Was ist mit mir los?

Hallo zusammen,
ich bin 43 Jahre alt, Mutter von 3 Kindern, Reiseverkehrskauffrau, Hörfunkredakteurin, PR-Referentin und jobbe seit 1 1/2 Jahren als Moderatorin.
Das nur ganz kurz zur Info, weil ich nicht recht weiß, wie ich anfangen soll.
Ich war schon immer ein sehr kreativer Mensch, habe immer gerne und viel gearbeitet und stand meistens im Mittelpunkt, was mir stets viel Anerkennung gebracht hat. Warum erzähle ich das so?
Weil ich glaube, dass diese Anerkennungssuche irgendwie mein Antrieb für viele Dinge war.(ist?)
Naja, ich habe all das gerne gemacht und war jahrelang fast so was wie ein Workaholic. Ich habe all diese Ausbildungen abgeschlossen, mich immer weiter gebildet, überlege auch momentan, noch etwas zu lernen - dennoch ist in meinem Kopf und Herz alles durcheinander.
Vielleicht ist es auch einfach das Alter?
Naja, ich habe irgendwann auch einmal eine Eventdekorationsfirma gehabt, die erst gut lief, aber mit sehr sehr viel Arbeit und Existenzangst, dann aber in einer Insolvenz mündete. Das ist jetzt etwa 6 Jahre her.
Erst danach habe ich das PR Studium angefangen und ein paar Projekte geleitet usw.
Seit nunmehr 1 1/2 Jahren bin ich arbeitslos bzw. jobbe als freiberufliche Sprecherin. Ich war früher immer ein Optimist, ein Stehauf-Männchen - frei nach der Devise: Ich lass mich nicht unterkriegen!
Ich habe extreme Beklemmungen, die stetig zunehmen. Ab mittags 13.00 h, kurz bevor meine Kinder nach Hause kommen, spüre ich, das ich angespannt bin. Ich singe auch in einer Band, was früher mein Lebenselixier war - momentan ist es so, dass mich jede Probe nervt, mir Stress macht. Habe das Gefühl, ich kämpfe überall gegen irgendetwas - ich habe immer noch viele Ideen, doch keine schaffe ich, umzusetzen - schließlich und endlich sitz ich dann am PC abends, weil mir das, ein Glas Rotwein und Zigaretten, die einzige Möglichkeit bietet, nicht zu denken, nicht zu funktionieren usw.
Ich möchte gerne wieder lachen - doch ich traue mich nicht, weil ich Angst habe, dass meine Beklemmungen wieder stärker werden. (Ist echt so) Ich freue mich auf so gar nichts mehr richtig, weil ständig irgendein: Aber… damit verbunden ist - ich fühle mich nicht mehr richtig und ich weiß nicht mehr, was ich will.
Am letzten Wochenende feierte meine Tochter Geburtstag (19) und ihr Stiefopa sagte zu mir: Ich habe dich bei einer Moderation mit dem Oberbürgermeister gesehen - da muss man aber doch ein bisschen Bildung für haben - aber man kann das ja auch überspielen, wenn man gut schauspielen kann.
Ich wußte darauf erst nichts zu sagen - irgendetwas in mir sagte: Hey, was der da sagt, ist scheisse dir gegenüber - aber ich hab es nicht geschafft, cool zu sein. Stattdessen habe ich ihm vorgebetet, was ich alles gelernt und gemacht habe - was er gar nicht weiter ernst genommen hat.
Solche Dinge nagen dann an mir und bestätigen mir, du bist irgendwie immer auf der Suche nach etwas - du wirst es nie schaffen!
Und es erinnert mich an zu Hause - früher - da hat mich auch nie einer ernst genommen - und sobald ich dieses Gefühl habe, löst sich bei mir so ein Mechanismus, der sofort mit Gegenstrategien beginnt:
Rechtfertigen, Streiten auch, dem zeig ich es jetzt aber usw.
Das schlaucht - deshalb hab ich dieses Kampfgefühl ständig.
Ich bin irgendwie müde zu kämpfen - ich finde mich doch eigentlich gar nicht schlecht - aber das erreicht mich offenbar nicht wirklich.
Meine Kinder - die wirklich alle drei klasse sind - und auch mein Mann haben auch so ihr Zeugs, um das ich mich kümmern muss und möchte und für die vier Lieben habe ich die besten Ratschläge.
Nur ich selber finde keine Lösung für mich.
Genug gejammert - ich hatte schon einen ähnlichen Forumeintrag - weiß aber nicht, ob der irgendwo gelandet ist, deshalb hab ich den noch einmal verfasst.
Ich bin echt dankbar für kompetente Hilfe!
Eure
Bettina

Hallo Bettina,

mit einer kompetenten Antwort kann ich dir leider nicht helfen aber wäre ich ein Freund, würde ich dir raten ein bisschen kürzer zu treten bzw. eine kleine Auszeit (Urlaub) zu nehmen. Für mich klingt es so, als hättest du zu viel um die Ohren und bist ein bisschen ausgebrannt.

Gerade wenn man sich die Dinge mit etwas Abstand anschaut sieht man oft die „Lösung“ und fragt sich hinterher nur noch „warum bin ich da nicht früher drauf gekommen“.

Also mein Tipp, einfach mal ein zwei Gänge runterschalten und eine Pause machen wo es geht.

