Was ist ein Polfilter

Habe ihn auf meiner Camera drauf, weiß aber nicht wozu er gut ist oder ob er evtl. schadet…

Gruß Jörg

Hallo Jörg,

ein Polfilter lässt Licht nur in einer bestimmten Polarisation (=Richtungsebene) durch. Wird z.B. verwendet, damit mal LC-Displays überhaupt lesen kann; und auch Sonnenbrillen mit Polfilter sind erhältlich, die gerade beim Autofahren sehr angenehm sind, weil man so bei tief stehender Sonne die Spiegelungen auf der Heckscheibe des Vordermanns weg bekommt.

In der Fotographie werden sie eingesetzt um Spiegelungen nichtmetallischer Oberflächen zu entfernen. Dazu ist ein normaler Polfilter drehbar, damit man ihn so stellen kann, dass man die Spiegelung möglichst gut herausfiltern kann. Zirkualare Filter, die bei einer bestimmten Art der Cameraelektronik eingesetzt werden müssen, sind hingegen fest verschraubt.

Durch den Einsatz des Polfilters kann man z.B. durch eine an sich spiegelnde Scheibe oder eine spiegelnde Wasseroberfläche hindurch sehen und auch fotografieren. Kombiniert man zwei Filter, kann man den Effekt sehr gut sehen. Z.B. mit dem Filter der Camera ein LC-Display anschauen und dann den Filter drehen. Je nach Stellung verschwindet die Anzeige, weil die beiden Polarisationsebenen dann um 90° zu einander stehen und somit kein Licht mehr durchgeht.

Allerdings solltest Du den Filter nicht ständig auf der Camera lassen, denn er kostet eine Blendenstufe, halbiert also die Empfindlichkeit des Film oder die maximale Blendenöffnung bzw. verdoppelt die minimale Belichtungszeit. Auch will man natürlich nicht immer alle Speigelungen beseitigen, weil sie oft für die Bildkomposition eine wichtige Rolle spielen.

Gruß vom Wiz

Habe ihn auf meiner Camera drauf, weiß aber nicht wozu er gut
ist oder ob er evtl. schadet…

Gruß Jörg

Polfilter: kleine Ergänzung
Der Polfilter schluckt nicht eine, sondern fast 2 Blenden, ohne auf maximale Pol-Wirkung gedreht zu sein. Je nach Motiv (Himmelanteil usw.) kann das bei max. Pol-Wirkung bis 2,5 Blendenstufen gehen. Also - wirklich nur drauflassen, wenn bei sonnigem Wetter der Himmel etwas kräftiger kommen soll (was in unseren Breiten weniger sichtbar ist als in trockenen Wüstengebieten wie Arizona, wo man den Himmel schon zu dunkel bekommt mit max. Wirkung). Auch kommt Blattgrün besser, weil jedes Blatt das Licht reflektiert, und mit Polfilter wird das Grün sehr satt.

Stimmt. Das ist ja ein hervorragender Effekt. Das LC-Display wurde beim Drehen ganz schwarz und dann wieder normal. Es ist ein Circular Pol. Aber er lässt sich drehen. Ich habe dann mal ausprobiert inwiefern sich die Belichtung ändert. Also die Camera zeigt mit oder ohne Filter den gleichen Wert an. Muß ich denn von Hand korrigiern und überbelichten bzw. Belichtungskorrektur +1 einstellen?

Gruß Jörg

Wenn Du automatic focus hast, musst Du einen zirkularen Polfilter benutzen - die Linien bei dem linearen Pol verwirren sonst die Automatik.
Der Polfilter macht schon den Himmel kraeftiger usw, wird aber vor allem dazu verwendet, um Spiegelungen zu vermeiden. Wenn Du also durch ne Glasscheibe von aussen wo reinfotografiern willst (zB Autofenster), und nicht die Spiegelung im Fenster, sondern das Innere das Autos auf dein Negativ kriegen moechtest.
Ist nicht wie der ‚haze‘ filter, der auf jedem Objektiv draufsein soll, sondern wird eben nur dann verwendet, wenn man ihn braucht (wie schon anderswo erwaehnt, schluckt halt Licht).
Gruss, Isabel

Und noch eine kleine Ergänzung. So schön das auch ist mit den kräftigeren Farben und unterdrückten Reflexen - der Polfilter sorgt auch dafür, dass dir die Schatten „absaufen“. Die werden dunkler wie du es gewöhnt bist und mit weniger Zeichnung.
Carsten

Hallo Jörg,

zu den ganzen technischen Ausführungen, die Du geschrieben hast, habe ich jetzt eine spezielle Frage:
ist es mit einem Polfilter denn dann möglich ein Aquarium zu fotografieren ohne daß ich den Blitzreflex auf dem Bild habe?
Ich habe eine Spiegelreflexcamera (Canon 500 EOS), aber kein separates Blitzlicht.Ich habe es jetzt zunächst mit einem Film ISO 400 versucht, auf manuell gestellt und den Blitz abgeschaltet, aber das Ergebnis fand ich nicht gerade überwältigend :frowning:.
Und vielleicht könnte mir auch jemand einmal den Zusammenhang zwischen Beleuchtung, Blende und Tiefenschärfe erklären,irgendwie kapiere ich das nicht.

