kann mir einer erklären, was forensik bzw. ein forensischer Pathologe genau ist ?
Desweiteren verstehe ich nicht, wie ein Mensch „dekompensieren“ kann, was genau bedeutet das?
Ich lese gerade ein Buch und habe trotz Nachforschung die genaue Beschreibung nicht erhalten.
Wenn ich die Frage in der falschen Sparte stelle bitte ich in vorraus um Entschuldigung…
Jetzt habe ich glatt gedacht, ein Griff in die schlauen Bücher und die Definition zitiert. Denkste! Im Model-Creifels „Rechtswörterbuch“ ist Forensik überhaupt nicht erwähnt. Auch mein Pschyrembel schreibt nichts dazu.
Gerichtsmedizin gibt es offenbar nicht in der Juristerei und in dem med. Wörterbuch, wobei jeder im Strafrecht Tätiger (Polizei, Staatsanwalt und Strafrichter) auf Gerichtsmediziner angewiesen sind. Forensik ist die allg. Bezeichnung, schreibe ich mal so hin, für alles was mit der Gerichtsmedizin zu tun hat. Also Untersuchung und ggf. Identifizierung des Toten. Klärung des Zeitpunkt des Todes, Todesart usw… Aber auch am lebenden Objekt sind diese Mediziner tätig. Bekanntestes Beispiel wäre das Blutabzapfen; ist der Autofahrer so besoffen, daß ihm der Führerschein amtlich weggenommen werden darf?
„dekompensieren“ übersetzt der Pschyrembel wie folgt:
D. des Herzens: komplette Herzinsuffizienz (mit weiteren Erläuterungen)
D. des Stoffwechsels: Völliger Zusammenbruch des Stoffwechsels
(…)
D. der Bewegungen: (Asynergie) Manglhaft. Zusammenwirken, Koordinationsstörung bzw. -ausfall zwischen Rumpf- und Gliedbewegungen; Lokal oder Herdsympt. bei Kleinhirntumoren, auch als „Dekompensation d. Bewegungen“ bezeichnet.
In Krimis wird theatralisch das weißte Tuch über das Opfer gelegt und mit bedeutungsschweren Blicken sagt einer der Umstehenden „Nu is a tot“, oder sonst ein dazu passendes Sprücherl.
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Kompensation bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Körper des Menschen eine Störung ausgleicht.
Von Dekompensation wird dann gesprochen, wenn diese Schutzmechanismen versagen und der Zustand sich schnell verschlechtert.
Bsp: Bei einem Schock, z,B, durch starken Blutverlust kompensiert der Körper, indem er das Blut auf die sogenannten Vorzugsgebiete konzentriert (Gehirn, Herz, Nebennieren) und die Durchblutung in den Drosselgebieten (z.B. Arme und Beine) reduziert. Als Folge wird der Blutdruck hoch gehalten. Dieser Zustand kann nun nicht beliebig lange aufrecht erhalten werden, irgendwann wird die Blutversorgung in den Drosselgebieten wieder hoch gehen und der Blutdruck massiv abfallen. Dann spricht man von einer Dekompensation.
Pathologie: Lehre von der abnormen u. krankhaften Veränderung im menschlichen Körper, Einordnung und Beschreibung von Krankheiten
forensisch: gerichtsmedizinisch
Somit ist ein „forensischer Pathologie“ IMHO ein Gerichtsmediziner (vgl. Quincy – bitte nicht alle hier anwesenden Gerichtsmediziner entsetzt aufschreien
Forensik : Fachgebiet der Medizin, das sich mit Fragen u. Problemen befaßt, die zur Klärung medizinisch relevanter rechtserheblicher Tatbestände dienen.
Also…Gerichtsmediziner sind z.B. forensische Pathologen.
Dekompensation: der nicht mehr ausreichende Ausgleich (Kompensation) einer Funktionsstörung, d.h. das Versagen bzw. die Entgleisung der autonomen Kompensationsmechanismen; i.w.S. das daraus resultierende Krankheitsbild, z.B. die kardiale D.
Solltest du weitere Fachausdrücke suchen versuche es unter
der forensische oder zu Deutsch Gerichts- oder Rechtsmediziner wird immer dann aktiv, wenn ein Mensch stirbt und der leichenschauende Arzt auf dem Todesschein eine ungeklärte oder unnatürliche Todesursache ankreuzt. Darunter fällt z.B. der Unfalltod oder Selbstmord. Schwieriger ist die Situation, wenn z.B. der Hausarzt von der Familie zu einem nach langer Krankheit verstorbenen Familienmitglied gerufen wird. Einerseits will er ja keinen unnatürlichen Tod (Mord aus Erbinteresse) unterstellen. Andererseits bleibt nach seriösen Schätzungen jeder zweite Mord unentdeckt, weil es versäumt wird, die Leiche in die Gerichtsmedizin zu schicken. Meiner Meinung nach sind das Zustände wie in einem Bananenstaat.
