Was heißt, 'der Euro ist stark oder schwach'?

Hallo,

ich hab eine Frage,die mich schon länger beschäftigt. Wie macht man fest,ob eine Währung stark oder schwach ist? Alle sagen der Euro sei „stark“,aber woran sieht man das denn? Liegt es an der aktuellen Geldmenge,die im Umlauf ist? Kann man die überhaupt kontrollieren? Und was haben Länder mit anderer Währung für Probleme, ihre Währung zu halten? Ich versteh das irgendwie alles nicht,wär lieb wenn mir das einer erklären mag…

Hallo,

wenn der Euro „stark oder schwach“ ist, dann ist das normalerweise immer im Vergleich zu änderen Währungen. Meistens zum US-Dollar.

Wenn sich also der Wechselkurs zwischen beiden Währungen so ändert, dass man beim Umtauschen für einen Euro mehr Dollars bekommt, dann ist der Euro im Vergleich zum Dollar „stark“. Und umgekehrt.

Wo das genau herkommt, ist immer sehr schwer zu sagen, weil immer verschiedene Faktoren reinspielen. Wenn z.B. ganz Asien der Meinung ist, dass man jetzt dringend US-Staatsanleihen kaufen müsste, dann werden asiatische Währungen in Dollar umgetauscht. Es entsteht also eine erhöhte Nachfrage nach Dollar, was den Preis (Wechselkurs) nach oben treibt.
Solche Faktoren gibt es viele. Entscheidend ist im Prinzip immer, wieviele Geschäfte weltweit im US-Dollar abgewicklet werden.

Außerdem sind da ja auch noch die Spekulanten. Aber das führt jetzt zu weit… .

Gruß vom Money-Schorsch

Hallo,

wenn der Euro „stark oder schwach“ ist, dann ist das
normalerweise immer im Vergleich zu änderen Währungen.
Meistens zum US-Dollar.

Wenn sich also der Wechselkurs zwischen beiden Währungen so
ändert, dass man beim Umtauschen für einen Euro mehr Dollars
bekommt, dann ist der Euro im Vergleich zum Dollar „stark“.
Und umgekehrt.

Wo das genau herkommt, ist immer sehr schwer zu sagen, weil
immer verschiedene Faktoren reinspielen.

Soweit komme ich noch mit.

Wenn z.B. ganz Asien
der Meinung ist, dass man jetzt dringend US-Staatsanleihen
kaufen müsste, dann werden asiatische Währungen in Dollar
umgetauscht. Es entsteht also eine erhöhte Nachfrage nach
Dollar, was den Preis (Wechselkurs) nach oben treibt.
Solche Faktoren gibt es viele. Entscheidend ist im Prinzip
immer, wieviele Geschäfte weltweit im US-Dollar abgewicklet
werden.

Hier komme ich nicht mehr so ganz mit.
Wenn nun ganz Asien meint, dringend US-Staatsanleihen kaufen zu müssen, dann werden sicher viele US-Dollars nachgefragt, was dann wohl dessen Preis (Wechselkurs) nach oben treibt. Wenn dann aber diese Dollars wieder in Staatsanleihen umgetauscht werden, dann sind doch die ganzen US-Dollar wieder auf dem Markt bzw. erhöht sich dessen Angebot, was dann wieder zu fallenden Preisen (Wechselkursen) führen müßte. Oder nicht?
Das ließe sich doch nur vermeiden, wenn bspw. die Zentralbank der USA oder Zentralbanken in Asien diese Anleihen verkaufen und die US-Dollars dafür in ihre Tresore legen und sie somit dem Markt entziehen.

Außerdem sind da ja auch noch die Spekulanten. Aber das führt
jetzt zu weit… .

Tja, die spielen natürlich auch noch eine Rolle und haben es besonders leicht, wenn Regierungen oder Zentralbanken versuchen, einen in deren Augen angemessenen, Wechselkurs festzuschreiben.