Vielen Dank
Gruß Posy

Hallo Posy,

die Sache mit dem Blitz ist nicht so ganz ohne. Also prinzipiell ist der Polfilter schon das richtige für das Aquarium, denn es handelt sich dabei um eine Glasspiegelung, die man damit zumindest deutlich reduzieren kann. Allerdings ist ja immer ein wenig Fummelei gefordert, um für die jeweiligen Belichtungsverhältnisse den passenden Winkel des Filters herauszufinden. Und da wird es bei überwiegender Blitzbeleutung natürlich schwierig, denn Du kannst ja nicht mit dem eingeschalteten Licht des Blitzes den Polfilter einstellen. Ich würde daher mal sagen, Versuch macht klug, aber Lampen wären statt des Blitzes sicher einfacher zu handhaben.

Zu Deiner weiteren Frage: Du musst Dir Filmempfinglichkeit, Blenden- und Zeitwert als voneinander abhängige Skalen vorstellen, bei denen bei einer Verdoppelung des Wertes auf einer Skala auf einer der anderen der Wert halbiert werden muss, solange der dritte Wert konstant bleibt. Also z.B. beim gleichen Film mit 100 ASA und einer Belichtungszeit von 1/60 Sekunde mit Blende 8 kannst Du jetzt die Belichtungszeit so weit beliebig verlangern oder verkürzen, wie Du gleichzeitig gegenläufig die Blendenzahl veränderst. Also z.B. 1/125 Sekunde mit Blende 4 oder 1/250 Sekunde mit Blende 2. In die andere Richtung geht es genau so mit 1/30 Sekunde mit Blende 16 usw. Nimmst Du jetzt einen doppelt so empfinglichen Film mit 200 ASA, kannst Du die Zeitwerte alle verdoppeln oder die Blendenwerte alle halbieren und kommst wieder zu identischen Belichtungen.

Jetzt kommt natürlich die Frage nach dem Sinn des ganzen, denn wenn die Belichtung bei allen Möglichkeiten identisch ist, macht das ganze doch keinen Sinn. Dieser liegt aber in der von Dir schon angesprochenen Tiefenschärfe. Diese gibt an, über welchen Bereich (Abstand) von der eigentlich als scharf im Sucher eingestellten Entferneung Objekte noch scharf abgebildet werden. Dabei gilt, je höher die Blendenzahl, um so größer der Bereich, der scharf dargestellt wird. Dies wird als gestalterisches Mittel eingesetzt. Z.B. möchte man oft eine einzelne Blüte scharf darstellen und den Vorder- und Hintergrund bewusst unscharf darstellen. Dann ist es notwendig die Blende möglichst weit auf zu machen, also eine möglichst kleine Blendenzahl zu wählen, was natürlich bedeutet, dass die Belichtungszeit entsprechend kurz sein kann. Andererseits möchte man oft auch genau den gegenteiligen Effekt haben und z.B. bei Gruppenfotos, bei denen die Personen in mehreren Reihen vor einem Gebäude stehen, alle Personen inkl. Hintergrund gleich scharf darstellen. Dann braucht man eine möglichst enge Blende mit hoher Blendenzahl und eine dementsprechend lange Belichtungszeit.

Um in verschiedenen Beleuchtungssituationen diesen Spielraum zu haben, verwendet man die unterschiedlich empfindlichen Filme als dritte Variable. Auch sind die höher empfindlichen Filme in der Darstellung immer ein wenig gröber und sollten daher nur dort eingesetzt werden, wo man ohne sie nicht auskommen kann.

Gruß vom Wiz

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Hallo Wiz. Ich will hier nicht als Klugschei… auffallen, aber da ist dir ein kleiner Fehler unterlaufen. Die volle Blendenreihe geht 2 - 2,8 - 4 - 5,6 - 8 - 11 - 16 usw. Verdoppelung oder Halbierung der Belichtungszeiten erfolgt von einer Blendenstufe zur anderen, also bei deinem Beispiel: f8 = 1/60 dann ist bei f5,6 = 1/125 und schon bei f4 = 1/250. Und auch der Punkt „doppelte Filmempfindlichkeit“ ist leider nicht ganz richtig. Wenn du 200 statt 100 ASA nimmst, ist es genau umgekehrt wie du beschrieben hast: du kannst die Blende um eins schließen, also doppelt so klein machen oder die Zeitwerte halbieren. 1/250 ist nur halb so viel wie 1/125. (Zu blöd, dass man hier nichts reinmalen kann. Dann könnte man das alles besser erklären)
Hoffentlich habe ich jetzt nicht für die völlige Verwirrung gesorgt.
Carsten

Hi zusammen,

Funktionsbeschreibung eines zirkularen Polfilters (von HAMA, nicht von mir!):
„Wie Polfilter linear, jedoch werden die Lichtstrahlen in eine kreisförmige Drehung gebracht, …“

Ich frage mich jetzt: Können sich kreisförmig drehende Lichtstrahlen durch den Verschlußvorhang bohren? Oder kann ein sich kreisförmig drehendes Lichtbündel mir die Kamera verreißen, so daß das Bild verwackelt?

-))

Gut Licht
HylTox

Hallo Carsten,

sorry, bei dem ganzen Verdoppeln und Halbieren, habe ich doch tatsächlich bei der Filmempfingdlichkeit die Sache verdreht. Was die Blendenzahlen angeht, so hast Du natürlich auch recht. Es sind nicht die Blendenwerte, sondern die Blendenstufen. Mit einer Grafik wäre natürlich alles viel einfacher gewesen. Da kann man die Abhängigkeiten schön aufzeigen.

Gruß vom Wiz

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abgesehn von dem filterwahn… wenn du mit dem objektif plan am glas des beckens bist hast du keine reflexe… mal so als idee, keiner verlangt von dir aus drei meter entfernung auf ne glasfront zu blitzen… :smile: