Hallo, ich habe eine einfache Frage zu meinem Kind, aber erstmal muss ich ein wenig zu ihr schreiben.
Auch wenn es viel Text ist, bitte lest es trotzdem und helft mir, wenn ihr könnt!
Zur Erklärung, meine Tochter ist nun 21 Jahre alt, arbeitslos und hat keine Ausbildung.
Anfangs war alles gut. Sie sollte nach der Grundschule aufs Gymnasium, aber wir hatten Angst sie zu überfordern, also beließen wir es bei Realschule. Das wollte sie selbst auch so.
Sie fiel besonders dadurch auf, dass sie ‚zu viel Fantasie‘ hatte, was aber niemanden störte. Manchmal war es anstrengend, da sie einem Löcher in den Bauch fragte, aber man freut sich ja doch, wie kreativ und fantasievoll das Kind ist… Allerdings war sie ein absoluter Tagträumer… Im Unterricht kritzelte sie meistens herum, sogar bei Tests auf die Bögen! Oder sie schrieb Briefe, spielte mit Stiften oder Linealen herum… Nur bei Kunst und Deutsch oder Musik war sie interessiert und ganz still.
Meine Tochter konnte sehr früh lesen und schreiben, schon vor der Grundschule und ihr machten die Fächer deutsch und vor allem Kunst am meisten Spaß. Sie ist sehr begabt und kreativ, was Zeichnen oder Schreiben angeht. Sie bastelt sehr gut und gerne und nun wo sie älter ist, kann sie auch wunderbar fotografieren und ihre Zeichnungen sind mehr als nur Durchschnitt. Sie schreibt Romane und Geschichten, für die sie richtig recherchieren muss, über Themen wie Inquisition, Mittelalter oder generell solche Dinge mit viel Strategie. Sie sind so gut, dass man das Gefühl hat, das Buch wäre aus einem Laden… Ihren ersten Roman, etwa 400 Seiten, hat sie schon mit 12 geschrieben, nun arbeitet sie seit 3 Jahren an einem 4-Teiler… Aber sie beendet nie etwas.
Jedes Land, das sie erfindet hat Religionen und riesige Vergangenheiten, jeder Charakter ist richtig lebendig und so weiter…
Ihre Rechtschreibung ist mehr als nur einwandfrei, aber andere Sprachen wie englisch oder französisch kriegt sie überhaupt nicht in den Kopf, da stand sie immer 5 oder 6 auf dem Zeugnis.
Allerdings hat sie noch immer ‚zu viel‘ Fantasie, woraus sich Angststörungen entwickelt haben. Mal so als Beispiel:
Wenn sie durhc den Keller gehen soll, hat sie Angst ‚irgendetwas‘ greift sie an. Sie bekommt Panik im Dunkeln oder traut sich nicht in die Wanne, wenn es draußen dunkel ist, tagsüber kein Problem! - das nur als Beispiel. Auch im frühend Kindesalter (5 bis 16 Jahre) war es sehr schwer mit ihr… Sie hatte nicht nur unsichtbare Freunde, sondern meinte auch, es gäbe eine Art ‚dunklen Magier‘, der sie beobachtet und umbringt, wenn sie bestimmte Dinge nicht tut. Sie hatte eine Zeit lang sehr große Angst zu sagen ‚Es gibt ihn nicht‘ weil sie dann dachte, er würde ihr erst recht etwas antun. Später wurde das noch schlimmer, wiel sie dann dachte, der Magier wäre der Teufel und es gäbe außerdem noch Gott, der sie auch beobachtet. Ich bekam ‚Diskussionen‘ mit, in denen sie beispielsweise sagte, dass Merlin toll wäre, dann entshculdigte sie sich tausend mal bei Gott dass sie ihn auch toll fand und dann bekam sie wieder Angst vor Merlin… Das machte sie richtig verrückt.
