Innerhalb der letzten 15 Jahre, die ich meinen Hund nun habe, haben sich die Erziehungsmethoden sehr verändert sodass ich meine Erziehungs-Bücher ziemlich allesamt wegschmeißen kann…
Vor Anschaffung des nächsten Welpen würden mich daher eure Erfahrungen mit den aktuellen Methoden wie CLICKERN oder andere Arten der positiven Verstärkung interesieren.Davon hört man nun sehr viel, auf den Hundeplätzen wird es aber als Alternative noch kaum angeboten.
Wer hat damit schon Erfahrungen (positive oder negative) , ist eine Mischung der „alten“ mit den neuen Methoden sinnvoll, wie problematisch ist der Umstand, dass bis zu den Prüfungen das Clickern ja wieder abgebaut werden muss usw…
Die Frage macht auf den ersten Blick evtl. keinen Sinn, aber!
Es gibt unter den Hundehaltern die Ultrasanften, die Sanften die mal meckern können, die Kernigen, die Härteren, usw. usw.
Clicker ist keine Erfindung der letzten Jahre sondern basiert auf einem Wissen welches schon lange bekannt ist. Pavlow und seine Grnudlagen der Erziehung von Lebewesen.
Bei der Polizei arbeitet man seit ungefähr 1954 mit vergleichbaren Methoden wenn es um die Flächensuche, die Rauschmittelsuche oder beim THW der Personensuche geht. Allerdings ersetzte hier das Bringsel oft den Clicker.
D.h. mit Positiver Bestärkung arbeiten hat nie geschadet.
Der Unterschied aber ist, wenn du einen DSH dir anschaffst muss er angeblich scharf sein, besitzt eine Grundschärfe,um was zu taugen. Einen Border aber wirst du nur mit Brechen des Geistes zum SH bringen.
Einen Jagdhund aber z.B. vom Jagen abzuhalten wenn es eng wird und er gerade eine frische Fährte aufgenommen hat, ist mit Clicker und positiver Bestärkung eher unrealistisch.
Soll heißen, du machst aus keinem Fiat einen Ferrari nur weil du den Motor frisierst
Ihm aber die Grundbefehle beizubringen ist egal ob du es Clicker nennst oder Positives Arbeiten oder sonst wie, immer der richtige Weg.
Ob ich aber die Idee, zu Ignorieren statt zu strafen dann noch toll finde wenn der Welpe gerade mein Laptop annagt wenn ich 2 Sekunden aus dem Zimmer bin, stell ich mal in Frage. Da fliegt dann halt mal ein Schuh als UFO in Augen des Welpen gen seines Aufenhtaltsortes. Ob ich dabei treffen muss ist eine andere Sache. Der Schuh ansich reicht sicher aus. Alternativ Wasserspritze auf Strahl eingestellt wirkt wunder.
Nur Clicker zu nutzen sehe ich als generell falschen Weg an.
Nur Strafen ebenso.
Daher auch weiter unten im anderen Beitrag die Beiden Bücher von mir gemeinsam genannt.
Der Mittelweg ist denke ich der Beste von allem. Ultras haben noch nie etwas sinnvolles bewirkt sondern schwenkten irgendwann immer auf den Mittelweg um wenn es um Elementare Dinge ging. Nicht nur Hundler auch in der Politik zeigt es sich allzuoft. Und dann kamen wirklich gute Dinge bei raus.
Dafür aber dürfen meine Hunde bei mir im Rudel z.B. überall schlafen, sich ausleben.
Auch dies ist ein Weg Hunde zu erziehen. Indem man mit ihnen lebt, sie zum Zusammenarbeiten animiert und notfalls aber auch ganz punktuell straft.
Dies will Baumann uns im Grunde klar machen.
Mein Tipp geh den Mittelweg, geh weg vom Stachler, Vollwürger(oh sorry heißt ja----> Gesundheitswürger), schaff dir wenn du es vom Anblick her magst ein Hundegeschirr an, eine gute Hundepfeife, trainier mit Leckerli wie früher auch, aber zöger nicht wenn es um Leben anderer Menschen geht(Hund rennt auf Kind los und beißt, Hund jagt Hase über Strasse, Hund hetzt Fahrradfahrer usw.) hier auch mal robust zu intervenieren. Allerdings! und das ist neu für alte Hundler… sobald Verhalten gestraft, Hund wieder bei dir und Gefahr vorüber, sofort Streicheln und beruhigen. Dies baut eine unendliche Bindung auf die du weder über Clicker noch sonst wie erreichen kannst.
