Was ist ein Halbgeviertstrich?

Liebe Lektoren!

Ich wurde gebeten, testweise ein Manuskript zu lesen (ob das Buch interessant und leicht zu lesen ist) und habe mich erboten, alle jene Tippfehler, die mir ins Auge springen, zu kennzeichnen.

Zu diesem Behuf habe ich mir die Korrekturzeichen ausgedruckt - doch ich verstehe nicht, was mit dem dort erwähnten Halbgeviertstrich gemeint ist.

Auf dieser Site http://www.herzogdruck.ch/pdf/zeichen.pdf befindet sich jener mysteriöse Halbgeviertstrich an vorletzter Stelle, also unter „Erklärungen“.

Wer kann mir helfen?

Hanna

Servus, Hanna:smile:
Der Halbgeviertstrich ist ein Gedankenstrich -
http://www.forschungsstaette.de/Halbgeviertstrich.htm
http://www.copyshop-tips.de/lexikon.php?user=&Suchwo…
lieben gruss, jenny

Servus, Hanna und Jenny,

wie sehr ich den Halbgeviertstrich liebe und wie gern ich ihn gebrauche, ist derzeit im Feministinnenbrett zu lesen.

Gruß nach Linz und Wien.

Fritz

Hanna, kennst du das Keplerhaus in Linz?

Hallo Fritz!

Hanna, kennst du das Keplerhaus in Linz?

Äh - ja, warum?
Für alle Neugierigen hier der Link zum Keplerhaus:
http://www.linz.at/Tourismus/tourismus_10724.asp

Hanna

Grüß Dich, Jenny!

Zunächst Danke und Sternchen für die rasche und umfassende Auskunft!
Ich habe noch nie um die Bedeutung unterschiedlich langer Striche gewusst.

Jetzt muss ich aber nochmal nachfragen:

In einem der von Dir angeführten Links steht:
„Der Bindestrich ist länger als der Trennstrich und kürzer als der Gedankenstrich.“
Daraus ergibt sich, dass der Gedankenstrich der längste unter ihnen ist.

In dem Beispiel mit den Korrekturzeichen (http://www.herzogdruck.ch/pdf/zeichen.pdf) sieht der beanstandete Strich aber lang aus - ist das nicht eh ein (richtig verwendeter) Halbgeviertstrich???

Hanna

In einem der von Dir angeführten Links steht:
„Der Bindestrich ist länger als der Trennstrich und kürzer als
der Gedankenstrich.“
Daraus ergibt sich, dass der Gedankenstrich der längste unter
ihnen ist.

In dem Beispiel mit den Korrekturzeichen
(http://www.herzogdruck.ch/pdf/zeichen.pdf) sieht der
beanstandete Strich aber lang aus - ist das nicht eh ein
(richtig verwendeter) Halbgeviertstrich???

Nicht alle compi-programme können das so richtig auf anhieb. Ich habs grad probiert, aber die alt-Kürzeln, die mir im Indesign die richtigen sachen ausspucken, versagen hier kläglich und werfen mir immer den gleichlangen strich aus. Layout-programme sollten alle drei strichlängen beherrschen.

Livia

Hallo Livia,

ob Du Hanna mit dieser Antwort wohl weitergeholfen hast?

Nicht alle compi-programme können das so richtig auf anhieb.
Ich habs grad probiert, aber die alt-Kürzeln, die mir im
Indesign die richtigen sachen ausspucken, versagen hier
kläglich und werfen mir immer den gleichlangen strich aus.

Selbst das vielgeschmähte WORD hat unterschiedliche Strichlängen - auch ganz ohne Alt-Kürzel.
Da versagen eher die Benutzer kläglich, weil sie das Programm nicht kennen.
►Extras ►Autokorrektur ►AutoFormat während der Eingabe.

Gruß Gudrun

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Sinn der Striche?
Hallo Hanna und andere,

das bringt mich auf die Frage, wieso eine Unterscheidung der Striche überhaupt notwendig ist - gibt es Fälle, in denen es zu Problemen bzgl. Verständnis, Aussprache o.ä. kommt, wenn man eine falsche Länge verwendet, oder ist das lediglich eine an sich überflüssige Geschichte?

Gruß,

Malte.

Aber nein, lieber Malte! Natürlich haben die
verschienen Zeichen ihren Sinn.

