Hallo,
letztens las ich diese Bezeichnung und bin etwas irritiert, weil es sich um die Verdoppelung einer Krankheit handelt. Wie kann eine Depression psychotisch sein bzw. umgekehrt? Oder sehe ich da was falsch?
Gruß
Hermann
Hallo,
letztens las ich diese Bezeichnung und bin etwas irritiert, weil es sich um die Verdoppelung einer Krankheit handelt. Wie kann eine Depression psychotisch sein bzw. umgekehrt? Oder sehe ich da was falsch?
Gruß
Hermann
Hallo,
Psychose ist ein weitergerfaßter Begriff. Psychosen umfasst die Schizophrenie, die Manie und die Depression. Gemeinsamkeit dieser Erkrankungen ist eine Störung im Neurotransmitterhaushalt, vor allem im serotonergen und dopaminergen Neurotransmittersystem (ob das ursächlich ist oder eine Auswirkung ist noch unbekannt).
Psychose ist somit der Oberbegriff, genauer könnte man eine affektive Psychose beschreiben (Manie oder Deptression) und eben noch eine Stufe genauer eine depressive Psychose.
Psychose als Begriff dabei einzufügen ist manchmal auch sinnvoll, um von anderen Störungsbildern mit depressiver Begleitsymptomatik abzugrenzen.
Gruß
Tahere
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Hi,
ich kann mich irren, da das, als was ich das interpretiere, ja eher eine ‚psychotische Depression‘ wäre:
Eine Psychose an sich bedeutet ja weder Depression noch ‚elation‘, eh, als das Gegenteil davon, wenn jmd überdreht ist.
Aber, wie zB bei jmd mit bipolar disorder, kann es ja depressive wie manische Phasen geben.
Ich würde also annehmen, dass eine depressive Psychose eine Psychose mit depressiven Symptomen ist - sprich, die Person leidet an Depressionen, die Ursachen der Depression gehen aber in diesem Fall auf eine Psychose zurück. Welche dann wohl als Ursache behandelt werden müsste - wohl mit anderen Mitteln als (nur) Antidepressiva.
Gruss, Isabel
Hallo,
es gibt beide Begriffe.
Für die depressive Psychose siehe Tahere.
Für die psychotische Depression siehe Isabel.
Nur ergänzend zur psychotischen Depression:
Die psychotische Depression ist eine Depression mit psychotischen Symptomen, d.h. es treten während der Depression psychotische Merkmale wie Wahn und Halluzinationen auf, die mit der depressiven Stimmung vereinbar sind, z.B. Schuldwahn. Diese Merkmale stehen jedoch nicht im Vordergrund der Störung, so daß eine Depression und keine psychotische Störung wie z.B. eine Schizophrenie diagnostiziert wird.
Grüße,
O. Walter
Hallo Oliver,
es gibt beide Begriffe.
dachte es mir ja beinahe…
Demnach ist psychotisch sowas wie „verrückt“ im klassischen Sinne (Stimmen hören, Bilder sehen)? Sehe ich das- vereinfacht gesagt- richtig? Wäre es dann so, dass durch die psychotischen Merkmale eine Depression erfolgt? Das wäre aber doch irgendwie widersprüchlich, weil damit ja ausgesagt wird, dass sowas wie normales Bewusstsein existiert- immerhin erkennt der Kranke ja, dass er krank ist. Wie ist das miteinander vereinbar- von der Begrifflichkeit?
Für die depressive Psychose siehe Tahere.
Für die psychotische Depression siehe Isabel.
Psychose ist aber doch meines bescheidenen Wissens nach auch unterschieden zwischen endogener und exogener Psychose. Der Alkoholabusus kann doch so eine exogene P. sein oder ein Tumor…
Nur ergänzend zur psychotischen Depression:
Die psychotische Depression ist eine Depression mit
psychotischen Symptomen, d.h. es treten während der Depression
psychotische Merkmale wie Wahn und Halluzinationen auf, die
mit der depressiven Stimmung vereinbar sind, z.B. Schuldwahn.
Lässt sich z.B. so ein Schuldwahn dauerhaft aufrechterhalten?
Diese Merkmale stehen jedoch nicht im Vordergrund der Störung,
so daß eine Depression und keine psychotische Störung wie z.B.
eine Schizophrenie diagnostiziert wird.
Danke fürs Posting erstmal.
Gruß
Hermann
Hallo Hermann,
es gibt beide Begriffe.
dachte es mir ja beinahe…
ja, in der Psychopathologie - vor allem der älteren - gibt es nichts, was es nicht gibt. Für alles einen Namen. Ich sehe das allerdings kritisch.
Demnach ist psychotisch sowas wie „verrückt“ im klassischen
Sinne (Stimmen hören, Bilder sehen)? Sehe ich das- vereinfacht
gesagt- richtig?