Viele Grüße
Me

Danke schön für die gut gemeinte Antwort.
Ich habe selbst das Gefühl - ich müßte dringend mal raus. Aber so einfach geht das hier nicht. Ich habe auch sofort ein schlechtes Gewissen, hier alles sich selbst zu überlassen - besonders die Kids.
Dann kommt ja auch noch das finanzielle Problem dazu.
Wenn ich jetzt sagen würde - ich brauche mal ein paar Tage Abstand - würde wahrscheinlich unser Familienurlaub wegfallen oder so -
Ich finde allerdings auch hier im Alltag die nötige Ruhe nicht, zu mir selbst zu kommen. Das ist einfach sehr sehr schwierig.

Bettina

Hallo Bettina,

Ich bin echt dankbar für kompetente Hilfe!

ohne hier jemand Kompetenz absprechen zu wollen, geschweige denn zu können, glaube ich, dass für kompetente Hilfe ein anderer Rahmen nötig ist. Vielleicht besprichst Du das, was Du hier gepostet hast, zunächst mit Deinem Hausarzt und gemeinsam könnt ihr dann sehen, was weiter passiert . . .

Hallo,

hier ein Interpretation eines Laien.

Dein Ehrgeiz, der Fleiß, die vielen Interessen und der Druck/Perfektionismus, mit dem Du die Dinge angehst, das sind alles Dinge, die Dir Lebensenergie geben, die wichtig und positiv für Dich sind. Diese „Antreiber“ haben irgendwo ihre Ursache, vermutlich bist Du in Deiner Kindheit auf irgendeine Weise entsprechend geprägt worden.

Durch all den Druck, den Du Dir dadurch aufbaust, kannst Du irgendwann Probleme bekommen und ausbrennen. Du klingst in Deinem Posting ausgebrannt. Du solltest deswegen keinesfalls gegen Deine Antreiber arbeiten, denn sie geben Dir die Energie, die für Dein Leben wichtig ist. Du könntest versuchen, etwas Druck aus all den Dingen, die Du tust, herauszunehmen. Manche Sachen lockerer und entspannter zu sehen. Sei großzügiger Dir selbst gegenüber.

Parallel dazu kannst Du Dir Gedanken machen, weshalb Du so verbissen an Deine Themen herangehst. Denn die Verbissenheit nimmt Dir letztendlich den Spaß daran und kostet Dich zusätzliche Energie. Die Ursachenforschung kann notwendig sein, um Dir eine „Umstellung“ zu ermöglichen und Deine Energie effizienter einzusetzen.

Viele Grüße,
Andreas

Hi Bettina,

deine Aufgabe ist es zu lernen nicht mehr Handampf in allen Gassen zu sein. Nicht ständig die neuarmige Göttin in Job1, Job2, Job3, Nebenjob1, Nebenjob2, zuhause und am PC, im TV, im Radio und für deine Trainings zu sein, oder sonstige Abschlüsse.

Wenn ich dich richtig verstanden habe kannst du dich kaum noch entspannen, hast das Gefühl alles bricht ohne dich zusammen (okay, fast alles), es gab ein paar Rückschläge die du wohl nicht verarbeitet hast (die dich irritieren, die du noch nicht analysieren konntest), dich strengt dein „ganz normales Ich-sein“ plötzlich an, du siehst die Verantwortung für sehr viele Dinge fast ganz alleine auf deinen Schultern ruhen und willst durch eine Extratour (dann fällt der Familienurlaub aus…) auch anderen keinen Spaß verderben. Was mich etwas wunderte bei dir war deine Reaktion auf diesen lächerlichen Spruch von Stiefopa. Wieso bist du nervlich so am Ende das du ohne überlegen Rechtfertigungen über deinen Bildungsstand verteilst (du hast ihm deine ganzen Abschlüsse heruntergebetet) und 2. hast du dich nochmal unter Druck gesetzt, indem du dich geärgerst hast das du keine passende dumme Antwort auf den Spruch hattest. Das passiert oft, wenn man viel zuviele Töpfe auf dem Herd hat und nur noch mit heraushängender Zunge zwischen den Töpfen am hin- und herflitzen ist, damit nix anbrennt und alle „warmes Essen bekommen“.

Ich denke du musst lernen dir deine Zeit zu nehmen, auch auf die Gefahr hin dass du anderen auch mal einen Strich durch ihre Rechnung machst. Ich denke auch deine Kraft ist langsam am Ende, aber du setzt dich weiter unter Druck. Du fragst auch nur „was ist mit mir los“, du fragst nicht „wie kann ich lernen zu entspannen“ oder „wie lerne ich mir auch mal was entspannt am Arsch vorbeigehen zu lassen“.

Macht sich dein Mann auch so verrückt? Könnte er dir nix abnehmen?

Ich hoffe ich hab dich richtig verstanden…

Grüsse
Helena

Hallo noch einmal,
ihr habt wirklich recht. Mir leuchtet das alles ein.
Andreas, was meinst du genau mit Ursachenforschung? Ich habe schon mal mit Hilfe eines Tagesbuches tiefer in mir gegraben und festgestellt, dass ich eben eines dieser Kinder war, das gelernt hat, nur durch entsprechende Leistung anerkannt, respektiert und ernst genommen zu werden. Bei meinen Eltern kann ich das mitunter heute noch feststellen und deshalb gehen mich solche Äußerungen wie die vom Stiefopa wahrscheinlich auch noch immer so an.
Vor ganz vielen Jahren hatte ich mal ein sehr heftiges Gespräch mit meiner Mutter über diese Dinge, worauf sie nur noch beleidigt war.
Und ich kann mir bis heute unterschwellig anhören, was man sich von seinen Kindern alles sagen lassen muss.
Will damit sagen, ich denke, dass meine Schwierigkeiten mit mir selbst dahin zurückgehen.
Aber echt, das hilft mir einfach nicht. Ich habe das Gefühl, so dermaßen festzustecken. Ich find da nicht raus.
Bettina