Gruß vom Money-Schorsch

MfG

Hallo,

Hier komme ich nicht mehr so ganz mit.
Wenn nun ganz Asien meint, dringend US-Staatsanleihen kaufen
zu müssen, dann werden sicher viele US-Dollars nachgefragt,
was dann wohl dessen Preis (Wechselkurs) nach oben treibt.
Wenn dann aber diese Dollars wieder in Staatsanleihen
umgetauscht werden, dann sind doch die ganzen US-Dollar wieder
auf dem Markt bzw. erhöht sich dessen Angebot, was dann wieder
zu fallenden Preisen (Wechselkursen) führen müßte. Oder nicht?

ich glaube, dass Problem ist der Begriff „umtauschen“. Aus meiner Sicht ist das so:
Ein Japaner hat Yen und will US-Anleihen kaufen. Dann tauscht er Yen in USD, was die Nachfrage erhöht und den USD-Kurs zum Yen nach oben treibt.
Dann kauft er für seine Dollars Anleihen (was im Prinzip auch deren Kurs beeinflusst…). Diese sind und bleiben dann in USD notiert. In seinem Depot sieht er immer deren Gegenwert in Dollar.
Auf Währungsseite wird da also nichts mehr getauscht. Die Dollars bleiben im japanischen Depot.

Der Money-Schorsch

Hallo,

ich glaube, dass Problem ist der Begriff „umtauschen“.

Der Begriff mag auf den ersten Blick problematisch erscheinen, aber letztlich dient doch Geld nur als Tauschmittel. Gegen Geld tauscht man Waren, Dienstleistungen oder eben andere Währungen usw.

Aus meiner Sicht ist das so:
Ein Japaner hat Yen und will US-Anleihen kaufen. Dann tauscht
er Yen in USD, was die Nachfrage erhöht und den USD-Kurs zum
Yen nach oben treibt.
Dann kauft er für seine Dollars Anleihen (was im Prinzip auch
deren Kurs beeinflusst…). Diese sind und bleiben dann in USD
notiert. In seinem Depot sieht er immer deren Gegenwert in
Dollar.
Auf Währungsseite wird da also nichts mehr getauscht. Die
Dollars bleiben im japanischen Depot.

Na, ich denke im Depot liegen jetzt Anleihen. Diese werden zwar in Dollar bewertet, es sind aber eben keine. Irgendwer hat diese Anleihen doch verkauft. Und dieser irgendwer hat jetzt die Dollar. Und wenn dieser irgendwer nicht die Zentralbank ist und dieses Geld aus dem Verkehr zieht, dann ist es noch im Umlauf.
Beim oben beschrieben Geschäft besteht einmal eine Nachfrage nach Dollar (im Tausch gegen Yen) und gleichzeitig ein Angebot (im Tausch gegen Anleihen), so dass sich das doch aufheben müßte.
Oder noch kürzer. Der Japaner kauft für seine Yen US-Anleihen von jemanden, der dafür zum amtlichen Kurs Yen nimmt (vielleicht weil beide so die Wechselgebühren sparen). Dann ist das Ergenis doch das Gleiche. Der Japaner ist seine Yen los und hat dafür US-Anleihen. Und wer auch immer hat nach wie vor die Dollar, die einmal für die Anleihen bezahlt worden sind.
Demnach sollten solche Geschäfte keinen Einfluß auf die Wechselkurse haben. (Immer unter der Annahme, dass der Verkäufer der Anleihen nicht die Zentralbank ist.)

MfG

wenn der Euro „stark oder schwach“ ist, dann ist das
normalerweise immer im Vergleich zu änderen Währungen. Meistens
zum US-Dollar.

Die Betrachtung gegenüber einer Währung reicht in der Regel nicht aus um von einer Schwäche oder Stärke zu sprechen.

Zumeist werden mindestens 2 Währungen betrachtet.
Beim Euro zumeist USD und JPY.

