Was ist eine Depression?

Hallo!

Man liest und hört öfter mal von einer Depression.Mich würde mal interressieren was es genau ist.Habe mal einen Arzt gefragt und der sagt das bedeute wenn man Schleier vor den Augen hat (also nervlich angespannt), aber am häufigsten wird von einem seelischem Tief gesprochen:
Was haben nun die Nerven mit einem seelischem Tief zu tun?

Liebe Annika,

Man liest und hört öfter mal von einer Depression.Mich würde
mal interressieren was es genau ist.Habe mal einen Arzt
gefragt und der sagt das bedeute wenn man Schleier vor den
Augen hat

eine sehr seltsame, vielleicht aber durchaus poetische (?) Erklärung…
Vielleicht hilft Dir dieser Link weiter
http://www.psychohelp.at/html4/psychologie_nachricht…
Ist für Laien möglicherweise verständlich, obwohl ich bezweifeln mag, dass ein Nicht-Betroffener überhaupt in der Lage ist, dieses Leiden nachzuvollziehen.
Mein hier schon häufiger geäußerter „Geheimtipp“:
http://www.kompetenznetz-depression.de
Interessanter für mich wäre: warum interessiert Dich das?
Gruß,
Anja

Hi Annika,

ich schließe mich Anja an. www.kompetenznetz-depression.de, da bekommst Du alle Informationen. Ich hoffe für Dich, dass es Dich wirklich „nur“ interessiert und Du nicht selbst damit zu tun hast, sei es selbst oder als Angehörige. Wünsche ich niemandem.

Viele Grüße
Natascha

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Hi Anja, kennen wir uns aus dem Kompetenznetz-Forum? Bin täglich da.

Grüßlis
Natascha

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Hallo Annika,

zwei Bedeutungen muß man unterscheiden, wenn man von „Depression“ spricht. Zum einen versteht man unter „Depression“ im Alltagssinn gewöhnlich ein Stimmungstief, in dem man sich z.B. Sorgen über eine schwierige Situation macht oder Trauer empfindet.

Wenn der Psychiater oder Psychologe von „Depression“ spricht, dann meint er eine psychische Störung, die ebenfalls die Stimmung betrifft, aber schwerer als ein vorübergehendes Stimmungstief ist. Bei einer klinisch relevanten Depression treten mindestens 5 der folgenden Beschwerden für mindestens 2 Wochen auf, wobei mindestens eine der 2 ersten Beschwerden vorhanden sein muß ( Symptomatik ):

  1. Depressive Verstimmung an fast allen Tagen, für die meiste Zeit des Tages, vom Betroffenen selbst berichtet (z.B. fühlt sich traurig oder leer) oder von anderen beobachtet (z.B. erscheint den Tränen nahe).

  2. Deutlich vermindertes Interesse oder Freude an allen oder fast allen Aktivitäten, an fast allen Tagen, für die meiste Zeit des Tages (entweder nach subjektivem Ermessen oder von anderen beobachtet).

  3. Deutlicher Gewichtsverlust ohne Diät oder Gewichtszunahme (mehr als 5% des Körpergewichts in einem Monat); oder verminderter oder gesteigerter Appetit an fast allen Tagen.

  4. Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf an fast allen Tagen.

  5. Psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung an fast allen Tagen (durch andere beobachtbar, nicht nur das subjektive Gefühl von Rastlosigkeit oder Verlangsamung).

  6. Müdigkeit oder Energieverlust an fast allen Tagen.

  7. Gefühle von Wertlosigkeit oder übermäßige oder unangemessene Schuldgefühle (die auch wahnhaftes Ausmaß annehmen können) an fast allen Tagen (nicht nur Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle wegen des Krankseins).

  8. Verminderte Fähigkeit zu denken oder sich zu konzentrieren oder verringerte Entscheidungsfähigkeit an fast allen Tagen (entweder nach subjektivem Ermessen oder von anderen beobachtet).

  9. Wiederkehrende Gedanken an Tod (nicht nur Angst vor dem Sterben), wiederkehrende Suizidvorstellungen ohne genauen Plan, tatsächlicher Suizidversuch oder genaue Planung eines Suizids.

