Was ist nur in den neuen Bundesländern los?

Hallo,

kaum ein Tag vergeht ohne neue Horrormeldungen über Taten rechtsradikaler Dummköpfe. Da wird ein Mensch durch eine Stadt getrieben. Das grausame Treiben ist keineswegs nach ein paar Metern vorbei, weil niemand einschreitet. Alle gaffen nur oder finden das Treiben insgeheim angebracht. Dieser Pöbel, der stolz ist, Deutsch zu sein, veranlaßt mich, daß ich mich als Deutscher schäme. Gerade war ich ein Wochenende in Dänemark. An Nord- und Ostseeküste kann man auf Schritt und Tritt „bestaunen“, was unsere Großväter zwischen Frankreich und Norwegen anrichteten. Ich meine die Bunker und Befestigungsanlagen. Nimmt denn dieser Wahn des Deutschtums nie ein Ende?
Die Gefahr sind nicht nur die paar grölenden, Knobelbecher-tragenden Glatzköpfe. Die Gefahr ist das Umfeld. Dieses Pack braucht einen Nährboden, der ihnen Arbeit und Unterkunft gibt. Und/oder Eltern, die natürlich nichts wissen (nichts gewußt und gesehen zu haben, hat auch eine lange Tradition).

Es ist erst wenige Monate her, daß ich mich bemühte, mein Unternehmen in die neuen Bundesländer, genauer nach Mecklenburg-Vorpommern, zu verlegen. Ich brauche neue, größere Räume, meine Firma ist Standort-unabhängig, die Gegend gefällt mir und das Land bietet Unternehmern gute Bedingungen. Insbesondere, wenn eine Reihe qualifizierter Arbeitsplätze zu besetzen sind. Der braune Mob und das Umfeld, das diesen ermöglicht und fördert, hat mich aber endgültig von meinem Vorhaben abgebracht.

Wenn es so weiter geht, dauert es nicht lange, bis die ersten Unternehmen dort dem Land wieder den Rücken kehren. Was kann man gegen diesen Dreck in der Bevölkerung tun? Strafen nützen ja wohl nur begrenzt etwas, denn die schweigende Billigung läßt sich kaum packen.

Beschämt und entsetzt

Wolfgang

Hallo,

hi wolfgang!
gestatte, dass ich einfach kommentiere.
prinzipiell hast du mit den ‚horden‘ wohl recht.
nur - wirst du es nicht aendern koennen.
du wirst damit leben MUESSEN.

wie kommt sowas zustande?
langeweile, gruppendrang, gemeinschaftsdrang, …
ich bin der mit der groessten fresse - und dem kleinsten hirn…
usw. usw usw…

zudem kommt der deutschen hang (drang), ALLES aber auch ALLES
genauestens per gesetz zu regeln.
der buerger ‚ist satt‘ davon.
hat er eine wahl? hast DU eine wahl? wer ueberhaupt?
laeuft ‚das nicht schon wieder alles‘?
welche chance hatte die generation vor uns?
heute kannst du wenigstens ‚die schnauze aufmachen‘,
obwohl’s nicht (mehr) hilft. aber damals hats du sie
SOFORT (fuer immer) gestopft gekriegt.
waren das bedingungen, zu denen DU bereit gewesen
waerest, kopf & kragen zu riskieren?
das ‚lief ganz von selbst‘, nachdem die lawine mal
losgetreten wurde.
manch einer behauptet, das sei heute nicht (mehr)
moeglich - ich bin mir da nicht so sicher,
obwohl ich es niemandem unterstelle.
aber wie war die situation 1930 ff.?
der mensch vergisst - zu schnell.

nimm jetzt die hunde-hetzerei:
es ist nicht schoen, dass einige biester derart artfremd sind;
da bin ich auch nicht fuer zu haben.
aber muss da die gesamte nation im aufstand versinken?
haben wir keine anderen sorgen?
selbst wenn wir sie haben
-und die HABEN wir (immer noch nicht zur gaenze)!-,
wer TUT etwas dafuer (oder dagegen)?
wer KANN etwas tun?
20.000 inder? wozu das bei 4mio arbeitslosen?
(ich bin informatiker der ersten stunde).
der ‚liebe‘ nachbar passt schon fein auf,
dass niemand ueber die straenge haut.
DAS ist des deutschen beduerfnis.
denk mal darueber nach.
sicher - auch andere laender haben andere sitten,
und es stinkt sicher auch woanders (irland),
aber es ist EXTREM, was hier in d an neid aufgebaut wird -
oder besser: in deutschsprachigen laendern.
damit musst du leben - oder dich woanders niederlassen.
dazu werden wir gehoeren.