Daraus haben sich ‚Ticks‘ entwickelt wie Zahlenmuster. Wenn sie beispielsweise an ein Geländer kam, dann hat sie das Geräusch versucht zu widerholen, so dass es 8 mal so klang oder 16 mal, meistens in 4er-Mustern. Anfangs hat sie versucht es zu verbergen oder meinte, sie müsste das tun, damit der Magier nicht sauer werden würde.
Ich hielt es für SPielerei, da sie viel Fernsehen sah und mit ihren Freundinnen oft spielte und sie dachten sich unsichtbare Tiere aus oder sowas… Außerdem lachte sie meistens dabei oder anderes. Erst Jahre später begriff ich, wie ernst die Lage eigentlich war und dass sie das bewusst tat, damit ich nichts merkte.
Wir hatten eine Katze und eine Zeit lang, nur ein paar tage, war sie fest davon überzeugt, die Katze würde nur so tun, als wäre sie eine Katze und sie würde sie beobachten. Als wäre eine Art Kamera in ihrem Auge eingebaut (so hat sie mir das als Kind, 10 Jahre etwa, erklärt). Zu der Zeit sperrte sie die Katze immer aus und eine Woche später warf sie auch jede Puppe hinaus oder alles andere, was sie irgendwie ansehen konnte. Trotzdem liebte sie die Tiere und Spielzeuge sehr, wegwerfen ging nicht! Sie liebte trotzdem unsere Tiere, das war das absurde.
Diese Angst hat sie heute nicht mehr, aber damals war sie sehr stark. Auf gefährliche Sachen wie eine Schere beispielsweise legte sie immer etwas anderes drauf, zum Beispiel ein Blatt, da sie der festen Meinung war, nun könnte man es nicht mehr anheben. Sogar ein Schnürsenkel hätte gereicht die Schere zu ‚bannen‘. Sie erfand eine eigene Sprache für Schrift und auch mündlich oder Lichtzeichen die man per Linieal geben konnte.
Es gab eine Zeit - in der Grundschule - da wich sie jedem Blatt auf dem Boden aus, weil sie ihnen nicht weh tun wollte und später behauptete sie fest, Pflanzen würden sie verstehen und sogar mit ihr sprechen. Es wurde sogar so schlimm, dass sie meinte, sie könnte nicht mehr schlucken…!!! Da sie später wegen Polypen ins Krnakenhaus kam, schob ich es darauf, aber ich weiß, dass sie noch immer Probleme hat. Wenn sie sich auf das Schlucken konzentriert, hat sie Angst, es klappt nicht. Wenn sie auf ihren Atem achtet, hat sie Angst, er würde ihr nicht genug Luft geben.
Als Kind glaubte sie auch an Feen und Geister - und sie tut es immernoch - und dieser Glauben macht mir Teilweise etwas Angst um sie. Ich glaube, sie hat einen starken Realitätsverlust… Sie glaubt, dass es Wesen gibt, die sie beobachten und manchmal hat sie Angst, vor ihren Gedanken.
Sie sagt oft Sachen wie: „Ich wette, ich stolpere jetzt über die Stufe da, das tue ich immer. Obwohl, jetzt habe ich es angesprochen, jetzt passiert es nicht. Obwohl, vielleicht doch, weil ich gesagt habe, dass es nicht passiert. Aber- ach egal!“
Es ist, als würde sie denken, wenn man etwas anspricht oder ausspricht passiert es auch.
Außerdem hatte sie Panik nachts das Bett zu verlassen, weil sie meinte, darunter wären Hände, die sie packen würden. Ich glaube sie hat noch immer Angst im Dunkeln. Diese Hand-Ideen hat sie teilweise noch immer. Sie hat Angst, plötzlich drücken sich Hände an eine Fensterscheibe oder so, abe rnur wenn es dunkel ist. BEi Tag hat sie keinerlei Probleme… Auch nicht, wenn sie nicht alleine war! Wenn sie mit jemanden zusammen is,t vergisst sie ihre Änste total, auch als Kind. Sie hatte alles (das mit der Katze, der Dunkelheit, dem Beobachten usw…) alles nur, sobald sie alleine war!!!
