Was ist Faulheit, was ist Dummheit?

Liebe/-r wer-weiss-was Experte/-in,

Was ist Faulheit, was ist Dummheit?

Zu oft - und das kennen Sie vermutlich aus eigener Erfahrung - werden Menschen von anderen als dumm oder faul bezeichnet. Aber was ist Faulheit? Was ist Dummheit?

Ziehe ich von Faulheit die Bewertung ab komme ich etwa auf Inaktivität oder Passivität. Oder ist es mehr?

Ziehe ich von Dummheit die Bewertung ab komme ich etwa auf Unwissenheit oder „nicht konformem Verhalten“. Oder ist es mehr?

Grüße

A. Kenn

Lieber A.Kenn,

ehrlichgesagt bin ich mehr als überrascht über diese Anfrage - denn ich bin beileibe kein Experte - weder für Faulheit, noch für Dummheit. Bestenfalls bin ich da ein Naturtalent.

Und ernsthaft geschrieben: Nein, eigentlich kenne ich das aus meiner eigenen Erfahrung genau andersherum - da werden Leute „zu selten“ faul oder dumm genannt - und im Betrieb mitgeschleppt, obwohl sie bewußt den Arbeitsgang torpedieren. Und zudem aber auch auf Kosten der engagierten Mitarbeiter leben. Aber das nur am Rande…

Viel mehr würde mich eigentlich interessieren, wohin Ihre Frage genau zielt, aus welchen Motiven sie enstprungen ist - denn so einfach ins Blaue hinein halte ich sie nicht für adäquat beantwortbar. Und wer-weiss-was ist ja nicht einfach nur dazu da um Fragen mal einfach in die Menge zu werfen, bloß weil sie grade durch den Kopf trudeln. Zumindest hatte ich das bisher so verstanden…

Trotzdem der -kurz gehaltene- Versuch: Naturgemäß wird man mit Faulheit alles Verhalten bezeichnen, dass entgegen einer gemeinhin anerkannten Einschätzung weniger Arbeit verrichtet, als notwendig. Der Kontext spielt da wohl auch mit hinein: Wer sein Geld für sich arbeiten lassen kann, weil er genug hat wird wohl kaum faul genannt werden, wenn er das halbe Jahr nur am Strand liegt - wer hingegen arbeiten müßte und doch nur Arbeitslosengeld bezieht schon eher.

Dummheit hingegen ist durch viele Filme erfolgreich torpediert worden (Forrest Gump ist nur einer von vielen „eigentlich dummen Helden“) - setzt aber doch auch voraus, dass man ein „durchschnittliches“ Wissen voraussetzt - und Dummheit eben bei Unterschreitung desselben attestiert. Wer tatsächlich glaubt 2 und 2 sei ungefähr ein halbes Dutzend - der hat ein Problem in Interaktion mit Anderen und vor allem beim Bezahlen von Rechnungen.

Ehrlichgesagt glaube ich, dass die Bewertung von Begriffen wie „Faulheit“ und „Dummheit“ auch gar nicht abgezogen werden sollte. Denn genau das macht sie ja aus. Wer „dumm“ ist, schadet sich damit (gewollt oder ungewollt) selber. Und das ist schlecht. Das selbe gilt für den Faulen. Es ist ein ähnliches Phänomen, wie wenn man einen Krieg nur noch einen Konflikt nennt, um ihn zu verharmlosen.

Eine ganz andere Frage wäre es natürlich, sich damit zu beschäftigen, ob unsere Maßstäbe für „Dummheit“ und „Faulheit“ richtig sind. Das aber ist etwas, was nun wiederum meine Kompletenzen übersteigt. Suchen Sie’s sich aus - entweder bin ich zu dumm oder zu faul dazu… :wink:

Mit zwinkernden Grüßen
T. K.

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Hallo,
Faulheit als Phänomen könnte auch Ausdruck von Widerstand gegenüber von Veränderungsdruck sein…

Dummheit als Phänomen könnte auch Ausdruck von Kreativiät sein. „dummeheit“ ist ja relativ – entsprechend könnte / müßte man es unterschiedlich deuten.
Viele Grüße
Reiner

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Lieber Kenn,
nach meinem Urlaub finde ich Ihre Anfrage in meinem Postkasten, die mich etwas verwundert hat, weil ich als Experte für Kirchengeschichte hier auf wer-weiss-was registriert bin.

Aber zufällig bin ich auch Germanist, also hoffe ich Ihnen weiterhelfen zu können.

Ich finde, die treffendste Definition von „Dummheit“ stammt von Immanuel Kant:

„Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen. Ein stumpfer oder eingeschränkter Kopf ist durch Erlernung sehr wohl, so gar bis zur Gelehrsamkeit, auszurüsten. Da es aber gemeiniglich alsdenn auch an jenem (der Urteilskraft) zu fehlen pflegt, so ist es nicht Ungewöhnliches, sehr gelehrte Mänenr anzutreffen, die, im Gebrauche ihrer Wissenschaft, jenen nie zu bessernden Mangel häufig blicken lassen.“ (aus: Kritik der reinen Vernunft).

Was Faulheit (Trägheit) angeht, so verweise ich auf die christliche Todsünde der Acedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Tods%C3%BCnde) - die Faulheit ist dann eine Todsünde, wenn sie schwerwiegende Konsequenzen nach sich zieht (z.B. aus Faulheit nicht zu helfen bei einem Unfall, sein Leben zu verschwenden …).

Ich hoffe, geholfen zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Martin