Den Bindestrich (Divis) brauche ich wohl am
wenigsten zu erklären. Er trennt und kuppelt
Wörter und Wortteile. Er wird stets ohne Abstand
zu den Wortteilen gesetzt. Ge-
nau! Oder bei Kuppelworten: Kinder-Lebens-
Schule.

Der Halbgeviertstrich kann verschiedene
Funktionen übernehmen:
Zum Beispiel – mit je einem Wortabstand – als
Gedankenstrich.
Aber auch – ohne Abstände – als Streckenstrich:
Basel–Frankfurt–Hamburg.

Der Geviertstrich schliesslich ist am
Seltensten. ich brauche ihn praktisch nur in
Zahlentabellen. Man kann z.B. bei
«geraden» Preisen die zwei Nullen der Cents (in
der Schweiz der Rappen) durch einen Strich in
der genau richtigen Länge ersetzen:
1234,00 Euro
1234,— Euro (wird hier nicht ganz richtig
dargestellt.)
Oder wenn in einer Tabelle eine Angabe gänzlich
ausfällt, sieht der Geviertstrich als
Platzhalter am Besten aus. Damit wird aber auch
ausgesagt, dass die Angabe nicht einfach
vergessen wurde.

Liebe Grüsse
Rolf

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Aber nein, lieber Malte! Natürlich haben die
verschienen Zeichen ihren Sinn.

Danke für die Erklärung, aber nehmen wir z.B. Trennstrich und Gedankenstrich - schadet es (außer dem vernachlässigten der beiden), wenn ich da in der Länge nicht differenziere? Was gemeint ist, ergibt sich doch. Deshalb bräuchte man doch eigentlich nicht zwei unterschiedliche Zeichen dafür.

Gruß,

Malte.

Danke für die Erklärung, aber nehmen wir z.B. Trennstrich und
Gedankenstrich - schadet es (außer dem vernachlässigten der
beiden), wenn ich da in der Länge nicht differenziere? Was
gemeint ist, ergibt sich doch. Deshalb bräuchte man doch
eigentlich nicht zwei unterschiedliche Zeichen dafür.

In meinen Augen beweist das Internet täglich, dass die Strichlänge das Verständnis nicht beeinflusst. Mir fallt auch kein Beispiel ein, bei dem es zu einer Verwechslung kommen könnte, solange beim Gedankenstrich der nötige Leerschritt davor und dahinter gemacht wird. Denn der allein sorgt ja schon für eine Unterscheidung.

Es handelt sich wohl eher um Relikte, die aber das Schriftbild grafisch interessanter machen, und die ich daher nicht wirklich missen möchte.

Livia

Nein,
aber das Museum Keplerhaus in Regensburg:
http://www.museen-regensburg.de/kepler.html
aber ich bin ja auch nicht Hanna.

Gerhard :wink:

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Lieber Malte

Muss ICH jetzt begründen, wieso es diese Differenzierungen
braucht? Das macht mich etwas verlegen … ich versuche einmal
einzukreisen:

  1. Interpunktionen spezifizieren und präzisieren in der Regel
    den Inhalt und Sinn des Geschriebenen. So wie ein
    Fragezeichen den Ausschlag geben kann, ob ein Satz als
    Behauptung oder als Frage zu lesen ist. (Bsp.: «Du kommst
    morgen?»)
    Will sagen: Du kehrst Ursache und Wirkung irgendwie einfach
    um.
    Ich habe kein Beispiele zur Hand, aber nehme doch an, dass es
    letztlich Fälle geben muss, wo eben nicht die Worte allein
    die richtige Interpetation schon sicherstellen, sondern erst
    die richtigen Striche.
    Ich konstruiere mal ein Beispiel: «Basel - Frankfurt -
    Hamburg: wohin des Wegs?»
    Vielleicht kennt jemand ein Besseres?

  2. Praucht es Rehckschraipunk? maNN kan doch auch soo läsen!
    Grammatik es braucht? Man ohne gelesen auch richtig kann,
    wenn Wille gut.

  3. Wir reden von Typografie – der richtigen Zeichensetzung in
    der DRUCKschrift. Deren Regeln haben sich in den letzten 200
    Jahren ausgebildet und eingebürgert. Was man privat mit
    seiner Handschrift veranstaltet, oder auch mit seiner
    Schreibmaschine, ist davon nicht betroffen. Und viele – die
    Meisten – nutzen ihren Computer als (komfortablere)
    Scheibmaschine. Dagegen ist nicht viel einzuwenden, solange
    sie verständlich schreiben.
    Von Publikationen aber, die ich ernst nehmen soll, erwarte
    ich korrekte Orthografie und auch korrekte Typografie, bis
    hin zur korrekten Mikrotypografie (= richtige Zeichen und
    Abstände.)

