Was ist Prozessmodelierung?

Hallo Leute,

die generelle Definition von Prozessmodelierung (dass man die vorhandenen Prozesse eines Unternehmens visualisiert) ist mir bekannt. Wollte mal nachfragen, wie es im konkreten Fall aussieht, da ich ggf. eine Tätigkeit in diesem Bereich als Praktikum machen könnte. Es wird mit der Software ARIS gearbeitet.

Danke im Voraus für Aufklärung :o)

Hallo.

bekannt. Wollte mal nachfragen, wie es im konkreten Fall
aussieht, da ich ggf. eine Tätigkeit in diesem Bereich als
Praktikum machen könnte. Es wird mit der Software ARIS
gearbeitet.

Aris ? Hervorragend ! Hierzu ein Online Artikel von http://www.derentwickler.de/itr/online_artikel/pseco…
Buchmässig könnte ich ‚Geschäftsprozesse Modell- und computergestützte Planung‘ von Friedrich Rosenkranz nennen (http://www.springeronline.com/sgw/cda/frontpage/0,11…)
nennen. Und was den konkreten Fall angeht: es kommt drauf an. Immerhin fliessen hier Modellierung, Simulation (diskret und stetig) und Analyse sowie das Reporting zusammen.

HTH
mfg M.L.

Hallo Gerrit,

Prozessmodellierung ist immer ein Spass:wink:
Für mich gibt es zunächst mehrere unterschiedliche Ansätze, die zu unterschiedlichen Aufwänden und Ergebnissen führen.
1.1: top-down: Du modellierst aus der Sicht des Managements und detailierst nach unten zu den Prozessen der armen Werktätigen aus. Vereinfacht das Umfeld entscheidend und ist deshalb auch das Mittel der Wahl der großen Unternehmensberater. Die Umsetzung ist dann aber um so schwieriger, da Du vermutlich in viele angestammte Prozesse ordnend und verallgemeinernd eingreifst.
1.2: bottom-up: Du analysierst die Vorgänge an der Basis und verallgemeinerst und vergröberst dann nach oben hin. Das ist sicher die richtige Arbeitsweise, willst Du best-practice-Aussagen treffen, ist aber hoch aufwändig und führt häufig dazu, dass Du mehr Ausnahmen denn Regeln abbilden wirst. Jeder will halt seinen Sonderweg und seine Ausnahmen erhalten sehen.:wink:
2.1: Planungsmodellierung: Du definierst Idealprozesse neu, musst Dich also mit den vorhandenen Prozessen eher weniger auseinandersetzen. Wird häufig eingesetzt bei der Neueinführung von Unternehmenssoftware, die die meisten früheren Prozesse ersetzt.
2.2: IST-Analyse: Du dokumentierst die IST-Prozesse (z.B. für Q-Handbücher oder als Grundlage für einen späteren Verbesserungsprozess).

Ich halte die Prozessmodellierung für einen sehr guten Einstieg in ein Unternehmen, da Du einen wunderbaren Einblick in die Abläufe bekommst. ARIS ist ein sehr komplexes und mächtiges Werkzeug, das allerdings richtig verwendet sicher perfekt geeignet ist, Unternehmensprozesse abzubilden, da es eine sehr hohe Standardisierung der Modellierung ermöglicht. Aus diesem Grund wird es ja auch als Schnittstelle zu z.B. SAP genutzt.
Modellierung erfordert allerdings ein sehr abstraktes Denken und ist rel. trocken, also sicher nicht für jeden für einen längeren Zeitraum geeignet.
Simulation halte ich in diesem Zusammenhang für möglich, aber häufig unsinnig. Dafür ist der Informationsbedarf einfach viel zu hoch…
Schwierig ist es, die Zusammenarbeit mit den operativ arbeitenden zu gestalten, da diese häufig nicht verstehen, worum es geht und vor allem: Warum sie hierfür Zeit investieren sollten. Da ist Geduld und Frustrationsresistenz erforderlich…
Allerdings ist eine Prozessdatenbank wie Aris sehr gut geeignet, vorhandenes Prozess- und Organisationswissen zu dokumentieren, zu standardisieren und zu schulen. Auch ist dies eine perfekte Möglichkeit, wertschöpfende Prozesse von nichtwertschöpfenden zu trennen oder Organisationsunsinn sichtbar zu machen, und damit die Prozesskette zu verschlanken. Es ist immer wieder überraschend, wieviel Information zu welchem Zeitpunkt in einer Organisation generiert wird, die keiner - zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt - braucht:wink:
Ich bin großer Befürworter, auch wenn viele mir bekannte Datenbanken für mich für diesen Nutzen zu abstrakt sind (die IT-Muckel haben da so ihre eigenen Ansichten:wink:)

Grüße
Jürgen