Gruss HighQ

Hallo,

Na, ich denke im Depot liegen jetzt Anleihen. Diese werden
zwar in Dollar bewertet, es sind aber eben keine. Irgendwer
hat diese Anleihen doch verkauft. Und dieser irgendwer hat
jetzt die Dollar.

Wenn es der Emittent ist, dann hat er sich vom Japaner Dollar geliehen, die er vorher nicht hatte.

Und wenn dieser irgendwer nicht die
Zentralbank ist und dieses Geld aus dem Verkehr zieht, dann
ist es noch im Umlauf.

Es ist auf jeden Fall im „Umlauf“. Geld, das verliehen wird, ist doch nicht für die Dauer der Laufzeit aus der Welt. Es taucht z.B. in diversen Bilanzen immer wieder auf.

Beim oben beschrieben Geschäft besteht einmal eine Nachfrage
nach Dollar (im Tausch gegen Yen) und gleichzeitig ein Angebot
(im Tausch gegen Anleihen), so dass sich das doch aufheben
müßte.

Hier ist der Denkfehler. Zum Einen ist eine Anleihe ein „Geldgeschäft“, zum Anderen verschwindet Geld doch nicht bei einem weiteren Geschäft.
Mal angenommen, der Japaner kauft keine Anleihen sondern ein amerikanisches Auto (zugegeben, eher unrealistisch. Dann hat das Geld die Autofirma, die davon dann Teile einkauft, Gehälter bezahlt usw… .
Damit sind Dollars, die einmal Yens waren immer weiter im Geldkreislauf. Das gleiche gilt übrigens, wenn der Japaner eine Unternehmensanleihe vom Autohersteller gezeichnet hat (mutig, mutig :wink:).

Demnach sollten solche Geschäfte keinen Einfluß auf die
Wechselkurse haben. (Immer unter der Annahme, dass der
Verkäufer der Anleihen nicht die Zentralbank ist.)

Wenn der Verkäufer der Anleihe die Zentralbank ist, dann handelt es sich i.d.R wohl um eine Staatsanleihe. Hier fließen die Dollars dann direkt in den Staatshaushalt.

Toll wissenschaftlich erklärt findest Du das Thema natürlich hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wechselkurse

Nachfolgend die für unser Thema wichtigste Passage.

Gruß vom Money-Schorsch

Auslöser von Wechselkursänderungen
Sind die Gründe bekannt, aus denen ein Angebots- und Nachfrageüberhang entstanden ist, dann ist auch bekannt, wie die Marktakteure (bzw. bei einem Festkurssystem die Regierung) die Entwicklung einer Volkswirtschaft einschätzen. Die wichtigsten Auslöser können sein:

  1. Durch private Marktakteure ausgelöste Wechselkursänderungen sind meist auf Änderungen der Wechselkurserwartungen (siehe hierzu auch Terminmarkt) zurückzuführen. Dabei erwarten die Anleger, dass eine Währung aufwerten wird und kaufen diese Währung, um von den Wertsteigerungen zu profitieren.

2. Eine Erhöhung des Leitzinses eines Landes bewirkt eine erhöhte Nachfrage nach Staatsanleihen dieses Landes. Da die Anleihen in der Währung dieses Landes bezahlt werden müssen, entsteht eine erhöhte Nachfrage nach dieser Währung, es kommt zu einer Aufwertung. Entsprechend wertet die Währung ab, wenn die Leitzinsen des jeweiligen Landes fallen.

  1. Verstärktes Investitionsinteresse ausländischer Investoren bewirkt verstärkte Nachfrage nach inländischer Währung, es kommt zu einer Aufwertung. Dementsprechend bewirkt ein nachlassendes Investitionsinteresse eine Abwertung.

Hi Q! :wink:

Natürlich hast Du recht. Aber das Thema scheint auch so vereinfacht schon kompliziert genug zu sein…

Gruß vom Money-Schorsch