Hi Michael,
hier mal der Unterschied von ADS und ADHS:
Die Aufmerksamkeitsstörung (ADS)
von Dr. M Ryffel, Kinderarzt in Münchenbuchsee, Schweiz
Nach heutiger Auffassung, die sich vor allem auf neuere Untersuchungen aus den USA stützt, ist die relativ häufig vorkommende Aufmerksamkeitsstörung (ADS) das Resultat einer biologischen Funktionsstörung im Bereich der Informationsverarbeitung zwischen einzelnen Hirnabschnitten. Ältere Bezeichnungen für das gleiche Krankheitsbild sind u.a. die „Frühkindliche leichte Hirnschädigung", das „Psychoorgane Syndrom (POS)" oder das „Hyperkinetische Syndrom (HKS)". In Amerika hat sich seit 15 Jahren der Ausdruck „Attention Deficit (Hyperactivity) Disorder (ADD)" durchgesetzt, der nun zunehmend weltweit zur Anwendung kommt. Die Störung beschränkt sich keineswegs nur auf das Kindesalter und das Erscheinungsbild ist vielfältig: Es reicht vom bekannten Zappelphilipp über brav träumerische Mädchen („les enfants lunatiques"), depressiv orientierungslose Jugendliche, gewisse Suchtabhängige und Gesetzesbrecher, sowie unstete impulsive, aber auch depressive Erwachsene bis zum hochbrillanten zerstreuten Professor!
Man nimmt an, daß bei der Aufmerksamkeitsdefizitstörung im komplizierten Zusammenwirken verschiedener Hirnabschnitte im Bereich der Schaltstellen einzelner Hirnzellen (den Synapsen) die verantwortlichen Überträgerstoffe (Neurotransmitter) nicht optimal wirken, d.h. es handelt sich in einem gewissen Sinn um eine Stoffwechselstörung im intrazellulären Bereich. Moderne Untersuchungsmethoden (z.B. die PET = Positron-Emissions-Tomographie) des Gehirns haben entsprechend gezeigt, daß diese Funktionsstörungen vor allem in denjenigen Gehirnabschnitten vorkommen, die für die Aufmerksamkeit, Konzentration und Wahrnehmung, d.h. die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen und Sinneseindrücken verantwortlich sind, vorwiegend also in den sogenannten Stammganglien und im Frontalhirn. Diese Störungen erklären die bekannten Verhaltensstörungen im Kindesalter und/oder unerklärlich sinkende Schulleistungen. Sekundär kommt es so häufig zum Schulversagen (eventuell erst im Gymnasium oder an der Universität!), zum Außenseitertum bei den Kameraden, zur ständigen Sündenbockrolle in der Familie, später eventuell zu dissozialem Verhalten, Suchtentwicklungen oder gar zu kriminellen Entgleisungen. Die vor allem bei Knaben auffallende motorische Hyperaktivität („Zappelphilipp!") kann mit der Zeit nachlassen, wobei dies nicht heißen muß, daß die tiefgreifende Störung nun verschwunden ist. Über die neurobiologische, d.h. primär organische Ursache des ADS besteht heute kaum mehr ein Zweifel. Ursächlich im Vordergrund steht wahrscheinlich eine bis heute noch nicht genau bekannte genetische Veranlagung, sind doch nicht selten Geschwister, Eltern oder andere Verwandte ebenfalls mehr oder weniger betroffen. Die früher angeschuldete perinatale Hirnschädigung („Sauerstoffmangel" bei der Geburt) ist nur selten eindeutig die Ursache, Nahrungsmittelallergien oder - unverträglichkeiten können eventuell eine bestehend motorische Hyperaktivität verschlimmern, sind aber nicht die Ursache des ADS.
Obwohl der Frankfurter Arzt Hoffmann bereits im 19. Jahrhundert in seinem „Struwwelpeter" mit dem Zappelphilipp und Hans Guck in die Luft charakteristische ADS- Symptome beschrieben hat, werden heute ADS-Patienten immer noch fälschlicherweise als Opfer unserer Zeit, einer falschen (antiautoritären) Erziehung, einer fehlgeleiteten Ernährung (fast food und Coca Cola…!) und anderer widriger Umstände bezeichnet. Dies soll nicht heißen, daß moderne Umweltfaktoren wie das Leistungsstreben in der Schule, die allgemeine Hektik und der Überfluß an Freizeitaktivitäten das Leben der ADS-Patienten nicht deutlich erschweren können!
Als HAUPTSYMPTOME der ADS-STÖRUNG sind altersunabhängig folgende Merkmale immer vorhanden:
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung
Störung der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung
Störung der Gedächtnisbildung (= Abspeicherung, „Vernetzung")
Diese Menschen sind also leicht ablenkbar, bleiben nie bei der Sache, führen nichts zu Ende, haben keine Ausdauer, hören nicht zu, vergessen rasch, lernen nicht aus begangenen Fehlern, haben Mühe Strategien zu entwickeln, etc. etc…
Als FAKULTATIVE SYMPTOME (durch mangelhafte Steuerungsmöglichkeiten) stehen im Vordergrund:
Motorische Hyperaktivität (kann auch fehlen!)
Dauernde (evtl. auch nur innere) Rastlosigkeit, ziellose Hyperaktivität, kein Stillsitzen, andauernde Zappeligkeit, evtl. verstärkter Rededrang, Nägelknabbern, Bemalen von Hefträndern, Beknabbern von Bleistiften, etc. etc…
Impulsivität
Unvorhersehbares, unberechenbares Verhalten (Unfallgefahr!), kaum gedacht - schon getan!
Erregbarkeit, Irritierbarkeit
Frustrationsintoleranz, starke Stimmungsschwankungen, Empfindlichkeit gegenüber Kritik, rasches Weinen, große Störanfälligkeit, Wutausbrüche, Aggressivität
Mangelhafte emotionale Steuerung
Zunehmende Selbstwertstörung, dysphorisch bis suizidal, fehlendes oder übersteigertes Einfühlungsvermögen, mangelnde Realitätskontrolle, Mutlosigkeit, Verleugnung von Schwierigkeiten, mangelnde Körperpflege, lange Zeit unreifes und kindisches Verhalten
Dissoziales Verhalten
Außenseiter, wenig Freunde, Streitsüchtigkeit, Schlagen und Raufen, Klassenclown, destruktiv bis kriminelles Verhalten (evtl. in Banden)
Alle diese Primärsymptome sind unterschiedlich ausgeprägt und sollten beim ADS-Patienten in der Regel vor dem 7. Lebensjahr aufgetreten sein und während mindestens 6 Monaten angedauert haben. Ähnlich imponierende, vorrübergehende und meist reaktive Teilstörungen sind bekanntlich häufig und müssen von einem ADS deutlich abgegrenzt werden!
Hier der Link zur Seite und weitere Interessante Informationen:
http://www.osn.de/user/hunter/ii-96-a1.htm
mG
nyke