was kann man fuer/gegen die ‚horden‘ tun?
ganz einfach. es moegen mittelalter-methoden sein.
aber dennoch: auf dem marktplatz mittwochs oeffentlich den
arsch dermassen polieren, dass da nie wieder wiederholungs-
bedarf bestehen wird.
was sind schon 40 stunden gemeinwohl-arbeit?
niemand macht sich auch (vorher) eine vorstellung
daruber, was es heisst, ein jahr hinter gardinen zu
verschwinden. das ist so unvorstellbar und unrealistisch,
dass man das genau so wenig abschaetzen kann, wie man sich
eine zahl von ueber 100 platisch in allen einzelheiten
vorstellen kann. es ist ein total abstrakter begriff.
aber die schwielen auf den batzen sind nicht abstrakt,
und sie graben sich nicht nur in den hintern.

aber man muesste frueher angefangen haben.
wie ist denn die situation?
speziell nach der wende?
endlich frei!
jetzt geht’s an den konsum, ist ja alles da.
da wird geheiratet. dann wird die wohnung eingerichtet -
natuerlich auf ‚lucki‘. die banken sind ja bereit.
dann - oh sh… wir muessen beide arbeiten gehen,
um die raten zahlen zu koennen/muessen.
na ja - auch noch ok. wenns denn arbeit gibt.
dann kommt der hammer: uups, das erste kind.
muttern geht nicht mehr arbeiten. da wirds eng.
einige zeit springt ja das gesetz in die bresche.
aber das endet bald. dann ist muttern wieder beschaeftigt.
der dotz ist zu hause oder bei oma wenns gut geht.
da langweilt es bald. und groesser werden die jungs auch.
dann wollen sie umgang haben. auch weil beide eltern
‚keine zeit‘ haben - die kohle muss her. und das fernsehen
ist ja sooo interessant.
dann schliesst sich der spross halt mit seinesgleichen
zusammen - und -here we are-!
horden, rauschgift, pruegeleien, …

du wirst auch recht haben damit,
dass sich viele wieder abwenden.
das hat aber auch den grund der buerokratie.
vielleicht tut’s bei dir der bayerische wald auch?
aber scheinbar bist du ein ‚wassermensch‘.
ernsthaft: versuchs doch mal in nl.
excellente bedingungen.
schottland / irland - nichts fuer dich?
…espana…mein alter kollege mit unheilbarem lungenkrebs
ist dort. er verkauft jetzt seine finta (650)
(und ich bin SEHR traurig, das war heute/gestern schon
nicht mein tag.)
wir haben die eg, mein lieber, was haelt dich?
etwa die deutschen gerechten steuergesetze?
du glaubst an rotkaeppchen und den wolf?
das ginge ja noch - aber du bist doch kein weihnachtsmann.

so, was nun, wolfgang?
war ne lange predigt, gelle?

aber was anderes, was machst’n nun.
und eigentlich ueberhaupt?
ich entnahm deinem schreibstil gehobene intelligenz.
vielleicht habe ich ne idee oder kann ich dir
irgendwie anders einen stein in den garten schmeissen.
'n rat jedenfalls noch: lass dich nicht in ch nieder.
das macht auch keinen spass.

und - du brauchst dich nicht zu schaemen.
jeder kann eine horde idioten von einem
vernuenftigen menschen unterscheiden.
trage dein teil dazu bei, ein bescheidener
und umgaenglicher mensch zu sein,
dann kannst du jeden abend und morgen in den
spiegel schauen ohne dich zu schaemen.