Liebe Grüsse
Rolf

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Hallo Rolf,

Muss ICH jetzt begründen, wieso es diese Differenzierungen
braucht? Das macht mich etwas verlegen … ich versuche einmal
einzukreisen:

Du musst natürlich gar nichts begründen, ich hab lediglich eine Frage gestellt :smile:

  1. Interpunktionen spezifizieren und präzisieren in der Regel
    den Inhalt und Sinn des Geschriebenen. So wie ein
    Fragezeichen den Ausschlag geben kann, ob ein Satz als
    Behauptung oder als Frage zu lesen ist. (Bsp.: «Du kommst
    morgen?»)
    Will sagen: Du kehrst Ursache und Wirkung irgendwie einfach
    um.

Hm, tu ich das? Meine Frage ist, ob die Striche das wirklich tun, bzw. ob sie nicht redundante Informationen vermitteln.

Ich habe kein Beispiele zur Hand, aber nehme doch an, dass es
letztlich Fälle geben muss, wo eben nicht die Worte allein
die richtige Interpetation schon sicherstellen, sondern erst
die richtigen Striche.

Genau solche Fälle interessieren mich als Pedant.

Ich konstruiere mal ein Beispiel: «Basel - Frankfurt -
Hamburg: wohin des Wegs?»

Schon nicht schlecht! Wenngleich kein Satz, aber eine Richtung, auf die ich nicht gekommen bin. Ich hoffe, Du bist nicht genervt, wenn ich Dich nun auch noch frage a) welcher der beiden Striche welcher ist und b) ob nicht zwischen die beiden Städtenamen, die die Strecke darstellen, der Strich ohne Leerzeichen kommen müsste?

  1. Praucht es Rehckschraipunk? maNN kan doch auch soo läsen!
    Grammatik es braucht? Man ohne gelesen auch richtig kann,
    wenn Wille gut.

Ich bin ein großer Verfechter von korrekter Rechtschreibung - bzw. zumindest davon, sich nach besten Kräften Mühe zu geben. Ich halte z.B. Groß-/Kleinschreibung für unverzichtbar, ebenso wie Absätze und Satzzeichen - aber gerade vor dem Hintergrund der Reformen und Re-Reformen frag ich mich halt, was eigentlich überflüssiger Ballast und bestenfalls Geschmackssache ist, und was wirklich notwendig ist.

  1. Wir reden von Typografie – der richtigen Zeichensetzung in
    der DRUCKschrift. Deren Regeln haben sich in den letzten 200
    Jahren ausgebildet und eingebürgert. Was man privat mit
    seiner Handschrift veranstaltet, oder auch mit seiner
    Schreibmaschine, ist davon nicht betroffen. Und viele – die
    Meisten – nutzen ihren Computer als (komfortablere)
    Scheibmaschine. Dagegen ist nicht viel einzuwenden, solange
    sie verständlich schreiben.

Es betrifft auch den privaten Bereich insofern, als daß man ja auch dort den Anspruch haben darf, korrekt zu schreiben, außerdem schreiben genug von uns - auch ich mitunter - auch im Rahmen des Berufes oder ähnlich ernsthaften Zusammenhängen. Leider bin ich aber Computer-Fuzzi und nicht Germanist…

Von Publikationen aber, die ich ernst nehmen soll, erwarte
ich korrekte Orthografie und auch korrekte Typografie, bis
hin zur korrekten Mikrotypografie (= richtige Zeichen und
Abstände.)

Ich werd mich nochmal durch die Definitionen der Striche lesen, vielleicht wird mir das alles dann etwas klarer. Danke für Deine Antwort und

Gruß,

Malte.

nochmals Striche
Lieber Malte

… nicht schlecht! Wenngleich kein Satz, aber eine
Richtung, auf die ich nicht gekommen bin. Ich hoffe, Du bist
nicht genervt, wenn ich Dich nun auch noch frage a) welcher
der beiden Striche welcher ist und b) ob nicht zwischen die
beiden Städtenamen, die die Strecke darstellen, der Strich
ohne Leerzeichen kommen müsste?

