hätte geholfen“ und nicht „Wie mache ich es, dass ich mich wieder besser fühle.“

Gruß

Christian

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Hallo,

Was bringt es dir, orangegestreift jetzt solche Vorwürfe zu
machen, frage ich mich ernsthaft.

Ich glaube die Geschichte nicht und halte es für eine provozierte Diskussion.

Gruß
Elke

Hallo Christian,

Wie man einen Menschen, der einen Selbstmord ankündigt,
tatenlos sich selbst überlassen kann, verstehe ich nicht.

ich gebe zu bedenken, dass eine Menge Leute mit so einer
Situation vollkommen überfordert sind und nicht so umsichtig
wie du reagieren.

ja, diese armen leute. solche menschen bringen es fertig, zuzusehen (oder besser: weg-), wenn eine frau mitten in einer belebten fußgängerzone vergewaltigt wird (so geschehen).
sie bringen es auch fertig, wegzusehen, wenn eine frau 9 x schwanger ist und 9 kinder bekommt, diese tötet und eintopft (auch das ist geschehen).
und sie bringen es fertig, jahrelang misshandelte oder vernachlässigte kinder nicht zu sehen (ebenso geschehen - und das sind keine einzelfälle!).

aber du sollst mal sehen, wie viel betroffenheitsschmus die ablassen können, wenns dann zu spät ist. dann kommen sie und dekorieren hunderte teddybären, stellen kerzen auf und beheulen das unglück, das nur durch ihr wegschauen möglich war.

ann

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Hallo orangegestreift,

ich war in meinem Leben bislang zwei mal in der Situation einer regungslosen Person konfrontiert. Es war nicht klar war, ob Person 1 tot ist oder nicht und bei Person 2, ob sie sterben wird, querschnittsgelähmt sein wird oder sonstiges.

Beide male war ich nahe am Geschehen und beide male hat es mich emotional sehr belastet.

Beide male habe ich alles drangesetzt um herauszufinden, ob die Frauen noch leben und wie es ihnen geht.
Beides waren Selbstmordversuche gewesen (im Gegensatz zu dir allerdings kam ich „zu spät“/ fand nur noch einen regungslosen Körper vor), ebenfalls haben beide überlebt.

Erst dies nahm mir das Bild des regungslosen Körpers von meinem geistigen Auge, das mich tage-/ wochenlang von morgens bis abends begleitete (und belastete).

Vielleicht hast du ja die Möglichkeit, die Ambulanz zu kontaktieren und herauszufinden, wo die Frau hingebracht wurde und wo sie sich inzwischen aufhält, wie es ihr geht bzw. ob sie überhaupt noch lebt oder tot ist.

Soviel dazu, wie du es eventuell schaffen könntest, dein ungutes Gefühl loszuwerden. (Öhm, natürlich nur der Voraussetzung, dass sie noch lebt - was zu hoffen ist…)

Grüße von jeanne