vielleicht ist das auch eine erklaerung dafuer,
dass sich ‚niemand einmischt‘ wenns ans kesseltreiben
geht - die situation ist dermassen absurd, dass
niemand dazu gehoeren MOECHTE.
und mal hand aufs herz: was wuerden WIR machen?
wenn 10 idioten auf uns zukommen? was koennte man machen?
siehe auch ganz oben: es laeuft alles seinen gang,
und es gibt nichts neues unter der sonne.

bin gern zu weiterem chat bereit
gruss - digi aus der heide

kaum ein Tag vergeht ohne neue Horrormeldungen über Taten
rechtsradikaler Dummköpfe. Da wird ein Mensch durch eine Stadt
getrieben. Das grausame Treiben ist keineswegs nach ein paar
Metern vorbei, weil niemand einschreitet. Alle gaffen nur oder
finden das Treiben insgeheim angebracht. Dieser Pöbel, der
stolz ist, Deutsch zu sein, veranlaßt mich, daß ich mich als
Deutscher schäme. Gerade war ich ein Wochenende in Dänemark.
An Nord- und Ostseeküste kann man auf Schritt und Tritt
„bestaunen“, was unsere Großväter zwischen Frankreich und
Norwegen anrichteten. Ich meine die Bunker und
Befestigungsanlagen. Nimmt denn dieser Wahn des Deutschtums
nie ein Ende?
Die Gefahr sind nicht nur die paar grölenden,
Knobelbecher-tragenden Glatzköpfe. Die Gefahr ist das Umfeld.
Dieses Pack braucht einen Nährboden, der ihnen Arbeit und
Unterkunft gibt. Und/oder Eltern, die natürlich nichts wissen
(nichts gewußt und gesehen zu haben, hat auch eine lange
Tradition).

Es ist erst wenige Monate her, daß ich mich bemühte, mein
Unternehmen in die neuen Bundesländer, genauer nach
Mecklenburg-Vorpommern, zu verlegen. Ich brauche neue, größere
Räume, meine Firma ist Standort-unabhängig, die Gegend gefällt
mir und das Land bietet Unternehmern gute Bedingungen.
Insbesondere, wenn eine Reihe qualifizierter Arbeitsplätze zu
besetzen sind. Der braune Mob und das Umfeld, das diesen
ermöglicht und fördert, hat mich aber endgültig von meinem
Vorhaben abgebracht.

Wenn es so weiter geht, dauert es nicht lange, bis die ersten
Unternehmen dort dem Land wieder den Rücken kehren. Was kann
man gegen diesen Dreck in der Bevölkerung tun? Strafen nützen
ja wohl nur begrenzt etwas, denn die schweigende Billigung
läßt sich kaum packen.

Beschämt und entsetzt

Wolfgang

Wenn es so weiter geht, dauert es nicht lange, bis die ersten
Unternehmen dort dem Land wieder den Rücken kehren. Was kann
man gegen diesen Dreck in der Bevölkerung tun? Strafen nützen
ja wohl nur begrenzt etwas, denn die schweigende Billigung
läßt sich kaum packen.

Genau! Rücken zudrehn und weggucken1 Das ist, was hilft! Du bist nicht besser wie jene, auf die Du schimpfst!

Mit Deiner Firma könntest Du diesem „Dreck“ Perspektiven geben, eine Chance für die Zukunft, Arbeitsplätze, zumindest versuchen…

Ich verteidige die Neos und sog. Rechten nicht, aber bitte vergiss nicht, der von Dir genannte „Dreck“ sind noch immer Menschen, manchmal auch mit Herz und Seele. Und sie gibt es nicht nur in der Zone, auch im Westen, sogar zahlreich!

Aber es ist einfach zu typisch, so wie du Dich äusserst: umdrehen und weg. Das hilft ja!

