Empfehlung
Hallo Pras,
guten Morgen/ gute Nacht um 03:48 Uhr? Tja, also eine konkrete Empfehlung ist da nicht so einfach (per Ferndiagnose). Du meinst also, dass es Deinem Empfinden nach auch unschönes Gegenwarts-Erleben gibt, das später in Deinen Erinnerungen als schön gespeichert wurde? Das ist etwas widersprüchlich, könnte aber u.a. narzisstische Ursachen haben.
Dein beschriebenes Verhalten auf YouTube zeugt doch eher davon, dass Du mit der Gegenwart (und ihren Anforderungen) unzufrieden und möglicherweise sogar etwas überfordert bist. Irgendetwas in Deinen Erinnerungen bzw. in Deiner Vergangenheit ist nicht befriedigend abgeschlossen worden. Irgendetwas durfte sich vielleicht nicht ausreichend entwickeln, ausleben und sein. Also gibt es hier einen Nachholbedarf. Hhhhhmmmm… einerseits schreibst Du, Du hast Freunde und andererseits schreibst Du, dass Du jetzt erst anfängst über Befindlichkeiten zu sprechen. Also entnehme ich daraus mal, dass Du mit Deinen Freunden da nicht so viel (gar nicht) drüber gesprochen hast. Na ja, ist ja unter Jungs auch oft unüblich. Was mir mehr Sorge macht, ist, dass Du offenbar bei Deinen Eltern auch nicht so viel (gar nichts) von Deinen Befindlichkeiten preisgegeben hast. Sind Deine Eltern da nicht so offen? Haben Sie kein Ohr für so etwas? Zeigen und leben sie so etwas nicht so offen aus? Das können natürlich Gründe sein, weshalb Du dann Deine Gefühle eben auch lieber verborgen hältst.
Auf jeden Fall ist es gut, dass Du damit jetzt beginnst sie zu zeigen und zuzulassen!!! Eine Freundin wäre da genau richtig. Mit ihr kannst Du über so etwas gut reden. Du musst ihr nichts bieten können. Mach Dir da keinen Druck! Gefühle sind da die Basis überhaupt!!!
Na ja, also letztlich musst Du Dir auch keine großen Sorgen/Gedanken machen. Viele Millionen Menschen verlieren sich täglich mehr oder minder stark immer wieder in Erinnerungen, Träumereien und Vergänglichkeiten. Das kann schon schmerzhaft und zeitraubend sein. Aber häufig ist das auch nur eine vorübergehende Phase. Und dann geht es wieder weiter im Leben. Aufpassen musst Du nur, dass es nicht Überhand nimmt, Dich isoliert und zunehmend einschränkt. Denn dann wären evtl. doch mal ein paar Sitzungen beim Psychologen angebracht.
Ein bisschen Individuationsarbeit liegt vor Dir (da muss aber jeder durch)…
>
Zur Zeit fehlt mir wirklich etwas tief im Inneren, ich kann
aber nicht genau sagen was es ist. Weshalb aber sollte es
einfach das Verlangen nach jugendlicher Unbeschwertheit sein?
Was ist der beste Ratschlag, den Du mir geben kannst um als
Person weiter zu „wachsen“ und dieses zeitraubende
Gedankenmuster zu durchbrechen?
>
Nein. Es ist nicht das Verlangen nach jugendlicher Unbeschwertheit, sondern es ist der Zugang zu Dir selbst, der bei Dir etwas zu kurz zu kommen scheint. Also: Wenn es schon niemanden oder nur wenige Personen außen gibt, die Dir Aufmerksamkeit, Zuwendung usw. schenken, dann solltest Du Dir als erstes einmal selber Aufmerksamkeit, Zuwendung usw. schenken. Du musst lernen, Dich mit Deinen Bedürfnissen ernst zu nehmen. Also zu lernen, ein Bewusstsein für Dich selbst zu entfalten (Selbstbewusstsein).
Um so leichter wird es Dir nach und nach fallen, für Dich selbst zu sorgen und einzustehen (auch soz. Kompetenzen), gerade auch in der Gegenwart! Zu sagen, was Du willst und was nicht. Ebenso was Du brauchst und was nicht. Das ist sehr wichtig! Wenn Du offen und klar für Dich selbst sorgen kannst, indem Du sagt was gut für Dich ist und was nicht, dann fühlst Du Stimmigkeit, Wertigkeit und Stärke in jeder Situation.
Einen Filmtipp habe ich für Dich: „Good Will Hunting“ mit Matt Damon und Robin Williams. Schaue Dir den Film mehrmals, in Zeitabständen immer wieder an. Da kannst Du Einiges raus ziehen…
Beste Grüße,
Yedi386