ich weiß nicht ob ich hier richtig bin. Sonst wäre es sehr nett, wenn der Artikel ins richtige Brett verschoben werden könnte.
Gerade habe ich den Satz gehört „Bisher hat die Krise 7,3 Billionen gekostet“
Das versteh ich nicht. Wie kann das was kosten? Ist damit der gesamte Verlust der Wirtschaft gemeint? Aber wie soll das Geld einfach „verschwinden“. Das ist ja „hartes“ Geld, das verschwindet doch nicht einfach von einem Konto oder Geldbeutel.
Tut mir leid, dass ich mich so unbeholfen ausdrücken muss, aber ich hab von Wirtschaft überhaupt gar keine Ahnung.
Vielleicht kann mir ja jemand erklären wem die Krise so viel Geld gekostet hat.
Das versteh ich nicht. Wie kann das was kosten? Ist damit der gesamte Verlust der Wirtschaft gemeint? Aber wie soll das Geld einfach „verschwinden“. Das ist ja „hartes“ Geld, das verschwindet doch nicht einfach von einem Konto oder Geldbeutel.
Um, ja und nein.
Ich gebe Dir mal ein Beispiel:
1 - Florierende Wirtschaft:
X ist Handwerker. X hat 10000€. X kauft davon bei Z ein Auto für €10000. Y hat jetzt Geld und möchte ein neues Lager bauen. Z beauftragt X für 10000€.
X hat jetzt ein Auto für 10000€ und 10000€, Y hat ein neues Lager für 10000€.
2 - Krise:
X ist Handwerker. X hat keine Aufträge. X spart. Kein Auto. Y hat keinen Umsatz. Das Lager kann nicht finanziert werden.
X hat 10000€.
In Situation 1 sind augenscheinlich 20000€ mehr vorhanden als in Situation 2.
Die Werte, die nicht geschaffen werden, sind der volkswirtschaftliche Verlust.
diese Angaben beziehen sich meisten auf sogenannte „Marktwerte“. In der heutigen Wirtschaft werden Unternehmen und viele Werte an der Börse gehandelt. Das ist so wie wenn du ein Haus beitzt und jeden Tag kämen Menschen vorbei und würden sagen ich biete die 195.000 € für dein Haus. Morgen käme einer vorbei und würde sagen 194.000 € etc. Man würde nun sagen, dass dieses Haus am ersten Tag 195.000 € Marktwert hatte. am zweiten Tag hingegen nur 194.000 € daraus ergibt sich ein Verlust von 2000 €. Der Wert des Hauses würde sich also danach bemessen was jeweils die Person die gerade vorbeikommt dafür bereit ist zu bezahlen. Das nennt man Marktwert, was eine Sache wirklich wert ist wissen wir nicht, aber Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis und damit dann den Wert den eine Sache hier und jetzt hat.
Diese Marktpreise sind aber sehr abhängig von der Stimmung in der sich die meisten Menschen befinden. Wenn z.b. die Wirtschaft gerade sehr gut läuft und alle viel Geld verdienen, dann werden sie mehr Geld für das Haus bieten, als wenn die Situation gerade schlechter ist und sie Sorgen haben ob sie ihren Job morgen noch haben.
Im Augenblick ist die Stimmung sehr schlecht (sie hellt sich aber schon wieder auf) und deshlab sind/waren die Preise für Aktien, Immobilien und manche Rohstoffe auf einem sehr niedrigen Stand gefallen. Die 7,3 Billionen Verlust sind keine echten Kosten sondern Verluste die durch den geringeren Marktwert von an der Börse gehandelten Werten entstanden sind. Man sagt also vor der Krise waren die Aktien und Hypothekenkredite, die an der Börse gehandelt wurden vielleicht 15 Billionen wert, im Aubenblick sind sie nur noch 7,7 Billionen wert daraus ergibt sich ein Verlust von 7,3 Billionen ( die Zahlen haben nur beispielcharakter)…
Wichtig dazu anzumerken ist: nochmal die Marktpreise ändern sich täglich, sobald die Stimmung wieder besser wird steigen die Preise wieder und die „Verluste“ verschwiden wieder…
Sie sind merh vorübergehender Natur - wenn das alles reale Kosten wären was die letzten beiden Finanzkrisen (2000 Crash und 2008) „gekostet“(also man müsste das Geld wirklich hinlegen) dann aber eben nur dann wäre der dt. Staat schon längst Bankrott. Da dem aber nciht so ist und die Verluste die im Endeffekt nur ein Bruchteil dieser 7,7 Billionen sein werden, brauchst du dir keine Sorgen machen.