Reiko

vielleicht bist du noch online, reiko.
dann lies meinen vorherigen kommentar, bitte.
und - wir stellen einmal dahin, ob diese
‚menschentreiber‘ durch ihr verhalten nicht wenigstens
zu der vermutung fuehren koennen, dass sie sich
ABSICHTLICH ausserhalb stellen wollen. warum tun sie es dann?
du moechtest doch nicht annehmen,
dass die ‚jungs‘ das ‚nur so aus fun‘ machen.
wie waere dein verhalten, wenn sie DIR eins auf die nudel
gaeben. ich glaube, dein kommentar wuerde wesentlich anders
ausgefallen sein.

und- ruecken hindrehen und weg:
so einfach kannst du da nicht schimpfen, min jong!
hast du mal 40 jahre fuer deine sache gearbeitet,
MOECHTEST diese sache wieder investieren und spaeter
davon eine gewisse versorgung haben wenn du nicht mehr so
kannst?
dann ueberlegst auch DU GANZ SICHER, ob du dieses geld an eine
stelle bringt, die dir fast verspricht, den ganzen kohl
abzubrennen. oder?

und den satz, ‚er sei nicht besser als derjenige auf den er
schimpft…‘ reiko, ich glaube, damit gehst du hier etwas
extrem weit. moechtest du mit einem moerder in einem boot
sitzen, nur weil ER jemanden kaltgemacht hat’?
das untestellst du aber dem wolfgang. find ich nicht so prall.
gruss - digi aus der heide, der auch jahre
im richtigen osten -und auch im ‚nahen osten‘- gearbeitet hat.
ich war willkommen, aber ich bin auch verarscht worden.
da unterscheidet sich o-d nicht von w-d.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

ich bin noch online. Ich hab aber ehrlich geasgt , kaum Lust diesen ganzen Kram noch mal durchzukauen. Ich sag nur soviel: ich bin in dieser Szene grossgeworden, irgendwelche Spinner waren meine Vorbilder. Dann hab ich irgendwann mal die Seite gewechselt, den Beruf des Erziehers ergriffen und in der Arbeit mit dieser Problematik zu tun gehabt, und dies nicht nur oberflächlich. und ich weiss, was ich rede, ich hab mittendrin gehangen, mit allen Folgen und Ärger, den es gab und gibt…

Deswegen mein Posting, nix anderes…

Auch die dümmsten Idioten sind Menschen, ob man ihnen noch helfen kann, ist eine ganz andere sache…

Ich grüsse Dich
Reiko

Noch etwas, Dieter,…

…ich habe wesentlich öfter einen auf die Nudel bekommen, als Du denkst. Weil dummerweise bin ich in der Zone grossgeworden, und dort wurde bekanntlich alles (meisst gewaltsam) unterdrückt , was anders war oder anders zu sein schien. Also so einen Blödsinn rede ich nicht daher, ich kann schon diverse Dinge einschätzen und beurteilen, ich denke, ich habe da genug Erfahrungen gesammelt, dies zu können. Und ich habe auch diverse Erfahrungen mit der rechten Szene und mit den Leuten, die sich dazu zählen. Spielt alles kaum eine Rolle, aber ich weiss wirklich, wovon ich rede, das kannst Du mir glauben!

Ich will aber hier nicht tiefer gehen, das können wir per Mail erledigen.

Servus
Reiko

Reiko,

ein Stück weit kann ich Dich verstehen. Wie soll es besser werden, wenn niemand da ist, der diesen Menschen eine Perspektive gibt? So weit ist es gut und so weit wollte ich auch gehen. Keineswegs aus purer Menschenfreundlichkeit, denn ausschließlich nur davon lebt kein Unternehmen. Es waren die gebotenen Bedingungen: Preiswerter Grund und Boden, rein numerisch auch potentielle Mitarbeiter und letztlich eben auch die Landschaft, viel Wasser, viel Wald, das Meer in der Nähe …
Es kann aber nicht Aufgabe eines Unternehmens sein, gegen Haß und Fremdenhaß, gegen Neid und Futterneid zu kämpfen. Mag ja sein, daß es auch Unternehmer gibt, die in ihrem Labor, ihrer Werkstatt oder am Empfang einen oder mehrere dieser Glatzköpfe beschäftigen möchten und Aufgabe und Befriedigung in einem vielleicht gelungenen Umerziehungsprozess sehen. Ich wäre damit überfordert und hätte dazu auch schlicht keine Lust.
Ich mag die sozialpädagogische Sicht, daß man auch diesen Menschen eine Chance geben muß, nicht nachvollziehen, weil ich mich nicht sehenden Auges in die Gefahr begebe, die Existenz von solchen Idioten in Frage stellen zu lassen. In „ausländerfreien Zonen“ (sowas wird da wirklich propagiert) und Gegenden, wo der Mob regiert, kann kein Wirtschaftunternehmen gedeihen - meines jedenfalls nicht.
Es geht nicht darum, diesen Leuten eine Chance zu geben, weil sie selbst alle Möglichkeiten der Entwicklung mit Füßen treten - buchstäblich. Wenn Du Dir aussuchen kannst/mußt, wo Du leben und alle Energie investieren sollst, würdest Du dann freiwillig ein Umfeld wählen, das Widerwillen und Würgreflex hervorruft?