Ja, kann man so sagen. In der neueren psychopathologischen Nomenklatur ist es tatsächlich so, v.a. die von Dir genannten Symptome als psychotisch zu bezeichnen. Dagegen stammen die Bezeichnungen „depressive Psychose“ oder „affektive Psychose“ aus der älteren Psychopathologie und werden heute eher nicht mehr verwendet. Es hat auch eine Trennung zwischen psychotischen Störungen (z.B. Schizophrenie, schizoaffektive Störung, wahnhafte Störung) und affektiven Störungen (z.B. Major Depression, Bipolar I Störung = manisch-depressive Erkrankung) gegeben.
Wäre es dann so, dass durch die psychotischen
Merkmale eine Depression erfolgt?
Die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge sind noch nicht so gut erforscht. Trotzdem weiß man, daß im Laufe von psychotischen Störungen wie z.B. Schizophrenie depressive Symptome immer auftreten können. Man ändert die Diagnose aber nicht, weil man davon ausgeht, daß die Schizophrenie die umfassendere Störung ist. Nur unter bestimmten Bedingungen wird eine andere Störung diagnostiziert. Die Differentialdiagnose zwischen Schizophrenie und psychotischer Depression ist allerdings nicht immer einfach.
Das wäre aber doch irgendwie
widersprüchlich, weil damit ja ausgesagt wird, dass sowas wie
normales Bewusstsein existiert- immerhin erkennt der Kranke
ja, dass er krank ist. Wie ist das miteinander vereinbar- von
der Begrifflichkeit?
Bei einer Psychose ist es in der Regel nicht so, daß der Kranke erkennt, daß er krank ist. Vielleicht verstehe ich Deine Frage auch nicht richtig. Könntest Du sie ggf. anders formulieren?
Psychose ist aber doch meines bescheidenen Wissens nach auch
unterschieden zwischen endogener und exogener Psychose.
Ja, richtig. Die von mir oben getroffene Unterscheidung bezieht sich auf „endogene“ psychische Störungen. „Exogene“ Störungen sind noch einmal ein Thema für sich.
Die psychotische Depression ist eine Depression mit
psychotischen Symptomen, d.h. es treten während der Depression
psychotische Merkmale wie Wahn und Halluzinationen auf, die
mit der depressiven Stimmung vereinbar sind, z.B. Schuldwahn.Lässt sich z.B. so ein Schuldwahn dauerhaft aufrechterhalten?
Geht es nicht eigentlich darum, daß der Wahn so schnell wie möglich verschwindet?
Grüße,
Oliver Walter
Hallo Oliver,
vielen Dank für dein sehr ausführliches Posting.
es gibt beide Begriffe.
dachte es mir ja beinahe…
ja, in der Psychopathologie - vor allem der älteren - gibt es
nichts, was es nicht gibt. Für alles einen Namen. Ich sehe das
allerdings kritisch.
Schade, dass es da keine einheitliche Bezeichnungen gibt. Vielleicht liegt es einfach daran, dass es eben ein Unterschied ist, ob ich es mit einer mathematischen Formel zu tun habe oder mit einem Menschen, dem ich letztlich doch nur vor den Kopf schauen kann, aber erst nach längerer Zeit auch in denselben.
Demnach ist psychotisch sowas wie „verrückt“ im klassischen
Sinne (Stimmen hören, Bilder sehen)? Sehe ich das- vereinfacht
gesagt- richtig?Ja, kann man so sagen. In der neueren psychopathologischen
Nomenklatur ist es tatsächlich so, v.a. die von Dir genannten
Symptome als psychotisch zu bezeichnen.
Hoffentlich hält das noch eine Weile, denn ich versuche gerade, ein Buch über meine Therapie (vor 20 Jahren) was zu schreiben.
Dagegen stammen die
Bezeichnungen „depressive Psychose“ oder „affektive Psychose“
aus der älteren Psychopathologie
Wie alt etwa?
und werden heute eher nicht
mehr verwendet. Es hat auch eine Trennung zwischen
psychotischen Störungen (z.B. Schizophrenie, schizoaffektive
Störung, wahnhafte Störung) und affektiven Störungen (z.B.
Major Depression, Bipolar I Störung = manisch-depressive
Erkrankung) gegeben.Wäre es dann so, dass durch die psychotischen
Merkmale eine Depression erfolgt?Die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge sind noch nicht so gut
erforscht.
Vielleicht könnte ich dazu was erhellendes sagen?
Das wäre aber doch irgendwie
widersprüchlich, weil damit ja ausgesagt wird, dass sowas wie
normales Bewusstsein existiert- immerhin erkennt der Kranke
ja, dass er krank ist. Wie ist das miteinander vereinbar- von
der Begrifflichkeit?Bei einer Psychose ist es in der Regel nicht so, daß der
Kranke erkennt, daß er krank ist. Vielleicht verstehe ich
Deine Frage auch nicht richtig. Könntest Du sie ggf. anders
formulieren?
