Was hat Weizsäcker gemeint / was meint Ihr?

Hallo,

Carl Friedrich von Weizsäcker ist ein bedeutsamer Physiker. In seiner Jugend machte er mit Leuten wie Heisenberg und Bohr Skiurlaub und traf sich mit Dirac, Hahn und Pauli. Während des zweiten Weltkrieges wirkte er an der Entwicklung der Atombombe auf deutscher Seite mit, war allerdings der Meinung, daß sie unmöglich zu bauen sei. Nachdem die Amerikaner sie dann aber tatsächlich zum Einsatz gebracht hatten, war sein Leben der ethischen Diskussion über die Atombombe gewidmet.
In einem Stern-Interview von 1984 sagt er etwas, was ich nicht so ganz einordnen kann. Darüber möchte ich Euch fragen. Das Gespräch ist wie folgt:


Stern: War die Bombe [also] unvermeidlich? Liegt sei in der Logik der wissenschaftlichen Entwicklung?

C.F.v.W. Wenn ich simplifizieren soll, dann würde ich sagen, die ganze abendländische Kultur ist eine rasende Fahrt ins Unbekannte. Und Leute wie Francis Bacon und René Descartes haben das schon vor 350 Jahren gewußt. Die hatten nur die optimistische Meinung, das Unbekannte sei die Befreiung der Menschheit von allem Elend und Entsetzen, das bisher das menschliche Leben beherrscht hat. Aber ist eine rasende Fahrt ins Unbekannte. Und ich habe schon vor langer Zeit gesagt, es führt eine schnurgerade Straße von Galilei zur Atombombe. Der Kardinal Bellarmin, der Galilei daran hindern wollte, die Kopernikanische Lehre zu verbreiten, wußte, wovon er sprach. Wenn das mal erlaubt ist, daß da irgendein Professor aus Pisa oder Padua kommt und sagt: » Was da in der Bibel steht, stimmt gar nicht, sondern in Wirklichkeit ist die Sonne in der Mitte, und das kann ich Euch mathematisch beweisen, und guckt mal durch mein Fernrohr« - dann müssen nur 300 Jahre vergehen, und ein anderer Professor aus Princeton sagt: »Ich kann eine Waffe bauen, mit der kann ich 100.000 Japaner auf einmal umbringen.« Das ist genau die selber Denkweise.


Ich habe Herrn Weizsäcker so verstanden (das wird aus dem Rest des Artikels noch deutlich, den ich hier aber nicht mehr abgeschrieben habe), daß er sich wünscht, die Wissenschaftler würden von sich aus keine potentiell gefährlichen Dinge entwickeln.
Doch denke ich darüber, daß es wahrscheinlich sowieso nicht möglich ist, überhaupt es absolut ungefährliches zu entwickeln.
Und die andere Sache ist:
Warum nimmt Herr Weizsäcker gerade Galilei als Beispiel?

Hat Galilei wirklich einen Fehler damit begangen, indem er das heliozentrische Weltbild so laut herausposaunt hat?

Was war der Fehler? Wie hat er sich ausgewirkt?

Handelt es sich wirklich um die selbe Denkweise?

Diese Fragen sind rein interessenshalber gestellt, und haben nichts mit einer Deutscharbeit oder ähnlichem zu tun, auch wenn es dem anmutet :smile:

Viele Grüße

Bernhard

Hallo auch,

tatsächlich zum Einsatz gebracht hatten, war sein Leben der
ethischen Diskussion über die Atombombe gewidmet.

Ich denke hier liegt ein entscheidender Punkt. Wenn ein Gedanke einmal gedacht ist, dann ist das nicht mehr rückgängig zu machen.

Galileis Lehre hat sich durchgesetzt, wurde verbreitet und angewandt. C.F.v.W. könnte also damit seiner Besorgnis Ausdruck verleihen, daß dieses Wissen wiederholt „angewandt“ wird, und aber auch, daß dieses Wissen um den Bau sich weiter verbreitet - heute kennt jeder einigermaßen gebildete Mensch die Lehren Galileis.

Just my 2 cents,
Gruß,
Ingo

Hallo Bernhard,

Ich habe Herrn Weizsäcker so verstanden (das wird aus dem Rest
des Artikels noch deutlich, den ich hier aber nicht mehr
abgeschrieben habe), daß er sich wünscht, die Wissenschaftler
würden von sich aus keine potentiell gefährlichen Dinge
entwickeln.
Doch denke ich darüber, daß es wahrscheinlich sowieso nicht
möglich ist, überhaupt es absolut ungefährliches zu
entwickeln.

In jedem Krimi kannst du lernen wie man harmlose Aschenbecher, Statuetten und dergleichen als Mordinstrument benuzt.
Weiterhin kannst du in der Tagespresse nachlesen wie im Irak Nährböden, welche normalerweise zur Diagnostik verwendet werden, dazu benuzt wurden um Bakterien in grossen Mengen zu züchten.

Ich glaube damit ist bewiesen, dass es gar nicht möglich ist etwas ungefährliches zu entwickeln.

Und die andere Sache ist:
Warum nimmt Herr Weizsäcker gerade Galilei als Beispiel?
Hat Galilei wirklich einen Fehler damit begangen, indem er das
heliozentrische Weltbild so laut herausposaunt hat?

Weizsäcker versucht allgemeinverständlich zu bleiben, und Galileo ist nun mal ein Fall, den fast jeder kennt und dessen Auswirkungen heute noch wirken.

Was war der Fehler? Wie hat er sich ausgewirkt?
Handelt es sich wirklich um die selbe Denkweise?