Obwohl sie weiß, es kann nichts passieren, hat sie dann Angst.
Manchmal dachten wir auch, sie will uns nur veralbern, denn kaum waren wir bei ihr, war alles einwandfrei! Ich dahcte, sie spielt es nur, weil sie Aufmerksamkeit will, aber heute weiß ich, dass sie wirklich ernsthafte Probleme hat.
Aber es gab weitere Probleme:
Sie fing an (im Alter 14-16), Wörter leise zu wiederholen und dann auch immer und immer wieder, aber heimlich.
Sie sagte zum beispiel: Wasser!
Und das Wort flüsterte sie dann leise. Erst drei mal, damit es vier erigbt, dann noch vier mal, dann wieder zwei mal vier mal.
Wenn wir ‚Froot-Loops‘ aßen (So eine Art Smakcks, bunte Ringe) hat sie versucht imer 4 verschiedene Farben zu nehmen oder gleich farbige. Sie hat es heimlich gemacht. Wenn es nicht aufging, hat sie sich nachgegossen. Wenn wir Schoko-Bälle hatten dann immer genau 7, so dass es eine Blume ergab auf dem Löffel. Also, sie war sehr auf Muster und Zahlen aus. Wenn sie etwas durchkrakelte, dann fing sie an, krakelte wild drauf los und musste den Strich aber mit dem Anfang beenden, dieses Problem hat sie noch immer. Bei Texten wo sie … schreibt, müssen es immer 3 Punkte sein, 6 oder 9, 12… usw
Und manchmal, wenn sie unter Stress steht und etwas durchstreicht, verbindet sie die Linie nicht nur mit dem Anfang, sondern mal das gekrakel auch so aus, dass es eine Fläche ergibt.
Nun ist sie 21 und nicht mehr so lebhaft und abenteuerlustig wie früher - sie ist ruhig, weint viel und hat keinerlei Freunde.
Das mit den Mustern hat nachgelassen… Aber sie sind noch immer da, teilweise. Wenn wir essen, vertauscht sie manchmal Fleisch und Kartoffeln oder Gemüse oder so, damit es eine Anordnung auf dem Teller ergibt… Wir sprechen sie darauf nicht an, aber man merkt es.
Wenn ein Bild schief hängt - sogar ein einem Laden - oder ein Buch verkehrt herum steht, dreht sie es herum oder rückt sie es gerade. Sie tut das völlig unbewusst…
Ihre Fantasie kennt noch immer keine Grenzen… Sie hat so viele Ideen für Projekte, sie kann gar nicht alle umsetzen.
Sie redet den ganzen Tag ohne Punkt und Komma…
Außerdem ist sie sehr sensibel… Sehr emotional und feinfühlig. Der Kleinste Satz kann ihre Welt zum Einsturz bringen. Zudem ist sie stark depressiv.
Sie wurde in der Schule eigentlich ihr ganzes Leben lang gemobbt, teilweise sehr sehr stark, alle Klassen hindurch. So stark, dass sie beklaut wurde, geschlagen oder einmal sogar mit Deo und Haarspray zugedieselt oder mit Zigaretten beworfen. Seitdem ist sie sehr sensibel und eine ‚graue Maus‘. Anfangs war sie noch sehr gut in der Schule, später sackte sie aber sehr ab. Sie hat zwar einen guten Abschluss, allerdings noch immer keine Ausbildung und ist seit gut 6 Jahren arbeitslos. Sie versucht da raus zu kommen - sie will fotografin werden - erreicht dieses Ziel aber einfach nicht, will aber auch nicht los lassen und einen anderen Weg wählen.