Gruß
Wolfgang

ja, beenden wir diesen part…
also, ich habe etwa neun monate bei der
drogenausgabe in frankfurt am main mitgemacht.
was da abgeht, kannst du sicher auch ermessen.
deswegen hier keine weiteren ‚sprueche‘.
der mensch muss sich selbst helfen wollen,
dann kommt er auch zurecht.
nur - ‚stiefel‘ machens nicht.

ich wuensch dir was.

und - wolfgang, melde dich ruhig.

grruss - digi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Yep
…Stiefel machen`s nicht, aber wegschauen und doof reden auch nicht, wissen wir beide. Aber auf der anderen seite, zu allererst muss der Stast hier agieren, passiert aber nicht. Man kann keinem zum Vorwurf machen, wenn er versucht sich heil zu bewahren, dann darf aber niemand so ein Leder von sich geben wie oben.

In diesem Sinne

Servus
Reiko

Hallo Wolfgang,

ich stimme nu auch Deiner Ansicht weitgehend zu. Ich vermag auch nicht zu behaupten, dass ich jedem dieser Menschen die Chance zur Rehabilitierung geben würde. Ich bin auch der Meinung, diese Leute mit aller Härte und Konsequenz zu verfolgen und zu bestrafen.

Dennoch: ich habe kein Verständnis, wenn jemand diesen Leuten das Recht abspricht, Mensch genannt zu werden.

Das Problem der Gewaltanwendung ist kein typisch „rechtes“, es herscht in allen Schichten, Randgruppen vor. Nur wird ein verletzter Ausländer ohne Umwege als Opfer des Rechtsradikalismus gewertet. Ob es der Wahrheit entspricht, spielt selten eine Rolle.
Es gibt ebenso viele Opfer linker Gewalt oder schlagenden und marodierenden Ausländer-Cliquen, nur interessiert dies keinen.

Auch dafür habe ich kein Verständniss.

Wer aber solche Forderungen stellt wie Du, der muss gleiches auch für alle anderen Brutalos und Gewalttäter fordern und nicht auf eine Gruppe beschränken, auf die man sich im Moment gerade „eingeschossen“ hat.

Ich habe meinen Hauptwohnsitz (noch) in Mecklenburg, ich kann nachvollziehen, dass Du Deine Erfahrungen gemacht hast und Konsequenzen ziehen möchtest. Aber wie genau oder überhaupt bist Du von dieser Problematik selbst betroffen? Und hast du nicht vielleicht doch einmal Vergleiche zu den sog. alten Bundesländern angestellt? Meinst Du ernsthaft, dort sei es wesentlich besser und ruhiger?

Gruss und Servus
Reiko

Falsche Beurteilung

ein Stück weit kann ich Dich verstehen. Wie soll es besser
werden, wenn niemand da ist, der diesen Menschen eine
Perspektive gibt?

Der Witz ist, dass sich diese Szene durchaus NICHT aus Arbeitslosen oder Gelegenheitsarbeitern speist. Wurde jedenfalls in einer Untersuchung, die in der FAZ zitiert wurde, behauptet. Das würde die klassische Prävention ins Leere laufen lassen.

Andreas

Nun habe ich eben einen längeren Beitrag in die Auslandsabteilung mit dem Titel „Hilfe vor Ort“ hineingesetzt (weil es sich im Diskussionsverlauf so ergeben hat), der auch gut zu diesem Thema passen würde. Aber doppelt posten ist ja nicht erlaubt …

Ex-Regina —> Elisa

Hallo Elisa,

Dein Posting im Auslands-Brett habe ich gelesen. Wenn ich das mal zusammenfassen darf, hälst Du viele Nachrichten für überzogen und die Sorge über zunehmenden Rechtsextremismus für das Ergebnis einer willkürlich gesteuerten Informationspolitik. Habe ich das richtig interpretiert?