Galileo hat das. bis dahin geltende, biblisch-göttliche, Weltbild geschwächt indem er Fehler der Bibel aufzeigte.
Die Kirche wiederum war nicht fähig einen Kompromiss einzugehen und beharrte darauf recht zu haben und „sägte“ damit an ihrem eigen Ast. Dadurch gingen die damaligen moralischen Werte verloren und alles führte logisch linear zu dem Punkt an welchem wird heute stehen.

Den entgegengesetzten Weg zu Galileo bestritt Leonardo. Wie sich vor ein paar Monaten wieder zeigte hat er in viele seiner Erfindungen kleine Fehler eingebaut, welche verhinderten, dass seine militärischen Erfindungen einfach nachgebaut werden konnten. Zum Funktionieren bringt man sie nur, wenn man soviel Wissen hat, dass man die Erfindung auch alleine machen kann.

Wenn ich simplifizieren soll, dann würde ich

sagen, die ganze abendländische Kultur ist eine rasende Fahrt
ins Unbekannte.

Das kannst du mit „Denn wir wissen nicht was wir tun !“ oder „Wir können es tun, also tun wir es auch !“ umschreiben.
Bekannte Beispiele:
DDT: Haben wird auf der ganzen Welt verteilt, bis es nichts mehr genuzt hat.
Klima: ist auch so ein Ding.

CH Aktuell: Es wird gerade um einen „Freisetzungs-Versuch mit gentechnisch veränderten Organismen“ der ETH vor Gericht gestritten. Die Begründung der ETH: „Andre Forscher tun das Gleiche und deshalb müssen wird das noch dieses Jahr auch tun“.

Solange wird nicht fähig sind aus unserer Geschichte zu lernen und etwas weiter voraus zu denken, wird immer alles automatisch und zwangsläufig zum nächsten Schritt führen. Alles immer schneller und, natürlich, globaler als bisher.

Es ist sicher nif fair jetzt Galileo die ganze Schuld zuzuschieben, denn er war nur Einer von Vielen.

MfG Peter)TOO)

Zu dem auf sehr interessante Weise angesprochenen Verhältnis von wissenschaftlicher Neugier und wissenschaftlicher „Respektlosigkeit“ einerseits und den politischen Konsequenzen aus wissenschaftlichen Entdeckungen und Erfindungen andererseits meine ich folgendes:

Es ist vollkommen falsch (aber anscheinend sehr verbreitet) durch Beschneidung von Gedanken- und Denkfreiheit sowie von Experimentierfreude unerwünschte politische Folgen zu verhindern versuchen. Ein solches System der Beschneidung müsste, um auf Dauer zu „funktionieren“, weltumspannend und dermassen totalitär sein, dass es so ziemlich mit das erste wäre, was man verhindern müsste. Diese Strategie ist also von vornherein ein Widerspruch in sich.

Das eigentliche Problem liegt im extremen Auseinanderklaffen und auch gezielten Auseinanderhalten von wissenschaftlich-technischen Fähigkeiten einerseits und politisch-sozialer Kompetenz andererseits. Dieses Auseinanderklaffen kann man wohl noch recht häufig feststellen.

Wenn sich irgendwo eine wissenschaftliche oder technische Entwicklung abzeichnet, die potentiell gefährlich ist, so ist diese kaum an die spezielle Personengruppe und Lokalität gebunden. Die Verhinderung der Entwicklung kostet Geld und bindet Ressourcen, letztlich wird es aber doch zu der unerwünschten Erkenntnis oder Erfindung kommen, weil die betreffende Idee ja vor allem ein Spross des bisher erreichten Standes der Technik oder Wissenschaft ist und sich nahezu zwangsläufig dann nur an anderem Ort oder zu anderer Zeit Bahn bricht.

Die richtige Strategie lautet meiner Meinung nach: Sich gegen die wechselseitige Isolation von wissenschaftlicher und politischer Kompetenz engagieren. Eine brisante Forschung nicht behindern, sondern den durch Verzicht auf Behinderung gesparten Aufwand positiv in politische, wirtschaftliche und soziale Massnahmen investieren, die eine Gegengewicht zu dem Gefahrenpotential der eigentlich nicht erwünschten Forschung bilden.

Torsten Theisinger

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Fehler von Leonardo, Zusatzfrage off Topic
Hallo,

Den entgegengesetzten Weg zu Galileo bestritt Leonardo. Wie
sich vor ein paar Monaten wieder zeigte hat er in viele seiner
Erfindungen kleine Fehler eingebaut, welche verhinderten, dass
seine militärischen Erfindungen einfach nachgebaut werden
konnten. Zum Funktionieren bringt man sie nur, wenn man soviel
Wissen hat, dass man die Erfindung auch alleine machen kann.

wo find ich da was drüber, hab ich noch nie von gehört?

Axel

Hallo Axel,

Den entgegengesetzten Weg zu Galileo bestritt Leonardo. Wie
sich vor ein paar Monaten wieder zeigte hat er in viele seiner
Erfindungen kleine Fehler eingebaut, welche verhinderten, dass
seine militärischen Erfindungen einfach nachgebaut werden
konnten. Zum Funktionieren bringt man sie nur, wenn man soviel
Wissen hat, dass man die Erfindung auch alleine machen kann.

wo find ich da was drüber, hab ich noch nie von gehört?

http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/…
http://www.fundus.org/referat.asp?ID=5087

Google liefert jede Menge an Infos über Leonardo da Vinci.

MfG Peter(TOO)