Was ist Mode?

Hallo zusammen,

ich bin auf der Suche nach einer Definition für den Begriff Mode.
Dabei möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es mir nicht um Mode im Sinne von Kleidung etc. geht. Viel wichtiger ist mir eine allgemeingültige übertragbare Definition. Ideal wäre, wenn jemand auch Literaturquellen (Buch, Zeitschriftenartikel, Link o.ä.) nennen könnte. Erfahrungen, Meinungen usw., die sich nicht anhand von Quellen belegen lassen sind natürlich auch willkommen. (Falls ich im falschen Brett sein sollte, dann bitte ich um einen Hinweis, wo ich fündig werden kann.)

Außerdem interessiert mich:

  • Was ist entscheidend dafür, dass irgendetwas (Einstellung, Idee, Konzept, Gegenstand usw.) zu einer Mode wird.
  • Sorgt die Nachfrage nach dem Neuen u. Besseren dafür, dass es Modeerscheinungen überhaupt gibt?
  • Warum wechseln sich Moden ab? Warum kommen sie wieder?
  • Ist es notwendig, dass ein Konzept oder ein Gegenstand nur kurzzeitig das non plus ultra darstellt, damit man im Nachhinein von einer Modeerscheinung sprechen kann?
  • Was wäre, wenn es keine Moden gäbe?
  • Was passiert, wenn man keiner Mode folgt bzw. wenn man jeder Mode folgt?

So viele Fragen meinerseits. Ich hoffe es kennt hier jemand ein paar Antworten.
Schonmal vielen Dank für Eure Antworten.

MfG
Stephan

Hallo Stephan,

ich bin auf der Suche nach einer Definition für den Begriff
Mode.
Dabei möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es mir
nicht um Mode im Sinne von Kleidung etc. geht.

Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz…

Viel wichtiger
ist mir eine allgemeingültige übertragbare Definition. Ideal
wäre, wenn jemand auch Literaturquellen (Buch,
Zeitschriftenartikel, Link o.ä.) nennen könnte.

Nun denn:

Mo|de [[] ] die; -, -n : 1. a) Brauch, Sitte zu einem bestimmten Zeitpunkt; b) Tages-, Zeitgeschmack. 2. die zu einem bestimmten Zeitpunkt bevorzugte Art, sich zu kleiden od. zu frisieren. 3. (meist Plur.) dem herrschenden Zeitgeschmack entsprechende od. ihn bestimmende Kleidung.
Quelle: DUDEN - Das große Fremdwörterbuch

Mode die, der sich wandelnde Geschmack (in den verschiedensten Lebensbereichen); Zeitgeschmack (besonders im Hinblick auf die Art, sich zu kleiden).
Quelle: Der Brockhaus in einem Band

1Mode, die; -, -n [frz. mode elegante Kleidungsstücke, die nach der herrschenden, neuesten Mode angefertigt sind: die neuesten -n tragen, vorführen. 2. etw., was dem gerade herrschenden, bevorzugten Geschmack, dem Zeitgeschmack entspricht; etw., was einem zeitbedingten verbreiteten Interesse, Gefallen, Verhalten entspricht: diese Sportarten sind jetzt [große] M.; was sind denn das für neue -n? (ugs.; was soll denn das auf einmal?); es ist zur M. (abwertend; zur neuerdings weit verbreiteten Gepflogenheit ) geworden, von Sparmaßnahmen zu sprechen.
Quelle: DUDEN - Deutsches Universalwörterbuch

  • Was ist entscheidend dafür, dass irgendetwas (Einstellung,
    Idee, Konzept, Gegenstand usw.) zu einer Mode wird.

Zeitgeistkonformität: Beispiel: In den 80ern war stromlinienförmiger Erfolg relativ bestimmend in der Gesellschaft (Yuppietum) => Es waren z.B. bei den Möbeln kühle, durchdesignte, schlichte schwarz/chrom Kombinationen à la mode…

  • Sorgt die Nachfrage nach dem Neuen u. Besseren dafür, dass
    es Modeerscheinungen überhaupt gibt?