Es nervt mich nicht. Ich habe bei diesem Beispiel an einen
jounalistischen Text (Titel zu einem Artikel) gedacht, daher
der merkwürdige Satzbau. Und ich habe ihn absichtlich
solcherart falsch geschrieben, wie ich es oft erblicke:
Bindestriche, die anstelle eines Gedankenstrichs (in diesem
Fall: eines Streckenstrichs) stehen, und erst noch mit
überflüssigem Abstand.

Ich bin ein großer Verfechter von korrekter Rechtschreibung

  • bzw. zumindest davon, sich nach besten Kräften Mühe zu
    geben. Ich halte z.B. Groß-/Kleinschreibung für
    unverzichtbar, ebenso wie Absätze und Satzzeichen …

Da haben wir ja viel gemeinsam :–)

… frag ich mich halt, was eigentlich überflüssiger Ballast

und

bestenfalls Geschmackssache ist, und was wirklich notwendig
ist.

Ist auch immer wieder eine kritische Frage wert!

Es betrifft auch den privaten Bereich insofern, als daß man
ja auch dort den Anspruch haben darf, korrekt zu schreiben

Nun gut: korrekte Mikrotypografie auf Windows und mit Word
ist eine gigantische Zumutung (Gedankenstrich: Alt + 0151 auf
dem Zahlenblock!), dass ich trotz meiner déformation
professionelle (Grafikdesigner) ein Auge zudrücken kann.

außerdem schreiben genug von uns - auch ich mitunter - auch
im Rahmen des Berufes oder ähnlich ernsthaften
Zusammenhängen.

Da wirds dann delikater …
(Gewissens- oder Geschmacksfrage? Was ist ein zumutbarer, was
ein vertretbarer Aufwand? Ich kann das schlecht
beantworten, jedenfalls nicht pauschal. Aber ich danke meinem
Schicksal, nicht mit Word arbeiten zu müssen!)

Liebe Grüsse
Rolf

aber das Museum Keplerhaus in Regensburg:
http://www.museen-regensburg.de/kepler.html

Danke, Gerhard :wink:

Dann fehlen jetzt noch die Kepler-Häuser von Weil der Stadt, Graz, Prag und Gitschin.
Und dann haben wir hier eine nette Sammlung. :wink:

Gruß Fritz

Gedankenstrich bei WORD
Hallo Rolf,

Nun gut: korrekte Mikrotypografie auf Windows und mit Word
ist eine gigantische Zumutung (Gedankenstrich: Alt + 0151 auf
dem Zahlenblock!),

ein Häkchen an der richtigen Stelle* in WORD ersetzt die Fingerakrobatik.

*Steht drei oder vier Antworten tiefer in diesem Thread.

Gruß Gudrun

Liebe Gudrun

Sorry, das hab ich dort «unten» zwar gelesen, aber noch nicht
verinnerlicht.
Aber jetzt hab ich mir das angeschaut und bin überrascht (kann
allerdings an meinem System nicht genau nachvollziehen, wie es bei
der «Dose» funktioniert).

Ist ja auch nebensächlich – bloss:
WENN Word kein Hindernis mehr ist, richtige Strichlängen zu setzen,
wieso sollen wir dann angesichts flascher Schreibweisen noch
verständnisinnig beide Augen zudrücken? Bei Zusammen- oder
Getrenntschreibung pingelig sein, und beim Gedankenstrich
gleichgültig – das ist doch ein Missverhältnis!

Rolf

Noch mehr Striche!
Gerade stosse ich noch auf diese Feinheiten:

«Bis-Strich»
Ersetzt ein Halbgeviertstrich das Wort «bis», so
wird er ohne Abstand gesetzt:
Pause von 12–14 Uhr, Regeln 30–36, Alter 9–12
Jahre

Wenn aber das Wort «gegen» ersetzt wird, kommen
Wortanstände dazwischen:
FC Kaiserslautern – Borussia Dortmund,
Deutschland – Frankreich

Gruss Rolf

Hallo Rolf,

Bei Zusammen- oder
Getrenntschreibung pingelig sein, und beim Gedankenstrich
gleichgültig – das ist doch ein Missverhältnis!

nun ja, Du darfst dabei aber nicht vergessen, daß eine gewöhnliche Schreibmaschine eben nur einen „Strich“ hatte und dadurch langsam aber sicher bei den „normalen“ Leuten (im Gegensatz zu den Setzern) das Wissen um verschiedene Strichlängen verlorenging.
Auch WORD hatte in den frühen Versionen keine Differenzierung.
Wenn ich mich recht erinnere, war das erst ab WORD 95 der Fall.

Gruß Gudrun

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