Was ist rational?

Ja und nein.

Schau dir den Menschen in die Augen. Die WISSEN alle nicht, was der Sinn ihres Daseins ist. Hinter ihrem strahlenden Lächeln verbirgt sich stetige Angst vor dem Tod. Deshalb brauchen sie irgendeinen selbst geschaffenen Lebenssinn: Sex, Kinder, Geld, Besitz, Reichtum, Ruhm, Einfluss, Macht usw. Und über dem, weil sie es instinktiv durch ihre eigene unbewusste Natur FÜHLEN, steckt die abgrundtiefe existenzielle Todesangst.

Diese real existierende Todesangst ist latent immer in jeder Sekunde PRÄSENT, weil praktisch jede Sekunde etwas Unvorhergesehenes passieren kann: Autounfall, Herzinfarkt, Tod eines nächsten Angehörigen oder Atemnot usw. Um das nicht bewusst reflektieren zu müssen, haben sie, wie die Amis, mit allen ihren repräsentierenden Präsidenten, ihren Glauben an das Geld-Machen mit einem „väterlichen gütigen Gott“ überbaut.

Das ist auch rational, für diese Sorte von Menschentyp, weil es letztlich um nur ein einziges Grundbedürfnis aller Menschen geht, in jeder Sekunde zu überleben und nicht zu sterben. Dieses Grundbedürfnis aller Menschen hört nicht etwa damit auf, dass ich zum Beispiel als Student in der Uni eine Vorlesung über Philosophie besuche oder ein Buch schreibe oder ein wissenschaftliches Experiment durchführe - oder vor dem Fernsehapparat sitze.

Dieses existenzielle Grundbedürfnis wird zum überwiegenden teil vom Unbewussten ganz automatisch gesteuert.

Wenn die Menschen an ihre selbst geschaffenen Götter glauben, so intensiv FÜHLBAR, als ob es sie wirklich gäbe, ist das so ähnlich, wie wenn Kinder sich von einem Kasperl-Theater unterhalten und von der Wirklichkeit ablenken zu lassen, ohne dass sie erkennen, dass dies extra für sie für ihre Ablenkung vom Leben inszeniert wird.

Es ist VERNÜNFTIG, wenn Kinder glauben, das Kasperle existiert, wie auch der Osterhase, an den sie glauben wollen.

Es gibt keine NORM von Rationalität für alle Lebewesen gleichermaßen. Rational ist das Überleben, nichts anderes. Und alles, was dazu verhilft, dieses Grundbedürfnis durch Lebenshilfen zu verbessern, ist rational, alles andere ist bloßer DOGMATISMUS, d. h. wertlos.

Man muss nicht an Götter glauben, die nackte Natur als Wirklichkeit und die daraus abgeleitete säkulare Kultur genügen.

1 Like

Hallo,

genau damit machst du aber die „innerpsychische“ Instanz kapputt, die dem Gottesglauben seit Jahrtausenden seine Existenzberechtigung verleiht, und einen nicht unerheblichen Stützpfeiler der menschlichen Überlebensfähigkeit ausmacht. Nämlich Schutz, Geborgenheit, Sinngebung, das Generieren innerer Stärke durch Glauben an etwas Höheres, welches sich praktischerweise „irgendwo“ außerhalb des eigenen Selbst oder der eigenen letztgültigen Verantwortung zu befinden hat.
(all diejenigen, die diesen Schutz irgendwie nicht hatten oder haben, lassen sich problemlos ausblenden, aber davon reden wir ja nicht)
Deshalb lässt sich mit Religiösen niemals rational diskutieren, weil nicht nur einzelne, sondern ganze Gesellschaften ohne dieses Dogma das Nichts zu negieren(das eines sein muss), zusammenbrechen würden.
Stell dir vor, da ist nichts.
Rational wäre eine tiefgreifender und lange dauernder Wandel, zu erkennen, dass jedweder Glaube unseren eigenen Suggestionen unterworfen ist, und ebenso gut aus unseren eigenen Suggestionen entstehen kann, wenn wir die „göttliche“ Macht dafür in uns selbst erkennen.
Dann wüssten die Menschen auch endlich, dass sie die Verantwortung für alles tragen, was auf der Erde geschieht.

Es entsteht ja schon alles aus unseren eigenen Suggestionen und Assoziationen, nur sehen wollen/können das die wenigsten.

Gruß
Heidi

Warum mache ich den einen religiösen Glauben kaputt, wenn ich an die Wirklichkeit einer nackten Natur und einer daraus abgeleiteten säkularen Kultur glaube?

Die Menschen können doch weiterhin glauben, was sie wollen, mein persönliches Welt- und Menschenbild hat nichts damit zu tun, macht keinen Unterschied.

.Allerdings stimme ich in gewisser Weise dem User „Zerschmetterich“ zu, wenn er sagt, es sei rationaler, zu behaupten, es gebe keinen Gott, als es gebe einen, warum?