Hello again,

dein Hang zum Perfektionismus in allen Ehren aber du hast nur eine Gesundheit und nur ein Leben. Wenn du sagst es geht nicht glaube ich dir das nur bedingt. Vielleicht siehst du nicht die Zeit für eine Auszeit von einigen Wochen (deine Probleme gäben es allerdings her) aber vielleicht hilft schon ein verlängertes Wochenende. Auch an die freie Zeit muss man sich erst gewöhnen genauso wie dein Umfeld, dass du anfängst auch mal an dich zu denken.

Liebe Grüsse
Me

Du treibst das Karussel an…nur du…
Hi Bettina,

du findest aus dem Kreis nicht raus, weil du nicht loslassen kannst, willst, magst, Angst hast loszulassen. Diese Tretmühle wird doch von dir angetrieben, also mach den Fuß mal leicht vom Gas. Lass eben auch mal was liegen, zieh andere heran die dir was abnehmen können, deligiere, mach nicht alles jetzt sofort. Frag dich, bevor du das nächste Mal hochspringst obwohl du eigentlich müde bist, obs wirklich jetzt, sofort erledigt werden muss, obs nicht doch Zeit hat, oder ob die Welt zusammenbricht wenn es nicht sofort gemacht wird.

Spätestens wenn du zusammenbrichst oder einen Hörsturz bekommst, solltest du wissen das du es langsam angehen musst. Dein Körper zieht schon die Notbremse, aber dann ist es meißt zu spät. Du solltest einfach mal den Fuß aus dem Karussel halten und überlegen, Luft holen.

Grüsse
Helena

Hallo Bettina,

mal ein anderer Ansatz -
die Menschen deren Meinung Dir so wichtig ist - Eltern, Freunde, Umgebung …
was haben die denn geleistet in ihrem Leben?
Meine Erfahrung ist, dass diejenigen die selber wenig Ergeiz und/oder Begabung haben die Arbeit anderer gerne mal runtermachen oder Fehler aufbauschen um selber gut dazustehen.
Lehn Dich mal zurück…und lass die Leut´ Revue passieren…

Ansonsten finde ich auch dass Du dringend eine Auszeit brauchst.
Wenn Du so weitermachst wirst Du zu einem Hamster im Rad!

Viele Grüße
Susanne

Hi Bettina!
Professionelle Hilfe bekommst Du auch von mir nicht, aber ich möchte Dir ein paar Überlegungen aus meiner Sicht mitteilen. Schau, ob Du etwas wieder erkennst oder ob es Dich sonst irgendwie weiter bringt.

Zur Grundstimmung : Ich empfinde Dich als sehr sehr traurig und sehr sehr müde - so , dass Du nicht mehr kämpfen magst, nicht mit Deinen Eltern, nicht mit Bekannten,…nicht mit Dir selbst…
Du hast so sehr versucht, endlich die Anerkennung zu bekommen, nach der Du Dich so sehnst. Dafür hast Du immer weiter gelernt, immer neue Abschlüsse gemacht, hast Dich immer neuen Herausforderungen gestellt - und wenn es Dir möglich gewesen wäre, hättest Du wahrscheinlich noch ein paar bunte Glitzersterne ins Weltall gezaubert…
„Nebenbei“ warst Du liebende Mutter und Ehefrau. Und du warst gut, standest stolz im Mittelpunkt. Die Anerkennung der anderen tat Dir gut.Wie Balsam auf einer wunden Seele.(- auf einer kleinen Kinderseele?!)
Wie stand es mit Deiner eigenen Anerkennung Dir gegenüber? Wie oft hast Du zu Dir selbst gesagt-ohne die Bestätigung durch andere- „das hast Du gut gemacht“?
Ja, Du bekamst Anerkennung für Deinen Fleiß, Deinen Mut, Deine Standhaftigkeit… - aber ich habe das Gefühl,nicht durch diejenigen, um die es Dir eigentlich die ganze Zeit hauptsächlich ging.
Hier blieb Dir die Anerkennung weiterhin verwehrt : Du bist eine…, unsere T., wir haben viel Mühe und … in dich investiert, wir erwarten, dass du gut bist …(…uns keine Schande machst…)!

Und dann das:

ich habe irgendwann auch einmal eine
Eventdekorationsfirma gehabt, …mit sehr sehr viel Arbeit und
Existenzangst, dann aber Insolvenz,… etwa 6 Jahre her.

Und:

Seit nunmehr 1 1/2 Jahren bin ich arbeitslos bzw.
jobbe …

Auf den Punkt gebracht: Du hast „versagt“, so viel gelernt und gerackert und dann das ! Arbeitslos! Alles umsonst! Alles bricht zusammen:

"Hilflos und traurig steht ein kleines Mädchen mit blutendem Knie im
Regen. Wer nimmt sie in die Arme? Gibt ihr Halt? Sagt ihr, dass man sie lieb hat - trotz zerissener Strumpfhose und blutendem Knie… - "

Du hast Deinen Mann und Deine Kinder, die Dich mögen - aber Du scheinst auch Angst zu haben, dass Du in ihren Augen nicht mehr die strahlende Siegerin bist, dass Du ihre Anerkennung verlierst.