Allerdings reichen diese Beschwerden noch nicht aus, damit der Psychiater oder Psychologe von einer klinisch relevanter Depression spricht. Klinisch relevant sind die Beschwerden nur, wenn der Betroffene unter den Beschwerden leidet und durch sie deutliche Schwierigkeiten im Beruf oder im Zusammenleben mit anderen Menschen hat.

Ein besonderes Problem bei der Depression ist das Suizidrisiko , das zwischen 10 und 20% liegt. Das heißt, daß 10-20% der Betroffenen mit einer klinisch relevanten Depression an ihrer Störung sterben! Eine Verharmlosung der Depression als Störung ist deshalb besonders gefährlich.

Wie Du an den Beschwerden 3-5 siehst, werden zur Beschreibung der Depression zum Teil gegensätzliche Beschwerden aufgeführt:

  1. Gewichtsverlust ohne Diät oder Gewichtszunahme,
  2. Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf,
  3. Psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung.

Dies hat seine Begründung darin, daß es verschiedene Arten von Depressionen gibt. Die meisten Depressionen zeichnen sich durch Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit und Verlangsamung aus. Allerdings gibt es auch sogenannte atypische Depressionen , bei denen die Betroffenen an Gewicht zunehmen und vermehrt schlafen. Einige sind auch unruhig. Daneben gibt es noch weitere Arten von Depressionen, bei denen unterschiedliche Kombinationen von Beschwerden wie denen, die ich genannt habe, vorkommen können. Zum Teil hängen diese Depressionsarten mit den vermuteten Ursachen der Beschwerden zusammen:

a) Bei der Melancholie (siehe http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…) nimmt man eine genetische Veranlagung an.

b) Bei der psychotischen Depression treten Wahn und Halluzinationen auf.

c) Bei der Winterdepression (siehe http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…) handelt es sich um eine Unterart der atypischen Depression, bei der die verminderte Lichteinstrahlung im Herbst/Winter eine auslösende Rolle spielt.

d) Bei der reaktiven Depression werden die depressiven Episoden von schwierigen Lebenssituationen ausgelöst.

e) Bei der Depression mit postpartalem Beginn tritt die Depression in den ersten 14 Tagen nach einer Schwangerschaft auf.

Man kann noch weitere Formen der Depression unterscheiden, bei der die Auftrittszeit (z.B. prämenstruelles Syndrom ) oder hervorstechende Beschwerden (z.B. Zwang bei der anankastischen Depression , hysterische Symptome bei der pseudohysterischen Depression , psychomotorische Unruhe / Agitiertheit bei der agitierten Depression , bizarre Bewegungsformen / Starre bei der katatonen Depression , Gedächtnisprobleme bei der Pseudo-Demenz ) namensgebend sind.

Der Verlauf der Depression findet üblicherweise in Episoden statt, d.h. es gibt Zeitabschnitte, in denen die depressiven Symptome auftreten und nach denen sie wieder verschwinden. Bei 5-10% der Betroffenen gibt es jedoch einen chronisch Verlauf (über Jahre) mit unwesentlicher Besserung. Die Episoden beginnen

  • meistens langsam über Wochen oder Monate,
  • selten plötzlich über Nacht oder innerhalb einiger Tage.

Die meisten Episoden enden meistens mit einem vollständigen Verschwinden der Beschwerden (sogenannte Vollremission). Bei 20-30% der Betroffenen gehen zwar die typischen Symptome der Depression zurück, es bleiben aber uncharakteristische Beschwerden zurück:

  • verminderte Belastbarkeit
  • reduzierte Leistungsfähigkeit
  • vorschnelle Ermüdbarkeit und Erschöpfbarkeit
  • rasche Neigung zu depressiven Reaktionen oder leichteren depressiven Beschwerden, die immer wieder durch vollausgeprägte depressive Episoden unterbrochen werden können.

Die Dauer der einzelnen Episoden ist unterschiedlich und reicht von mindestens 2 Wochen (bei einer Dauer von weniger als 2 Wochen spricht man von einer anderen Störung) bis zu mehreren Jahren. Die meisten depressiven Episoden gehen innerhalb von 6 Monaten oder später zurück:

  • innerhalb von 6 Monaten: 40-50%
  • innerhalb 1 Jahres: 25-30%
  • nach über 1 Jahr: 20-25%.