Nach neuem ja (irgendwann wird alles langweilig) nach besserem nein (die neue Mode kann schließlich auch trashig sein)

  • Warum wechseln sich Moden ab? Warum kommen sie wieder?

Weil die Designer einfallslos in der (ihrer) Vergangenheit plündern. Oder warum meinst Du, dass derzeit lauter 80er Musikcover im radio dudeln? Doch wohl hauptsächlich, weil die heute Musikbestimmenden Mittdreissiger die Musik in ihrer Jugend gut fanden…
Weil sich die Lebenseinstellungen wiederholen…
Weil die Kleiderschränke der Eltern geplündert werden…

  • Ist es notwendig, dass ein Konzept oder ein Gegenstand nur
    kurzzeitig das non plus ultra darstellt, damit man im
    Nachhinein von einer Modeerscheinung sprechen kann?

Nein, Mode wird für mich das, was von einer progressiven Minderheit angefangen wird und sich zum Allgemeingeschmack auswächst. Das non plus ultra (was ist das überhaupt) wird nicht in jedem Falle zur Mode, da ja Mode einen gewissen Verbreitungsgrad erfordert.
Auch wird IMHO nicht alles, was die Modeindustrie zur Mode erklärt tatsächlich zur Mode…

  • Was wäre, wenn es keine Moden gäbe?

Da Modeerscheinungen menschlich sind, ist das eine törichte Frage…

  • Was passiert, wenn man keiner Mode folgt bzw. wenn man jeder
    Mode folgt?

Ersteres: in meinen Augen ein Zeichen von Unaufgeschlossenheit, da jede Mode interessante Dinge mit sich bringt
Zweiteres: Alberner, stilloser fashion victim. Nicht jede Mode steht jedem, so dass das sehr schnell sehr lächerlich (und teuer) wird

Grüße
Jürgen

hi,
so wie ich das sehe ist das eher „trend“ was du sucht. und es gibt spezielle agenturen (und auch eine amerikanerin - name vergessen) die ein „dreckgeld“ damit verdienen, um marketingfirmen zu sagen, was morgen angezogen, gehört, gegessen oder gelesen wird…

diese trends, die so zur „mode“ werden kommen meist von der „gasse“, siehe hip-hop, rap, schlabberhosen etc etc und wenn es so weit ist und das mode geworden ist, dann gehen die trendforscher wieder auf die strasse und suchen nach was neuem - und - nachdem man ja nicht permanent alles neu erfinden kann, kommt alles - in abgeänderter form -als neuer trend 20 jahre später wieder… die schlaghosen zb. die waren ja auch schon mal da, oder :wink:

grüssli, fred

Konkretisierung der Fragestellung
Hallo Jürgen,

erstmal danke für Deine umfangreiche Antwort.

ich bin auf der Suche nach einer Definition für den Begriff
Mode.
Dabei möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es mir
nicht um Mode im Sinne von Kleidung etc. geht.

Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz…

Ich beschäftige mich zur Zeit mit dem Thema Management-Moden. Nein - damit meine ich nicht irgendwelche Sakkos o.ä. sondern Management-Konzepte, die zur Mode werden.
Da das Thema wirtschaftswissenschaftlich so gut wie gar nicht behandelt wird fehlt es mir an Definitionen etc… Deshalb brauche ich allgemeingültige Definitionen, um einen Begriff für Management-Mode abzuleiten.
Wenn ich weiss wohin die Reise geht werde ich sicher im BWL-Board posten und konkreter nachfragen, aber im Moment bin ich noch auf Ideensuche. Literaturrecherchen bzw. persönliche Befragungen von Personen, die ich als kompetent erachte, haben bisher noch zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt. :frowning:

MfG
Stephan

Hallo Stephan,

Ich beschäftige mich zur Zeit mit dem Thema Management-Moden.
Nein - damit meine ich nicht irgendwelche Sakkos o.ä. sondern
Management-Konzepte, die zur Mode werden.
Da das Thema wirtschaftswissenschaftlich so gut wie gar nicht
behandelt wird fehlt es mir an Definitionen etc… Deshalb
brauche ich allgemeingültige Definitionen, um einen Begriff
für Management-Mode abzuleiten.