Es wagen ja schon andere Deine Talente, Dein Wissen anzuzweifeln- bzw. behaupten, Du hättest keine Ahnung - und das tut so weh- am liebsten würde man ihm wahrscheinlich das Glas Bowle oder anderes ins Gesicht schütten,- doch die Seele ist wund und angreifbar - und sucht nach Anerkennung: eine klägliche Verteidigung beginnt und endet …na ja. Doch wenn ich schwach bin, kann ich keinen anderen vom Gegenteil überzeugen- es klingt einfach unglaubwürdig ,(„jämmerlich“).

Was will ich damit sagen? Ja, ich denke Dein eigentliches Problem liegt in Deiner Kindheit: mit wenig oder keinem Lob -" das haben wir von dir erwartet" oder …„es geht besser“
Doch ich denke genauso, dass Du es selbst weißt. Und Du weißt auch, was Du tun mußt, um aus Deinem „Loch“ wieder herauszukommen.

Hole Dir die Anerkennung, die dir schon so viele Jahre zusteht oder
bringe diese Sache zu einem Schluß, mit dem DU!!! leben kannst.Zu mir sagte mal jemand : „Ohne verurteilen gibt es kein Verzeihen“- (ich weiß nicht, von wem das ursprünglich war, ist mir auch relativ egal- )aber es stimmt irgendwie - ich habe es vor Jahren ausprobiert!

Sei Dir selbst etwas Wert. Du kannst viel- probier doch mal, es für Dich zu tun, deine eigene Anerkennung nur für die alleine.

Und zu der Arbeitslosigkeit- nimm sie als Chance um auszuruhen!- und vergiß vor allen Dingen, was bestimmte Leute für dämliche Kommentare dazu abgeben- die haben nur solange eine große Klappe, wie es sie nicht selbst betrifft- aber heutzutage kann man nun mal beinahe genauso schnell arbeitslos werden, wie im Kindergarten Läuse bekommen!
Das ist momentan halt so.
Punktum.

Jetzt nehme ich Dich in den Arm von Frau zu Frau, (von Kind zu Kind…) und wenn Du willst, dann weine…, weine den Kummer hinaus…

Und morgen ist ein neuer Tag
Roxelane

Hallo Bettina,
ohne die anderen Antworten gelesen zu haben nur ganz ganz kurz mein erster Gedanke:

eigentlich gar nicht schlecht - aber das erreicht mich
offenbar nicht wirklich.

Genau das könnte ein wesentlicher Punkt sein. Vielleicht warst du mit deinen Ausbildungen immer auf der Suche nach Vollendung, nach es-sich-beweisen-müssen. Lass dieses Gefühl zu. Lies Siddhartha (nochmal) und such dir evtl. einen guten Therapeuten!