Hoffe das bringt etwas Licht in dieses schwierige Thema. Viele Politiker verstehen den Unterschied zwischen Verlusten auf Marktwerte (sind wie oben ausgeführt nicht so schlimm, da sie sich nach 3-5 Jahren meistens wieder ausgleichen) und realen Verlusten ebenfalls nicht und malen dann Horrorszenarien die eigentlich nie eintreten (vor allem die Linkspartei)
diese Angaben beziehen sich meisten auf sogenannte „Marktwerte“.
Das Problem ist, dass da Dinge vermischt werden.
In den USA werden z.B. mehr als nur „Marktwerte“ vernichtet: Ein Swimmingpool, der aus Kostengründen stillgelegt und dann aus Sicherheitsgründen planiert wird ist hin, die Investition futsch.
Ein Garagentor, welches man zum Altmetall gab um wenigstens ein paar Dollar für eine warme Mahlzeit zu haben ist auch futsch.
Ein Teak-Tisch, der im Kamin über den warmen Winter geholfen hat ist auch ein vernichteter Wert. Und so weiter.
Diese Angaben darf man natürlich nicht mit den von Dir genannten an Angebot und Nachfrage orientierten Marktwerten vermengen, beim Vergleich von Äpfeln und Birnen kommt Kraut und Rüben heraus.
Viele Politiker verstehen den Unterschied zwischen Verlusten auf Marktwerte und realen Verlusten ebenfalls nicht …
Viele Topmanager leider auch nicht, weshalb sie es als unproblematisch sehen für eine zeitweilige Kurserhöhung lukrative Unternehmenssparten zu veräußern oder gewinnträchtige Arbeitsplätze einzusparen, damit trotz sinkendem Interesse an Aktien des Konzerns der Kurs bis zum nächsten Quartal stabil bleibt.
Hallo,
ich als absoluter Laie finde die Frage von Senftube gut. Hat mich auch beschäftigt.
Die Rechnung von mike-river verstehe ich nicht:
1 - Florierende Wirtschaft:
X ist Handwerker. X hat 10000€. X kauft davon bei Z ein Auto
für €10000. Y hat jetzt Geld und möchte ein neues Lager bauen.
Z beauftragt X für 10000€.
X hat jetzt ein Auto für 10000€ und 10000€, Y hat ein neues
Lager für 10000€.
2 - Krise:
X ist Handwerker. X hat keine Aufträge. X spart. Kein Auto. Y
hat keinen Umsatz. Das Lager kann nicht finanziert werden.
X hat 10000€.
In Situation 1 sind augenscheinlich 20000€ mehr vorhanden als
in Situation 2.
Die Werte, die nicht geschaffen werden, sind der
volkswirtschaftliche Verlust.
X und Z tauschen Geld gegen Auto. Sind also quitt. Z hat jetzt mehr Geld auf dem Konto. Wenn X sei Auto zu Schrott macht, bleibt das Geld dennoch auf Z´s Konto. Neue Rechnung: ich verstehe nicht, warum Z 10.000 an X gibt, damit Y ein Lager hat. Schenkt der Z das dem Y? Dann hat X wieder 10.000 auf dem Konto und Y ein geschenktes Lager? Du sprichst von 20.000. Wo kommen da plötzlich die anderen 10.000 her? Die Geldscheine wurden doch nicht geboren.
Andere Frage, oder besser: gleiche in anderem Gewand. Man hört oft, bei den Spekulationen wurde das Geld „verbrannt“. Verstehe ich auch nicht. Denn irgendjemand hat die Kohle des Spekulanten doch real in die Hände bekommen. - Das ist doch kein „Verbrennen“, das ist für mich schlichtweg eine riesige Umverteilung des Geldes. „Hypothetische Werte“ können vernichtet werden, ebenso Sachwerte wie Auto oder Lagerhalle. Aber der harte Taler bleibt doch irgendwo. Oder?
Gruß,
lynndinn
„Denn irgendjemand hat die Kohle des Spekulanten doch real in die Hände bekommen. - Das ist doch kein „Verbrennen“, das ist für mich schlichtweg eine riesige Umverteilung des Geldes.“
Du siehst das in einem Teilaspekt schon sehr richtig. Das Wort „verbrannt“ spiegelt hauptsächlich/meistens die Perspektive des Käufers wieder, der Finanzprodukte gekauft hat, die hinterher einen niedrigeren Wert hatten als vorher angenommen. In der Finanzkrise drehte es sich im Kern um verbriefte Hypothekenkredite, die von einigen Banken zu 100% Nennwert an andere Banken verkauft wurden. Als sich dann immer mehr herausstellte, dass viele der Kredite nie würden zurückgezahlt werden können, sanken die Papiere im börslichen Handel dann auf etwa zwischen 20-40%. Die Banken, die die Papiere zuvor zu 100 gekauft hatten, saßen also auf 60-80% Verlust. Diese Verluste hätten einige Banken ohne Hilfe vom Staat nicht mehr verkraften können und Konkurs anmelden müssen. Die Banken, die die Papiere verkauft haben waren weltweit vor allem die X-markets-Abteilung der Deutschen Bank und Goldman Sachs.