Der Schweregrad der depressive Episoden fällt unterschiedlich aus:

  • leicht
  • mittelgradig
  • schwer ohne psychotische Symptome
  • schwer mit psychotischen Symptomen

Die Einschätzung der Schwere erfolgt über die Anzahl der Beschwerden, ihre Intensität, das empfundene Leiden und die Beeinträchtigung durch die Beschwerden in Beruf und im Zusammenleben mit anderen Menschen. Manche Depressionen sind so schwer, daß die Menschen in ihren Bewegungen erstarren und von außen wie tot wirken (Katalepsie bei der katatonen Depression).

Vom Schweregrad hängt auch die Art der Therapie der Depression ab. Bei mittelschweren und schweren Depressionen sind Medikamente (in erster Linie Antidepressiva) notwendig, nach deren Wirkungsbeginn zusätzlich Psychotherapie angewandt werden sollte. Bei leichten Depressionen reicht oftmals schon Psychotherapie aus.

Von den Psychotherapien sind zwei im allgemeinen besonders erfolgreich bei Depression:

  • die kognitive Verhaltenstherapie nach Beck, die v.a. ein Aktivitätsprogramm (u.a. Sport) und eine Analyse und eine Änderung der negativen Gedanken enthält,

  • die psychodynamisch-eklektische Interpersonale Therapie (IPT) nach Klerman und Weiss man (siehe http://www.uni-kiel.de/psychiatry/wirueberuns/patien…).

Eine wissenschaftliche Untersuchung der Wirksamkeit dieser beiden Psychotherapien sowie eines Antidepressivums zeigte, daß alle drei Therapieformen (Kognitive VT, IPT und Antidepressivum) bei 50-60% der Betroffenen, welche die Therapie abschlossen, die Beschwerden fast vollständig beseitigten. Unter Placebo waren es nur 29%. Die medikamentöse Behandlung verringerte die Symptome rascher als die Psychotherapien, doch erreichten die Psychotherapien in den letzten 4 Wochen das gleiche Besserungsniveau wie die medikamentöse Therapie.

Die Langzeitwirkung der Psychotherapie ist jedoch besser: Nach 2 Jahren erlitten von den nur psychotherapeutisch behandelten Depressiven 21% einen Rückfall, während es bei einer 2 Jahre langen rein medikamentösen Behandlung 32% waren. Bei einer medikamentösen Behandlung über 12 Wochen, bei der das Medikament nach Rückgang der Symptome abgesetzt wurde, betrug die Rückfallquoute sogar 50%. Am besten schnitt jedoch eine Kombination aus Antidepressivum und Psychotherapie ab: Hier traten nur 15% Rückfälle auf. Deswegen wird heute v.a. diese kombinierte Therapie mit Medikamenten und Psychotherapie bei Depression empfohlen.

Noch viel mehr Informationen zum Thema „Depression“ findest Du auf den Seiten von Dr. med. Karl Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse:

http://www.fortunecity.de/wolkenkratzer/orbit/823/de…

Gruß,

Oliver Walter

Also ich kann damit überhaupt nichts anfangen.Was wenn man denn wirklich beobachtet wird? Dann FÜHLT man sich doch auch beobachtet.
Da kann jemand höchsten Angst kriegen (wenn er sich nicht beobachtet fühlen darf).
Ich finde auch nicht das Traurigkeit eine Krankheit ist sondern etwas ganz normales,denn wie traurig ist es denn wenn niemand mehr weinen darf?
Dann müßte lachen ja auch eine Krankheit sein, denn dieses kann ziemlich auslaugen (wirklich ernst gemeint!)…und hoffen erst recht,denn dann hätte jemand sicher Schuldgefühle weil er darauf hofft weinen zu dürfen weil:
Ja gerade DAS doch etwas krankes zu seinen scheint.
Ich finde nicht die „Krankheit“ schlimm sondern eher die „Menschen“ die soetwas zur Krankheit machen.
Ist Wut denn auch schon eine Krankheit? Darf jemand denn überhaupt noch Gefühle haben?
Jemand der keine Lust hat etwas zu machen und lieber zu Hause bleibt ist also krank?(kann es nicht sein das derjenige einfach nur häuslich ist?Oder nicht so gerne seine zeit mit anderen verbringt?)
Wie sieht es dann mit einem Partylöwen aus der andauernd „raus“ muß?Ist das auch eine Krankheit?
Ach ja, es soll ja auch Leute geben die angeblich Sexsüchtig sind, aber die müßten ja eigentlich doch total gesund sein, denn diese haben doch Spass daran (oder war Sexsucht keine Krankheit?)
Ja was ist denn überhaupt gesund?