LG
Stefan

Hallo ihr Lieben,
ich muss schon gestehen, ich bin überwältigt, wieviele Gedanken ihr euch für mich macht. Und es tut sehr gut, danke dafür.
Es ist das erste Mal für mich, mich in so einem Forum derart anzuvertrauen und es ist wirklich hilfreich. Und ehrlich gesagt - ich leere mich hier so aus - weiß aber gar nicht, wie lange ich euch in diesem Forum damit aufhalten kann:wink:.
Roxelane, danke für diese lieben Worte. Du hast recht - ich erkenne mich total wieder und ja - irgendwie empfinde ich so - wie du schreibst. Diese völlige Entäuschung über einen selbst, aber auch Entäuschung über diejenigen, die mir wichtig sind, denen ich mal vertraut habe.
Es ist wirklich irgendwie wie bei einem kleinen Kind.
Ich habe auch vor allem in den letzten Monaten festgestellt, dass ich innerlich so eine Art Rückzug angetreten habe, meinen Eltern gegenüber beispielsweise. Ein Rückzug, den ich mir erst selbst nicht erklären konnte.
Merkwürdigerweise ist es mittlerweile so, dass sie mich anrufen, wenn ich mich nicht oft genug melde, und fragen, ob etwas nicht stimmt oder so. Oder mein Vater kreuzt hier auf und hätte am Liebsten, dass ich ihm mein ganzes Herz ausschütte, mich ihm anvertraue.
Nur das kann ich nicht mehr, habe ich festgestellt.
Ich habe früher so viel von ihm gehalten, das war immer mein Papa, der alles kann, der alles schafft, der immer stark schien wie ein Baum. Ich habe stets alles ertragen können, aber nie meinen Papa weinen sehen. Meine Mutter war deswegen damals oft eifersüchtig.
Dennoch hat sie ihn gegen mich oder mich gegen ihn benutzt.
Wenn er besoffen war (fast jeden Freitag), fuhr sie mich mit dem Auto zu ihm in die Kneipe, weil er nur auf mich gehört hat. Damals war ich 8 oder 9 Jahre alt und das ging so, bis ich etwa 11 oder 12 war.
Wenn er mich dann sah, brach er immer heulend zusammen und ich durfte meinen Papa am Arm nach Hause führen.
Sie hatten eben auch so ihre Probleme und ich würde ihnen das auch weiter gar nicht übel nehmen. Sie waren jung und wollten auch das Beste - ganz klar.
Aber als ich 16 Jahre alt war, hätte ich mal meine Eltern im Rücken gebraucht, da haben sie mich hängen lassen. Mein Vertrauen gebrochen, so habe ich es empfunden und es handelte sich nicht um eine bloße pubertäre Begleiterscheinung. Ich hatte mich verliebt, zum 1. Mal, leider in einen Mann, der verheiratet war. Doch der hat mir das Gefühl gegeben, ich sei etwas Besonderes. Dieses kannte ich bis dato so nicht. Meine Eltern haben damals alles daran gesetzt, die Geschichte zu verhindern, haben mich beschimpft und fertig gemacht.
Ich kann/konnte ihre Sorge an sich nachvollziehen, aber verstanden habe ich nie, dass sie mir nicht wenigstens mal zugehört haben, nur um meine Seite zu kennen. Die gab es für sie einfach nicht.
Später, als ich mit 18 auf einem Schiff als Reiseleiterin gearbeitet habe und angeklagt wurde von der Firma, ich hätte Geld geklaut, hat meine Mutter hinter meinem Rücken vor Gericht gegen mich ausgesagt - dabei war ich wirklich unschuldig. Ich hatte aus lauter Angst so einen Wisch unterschrieben, weil mir der Firmenchef mit Polizei gedroht hatte - und - ach, es wäre eine viel längere Geschichte.
Kurzum - es gibt so Dinge, die kann ich nicht vergessen, die sind tief in mir drin verwurzelt und kommen von Zeit zu Zeit wieder hoch.
Heute - jedes Jahr zu Heiligabend - entsteht so ein Gespräch in der Richtung: Sollen wir mal erzählen, was unsere Bettina uns alles angetan hat - und dann möchte ich diesen Weihnachtsabend zerstören und ihnen sagen: Soll ich jetzt mal auspacken!!
Aber was bringt das schon? Soll ich meinen Eltern, die selbst sehr jung waren, aber für mich bestimmt nicht das Schlechteste wollten, heute Vorwürfe machen wegen der alten Geschichten, die sie sowieso anders sehen?
Ich bin deshalb sehr bemüht, es bei meinen Kindern anders zu machen. Ich nehme sie ernst und gebe ihnen Halt, der so wichtig ist. Und wenn wir auch nicht viel Geld haben, ich sage ihnen schon immer: Wenn es brennt und ihr dreht euch um, sind Papa und ich immer da.
Mehr kann ich nicht tun, denke ich.
Mit dem Rest muss ich irgendwie alleine klarkommen. Ich will auch gar nicht mehr daran denken, kann es aber nicht verhindern.
Aber du hast sicher recht: Man sollte einen Schlußpunkt in der Sache finden, mit dem man leben kann.
Den muss ich nur erst finden - und irgendwann sterbe ich und suche ihn wahrscheinlich immer noch:wink:)
Nochmals danke für eure Zeit, ist echt klasse.
Einen schönen guten Morgen an alle:wink:
Bettina

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Hallo Bettina,

da hast Du ja schon eine ziemlich klare und schlüssige Idee für die Problemursache. Ich muss mich hier Klarissa anschließen. Es würde sich eventuell lohnen, das Thema dann mit professioneller Hilfe anzugehen. Letztendlich wird es darauf hinauslaufen, dass Du Deine Position zu den Eltern und Deine Einstellung zu der Art, wie andere Leute Dich beeinflussen, überdenkst.

Viel Erfolg!
Andreas

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Liebe Bettina!

Mir fiel eben zum Wegfahren folgendes ein: Als ich klein war, hatten meine Eltern sehr, sehr wenig Geld (3 Kinder, 2 davon in der Ausbildung, Haus gebaut…). Meine Mutter ist trotzdem immer mal wieder (mindestens ein Mal im Jahr) alleine weggefahren. Heute im Rückblick würde ich sagen, dass sie dieses „Weglaufen“ manchmal brauchte (bevor ihr alles über den Kopf wuchs) und dass es sich (und uns) davor geschützt hat, dass sie nicht nur temporär, sondern für immer, weggelaufen ist.

Ich kann Dir also wärmstens empfehlen, dass Du Dir Zeit für Dich selber nimmst. Meine Mutter ist damals immer in Jugendherbergen gefahren. Ich habe mal geguckt…

Wenn Du beispielsweise mit dem Rad in die Jugendherberge Biggesee fahren würdest (dort kostet Übernachtung und Halbpension 20,- Euro pro Tag). http://www.jugendherberge.de/de/jugen

Wenn Du also 5 Tage wegfährst, sind das 100,- Euro! Als Freizeitbeschäftigung könntest Du Dir das Buch „Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität“ von Julia Cameron mitnehmen und eine große Kladde für alle Gedanken und Übungen.

Ich habe die Zeit ohne meine Mutter, alleine mit meinem Vater, immer sehr genossen! Das hat ein tolles Zusammengehörigkeitsgefühl ausgelöst. War ein tolles Gefühl, dass wir beide das so ganz alleine geschafft haben.

Ich wünsche Dir, dass Du Dir Zeit dafür nimmst, Deine Batterien aufzuladen und dann wieder voller Energie und Fröhlichkeit bist. Damit tust Du Dir und Deiner Familie glaube ich einen großen Gefallen.