Na, aber dazu habe ich als Unternehmer und Berater:wink: doch ebenfalls eine dezidierte Meinung, die sich allerdings nicht viel vom allgemeinen unterscheidet.

a) Es ist ebenfalls Zeitgeistkonformität, was diese Moden steuert. Zum Zeitpunkt, als man an der Börse ein Vermögen vedienen konnte, war plötzlich der Shareholder-Value à la mode. Seitdem unglaubliche Summen an der Börse verbrannt wurden, heißt es plötzlich wieder Stakeholder-Value (wobei sich für einen echten, haftenden Unternehmer nie diese Fragen gestellt haben (s.u.))

b) Berater (McKinsey etc.) sind die Modeindustrie dieser Richtung. Es wird hier (wie auch bei der Mode) unheimlich viel Geld sinnlos für „Marken“-Produkte ausgegeben, wobei man vieles billiger und besser selber machen könnte, wenn man wollte (bzw. auch preiswertere Berater finden könnte)

c) Wie jede Mode sind die Fristen kurz, bis man feststellt, dass nahezu alle Konzepte zu einseitig (zu langweilig:wink:) sind.

d) Echte Unternehmer (mit dem eigenen Vermögen haftend) werden IMHO niemals einer Mode nachrennen(!), da sie über lange, entbehrungsreiche Jahre gelernt haben, dass c gilt. Sie werden versuchen, ihren Stil(!) zu finden und natürlich positive Dinge aus allen Moden ziehen.

e) Unternehmer, die unreflektiert jeder Mode nachrennen, sind genauso alberne Fashion-Victims, nur dass sie leider unheimlich viele Arbeitsplätze kosten und viel Gesellschaftergeld verbrennen.

Für mich ein gutes Beispiel für eine Mode der letzten Jahre ist die Balanced-Scorecard-Methode. Gehyped ohne Ende (v.a in den USA) beschreibt sie IMHO nur, was eigentlich jeder halbwegs vernünftige Unternehmer weiß: Es kommt nicht nur auf monetäre Ziele an, sondern ebenfalls auf Ziele wie Zufriedenheit der Angestellten, Kunden etc. wobei diese Ziele alle miteinander in Verbindung stehen und über alle Ebenen kommuniziert werden müssen.

Was das interessante jetzt ist: Auch in Deutschland haben sich einige Unternehmen mit dieser Methode beschäftigt. Aber meinst Du, die Unternehmen hätten für ihre Belange sinnvolle BSCs erstellt? Nein, einige Unternehmern haben einfach die in der Literatur beschriebenen Karten 1 zu 1 umgesetzt, ohne sie a) an ihre Rahmenbedingungen anzupassen und b) die Einstellung dahinter in ihrer Organisation zu kommunizieren und umzusetzen.
Was war das Ergebnis? Negativ, bzw. die Unternehmen treten jetzt auf und sagen, dass das Konzept falsch ist. Und was folgt? Es wird das nächste Konzept aufgegriffen, unfähig umgesetzt und so weiter (ich war in Konzernen, da haben sich die Schlagworte alle 2 Jahre geändert, aber eben nur die Schlagworte…)

Fazit: Du hast mit Deinem Ansatz absolut recht, IMHO kannst Du vieles aus der Kleidungsmode auf die Manager übertragen (wobei dies kein Manager-Gott zugeben würde)

Grüße
Jürgen

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