Der Hund braucht Vertrauen in deine Vorbildfunktion. Du lenkst, lobst, spielst und korrigierst Verhalten, dafür schützt und leitest den Hund an Dinge zu erleben die ihm dadurch nicht schaden daß du ihn davor bewahrst oder motivierst sie zu tun. Ob dann mit Clicker oder ohne ist egal, wichtig ist du tust es!
Gruß Steffen
Sei herzlich bedankt für deine interessanten Ausführungen, ich glaube, wir sind vonn der Erziehungsauffassung her ziemlich gleich.
Nun zu mir:Ich habe seit 15,5 Jahren einen Golden Retriever, machte alle möglichen Prüfungen wie Obidience, Fährte , Wasserrettung etc.(natürlich keinen Schutz) und hielt mich damals an den großen(mittlerweile etwas umstrittenen) Hundekenner Urs Ochsenbein und bin eigentlich gut damit gefahren.
Als Welpe wird mir nächstes Jahr wahrscheinlich ein „Weißer Schweizer Schäferhund“ ins Haus stehen und da ich an alten Methoden eben nicht unbedingt festhalte, möchte ich mal abchecken, wie der derzeitige Stand der Hundeeerziehung ist.
Das Buch von T.Baumann wurde auch in Rezessionen sehr positiv beurteilt und ich glaube es könnte mein nächster Leitfaden werden, das Erscheinungsjahr ist allerdings 2003, daher auch meine Frage, ob sich innerhalb der letzten 5 Jahre deiner Meinung nach grundlegendes geändert hat.
Ist nach deiner reichen Hundeerfahrung ein Nebeneinnander von CLICKERN u n d Baumann-Methode problemlos möglich?
Meine Bedenken gehen in die Richtung,dass bei Prüfungen nur Sicht.-oder Lautzeichen erlaubt sind und das Clickern daher bis zu diesem Zeitpunkt gänzlich abgebaut werden müsste. Ist das in der Praxis möglich?
Hallo Walter
also auch wenn Urs Ochsenbein nicht immer recht hatte so hat seine Denkweise bis heute bestand und wird respektiert von denen die nicht Extrem denken. Bei der Schweizer Hundetrainerausbildung(die ist staatlich anerkannt) tritt er nach meinen Erkenntnissen als Referent auf und wird als Grundlage genutzt. Daher ist er sicher nicht ganz falsch gelegen.
Zu der Frage nach der Aktualität von Baumann. Ganz ehrlich, ich lese heute noch Trummler und er ist aktueller denn je.
D.h. Baumann hat soweit mir bekannt es hie und da überarbeitet und ergänzt. Aber er geht im Buch auf alle gängigen Methoden der Erziehung und dem Pro und Contra der jweiligen Methode ein. Daher ist ein Miteinander immer möglich aber die Frage ist ob und wie du es anstellst.
Meine eigenen Hunde sind geclickert und robust erzogen.
Beides miteinander geht idR. problemlos wenn man für den Hund Einfühlungsvermögen mitbringt und nicht nur erziehen will.
Heißt: Das Beste Buch taugt nix wenn der Mensch nicht im Kopf die Fähigkeit besitzt zu erkennen was wann wie angebracht ist.
Das ist der Punkt den ich leider allzuoft bei Mainstreamtrainern erkennen muss. Crossover ist verpönt aber im Grunde die einzig sinnvolle Methode da sie alles abzudecken vermag was im Laufe eines Hundelebens auftauchen kann.
Eben so denkt Baumann und auch Bloch(Wobei seine Bücher ich nur bedingt empfehlen kann wenn es um Erziehungsfragen geht, er kann sicher super ausbilden aber es vermitteln kann er in Bücher leider kaum)
Daher es gibt immer die Möglichkeit ein Buch zur Ansicht zu bestellen. Nutz diese Möglichkeit, nimm dir etwas Zeit, lies dich rein, und wenn du denkst es passt zu dir, kauf es.
Nebenbei gibt es von Baumann auch das Welpenbuch. Allerdings halte ich es, wenn man das normale hat und Ahnung von Hunden besitzt für eher unsinnig da beide Bücher im Groben sich nicht unterscheiden.
Für weitere Fragen gern auch per Mail erreichbar
Gruß Steffen
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Super, dass wir von deiner Erfahung als Hundetrainer auf so direktem Wege profitieren können, die Fragen zur Hundeerziehung reißen ja niemals ab, DANKE!!
Besitze selbst fast alle Bücher von Trumler und schätze sie sehr. Grundlegende Erkenntnisse über Hunde unterliegen eben nicht dem Zeitgeist - und das ist gut so.
Leider befinden sich ja Trumler so wie Ochsenbein aktiv nicht mehr auf unserem so schönen blauen Planeten - sie werden in ihren Büchern weiterleben.