Herzliche Grüße Stefanie

Bleib ‚am Ball‘-bei Dir
Hallo Bettina,
Du hast einen großen Schritt gemacht, Dich hier so zu öffnen.
Roxelane hat mit ihrem sehr einfühlsamen Beitrag offenbar den Punkt getroffen…
Was Du schreibst, hat mich sehr berührt, eigentlich hast Du eben einen großen Teil der Misere, in welcher Du tief steckst und welche Dich an einem freieren Leben hemmt, erkannt und veröffentlicht. Dieses vor Allem „für sich selber Offen-machen“ ist m.E. ein wichtiger Schritt.
Raten kann ich Dir nur, auch noch weitere Schritte zu wagen. Auch wenn sie sicherlich schmerzlich sein werden.
Hilfreich fände ich dafür, wie andere bereits schrieben, therapeutische Unterstützung.

aber auch Entäuschung über diejenigen, die mir wichtig sind,
denen ich mal vertraut habe.
Es ist wirklich irgendwie wie bei einem kleinen Kind.
Ich habe auch vor allem in den letzten Monaten festgestellt,
dass ich innerlich so eine Art Rückzug angetreten habe, meinen
Eltern gegenüber beispielsweise. Ein Rückzug, den ich mir erst
selbst nicht erklären konnte.

Wenn ich unten lese, was Deine Eltern mit Dir, ihrem Kind gemacht haben, verstehe ich Deinen Rückzug.
Wir Menschen sind immer die Kinder unserer Eltern, ein Leben lang, da können wir uns noch so gegen wehren :wink:
Es nutzt nichts.
(Es ist ja auch erst mal O.K., auf die Beziehungsgestaltung und die Art, wie dieses Eltern-Kind-Verhältnis gelebt wird, kommt es letztlich an)

Merkwürdigerweise ist es mittlerweile so, dass sie mich
anrufen, wenn ich mich nicht oft genug melde, und fragen, ob
etwas nicht stimmt oder so.

Haben sie ja auch recht. Es stimmt einiges nicht.
Ich glaube, dass Deine Eltern Dich natürlich auf ihre Art lieben und sich sorgen, aber, dass sie tief drinnen auch wissen, das sie etwas nicht richtig gemacht haben, ihr Gewissen spielt nicht mit…

Oder mein Vater kreuzt hier auf
und hätte am Liebsten, dass ich ihm mein ganzes Herz
ausschütte, mich ihm anvertraue.

Er würde vielleicht gerne nachträglich in die Rolle des Vaters kommen, als Kind hast DU, beim ihn aus der Kneipe holen, ja oft genug Erwachsenenaufgaben übernehmen müssen.
Da hat Deine Mutter Dich schlichtweg benutzt.
(sie wußte sich ja offenbar nicht anders zu helfen)
Es geht mir nicht um irgendwelche Schuldzuweisung…

Nur das kann ich nicht mehr, habe ich festgestellt.
Ich habe früher so viel von ihm gehalten, das war immer mein
Papa, der alles kann, der alles schafft, der immer stark
schien wie ein Baum.

Das war Dein Kinderblick auf einen Wunschpapa. War er so stark? Warum die wöchentliche Sauferei?..

Dennoch hat sie ihn gegen mich oder mich gegen ihn benutzt.

Oder Dich für sich benutzt, weil sie offenbar nicht in der Lage war, ihren Mann aus der Kneipe zu holen. Nochmal: es geht nicht um Schuld, es geht um einen Klärungsversuch.

Wenn er besoffen war (fast jeden Freitag), fuhr sie mich mit
dem Auto zu ihm in die Kneipe, weil er nur auf mich gehört
hat. Damals war ich 8 oder 9 Jahre alt und das ging so, bis
ich etwa 11 oder 12 war.
Wenn er mich dann sah, brach er immer heulend zusammen und ich
durfte meinen Papa am Arm nach Hause führen.

Eine für Kind und Vater demütigende Situation, Du bist benutzt worden. Deine Mutter hätte das regeln müssen, aber sich vielleicht nicht anders zu helfen gewußt…

Sie hatten eben auch so ihre Probleme und ich würde ihnen das
auch weiter gar nicht übel nehmen. Sie waren jung und wollten
auch das Beste - ganz klar.

Das wollen erst mal alle Eltern für ihr Kind.
Und alle machen irgendwelche Dinge, die ihr Kind prägen, positiv wie negativ- meist aufgrund eigener familiärer Prägung, meist unbewußt.

Aber als ich 16 Jahre alt war, hätte ich mal meine Eltern im
Rücken gebraucht, da haben sie mich hängen lassen. Mein
Vertrauen gebrochen, so habe ich es empfunden und es handelte
sich nicht um eine bloße pubertäre Begleiterscheinung. Ich
hatte mich verliebt, zum 1. Mal, leider in einen Mann, der
verheiratet war. Doch der hat mir das Gefühl gegeben, ich sei
etwas Besonderes. Dieses kannte ich bis dato so nicht. Meine
Eltern haben damals alles daran gesetzt, die Geschichte zu
verhindern, haben mich beschimpft und fertig gemacht.
Ich kann/konnte ihre Sorge an sich nachvollziehen, aber
verstanden habe ich nie, dass sie mir nicht wenigstens mal
zugehört haben, nur um meine Seite zu kennen. Die gab es für
sie einfach nicht.

Wie so oft: Verbieten und totschweigen ist einfacher, als etwas, „das nicht sein darf“ zu bereden…
Totschweigen ist vielen Familien die gewählte „Lösung“, hilft nur nix…Die Wunden der Kindheit holen uns alle irgendwann wieder ein.

…und angeklagt wurde von der Firma, ich hätte
Geld geklaut, hat meine Mutter hinter meinem Rücken vor
Gericht gegen mich ausgesagt - dabei war ich wirklich
unschuldig.