Also wenn ein Arzt zu mir sagt eine Depression ist, wenn man Schleier vor den Augen hat, dann kann ich das noch nachvollziehen oder mir vorstellen, dass wenn die Nerven absolut angespannt sind das es auf die Tränendrüsen drückt und man natürlich auch mal weinen muß.

Aber was dort alles beschrieben wird,naja

Hi Oliver!

Danke für deinen Beitrag. Die Frage, was Depressionen eigentlich wirklich sind und wie man sie definiert, hat mich auch schon seit längerer Zeit interessiert.

Du hast da meiner Meinung nach eine sehr gute und denoch kompakte Informationssammlung von dir gegeben.

Da diese Thematik doch mehrere Leute interssieren dürfte, bin ich an sich sogar dafür, dass man deinen verhergegangen Beitrag in die FAQs einbringt :smile:
…wirklich!

Na gut, bis dann
T.

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Hallo Annika,

ich denke, daß ein paar Mißverständnisse entstanden sind.

Was wenn man denn wirklich beobachtet wird? Dann FÜHLT man sich doch
auch beobachtet.

„Beobachtet“ heißt hier, daß man der Person von außen bestimmte Dinge ansehen kann, z.B. daß sie sich deutlich langsamer bewegt im Vergleich zu früheren Zeiten. „Beobachtet“ heißt hier nicht, daß eine Person dauernd systematisch beobachtet wird und deshalb Gefühle des Beobachtetwerdens hat.

Ich finde auch nicht das Traurigkeit eine Krankheit ist
sondern etwas ganz normales,denn wie traurig ist es denn wenn
niemand mehr weinen darf?

Traurigkeit allein ist keine Störung. So etwas habe ich nicht beschrieben. Allerdings können andauernde Gefühle der Traurigkeit ein Anzeichen von Depression sein. Von einer Depression spricht man aber nur dann, wenn neben andauernden Gefühlen der Traurigkeit auch noch andere Beschwerden auftreten und jemand darunter leidet bzw. erhebliche Schwierigkeiten im Beruf oder mit anderen Menschen hat.

Verstehst Du, wenn jemand sich ca. ein halbes Jahr lang traurig und leer fühlt, sich ständig Gedanken darüber macht, weil er sich prinzipiell wertlos fühlt, zu Hause bleibt, weil er nicht mehr aus dem Bett herauskommt, sich ständig müde fühlt, aber trotzdem nicht mehr richtig schlafen kann, nicht mehr arbeiten kann, darüber nachdenkt, sich selbst zu töten, unter alldem leidet und diese Beschwerden in regelmäßigen Abständen immer einmal wieder auftreten, daß er dann etwas nicht mit ihm stimmt und man dieser Person helfen sollte, daß es ihr wieder besser geht?

Gruß,

Oliver Walter

Hallo Annika!

Ich finde auch nicht das Traurigkeit eine Krankheit ist
sondern etwas ganz normales,denn wie traurig ist es denn wenn
niemand mehr weinen darf?

Da hast Du natürlich recht, Weinen kann ja auch sehr befreiend sein, aber wenn man quasi nicht mehr aufhören kann zu weinen, einem ganz unvermittelt bei jeder Kleinigkeit die Tränen in die Augen schießen und man sich nur noch traurig fühlt und vor allem unter diesem Zustand dauerhaft leidet, dann ist es schon sehr bedenklich.

Jemand der keine Lust hat etwas zu machen und lieber zu Hause
bleibt ist also krank?(kann es nicht sein das derjenige
einfach nur häuslich ist?Oder nicht so gerne seine zeit mit
anderen verbringt?)

Sicher gibt es das und dann ist es auch völlig ok. Aber bei depressiven Menschen ist es oft so, dass sie sich abkapseln, sich von der Außenwelt zurückziehen, sich dabei aber gleichzeitig einsam fühlen.