Dann werde ich wohl doch zu Fielmann müssen, weil ich was mit den Augen habe. Und zum Ohrenarzt, weil ich merkwürdige Dinge höre. Und zum Seelenklempner, weil ich unter Halluzinationen leide.

Mag ja sein, daß Deine Vermutungen an einigen Stellen zutreffen. Aber meine Sinne trügen mich nicht. Was ich selbst sehe und höre, eine Stimmung, die ich selbst spüre, das lasse ich nicht als Fata Morgana wegdiskutieren. Ich komme in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland viel herum. Klar, meistens sehe ich nur Firmen von innen. Geschäft, Besprechungen, gemeinsames Interesse, letztlich heile Welt. Im vergangenen Jahr und Anfang dieses Jahres habe ich mich aber intensiv um einen möglichen Standort südöstlich von Schwerin und in der Nähe Stralsunds gekümmert. Ich sah mir die Gegend an, bin durch das Dorf gegangen, in Stralsund durch die Stadt und ebenfalls durch das benachbarte Dorf. Ich bekam auch Hunger und war in verschiedenen Kneipen und Restaurants. Ich habe mit den Bürgermeistern beider in Betracht kommender Orte gesprochen, denn ich mußte klären, ob ich die ins Auge gefassten Objekte überhaupt wie geplant nutzen darf. Das Ganze dauerte mit Abständen mehrere Tage. Ich wollte genau wissen, woran ich bin, denn immerhin sollte das u. U. der neue Lebensmittelpunkt mit allem Drum und Dran werden. Dabei war ich möglicherweise auch voreingenommen, mindestens hat mich die Bestätigung der nörgeligen Neidgesellschaft nicht weiter überrascht. Irgendwo müssen sie ja geblieben sein, die Leute, die mir schon vor über 10 Jahren beim Durchfahren der DDR das Leben schwer machten. Mercedes mit Autotelefon war damals immer für 'ne extra lange Sitzung an den Grenzen und unterwegs für 'ne Sonderkontrolle gut. Na ja, Schwamm drüber.
Bis zu einem gewissen Grad kann ich die weit verbreitet herrschende desillusionierte Stimmung auch verstehen. Das ist aber auch der Nährboden für die buchstäblich überall zum Straßenbild gehörenden Stiefelträger. Auf jedem Dorfplatz, in fast jeder Kneipe, vor jedem Bahnhof lungern sie herum. Überall gleich, Dosenbier, laut, kahlköpfig. Gut, das gibts hier in Quickborn und in Hamburg auch, leider. Aber nicht ansatzweise in dieser Häufung. Von Ost-Berlin und Hennigsdorf in Brandenburg kann ich Dir auch ein Lied singen. Denkbar ist allemal, daß der Großteil dieser Leute nicht über den Intellekt verfügt, einer bestimmten politischen Linie zu folgen. Sie sitzen Rattenfängern auf und fühlen sich in der Gruppe geborgen. Das Schlimme ist, beinahe das gesamte Umfeld akzeptiert diese Gruppen. Mit fatalen Auswirkungen. Da läßt sich kein Unternehmen nieder und wer schon da ist, wird über kurz oder lang gehen, wenn er kann.
Ostsee, riesige Wälder, viel Platz für Pferde, für Leben und für Arbeit. Ach, es wäre ein Traum. Aber nicht mit dieser Grundstimmung unter den Menschen.
Ich bin kein Sozialpädagoge und deshalb werde ich meine neuen Mitarbeiter nicht aus diesem Kreis aussuchen und mich nicht in ihrer Nähe niederlassen.

Gruß
Wolfgang

Hallo,

kaum ein Tag vergeht ohne neue Horrormeldungen über Taten
rechtsradikaler Dummköpfe. Da wird ein Mensch durch eine Stadt
getrieben.