Und da bleibt selbst dem verständnisvollsten Erklärbär langsam auch das letzte Verständnis für Deine Mutter weg.
(Sorry,da hakts auch bei mir…)
Was hat sie dazu veranlasst? Ist ihr die „Gesellschaft“, das öffentliche Ansehen wichtiger, als ihre Tochter?
Diese Frage stelle ich mir.
Und Du solltest sie Deiner Mutter stellen.
Irgendwann, in einem klärenden Gespräch, wo es (ich wiederhole mich)nicht um Schuldzuweisung gehen soll, sondern darum, Deinen Eltern zu sagen, was es noch heute in Dir auslöst, was sie damals mit Dir gemacht haben.

es gibt so Dinge, die kann ich nicht vergessen, die
sind tief in mir drin verwurzelt und kommen von Zeit zu Zeit
wieder hoch.

Und Du wirst sie niemals vergessen, aber Du kannst vielleicht irgendwann mit ihnen leben.
Dafür bedarf es einer Klärung mit Deinen Eltern.

Heute - jedes Jahr zu Heiligabend - entsteht so ein Gespräch
in der Richtung: Sollen wir mal erzählen, was unsere Bettina
uns alles angetan hat - und dann möchte ich diesen
Weihnachtsabend zerstören und ihnen sagen: Soll ich jetzt mal
auspacken!!

Was hält Dich ab?
(meine das jetzt nicht provokant, sondern auffordernd, O.K.?)
Du schonst Deine Eltern und machst mit auf „heile Welt“, um an dem Bild von Familie, das Deine Eltern gerne haben wollen, festzuhalten. Dürfen die Märchen der Kindheit nicht vergehen…?

Aber was bringt das schon? Soll ich meinen Eltern, die selbst
sehr jung waren, aber für mich bestimmt nicht das Schlechteste
wollten, heute Vorwürfe machen wegen der alten Geschichten,
die sie sowieso anders sehen?

Nein, es geht nicht um Vorwürfe, es geht um Klärung -eine andere Sicht der Geschehnisse. Deine Sicht und Dein Empfinden. Das solltest Du Dir wert sein, Bettina.

Ich bin deshalb sehr bemüht, es bei meinen Kindern anders zu
machen. Ich nehme sie ernst und gebe ihnen Halt, der so
wichtig ist. Und wenn wir auch nicht viel Geld haben, ich sage
ihnen schon immer: Wenn es brennt und ihr dreht euch um, sind
Papa und ich immer da.

Gut, das Du es anders machen kannst!
Gut für Eure Kinder und Euch selbst. Es erleichtert, das sich selbst im Spiegel betrachten können, ungemein… Und ein zufriedeneres Altwerden. Sei stolz auf Dich, Du machst es gut. Den Stolz Deiner Eltern wirst Du vermutlich nicht bekommen, auch wenn Du es Dir noch so sehr wünschstund verdient hättest.

Mehr kann ich nicht tun, denke ich.

Doch, siehe oben.
Du solltest im Interesse dessen, das Du darunter leidest, was Deine Eltern mit Dir gemacht haben (und immer noch machen) irgendwann, wenn Du (evtl. mit prof. Hilfe, notfalls auch ohne) die Themen zur Sprache bringen.
Ich glaube, last but not least :smile:
dass Einzelgespräche von Dir, erst mit Vater, später mit Mutter, der geeignete Weg wären, wenn Du es angehen willst.
(Ein Gespräch zu dritt könnte, wenn es positiv läuft, irgendwann folgen. Zuerst zu zweit, sonst müssen Deine Eltern in ihren gewohnten Mustern verbleiben und die Chancen einer Veränderung oder zumindest eines Gesehen- und evtl. Verstanden-werdens, sind geringer)
Sicher ist der Weihnachtsabend nicht der idealste Zeitpunkt. Aber notfalls auch dann.
Wann bist Du Dir selbst wichtig genug, das nicht mehr zu ertragen?
Du musst das nicht mitmachen.
Dir selbst tust Du damit keinen Gefallen und Deinen Eltern übrigens auch nicht. Diese Kindheitslügengebilde belasten Euch alle bis heute und Du solltest Dir selbst den Gefallen tun, damit aufzuräumen.

Mit dem Rest muss ich irgendwie alleine klarkommen.

Nein, musst Du nicht und solltest Du auch nicht. s.o.

Ich will
auch gar nicht mehr daran denken, kann es aber nicht
verhindern.

Es ist ständig in Deinem Hinterkopf, es bestimmt Dein Handeln, es lähmt und es prägt Dein gesamtes Leben.
Durchbrich diesen Lauf der Dinge!
Eventuell hast Du Angst vor einem endgültigen Bruch mit Deinen Eltern?
Es kann sein, dass Deine Eltern mit einer Klärung nicht zurechtkommen, sich nur beschuldigt sehen, diese Angriffe verneinen müssen, weil sonst ja ihr ganzes Lebensgebäude zusammenbrechen würde…
Aber manchmal ist ein Zusammenbruch notwendig zum Weiterleben.
Es kann genausogut auch für Deine Eltern sehr befreiend wirken.