Also wenn ein Arzt zu mir sagt eine Depression ist, wenn man
Schleier vor den Augen hat, dann kann ich das noch
nachvollziehen oder mir vorstellen, dass wenn die Nerven
absolut angespannt sind das es auf die Tränendrüsen drückt und
man natürlich auch mal weinen muß.

Aber was dort alles beschrieben wird,naja

Es ist sehr schwierig, sich in die Gefühlswelt einer Depression hineinzudenken und wenn Du es nicht kannst, kannst Du eigentlich sogar froh darüber sein, denn dann hast Du diese Erfahrung zum Glück nie machen müssen.
Wenn man ab und zu mal Stimmungsschwankungen hat, dann sagt man sich im Nachhinein meist: es war zwar eine traurige Zeit und noch mal möchte ich das nicht erleben, aber teilweise haben solche Trauerphasen sogar ihr Gutes… man geht gestärkt aus ihnen hervor und hat der Seele die Chance auf Heilung gegeben. Wenn man aber aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Loch herausfindet und einem die Trauerphasen Angst einjagen, man sich selbst nicht mehr wiedererkennt, dieser Zustand einem unberechenbar erscheint und Gefahr läuft, sich selbst etwas anzutun und dieses nicht mal eine bewusste Entscheidung ist… Nein, dann ist es nicht mehr gesund.

Mein Freund hatte zwar hin und wieder mal davon gesprochen, dass er depressiv sei und ich hatte auch mehrere der angesprochenen Symptome bei ihm „beobachtet“, aber ich habe den Ernst der Lage nicht wirklich begriffen.
Nachdem er aber vorletztes Wochenende eine Panikattacke durchlebt hat, bei der er sich zunächst schrecklich alleine gefühlt hatte, ihm dann plötzlich alles egal war, egal ob er nun lebt oder stirbt und diese Empfindungen als völlig unkontrollierbar beschrieb, wurde mir das Ausmaß bewusst. Die Situation hat ihm sogar Angst vor sich selbst eingejagt. Zum Glück hat er sich nun endlich seinem Arzt anvertraut, denn alleine ist er damit völlig überfordert.

Greetings,
Marla

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Hallo Annika,

was Du schreibst ist sehr wertvoll. Und zwar deswegen, weil es selten Anerkennung findet.

Also ich kann damit überhaupt nichts anfangen.Was wenn man
denn wirklich beobachtet wird? Dann FÜHLT man sich doch auch
beobachtet.

Es gibt in der Tat Fälle, in denen solche Fehldiagnosen fatale Auswirkungen haben. Es passiert häufig, daß man von Sozialarbeitern nicht ernst genommen wird, ich wage sogar zu behaupten, daß dies die Regel ist, die durch angenehme Ausnahmen immer wieder Bestätigung findet. Wenn man einen Widersacher hat, der einen Verfolgt und gleichzeitig Verfolgungswahn unterstellt, kann man ganz schön in die Zwickmühle geraten. Und das ist keine graue Theorie, sondern trauriger Alltag.

Da kann jemand höchsten Angst kriegen (wenn er sich nicht
beobachtet fühlen darf).

Exakt diese Reaktion beobachte ich auch. Deswegen wäre es wichtig, diese Ängste zunächst ernst zu nehmen, damit der „Verfolgte“ wieder Vertrauen fassen kann.

Ich finde auch nicht das Traurigkeit eine Krankheit ist
sondern etwas ganz normales,denn wie traurig ist es denn wenn
niemand mehr weinen darf?

Emotionalität ist bei uns gesellschaftlich äußerst umstritten. Wir Männer haben damit besonders zu kämpfen, weil einerseits immer „neue Männer“ gefordert werden, die auch mal Gefühle zeigen, andererseits Emotionalität im Berufsleben als unprofessionell und schädlich für das Team gewertet wird. Die Frauenbewegung hat es hier leider versäumt, konstruktive Leitlinien zu erstellen.

Dann müßte lachen ja auch eine Krankheit sein, denn dieses
kann ziemlich auslaugen (wirklich ernst gemeint!)…

Das fällt dann unter den Begriff „Manie“. Wenn Du wirklich „verfolgt“ wirst, wird Dir schon ein Lachanfall oder „überzogene“ Freude zum Nachteil ausgelegt.

und
hoffen erst recht,denn dann hätte jemand sicher Schuldgefühle
weil er darauf hofft weinen zu dürfen weil:
Ja gerade DAS doch etwas krankes zu seinen scheint.
Ich finde nicht die „Krankheit“ schlimm sondern eher die
„Menschen“ die soetwas zur Krankheit machen.

