Hallo,
Ist die Frag philosophischer oder die Antwort? Das setzt die
Frage (oder die Antwort zu selbiger) voraus: Was ist
philosophisch? Das Nomen hat Metapher ja shön erklärt, was ist
mit dem Adjektiv?
sehr kluge Frage. Es ist so, dass es verschiedene Ansätze in der Philosophie gegeben hat, bei denen immer entweder das eine oder das andere bestimmend war.
Erstes Beispiel: Sokrates stellte vor allem Fragen, Platon hatte in seiner Spätzeit vor allem Antworten.
Zweites Beispiel: Wittgensteins philosophischer Ansatz besteht zu einem Großteil aus Infragestellen. Die meisten seiner Schüler (auf besonders schlechte Weise meiner Meinung nach Weismann und Ayer) machten daraus Dogmen.
Aus meiner Bewertung geht auch schon hervor, dass ich mehr dazu neige, die Fragen zu betonen, aber auch die Antworten sind wichtig. Man muss sich bei den Antworten nur immer im Klaren sein, dass es prinzipiell vorläufig sind - jedenfalls wenn sie die Erfahrung betreffen. Letztendlich sind sogar logische Konzepte bloß Konzepte auf Zeit, nur ganz wenige Sätze sind notwendig wahr. Welche das sind, darüber streitet man sich. Aber da Philosophie ja auch die Suche nach der Wahrheit ist, muss man - notgedrungen - irgendwann Antworten wenigstens versuchen (immer mit dem Bewusstsein, dass man sich irren kann).
Ich glaube, daß Philosophie immer Fragen voraussetzt. Alle
Denkansätze, alle Veränderung, alles, was in die Tiefe geht,
fängt mit einer intelligenten Frage an. Ist also die Frage
philosophischer? Bedingt.
Gibt es denn „Antworten“ (außer natürlich 42)? Ich denke, die
logsche Folge einer philosphischen Frage ist keine klare
Antwort, sondern ein Diskurs, ein Austausch, ein Für und
Wider. Je weiter das geht, je tiefer, je länger, desto mehr
kommen wir der Philosophie nahe - imho. Je näher man sich
kommt, ohne sich zu treffen, desto philosophischer wirds.
Der philosophische Ansatz, gar nicht mehr nach der Wahrheit zu suchen, sondern sie im Diskurs zu ermitteln, ist ziemlich modern (wenn man einmal von Sophisten und Skeptikern mit eigener Problematik absieht).
Für mich ist die Antwort auf Deine Frage: Wenn ich mich
zwischen Fragen und Antworten entscheiden muß, ist das Fragen
philosophischer. Wenn ich eine dritte Möglichkeit habe, dann
ist meine Antwort: Der Diskurs.
Die Diskurstheorie der Wahrheit wurde besonders klar von Jürgen Habermas formuliert (Literatur: J. Habermas, Wahrheitstheorien, als Aufsatz zuerst 1973 in der Festschrift für Walter Schulz).
Demnach ist die Wahrheit von vier Geltungsansprüchen abhängig:
- Verständlichkeit (Kommunikativa: Was meinst du?)
- Wahrheit (Konstativa: Stimmt das?)
- Wahrhaftigkeit (Expressiva: Ist das ehrlich gemeint?) und
- Richtigkeit (Regulativa: Ich unterbreche kurz.).
Das ist die sogenannte „Konsenstheorie der Wahrheit“. Die Wahrheit eines Satzes wird dadurch ermittelt, dass man ihn diskutiert und zu einem alle überzeugenden Urteil kommt.
Kritiker dieses Ansatzes werfen dieser Theorie natürlich vor, für Irrtümer einer besonders großen Anzahl von Menschen verantwortlich sein zu können.
Wichtig für die Frage, was denn philosophischer sei, die Frage oder die Antwort, ist, dass hier nichts von beidem wichtiger ist, sondern es auf einen Austausch untereinander ankommt, wie Nike schon sagt.
Es gibt aber auch philosophische Antworten, die sich einem Diskurs als solchem nicht unbedingt aussetzen müssen. Diese werden mit Notwendigkeit behauptet (aber trotzdem natürlich immer wieder in Frage gestellt).
Beispiele:
Ich denke, also bin ich. (Descartes)
Raum, Zeit und Kausalität sind Formen des menschlichen Erkennens. (Kant)
Gedankenentwicklung vollzieht sich in den drei Schritten der These, der Antithese und der Synthese. (Hegel)
Das Prinzip des Willens ist unzerstörbar. (Schopenhauer)
Empirische Behauptungen sind niemals verifizierbar, sondern immer nur falsifizierbar. (Popper)
Fazit: Fragen ist - als Methode - philosophischer, aber man kommt nicht umhin, gelegentlich Antworten zu geben, die dann im Diskurs wieder befragt werden können.
Alles klar?
Gruß
Thomas Miller