Für Dich selber stehst Du in der Verantwortung, etwas zu tun. Für Deine Eltern bist Du nicht verantwortlich. (Selbst wenn sie alt und krank und sonstwie schwach sein sollten)
Es kommt sicherlich auf die von Dir gewählte Form an. Es geht ja nicht um Anklage und Schuldzuweisung.
Es sollte um Endlich-mal-Sichtbarmachen-deiner-Person gehen. Um Deine Gefühle bbei ihrem Handeln.
Und wenn das wirklich zu einem Beziehungsabbruch führen sollte, Bettina, dann frage Dich bitte, ob es nicht vielleicht auch besser ist…

…Man sollte einen Schlußpunkt in der
Sache finden, mit dem man leben kann.
Den muss ich nur erst finden - und irgendwann sterbe ich und
suche ihn wahrscheinlich immer noch:wink:)

Du weißt eigentlich schon längst genau, was „die Punkte bei der Sache“ sind…
Ich kann Dir nur die Empfehlung geben, „die Sache“ anzugehen…
Es lohnt sich.
Vor allem für Dich, aber ich denke auch letztlich für Deine Eltern.
Alles Gute für Dich,
wünscht Finjen

Hallo Finjen, ich bin selbst gerührt, dass ihr euch diese Zeit nehmt bzw. euch solche Gedanken macht- ist ne tolle Erfahrung.
Das Gespräch mit meinen Eltern - ich weiß nicht, ob ich das wage- Weißt du, sie tun mir leid. Ganz ehrlich.
Meine Mutter war damals so jung und hatte schon 3 Kinder, sie wußte es bestimmt nicht besser.
Witzigerweise arbeitet sie seit 25 Jahren als Tagesmutter und hütet Kinder, die sie sehr lieben.
Ich kann den beiden nicht weh tun. Will ich nicht. Das sind zwei Menschen, die es nicht besser gelernt haben und wahrscheinlich auch aus einem Gefühl gehandelt haben. Ich frage mich, was will ich von ihnen denn hören? Dass sie mich doch lieben?
Ich denke schon, dass das irgendwo so ist.
Ich weiß nur nicht, Finjen, ob ich damit noch umgehen kann, wenn sie es denn tatsächlich sagen würden. Kannst du das verstehen?
Ich merke, wenn mein Vater mich heute umarmen will, dass ich es fast als unangenehm empfinde. Und allein bei dem Gedanken tun sie mir schon leid.
Ach, ich bin einfach auch ein ganz schrecklich emotionaler Mensch, ganz bestimmt, und ein Chaot und alles.
Und ich danke Gott - im Ernst - für einen Ehemann, der mich immer schon bedingungslos geliebt hat.
Ich weiß schon, ich müßte es jetzt noch selber lernen:wink:
Auch dir tief empfundenen Dank
Bettina

Liebe Stefanie,
danke für diesen guten Tipp - an so etwas habe ich noch gar nicht gedacht - warum eigentlich nicht??
Mercie
Bettina

Hallo Bettina,

deine Erzählungen erinnern mich sehr an einige Abschnitte aus meinem Leben. Ich habe auch super funktioniert (bin auch Reiseverkehrskauffrau und 12 Std. am Tag ausser Haus). Die Magenschmerzen habe ich ignoriert oder auf die Zigaretten und den Rotwein verschoben. Und dann wurde ich von heute auf gleich ins Krankenhaus geliefert – Magengeschwüre. Medikamente genommen, weiter gemacht wie vorher, wieder Medikamente usw.
Habe auch gedacht ohne mich gehen alle Bach unter.

Die Kur in Bad Mergentheim (Gruppen- und Einzelpsychotherapie) hat mir die Augen so weit geöffnet dass es gar nicht möglich war meine Fehler nicht zu sehen. Als ich in die Therapiestunden immer von meine Eltern, Schwiegermutter, Mann der mit meiner pubertierende Tochter nicht klar kam erzählte, fragte mich der Therapeut warum all die Personen gut schlafen können und keine Magengeschwüre haben. ICH war krank und nicht sie. Und da habe ich gelernt, dass nur ich meine Einstellung zu all den Problemen ändern kann, die Personen um mich oder dessen Verhalten ändern zu wollen ist unmöglich.

Und noch was. An einem Heiligabend bin ich hoch gegangen – habe mein seit Jahren angestauter Wut rausgeschrieen und alle zum Teufel gejagt. Sie haben es alle überlebt. Der Kontakt zu meinem Vater habe ich vor 2 Jahre entgültig gekappt, was vor meiner Kur aufgrund von schlechtem Gewissen und Verantwortungsgefühl nicht möglich war.

Heute frisst mir die Schwiegermutter aus der Hand, mein Mann und meine Tochter sind ein A… und eine Seele, ich bin weiter 12 St, ausser Haus und bin in der Lage eine Tasse feinster Tee genüsslich zu Trinken ohne dass die Flusen auf dem Laminat und das Bügelbrett mitten im Zimmer mich stören.

Dank der Psychotherapie. Allein hätte ich es nie geschafft. Denk daran: du bist auf dieser Welt zuerst als Mensch gekommen, dann bist du Frau, danach Mutter und Ehefrau und dann Tochter – und in dieser Reihenfolge sollen deine Bedürfnisse befriedigt werden.

Ich drück dir die Daumen.

Julia

Hallo Bettina!

Ich habe vor kurzem ein sehr interessantes Buch gelesen. Es heißt „Elternliebe-Elternhaß“ und ist von Isabelle Filliozat. Vielleicht ist das was für Dich, es behandelt die Eltern-Kind-Beziehung und hat mir mit meinen Probleme in Bezug auf meine Eltern weitergeholfen.

Lieben Gruß!

N.