Da gibt´s aber doch noch bessere Quellen !
Die Jesus-in-Indien-Legende :
Günter Grönbold befaßt sich mit den diversen Quellen dieser Theorie und kommt in seinem Buch „Jesus in Indien, das Ende einer Legende“ (Kösel-Verlag, 1985) zu dem Schluß, daß diese Theorie am Ende des 19.Jh ohne haltbares Fundament entstanden ist. Ganz knapp ein paar Punkte:
Da ist zunächst der Bericht des Herrn Notowitsch aus dem Jahre 1894 über angebliche Schriften im buddhistischen Kloster Hemis dGon-pa zum Leben Jesu, aus denen man ihm vorgelesen hätte. Grönbold berichtet von einigen Nachforschungen, denen dieser Bericht nicht standhalten konnte. Auch Holger Kersten (Buch „Jesus lebte in Indien“) wäre in dem betreffenden Kloster nicht fündig geworden.
Weiter gibt es das sogenannte „Evangelium des vollkommenen Lebens“, das (Kap6, Vers13) von einer Reise Jesu nach Indien berichtet. Dieses Evangelium wurde nach Grönbold auf medialem Wege im Jahre 1881 empfangen (was die Ausgabe des Humata-Verlages, 7. Auflage, )
Medial empfangen ist ebenfalls das 1908 veröffentlichte Wassermannevangelium. Seine Übereinstimmunmg mit Notowitsch soll „bemerkenswert“ (Kersten) sein.
1899 schreibt der Gründer der Ahmadiyya-Bewegung Ahmad sein Buch „Jesus starb in Indien“ (deutsch ISBN 3-921458-39-0 Buch anschauen). Unter anderem verweist er auf die Abgar-Sage, die aber lediglich von dem Besuch eines Jüngers Jesu in Edessa (liegt auf dem Weg nach Indien) weiß. Um das wieder gerade zu biegen, werden dieser Sage „Falschheit und Übertreibungen“ unterstellt (S.78).
Weiter verweist Ahmad auf Parallelen zwischen Buddhismus und Christentum, etwa daß sowohl Jesus als auch Buddha ohne menschliche Zeugung empfangen worden seien, beide hätten vierzig Tage gefastet und in Gleichnissen gepredigt. Reinkarnation sei mit dem Evangelium vereinbar, uvm. Das ist zum Teil sicher richtig, belegt aber mE keine wie auch immer gerichtete Beeinflussung der einen Religion durch die andere. Hier ist vielmehr an archetypische Parallelen zu denken.
Philologische Argumente sind von Grönbold ebenfalls für unhaltbar befunden worden.
Richtig ist, daß nach dem Koran (4,158) Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Eine ähnliche Überlieferung ist auch aus recht alten, gnostischen Quellen bekannt.
„Andere Beweise sind … Aussagen von Texten, die erst in der islamischen Periode entstanden, also (in diesem Fall) keine historische Beweiskraft haben“ schreibt Grönbold (S.47), allerdings ohne diese Texte geprüft zu haben (S.139). Obermeier („Starb Jesus in Kaschmir?“ S.179) berichtet zB von einem angeblich 1000 Jahre alten arabischen Geschichtswerk „Ikmal-ud-Din“, das den Tod Jesu in Kaschmir schildern würde.
Grönbold kommt bei alledem jedenfalls zu dem Schluß (S.139): „Der eine Teil der JiIL (Jesus in Indien Legende, U.G.) - und als eine reine Legende hat sich die Geschichte erwiesen - daß nämlich Jesus in seinen Jugendjahren in Indien gewesen sei, ist der Erfindungsgabe des Herrn Notowitsch entsprungen. … Der andere Teil, daß Jesus nicht am Kreuz starb und anschließend nach Kaschmir ging, wo er dann einen natürlichen Tod fand, ist von Ghulam Ahmad, dem Gründer einer islamischen Sekte, in die Welt gesetzt worden.“
Finger sieht die Quellen des JiIl bereits in einem verklärten Indienbild des 19. Jahrhunderts. Ein L.Jacolliot (1837-1890) hätte zB. mit wissenschaftlichem Anspruch die Identität von Krishna und Christus vertreten. Auch antike Quellen kämen in betracht, so die Thomasakten (Reise des Apostels Thomas, des sog. Zwillings Jesu, nach Indien), manichäische Quellen (Missionsreise Manis, der sich ebenfalls als Zwilling Jesu sah, nach Osten ins Zweistromland), Das Leben des Apollonius von Tyana (von Philostrat verfaßt, erläutert von V. Mumprecht, München 1983, gerade mit Apollonius hätte man sich im 19. Jh. intensiv beschäftigt, seine Indienreise sowie viele Parallelen zum Leben Jesu haben vielleicht das Ihre zur JiIL beigetragen) und schließlich die Abgarsage (angebliche Kontakte Jesu nach Edessa).
Das reicht vielleicht, um von den Stärken und Schwächen der Befürworter und Gegner dieser Theorie ein Bild zu bekommen, ein Rest von Unsicherheit bleibt natürlich immer.