Was ist mit mir los? seit trennung der eltern

mich würde mal interessieren, was mit mir los sein könnte.

alles fing 2008, ein paar wochen vor meiner konfirmation, an. meine mutter hat meinem vater und uns gebeichtet, dass sie seit zwei jahren heimlich eine beziehung zu einem anderen mann hat, mit dem sie bis jetzt auch zusammen ist und mit dem wir seit 2009 zusammen leben. bevor sie uns das gebeichtet hat, haben meine mutter und ich diesen mann „ganz zufällig“ in frankfurt, als alten arbeitskollegen getroffen. heißt, sie hat mich benutzt, um ihn zu sehen. nachdem meine mutter uns das erzählt hatte, ging für mich eigentlich alles nur noch bergab, ich habe keine interesse mehr an irgendetwas, keine lust irgendetwas zu unternehmen, auf freunde auch net, hab aufgehört fußball zu spielen, sitze seit dem eigentlich nur noch in meinem zimmer am pc. das einzige was ich gemacht hab, um mich abzulenken war, dass ich angefangen hab schlagzeug zu spielen. mein selbstvertrauen bzw. selbstwertgefühl sank auch in den keller, ich hab mich net mal die leichtesten dinge getraut, aus angst irgendwas falsch zu machen und mich zum depp zu machen. das hat sich mittlerweile aber dank bandsachen und ähnlichem gebessert. ich denke oft, vorallem früher, an selbstmord. mir ist eigentlich alles egal, vorallem ich selbst. seit dezember letzten jahres, hab ich 'ne freundin, die ich auch wirklich liebe. als ich mich in sie verliebt habe, war ich sehr verwundert, da ich bis dahin eigentlich keine positiven gefühle mehr hatte. außerdem wollte ich das anfangs net, da ich angst hatte, dass mir das selbe wie meinem vater passiert. ich hatte angst jemandem zu vertrauen. sie hat mir dann aber gezeigt, dass ich ihr vertrauen kann und ich bin auch glücklich, dass ich mich darauf eingelassen habe. soviel dazu. nach außen hin habe ich meine gefühle eigentlich weitestgehend ausgestellt und bin eigentlich auch meistens gut drauf, ich denke aber, dass das nur eine taktik ist, um mich selbst zu schützen. aber ich versuche meiner freundin meine gefühle zu zeigen, auch wenn’s mir richtig schwer fällt. von der sache mit meinen eltern hab ich auch nur ihr erzählt, ich hab auch sonst nie über gefühle oder so geredet. seit dem ich meine freundin habe, ist das alles eigentlich besser geworden. aber ich denke, dass innendrin noch der ganze schmerz und enttäuschung da ist. außerdem wächst seit ein paar monaten meine gewaltbereitschaft ständig an. ich hab mich früher nie geschlagen und jetzt warte ich quasi nur darauf, dass mich jemand provoziert um irgendwas anzuzetteln.

tut mir leid, dass ich das alles so durcheinander schreibe, aber ich hab das alles jetzt einfach nur aus dem kopf geschrieben.

Hi Danny!

Zunächst einmal möchte ich dir sagen, dass mir das sehr leid für dich tut, dass du diese Erfahrung machen musstest.

Du hast den Vertrauensbruch einer sehr nahestehenden Person erlebt, und das ist gerade, wenn es die eigene Mutter ist, sehr sehr schmerzhaft und verletzend. Es hat dich in eine tiefe Krise gestürzt und daraus folgen nun depressive Zustände.

Es ist gut, dass dir bewusst ist, was genau dich verletzt hast und dass du auch bewusst wahrnimmst, wie du darauf reagierst. Trotzdem hilft dir dieses Bewusstsein noch nicht über den Schmerz hinweg. Dabei können oft nur Gespräche helfen. Am besten natürlich mit deiner Mutter, die den Vertrauensbruch begangen hat und die ja für dich auch Fürsorge trägt.

Möglicherweise hat es bislang keine Gespräche mit ihr gegeben oder zumindest keine, die dir geholfen hätten. Deshalb solltest du das Gespräch mit ihr suchen und ihr deutlich machen, wie du dich damals gefühlt hast und wie es dir jetzt ergeht. Es geht dabei nicht um Vorwürfe, sondern darum, dass sie erkennt, welche Wirkungen ihr Verhalten hatte und dass sie dir nun helfen kann und sollte, all das zu verarbeiten.

Es wäre natürlich schön, wenn sie sich auch bei dir entschuldigen würde, aber hoffe nicht darauf. Möglicherweise hat sie selbst Schuldgefühle, aber auch Probleme, damit angemessen umzugehen. Vielleicht aber ist sie froh, wenn du sie ansprichst. Ohne Reden wird es jedenfalls kaum vorangehen.

Wenn sie sich nicht für Gespräche öffnet, solltest du dir vielleicht jemand anderen Vertrauten aus der Verwandtschaft für solche Gespräche suchen. Und wenn es niemanden gibt, dann suche dir professionelle Hilfe bei einem Psychologen. Der erste Ansprechpartner hierfür ist dein Hausarzt.

Warte nicht und versuche nicht, all das alleine zu schaffen. Du bist schon soweit, an Selbstmord zu denken und das ist überhaupt nicht gut. Du bist ein toller junger Mensch und solltest ein unbeschwertes, fröhliches Leben haben.

Ich wünsche dir Alles Gute!!

Grüße
vom
tunefish

Hallo,

alles in allem klingt für mich das, was du schreibst, nach einer ziemlich normalen Pubertät. Gehöriges Selbstmitleids- und Selbstgerechtigkeitsempfinden inklusive.

Eine Trennung der Eltern mitzuerleben ist nicht schön. Mit 14 ist man aber nicht mehr so abhängig von den Eltern, dass die Verlassensängste existenziell werden müssten. Ich denke, dass du deutlich weniger schockiert als empört darüber bist, dass deine Mutter gewagt hat, sich einem anderen Mann zuzuwenden.

Das Ganze trägst du ihr mit nun wohl 17 Jahren immer noch gewaltig nach. Und das steht dir - sorry - einfach nicht zu. Deine Mutter hat das Recht, zu lieben wen sie möchte. Sie hat gleichzeitig die Pflicht, weiterhin Mutter zu sein, aber diese schließt nicht ein, dass sie so leben muss, wie Sohnemann das gerne hätte.

Depressive Zeiten zu haben, an Selbstmord zu denken, lustlos rumzuhängen und wenig Selbstbewusstsein zu haben, sind durchaus normale Begleiterscheinungen des Erwachsenwerdens. Das durchleben Tausende Jugendliche ganz ohne Trennungserfahrungen ebenfalls.

Du kannst nun weiterhin deine Mutter dafür verantwortlich machen, dass du mit dir selbst ein Problem hast - oder du kannst den Entschluss fassen, das zu tun, was man gemeinhin tut, wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat: Versuchen, dein Leben selbst zu gestalten.

Wenn du denkst, dass du dabei Hilfe brauchst, wende dich an einen jugendpsychiatrischen Dienst. Dort hilft man dir auch, deine Aggressionen in den Griff zu kriegen. Möglicherweise tuns aber auch ein paar Kumpels. Die Verantwortung für dein Leben hast in jedem Fall du.

Schöne Grüße,
Jule