Hm, ich komme aber auf keine andere Formulierung. Möglicherweise könnte ich vielleicht sagen, dass die Hoffnungslosigkeit und die Verzweiflung, in der sich der Kranke befindet, nach außen so aussehen mag, als hätte er keine Krankheitseinsicht, erkennt also nicht, dass er krank ist. Dass ist aber nicht so, ich weiß es zumindest von mir. Man „denkt“ einfach, dass sowieso nichts hilft und begibt sich also nicht in eine wie auch immer geartete Hilfe. Hier setzt auch meine Kritik am psychotherapeutischen System hierzulande an…
Psychose ist aber doch meines bescheidenen Wissens nach auch
unterschieden zwischen endogener und exogener Psychose.Ja, richtig. Die von mir oben getroffene Unterscheidung
bezieht sich auf „endogene“ psychische Störungen. „Exogene“
Störungen sind noch einmal ein Thema für sich.
Verstehe, ich glaube, soweit kenne ich auch die Begrifflichkeit und checke den Unterschied.
Die psychotische Depression ist eine Depression mit
psychotischen Symptomen, d.h. es treten während der Depression
psychotische Merkmale wie Wahn und Halluzinationen auf, die
mit der depressiven Stimmung vereinbar sind, z.B. Schuldwahn.Lässt sich z.B. so ein Schuldwahn dauerhaft aufrechterhalten?
Geht es nicht eigentlich darum, daß der Wahn so schnell wie
möglich verschwindet?
Ja, ja, natürlich! Ich dachte nur so, dass es doch - hm, ich weiß selbst nicht so genau. Aber einen Schuldwahn oder eine andere fixe Idee lange aufrechtzuerhalten, ist doch recht schwierig- da kommt mir der Gedanke, dass die Realität diese Dinger eigentlich zum Platzen bringen müsste, wenn du verstehst, was ich meine.
Viele Grüße
Hermann
Hallo Hermann,
vielen Dank für dein sehr ausführliches Posting.
gern geschehen.
Schade, dass es da keine einheitliche Bezeichnungen gibt.
Vielleicht liegt es einfach daran, dass es eben ein
Unterschied ist, ob ich es mit einer mathematischen Formel zu
tun habe oder mit einem Menschen, dem ich letztlich doch nur
vor den Kopf schauen kann, aber erst nach längerer Zeit auch
in denselben.
Wenn Du damit meinst, daß die Sache kompliziert ist, so stimme ich Dir vollkommen zu.
Ja, kann man so sagen. In der neueren psychopathologischen
Nomenklatur ist es tatsächlich so, v.a. die von Dir genannten
Symptome als psychotisch zu bezeichnen.Hoffentlich hält das noch eine Weile, denn ich versuche
gerade, ein Buch über meine Therapie (vor 20 Jahren) was zu
schreiben.
Ich denke schon, daß diese Symptome auch weiterhin für eine Psychose als charakteristisch angesehen werden. Das ist nämlich schon lange so.
Dagegen stammen die
Bezeichnungen „depressive Psychose“ oder „affektive Psychose“
aus der älteren PsychopathologieWie alt etwa?
Diese Bezeichung geht auf Kraepelins Einteilung der endogenen Psychosen in das „manisch-depressive Irresein“ und die „Dementia praecox“ (heute: Schizophrenie) im Jahre 1893 zurück.
Die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge sind noch nicht so gut
erforscht.Vielleicht könnte ich dazu was erhellendes sagen?
Nur zu.
Möglicherweise könnte ich vielleicht sagen, dass die
Hoffnungslosigkeit und die Verzweiflung, in der sich der
Kranke befindet, nach außen so aussehen mag, als hätte er
keine Krankheitseinsicht, erkennt also nicht, dass er krank
ist. Dass ist aber nicht so, ich weiß es zumindest von mir.
Man „denkt“ einfach, dass sowieso nichts hilft und begibt sich
also nicht in eine wie auch immer geartete Hilfe.
Ich denke, daß das ein wichtiger Grund dafür ist, daß jemand sich verschließt und keine Hilfe annehmen möchte. Ob das die fehlende Krankheitseinsicht ist, die man bei den schizophrenen Psychosen annimmt, ist fraglich. Sicherlich kann es aber zu Fehleinschätzungen durch das medizinische und psychologische Personal kommen.
Ich dachte nur so, dass es doch - hm, ich
weiß selbst nicht so genau. Aber einen Schuldwahn oder eine
andere fixe Idee lange aufrechtzuerhalten, ist doch recht
schwierig- da kommt mir der Gedanke, dass die Realität diese
Dinger eigentlich zum Platzen bringen müsste, wenn du
verstehst, was ich meine.
Das schon, wenn es kein Wahn ist. Bei Wahn ist es dagegen sehr schwierig bis unmöglich, den Betroffenen davon zu überzeugen, daß seine Wahngedanken unzutreffend sind.
Beste Grüße,
Oliver