"Nebenbei gibt es von Baumann auch das Welpenbuch. Allerdings
halte ich es, wenn man das normale hat und Ahnung von Hunden
besitzt für eher unsinnig da beide Bücher im Groben sich nicht
unterscheiden."
Welches neuzeitliche Welpenbuch würdest du mir empfehlen wenn man noch keines hat?
Oftmals empfohlen werden auch die Bücher von Sabine Winkler im Kosmos Verlag, manche haben auch eine Geräuch -CD beigeschlossen - was hältst du davon?
Ich denke mit den beiden von dir empfohlenen Büchern über das Clicker -Training plus T.Baumann und einem guten Welpenbuch (?) bin ich fürs erste gut gerüstet und würde auch meinem Erziehungstyp „Nicht zu weich-nicht zu hart aber immer konsequent“ entsprechen.
Vielen Dank auch für dein Angebot, mich für sepezielle Fachfragen, die das Forum im Detail nicht so interesieren würde, mich direkt an dich wenden zu dürfen.
Liebe Grüße
Walter
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Wer hat damit schon Erfahrungen (positive oder negative) , ist
eine Mischung der „alten“ mit den neuen Methoden sinnvoll, wie
problematisch ist der Umstand, dass bis zu den Prüfungen das
Clickern ja wieder abgebaut werden muss usw…
Man sollte einfach nicht vergessen, das Clickern eigentlich für die Leute gedacht ist, die das Loben mit Stimme irgendwie nicht ordentlich hinkriegen. Viele loben entweder gar nicht, aber schimpfen lauthals, wenn Hundi irgendwas Unerwünschtes macht, oder der Hund kann Lob von Schimpfe nicht unterscheiden, weil beides mit dergleichen tiefen Raucherstimme in harschem Ton vorgenommen wird. Wer den Hund ordentlich loben kann, braucht keinen Clicker, um positiv zu verstärken. :o) Der Clicker soll dem Hund ja nur signalisieren, dass er was richtig gemacht hat, und das kann man auch anders auf vielfältige Weise dem Hund zeigen, so lange es sich eindeutig vom „Nein!“ unterscheidet.
RE: Einen Border aber wirst du nur mit Brechen des
hallo steffen,
dein artikel hat mir gefallen - mir gefällt nur nicht die aussage:
„Einen Border aber wirst du nur mit Brechen des Geistes
zum SH bringen.“ dafür habe ich kein verständnis. es gibt hundevereine, welche vornehmlich erziehen mit den willen brechen und den hund neu aufbauen.
Hi Manfred,
kathleen hat mich auch angeschrieben wegen dieses Satzes,
hier meine wörtliche Antwort für alle…
Ich vertrete hierzu folgende Meinung:
Ich mein damit daß ein Border Collie fast nie freiwillig einen Menschen im Sinne der SH I-III Prüfung stellen und attackieren wird, wie es z.B. ein Rottweiler Riesenschnauzer o.ä. durchziehen.
Will ich dieses erreichen, und es gibt solche Grenzdebilen Menschen, dann muss ich seien Willen brechen und ihm gegen seine Auffassung von Menschenbezug den Kampfwillen antrainieren auf unsanfte unsaubere Art.
Davon halte ich nix.-
Hoffe damit ist allen klar was ich meine…
Gruß Steffen
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Man sollte einfach nicht vergessen, das Clickern eigentlich
für die Leute gedacht ist, die das Loben mit Stimme irgendwie
nicht ordentlich hinkriegen. Viele loben entweder gar nicht,
aber schimpfen lauthals, wenn Hundi irgendwas Unerwünschtes
macht, oder der Hund kann Lob von Schimpfe nicht
unterscheiden, weil beides mit dergleichen tiefen
Raucherstimme in harschem Ton vorgenommen wird.
Wenn ich auch die „Herrchen kann nicht loben“ Problematik nachvollziehen kann, so möchte ich Deine Aussage trotzdem nicht ganz unterschreiben. Der Klicker hat durchaus Vorteile, auch wenn man richtig loben kann.
Der Klicker klingt unverwechselbar immer gleich. Der Klicker ersetzt auch nicht nur das stimmliche Lob, sondern auch das Leckerli - und da ist er schneller. Der Klicker ist auch schneller als die Stimme. In der Zeit wo ich Luft geholt und „PRIMA!“ gesagt habe, könnte ich 4x klickern - das hilft besonders dann, wenn es auf sekundengenaues Timing ankommt, z.B. beim Erlernen komplizierterer Abläufe in vielen kleinen Schritten. OK - um „SITZ“ zu lernen braucht man keinen Klicker.