Diese Einstellung ehrt Dich. Die meisten schauen aber weg „Das kann ich ja nicht beurteilen“, aber Verurteilungen übernehmen - das können sie. Manche wenige schließen sich dann der Hetzjagd an und schon hat man eine Verschwörung gegen sich. Und daß man dann endgültig in die Klapsmühle eingewiesen wird, weil der Verfolgungswahn sich nun bereits zu einer „Verschwörung“ hochstilisiert hat, liegt auf der Hand. Schließlich sind ja „so viele schon zu der Einsicht gekommen“, daß dieser Mensch psychisch krank ist.

Das Dilemma ist daß sich die rechtschaffen Denkenden heraushalten. Dabei wäre es sooo wichtig hier ein Gegengewicht schaffen zu können. Dies geht aber nur über Gegengutachten, psychiatrische Untersuchungen, und wenn dann doch etwas gefunden wird nur über entsprechende Heilbehandlung.

Doch der Geisteszustand der Menschen, die einen emotionalen, aus ihrer Sicht psychisch labilen Menschen nicht als besonders Schutzbedürftig ansehen, sondern ausgrenzen und aktiv vertreiben, wird nicht überprüft. Es gibt in Deutschland auch keine Qualitätsstandards hierfür.

Dies ist eines von vielen Beispielen, warum ich behaupte, daß die Beratungssituation in Deutschland mehr schadet als nützt.

Ist Wut denn auch schon eine Krankheit? Darf jemand denn
überhaupt noch Gefühle haben?

Nun, bei all dem Gejammer über die Beratungssituation in Deutschland darf man nicht vergessen, daß Menschen, die ein stabiles soziales Umfeld, in dem sich auch einer für den anderen einsetzt, deutlich mehr Sicherheit erfahren als Aussenseiter. Deswegen kann ich nur immer wieder appellieren: Laß Dich beraten von Psychologen, Psychiatern, Erziehungsberatungsstellen, Selbsthilfegruppen. Aber helfen mußt Du Dir selbst.

Jemand der keine Lust hat etwas zu machen und lieber zu Hause
bleibt ist also krank?(kann es nicht sein das derjenige
einfach nur häuslich ist?Oder nicht so gerne seine zeit mit
anderen verbringt?)

Da ist die Kausalität entscheidend. Wenn jemand „keine Lust“ hat und sich dies negativ auf ihn und sein soziales Umfeld auswirkt, sollte er etwas verändern. Wenn jemand „gerne zuhause“ ist und Freunde zu sich einlädt oder sich anderweitig auslebt (malen, schreiben), ist das ok. Im Prinzip würde ich so beraten, daß jemand anfängt über sich nachzudenken.

Wie sieht es dann mit einem Partylöwen aus der andauernd
„raus“ muß?Ist das auch eine Krankheit?
Ach ja, es soll ja auch Leute geben die angeblich Sexsüchtig
sind, aber die müßten ja eigentlich doch total gesund sein,
denn diese haben doch Spass daran (oder war Sexsucht keine
Krankheit?)
Ja was ist denn überhaupt gesund?

Ich stehe auf dem Standpunkt: Es ist alles erlaubt, was beiden gefällt. Es gibt ja auch diesen tollen Spruch „Die Freiheit des einen hört da auf, wo die des anderen anfängt“. Doch es gibt ja immer Schnittmengen, wie geht man denn damit um? Wenn man sich in einem Umfeld von Macht, Eifersucht und Gier wohl fühlt, ist das völlig ok, solange man nicht Schwächere da mit reinzieht oder sie „mißbraucht“.

Also wenn ein Arzt zu mir sagt eine Depression ist, wenn man
Schleier vor den Augen hat, dann kann ich das noch
nachvollziehen oder mir vorstellen, dass wenn die Nerven
absolut angespannt sind das es auf die Tränendrüsen drückt und
man natürlich auch mal weinen muß.

Aber was dort alles beschrieben wird,naja

Gruß, AndyM