Hallo!
Neulich musste meine Tochter (4 Klasse) in einer Arbeit die Personalpronomen einsetzen. Ich gebe mal den Text wieder, in dem sie (angeblich?) einen Fehler gemacht hat (GROSS geschrieben sind die Eintragungen meines Kindes): Die Länge tut mie leid!
Kürzlich kam Vater nach Hause. ER war sehr traurig. WIR Kinder mussten auf unsere Zimmer gehen, denn er hat lange mit Mutter gesprochen. Als WIR am nächsten Morgen aufstanden. war ER noch da. Komisch! Eigentlich verlässt ER vor uns das Haus. Mittags kamen WIR hungrig nach Hause, das Essen war fertig und ER begrüsste uns freundlich. Als Mutter kam, sprach ER ganz ruhig mit uns und erklärte, dass ER keine Arbeit mehr habe. ER sei arbeitslos. WIR müssen nun gemeinsam planen wie "ES „weitergeht“ sagte ER.
Die Lehrerin hat folgendes korrigiert: Als Mutter kam, sprach SIE ganz ruhig mit uns und erklärte, dass ER keine Arbeit mehr habe. ER sei arbeitslos. WIR müssen nun gemeinsam planen wie "ES „weitergeht“ sagte SIE.
Meine Tochter meint, es könnte auch sein, dass der Vater auf den Beistand der Mutter gewartet hat, bevor er den Kinder die schlimme Nachricht überbringen könnte und da wäre „ER“ durchaus angebracht. Mir erscheint dies auch logisch, aber deutsch ist nun mal nicht meine Muttersprache. Gibt es grammatikalische Zwänge, die den einsatz von „ER“ in diesen Sätzen grundsätzlich falsch macht? Ich würde es ihr gern ihren Fehler (?) erklären erklären, aber alle Menschen, die ich bisher gefragt habe meinten, die Lösung meiner Tochter wäre genau so möglich und grammatikalisch richtig. Die Grammatikbücher die mir zu Verfügung
stehen, haben auch nichts eindeutiges ergeben. Wieso ist „ER“ in diesen Sätzen ein Fehler?
Grüsse: Marina
Liebe Marina,
grammatisch finde ich in dem, was Deine Tochter geschrieben hat, keinen Fehler!
Die Lehrerin hat folgendes korrigiert: Als Mutter kam, sprach
SIE ganz ruhig mit uns und erklärte, dass ER keine Arbeit mehr
habe. ER sei arbeitslos. WIR müssen nun gemeinsam planen wie
"ES „weitergeht“ sagte SIE.
Meine Tochter meint, es könnte auch sein, dass der Vater auf
den Beistand der Mutter gewartet hat, bevor er den Kinder die
schlimme Nachricht überbringen könnte und da wäre „ER“
durchaus angebracht. Mir erscheint dies auch logisch.
Das erscheint mir vertretbar und gut begründbar.
Ich vermute, die Lehrerin hatte folgenden Gedanken: Die Mutter kommt, und nun wechselt die Person, von der gesprochen wird und auf die sich die Aufmerksamkeit richtet. Es hat also ein Wechsel des Subjekts stattgefunden: die zuletzt erwähnte Person ist nun die, welche Handlung weitertreibt. In diesem Sinne hat die Lehrerin Recht, wenn sie statt des ER ein SIE einsetzt. Das müßte sie aber erklären, und als grammatischen Fehler darf sie es nicht anstreichen, denn es ist, wie gesagt, grammatisch richtig.
Gruß - Rolf
hi,
die lehrerin irrt. deine tochter hat definitiv keinen fehler gemacht.
der sprecherwechsel zur mutter ist zwar naheliegend, aber nicht zwingend. selbstverständlich kann der vater (ER) reden, wenn die mutter kommt.
m.
Danke
für die schnelle Reaktion. Ich weiss zwar immer noch wie ich damit umgehen soll (immerhin hat meine Tochter deswegen eine 2 bekommen und ist deswegen geknickt) aber zumindest zweifle ich nicht mehr soo sehr an meinen eigenen Deutschkenntnissen.
Grüsse: Marina
Hallo Marina!
Mir scheint, die Lehrerin ist von einem überkommenen Rollenverständnis gefangen, sodass sie sich nicht vorstellen kann, dass auch Männer über eigene Probleme offen reden können. Sowas muss Mutti dann machen.
Wenn der Aumerksamkeits-Lenkungs-Theorie gefolgt würde, müßte es dann nicht heißen: „Das Essen war fertig und ES begrüßte uns freundlich“?
Ihre Lehrerin hatte nen Lückentext mit den richtigen Antworten, merkte gar nicht, dass etwas doppeldeutig war, und hat jetzt so eine eingefahrene Meinung, dass sie nicht sieht, dass die zweite Version nicht weniger logisch ist.
Falsch ist daran nichts.
Gruss, Isabel