Hallo Katharina!
In der Statistik - und damit dem Hauptinstrument innerhalb der Psychologie und auch anderen Wissenschaften (z.B. Biologie und Medizin) hat sich das Hypothesentestende Verfahren, die sogenannte Inferenzstatistik etabliert.
Dabei wird zwischen zwei konkurrierenden Hypothesen abgewogen, der Nullhypothese und der Alternativ- oder auch Arbeitshypothese.
Die Nullhypothese beinhaltet alle Fälle, die nicht in der Alternativhypothese enthalten sind.
Konkret können sich diese Hypothesen z.B. auf Wahrscheinlichkeiten, Häufigkeiten, Zusammenhänge (Korrelationen), Mittelwertsvergleiche oder Varianzvergleiche beziehen.
Unterschieden wird nicht selten in Bezug auf zwei unterschiedliche Gruppen, z.B. die Häufigkeit für Lungenkrebs ist in der Gruppe der raucher höher als in der Gruppe der Nichtraucher.
Die Nullhypothese beinhaltet dabei immer die Gleichheitsannahme, in diesem Fall würde sie behaupten, die Häufigkeit wäre diesselbe.
Also konkret:
Alternativhypothese (auch HA oder H1): „Lungenkrebs ist bei Rauchern häufiger als bei Nichtrauchern“.
Nullhypothese (auch H0): „Lungenkrebs ist bei Nichtrauchern häufiger oder genausohäufig wie bei Rauchern“.
Wichtig ist, dass alle Fälle durch beide Hypothesen abgedeckt werden, und so ergibt sich die einseitige und die zweiseitige Hypothese. Die einseitige hat eine gerichtete Annahme innerhalb der HA bzw. H1, die zweiseitige eine ungerichtete. D.h. die Richtung, wohin der Unterschied ausfällt (ist größer / ist kleiner) ist bei der einseitigen konkret benannt, während die Zweiseitige nur eine Ungleichheitsannahme enthält.
In Bezug auf den Korrelationskoeffizienten wären die Hypothesen z.B.
H1: Korrelation ist größer Null (gerichtet, 1.Fall)
bzw.
H1: Korrelation ist ungleich Null (ungerichtet, 2.Fall)
die entsprechenden Nullhypothesen wären:
H0: Korrelation ist kleiner gleich Null (1.Fall)
bzw.
H0: Korrelation ist gleich Null (2.Fall)
Zu jedem inferenzstatistischen Test gibt es unterschiedliche Hypothesen, häufig sind Mittelwertvergleiche (z.B. Varianzanalyse, T-Test, U-Test) oder Varianzvergleoiche (F-Test f. Varianzen, Morgantest, Bartlett), aber auch Koeffizienten werden bei Regressionen (F-Tests auf Unterschiede, Nicht-Linearität etc.) und bei Korrelationen (Pearson, Spearman) getestet.
Geprüft werden dann die Alternativhypothese auf eine Fehlerwahrscheinlichkeit für einen Irrtum bei Annahme, den fehler der ersten Art - oder bei Poweranalysen auch die Wahrscheinlichkeit für den Fehler der zweiten Art, welcher die Annahme der Nullhypothese betrifft.
Wichtig ist, dass man in Bezug zu den Hypothesen die Wahrscheinlichkeiten zu bestimmen versucht, mit der die gefundenen Daten innerhalb einer Stichprobe an Probanden, Versuchstieren oder was auch immer zufällig so zustande gekommen sind und für eine Hypothese sprechen, obwohl in Wirklichkeit die andere gilt.
Dies geht nun einmal besonders gut für die Alternativhypothese, wird aber mittlerweile auch für die Nullhypothese als Poweranalyse angeboten.
Aber die Sache mit den Signifikanzen ist eine andere Geschichte.
Lieben Gruß & ich hoffe, weitergeholfen zu haben
Patrick