Jetzt kommt der Part der schwierig zu erklären ist. Auch wenn die Bank, die die Papiere von der deutschen Bank gekauft hat z.B. 60% Verlust mit diesen Papieren gemacht hat, bedeutet dies --nicht–, dass die Deutsche Bank diese 60% hat zusätzlich vereinnahmen können. In diesem Fall wäre es in der Tat nur eine Vermögensverschiebung. Man muss sich das so vorstellen (das ist jetzt ein vereinfachtes Beispiel): die Deutsche Bank zahlt an Herrn Müller, der Arbeitslos ist eine Million € als Kredit aus, damit er sich seinen Traumpalast hat kaufen können. Um den Kredit abzusichern wird im Grundbuch diese Schuld eingetragen. Der Kredit ist nun durch die Immobilie besichert. Da Herr Müller arbeitslos ist und er dankbar ist, dass die Deutsche bank im überhautp einen Kredit gewährt, ist er bereit einen erhöhten Zins von 8% zu bezahlen obwohl der kredit normalerweise nur 6% kosten würde. Normalerweise hat dieser Kredit nun einen Wert von 1 Millionen € (da die Bank die 1 millionen € durch die Raten mit einer angemessenen Verzinsung zurückerhält). Da der Kredit aber höhere Zinsen erhält (8%) hat er aber im Weiterverkauf einen höheren Wert von sagen wir 1,2 Millionen €. Die Deutsche Bank verkauft den Kredit sofort weiter an eine andere Bank (die andere Bank erhält dann alle rechte aus diesem kredit - also hauptsächlich die Grundbuchsicherung und die monatlichen Raten des Kreditnehmers) und macht theoretisch immer noch ein gutes Geschäft, da sie zwar etwas mehr bezahlt als die eine Millionen aber der Kredit auch stattliche 8% einbringt. Für die deutsche Bank war dies ein gutes GEschäft, sie ist alle Risiken los und hat eine sofortigen Gewinn von 200.000 €. Die Probleme fangen dann an wenn der Kreditnehmer die Raten nicht mehr zahlt, dann hat die Bank, die den Kredit gekauft hat den schwarzen Peter und muss den Kredit abschreiben. Derjenige, der den Kreidt verkauft hat, macht aber immer einen guten Deal, da er den schlechten Kredit sofort los hat. Deswegen wird er auf Teufel komm raus Kredite vergeben um den „Verkaufsgewinn“ (die 200.000) zu kassieren und ausbanden darf es ja dann der Käufer (dem man natürlich gesagt hat die Bonität des kreditnehmers wäre ganz toll obwohl man wusste, dass dem nicht so ist).
Der insgesamt Schaden für die Volkswirtschaft ist nun, dass Kredite vergeben worden sind (dien nicht zurückgezahlt werden können), die unter normalen Umständen nicht vergeben worden wären und von denen viele wertlos sind. Der Gewinn der Deutschen Bank im Beispiel ist 200.000€ der Schaden der bei Bank A anfällt ist aber nach Zwangsversteigerung des Hauses vielleicht 400.000 Volswirschaftlich ist dann 200.000€ netto verbrannt worden.
Hallo Philocyber,
vielen Dank für deine aufschussreiche Erkläung. Ich glaub, das jetzt ein wenig verstanden zu haben, obwohl mich das Fachchinesisch zunächst etwas verwirrt hatte. Aber das ist ja auch ganz erklärlich. Man muss sich in eine Sache schon reinknien, auch was die Fachbegriffe angeht, sonst bleibt man an der Oberfläche kleben. Das gilt auch für meinen Beruf (Musik).
Vielen Dank also nochmals für die ausfürhrliche Antwort.
Gruß,
lynndinn
PS. Ich würde dir gerne einen Punkt geben, weiß aber icht, wie man das macht.
schön das euch beiden die Antwort etwas weitergeholfen hat. Zum Punkte vergeben müsst ihr eingeloggt sein - dann erscheint auf der rechten Seite eine Sidebar auf der der letzte Punkt ein Stern ist. Da müsst ihr draufclicken…