Obendrein hat sie Schlafprobleme und kriegt alleine nichts hin. Wenn sie Termine hat, schafft sie es nicht hinzugehen, weil sie Angst hat oder anfängt zu weinen. Der Kleinste Termin ist für sie eine sehr sehr griße Sache und ich muss immer dabei sein und sie unterstützen.
Da sie sich auch selbst verletzt hat, dachte ich erst, sie hätte Borderline. Das hat uns auch ein Hausarzt bestätigt.
Wir waren deswegen auch beim Arzt und suchen nun einen Psychologen, aber ich glaube nicht, dass sie NUR!!! Borderline hat. Ist sie vielleicht hochbegabt und ich habe es ‚verpasst‘ es zu fördern?
Und durch irhe weitere Entwicklung ist sie krank geworden…?
Sie ist sehr intelligent, aber sie ‚versteckt‘ es glaube ich, aus Angst, arrogant zu wirken. Dafür macht sie sich selbst sehr schlecht und sie hat kaum Selbstbewusstsein. Statt Wörter wie ‚paradox‘ benutzt sie bewusst Wörter wie ‚seltsam‘, mal so als Beispiel.
Nun habe ich herausgefunden, dass sie sich bereits in der 5. Klasse selbst verletzt hat, allerdings hat sie sich nicht geritzt, sondern mit Steinen blau geschlagen. Sie hat in ihrem Tagebuch geschrieben (Sie hat es mir gezeigt, ich habe nicht heimlich gelesen oder so) dass sie mit 16 Angst hatte, sie wäre besessen, da sie sich selbst nicht verstand.
Das Problem ist auch die Borderline-Sache… Sie ist sehr auf einzelne Personen fixiert und ihre Stimmungsschwankungen hindern sie stark daran, etwas hinzukriegen. Den einen Tag liebt sie einen, fünf Minuten später hasst sie die Person und dann klammert sie wieder.
Ich hatte nun die Vermutung, dass sie vielleicht Borderline hat und als Kind hochbegabt war, aber nicht gefördert wurde, kann das sein?
Irgenmdwie sowas? Oder liege ich TOTAL falsch?
Meine Angst ist auch, dass etwas in ihrer Kindheit passiert ist, von dem wir nichts wissen. Sie lebte, als sie 5 war, bei meinem Exmann und deren damaliger Freundin. Diese redete meinem Kind Sachen ein wie: Räuber Hotzenplotz würde nachts durchs fenster kommen und sie holen oder sie würde im Gulli verschwinden, wenn man in der Badewanne den Stöpsel zieht. Zu der Zeit entwickelte sie richtig Panik vor offenen Fenster oder Badewannen und fing an zu schreien, wie am Spieß. Da habe ich sie dann auch sofort zu mir geholt, aber wohl leide rzu spät…?
Das Problem ist, mein Exmann war nie Zuhause und ich habe nun Angst, dass all diese Dinge vielleicht eine Art Trauma oder so sind, da sie etwas schrekcliches erlebt hat?
Aber sie erinnert sich an nichts dergleichen, aber auch an generell sehr wenig aus der Zeit.
Das Problem ist auch, ich weiß nicht, was genau ich nun mit ihr machen soll. Wir rennen von Psychologe zu Psychologe, aber alle wollen ihr nur Medikamente geben und allmählich hat sie auch keine ‚Lust‘ mehr, die alle abzuklappern. Sie verliert wieder den Mund und ich habe Angst, dass sie wieder Suizidgedanken entwickelt…
So, ich hoffe, jemand liest sich das alles wirklich durch.
Habt ihr vielleicht andere Denkanstöße für mich? Wisst ihr andere Krankheiten die auf sie zutreffen? Habt ihr Ideen oder Ratschläge?
Ein Bekannter sagte heute aus Spaß, als ich Rat suchte „Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich nah beieinander“ und nun mache ich mir noch mehr Sorgen…
Liebe Grüße und Danke!