Die Gerichtsmedizinische Arbeit ist recht spannend, sie gleicht einer Detektivarbeit. Lehrbuchbeispiel: Eine bekannte Alkoholikerin war auf ihrem Sofa verbrannt. Die Vermutung war, daß sie stark betrunken auf dem Sofa eingeschlafen war, und durch ihre eigene Zigarette das Sofa entzündet hatte (die synthetischen Füllstoffe entwickeln binnen Sekunden mehrere tausend Grad Hitze). Zum Glück wurde aber eine gerichtsmedizinische Untersuchung veranlaßt: Diese zeigte zur großen Überaschung aller Beteiligten einen rund 10 cm langen Stickkanal vom Rücken durch Lunge, Luft- und Speiseröhre bis in die Hauptschlagader hinein. Die Abwesenheit von Rußpartikeln in der Lufröhre und Kohlenmonoxid im Blut waren der entgültige Beweis, daß die Frau zum Zeitpunkt des Brandes bereits Tod war. Der geständige Ehemann wurde verhaftet und verurteilt.
Anders übrigens die Arbeit des Pathologen: Er untersucht in erster Linie während einer Operation entnommene Organe oder Organproben. Wichtigste Diagnosen: Entzündung, gut- oder bösariger Tumor. Er führt Sektionen nicht aus strafrechtlichem, sondern medizinisch-wissenschaftlichen Interesse durch, also wenn z.B. bei einem verstorbenen Patienten die Diagnose zu Lebzeiten nie richtig geklärt werden konnte. Ist auch wichtig: War es z.B. ein bestimmter Lungentumor, so liegt der Verdacht auf Asbestexposition nahe, es sind dann also zur Vorbugung weiterer Krankheitsfälle entsprechende Nachforschungen am Arbeitsplatz notwendig etc.
Der Begriff „dekompensiert“ läßt sich in verschiedener Hinsicht verwenden: Da wäre z.B. die Herzschwäche („Herzinsuffizienz“), in welcher der Körper versucht, durch Erhöhung des Blutvolumens die Herzfüllung und damit die Arbeitsleistung zu verbessern. Das geht einige Zeit gut, irgendwann allerdings wird das Blutvolumen so groß, daß durch einen Blutstau in der Lunge die Sauerstoffaufnahme gestört wird. Damit erleidet das Herz einen Sauerstoffmangel, und die Auswurfleistung geht rapide in den Keller. Das ist dann die „dekompensierte Herzinsuffizienz“.
Der Begriff kann jedoch auch auf die Psyche angewandt werden: Ein Gewalttäter kann z.B. im Alltag nur durch besimmte Strategien seine Aggression „kompensieren“. Diese Strategien können überlastet werden. Kündigung am Arbeitspaltz, plus Auto springt nicht an, plus Beschiß durch den Taxifahrer, und die betrunkene Ehefrau daheim auf dem Synthetiksofa meckert auch bloß herum o.ä., wodurch der Täter vollends „dekompensiert“ mit den bekannten üblen Folgen.
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. So wird einem Laien wie mir das ganze einfach erklärt. Es ist zwar nur ein Kriminalroman (Patricia Cornwell), trotzdem möchte ich schon verstehen was ich da so lese.
Zudem hat mich die Medizin an sich schon sehr lange interessiert.
Also, nochmal schönen Dank!
Hallo Cabochon (scharfer Name),
Dankeschön für deine Antwort, meine Lektüre (Patricia Cornwell) wird mir um einiges verständlicher…
Viele Grüße Bettina
Hi Bettina
Forensik : Fachgebiet der Medizin, das sich mit Fragen u.
Problemen befaßt, die zur Klärung medizinisch relevanter
rechtserheblicher Tatbestände dienen.
Also…Gerichtsmediziner sind z.B. forensische Pathologen.
Dekompensation: der nicht mehr ausreichende Ausgleich
(Kompensation) einer Funktionsstörung, d.h. das Versagen bzw.
die Entgleisung der autonomen Kompensationsmechanismen; i.w.S.
das daraus resultierende Krankheitsbild, z.B. die kardiale D.
Solltest du weitere Fachausdrücke suchen versuche es unter
dank Dir für Deine Antwort. Da staunt man, was so alles für Wörter nicht im Duden stehen, was? Ich hab ja vorher auch schon geschaut, um keine überflüssigen Fragen zu stellen.
Also drum, danke für die Antwort…
Viele Grüße Bettina