>Das grausame Treiben ist keineswegs nach ein paar
>Metern vorbei, weil niemand einschreitet.
Das kannst Du aber nicht auf die neuen Bundesländer beschränken.
Das ist in den alten auch nicht besser.
Auch dort schauen die Leute weg, wenn die Gefahr besteht, daß sie sich engagieren müssen, oder (noch schlimmer) vielleicht auch noch Konsequenzen tragen müssen.

>Dieser Pöbel, der stolz ist, Deutsch zu sein, veranlaßt mich, >daß ich mich als Deutscher schäme.
So in etwa empfinde ich auch.

Und/oder Eltern, die natürlich nichts wissen
(nichts gewußt und gesehen zu haben, hat auch eine lange
Tradition).

>…Dieses Pack braucht einen Nährboden, der ihnen Arbeit und
>Unterkunft gibt…
Sowas wird Sypathisant genannt.

>Der braune Mob und das Umfeld, das diesen ermöglicht und >fördert, hat mich aber endgültig von meinem Vorhaben abgebracht.
Bist Du denn besser?
Du stellst fest, daß Dir Land und Leute gefallen.
Weiterhin könntest Du qualifiziertes Personal bekommen.
Und doch schaust Du lieber weg und bleibst, wo Du bist.
Oder ziehst in eine andere, ruhigere Gegend.

>Strafen nützen ja wohl nur begrenzt etwas, denn die schweigende >Billigung läßt sich kaum packen.
Strafen nützen schon etwas - wenn sie denn auch hart genug sind.
Aber ich glaube, daß Strafmaß, das in unserem Land angewandt wird ist ein anderes Thema, über das man sich auch ellenlang ausheulen könnte.
Denn leider Gottes geht ja immer noch Täterschutz vor Opferschutz.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, daß es sich bei den 3 Tätern um 2 Bayern (!!!) und 1 ortsansässigen gehandelt hat.
Ist doch interessant, daß die „ruhigen“ alten Länder nun ihre
Schläger exportieren in die neuen Länder.

Nachdenkliche Grüße, masc

Hallo,

die Sache hat sicher viele Facetten und ist nicht allein auf Ostdeutschland beschränkt. Nur was in den alten Ländern vereinzelt auftritt (das ist keine Entschuldigung), ist in den neuen Ländern eine weit verbreitete Grundstimmung. Demotiviert, auf den Staat und auf die Anordnung wartend und irgendwann frustriert, offen für dämliche Rattenfänger.

Bist Du denn besser?
Du stellst fest, daß Dir Land und Leute gefallen.
Weiterhin könntest Du qualifiziertes Personal bekommen.
Und doch schaust Du lieber weg und bleibst, wo Du bist.

Ich habe eben nicht weggesehen. Ich habe mir das alles ganz genau angesehen.

Oder ziehst in eine andere, ruhigere Gegend.

Was bitte würdest Du denn an meiner Stelle wohl tun? Ich betreibe keinen Filialladen, wo ich heute ein paar Quadratmeter anmiete, die ich morgen wieder schließe. Ich betreibe ein Technologieunternehmen, an dem meine ganze Existenz privat und beruflich hängt. Und da gehe ich nicht freiwillig in eine Gegend, in der neidisch geguckt wird, ob man sich Margarine oder Butter aufs Brot schmiert, in der weite Kreise Freiheit mit Audi und Aldi verwechseln und die Stiefelträger mindestens stumm dulden. Vielleicht ja nur aus Gewöhnung an die Duldung, vielleicht aber auch in der Hoffnung, daß wieder klar angesagt wird, was zu tun und zu lassen ist. Die Glatzköpfe können ohne das passende Umfeld, das ihnen Wohnung, Arbeit, Ernährung gibt, keinen Tag leben. Sie haben aber das passende Umfeld, die passende Grundstimmung, sonst würde es sie nicht geben.

Strafen nützen schon etwas - wenn sie denn auch hart genug
sind.

Strafe greift eben nur, wenn eine konkrete Tat vorliegt. Fremdenhass, eben die ganze Dummheit der Projizierung der eigenen mißlichen Lage auf Minderheiten läßt sich mit Strafandrohung nicht ausrotten.

Nachdenkliche Grüße, masc

Mit ebenso nachdenklichen Grüßen
Wolfgang