Weil es stimmt, was Nietzsche im 19. Jahrhundert feststellte: „In Deutschland ging alles gegen die Aufklärung.“ Und: „Wir können heute mit uns selbst experimentieren.“ Weil das rationaler ist, als an Gott zu glauben.

Speziell in Deutschland geht heute immer noch alles, wie Nietzsche vor 117 Jahre nach seinem Tod die Erkenntnis hinterließ, „alles gegen die Aufklärung“. Seit dem 2. Weltkrieg wird Deutschland vorrangig von Christen regiert - und das wird sich wahrscheinlich auch nicht grundsätzlich änder. Ebenso in den USA, da gab es noch nie einen atheistischen Präsidenten.

Deine Befürchtung, dass mein Welt- und Menschenbild am religiösen Fundamentalismus dieser Welt etwas Grundlegendes ändert, ist also, wie ich versucht habe zu begründen, unberechtigt. Du kannst an Gott ruhig weiter glauben.

Alle Kinder WISSEN bereits in jungen Jahren, dass sie sterben werden. Und dieses WISSEN wird von den Menschen immer wieder mal im Laufe ihres Lebens in Erinnerung gerufen. Aber nur immer zwischendurch und meistens nur sehr kurz. Die Mehrheit ihrer Lebenszeit verbringen die Menschen mit einer rational zu begründeten psychologischen Verdrängung dieser Tatsache.

Deswegen kann man, wenn man den Mensch tiefer als wie üblich, hinter ihre vordergründig aufgesetzten Masken schaut, das dahinter liegende WISSEN zum Tode sehen. Die Tiere wissen nur in bestimmten Situationen, was rational ist: eben nicht sterben zu wollen und dafür entweder zu kämpfen oder zu fliehen. Wir Menschen hingegen WISSEN es andauernd von Kindheit an, ein GEFÜHL, das uns alle mehr oder weniger lebenslang begleitet.

So gesehen sind die Gesellschaftsmasken der Menschen
biologisch-soziale Verdrängungsstrategien gegen die Todesangst. Und kein Glaube kann diese reale Tatsache eliminieren.

Hallo,

Doch, du bist schuld! Solche wie du machen immer alles kapputt! :wink:

Aber wie kommst du nur darauf, dass ausgerechnet ich einem Gottesglauben anhinge?
Und vor allem, dass ich Befürchtungen haben müsste, bzgl. deines Welt-und Menschenbildes?
Habe ich mich unklar ausgedrückt?

Zum Beispiel deshalb, weil das Dogma = eine weltanschauliche Annahme, sich selbst als wahr voraussetzen muss, weil sie überhaupt nur unter dieser Prämisse seine psychologische Wirkung entfalten kann.
Dieses Merkmal charakterisiert den Gottesglauben.
(ein „vielleicht glaube ich an Gott“ hilft dem Religiösen nichts)
Dieser Umstand spricht eher gegen eine Existenz Gottes, als dafür.

Ich kann dir aus meiner Sicht (fast) alles unterschreiben, was du sagst.

Nur die

hatte ich in meiner kleinen Liste der Glaubensgründe vergessen.

Wobei ich deinen Schwerpunkt hier nicht unbedingt teile, die „unbewusste“ Bedrohung durch die Todesangst mag latent stetig vorhanden sein, das hängt aber auch von der Lebensphase ab.
Auch für junge Leute lauern Bedrohungen und es geht darum, in den vielen Unsicherheiten eben Sicherheiten zu konstruieren.

Die Ironie in meinem ersten Satz bezieht sich darauf, dass auf religiöse Menschen oft schon die rationale Diskussion über Gottesexistenz bedrohlich wirkt, und sie einem das Gefühl vermitteln, ihnen etwas „wegnehmen“ zu wollen.

Gruß
Heidi

1 Like

Ehrlich und einfach, eine solche Aussage ist anmaßend.

Rationalität, dieses vernünftige Handeln, entsteht aus subjektiver Zuschreibung und Überzeugung. Sie unterscheidet sich in der Summe aller Dinge stets von deiner oder anderer Rationalität.

Ebenso verhält es sich mit Spiritualität (ersatzweise für Religion oder Religiosität).

Es gibt Konsens in manchen Dingen. In Sachen Rationalität und Spiritualität. Aber Rationalität ist den Religiösen ebenso beschieden wie den Nichtreligiösen.

Wir können beide „rational“ mit der Gegenseite diskutieren.

Franz

1 Like

Ehrlich und einfach: Du hast recht.
Auch eine häufig gemachte Beobachtung muss nicht allumfassend richtig sein.

Gruß
Heidi

Wenn Du nun „Gott“ durch „dreiundzwanzigbeinigen grünen Hund mit rosa Punkten und einem Empfangsorgan für Röntgenstrahlung“ ersetzt, solltest Du eigentlich schnell merken, daß die von Dir getätigte Aussage totaler Mumpitz ist. Falls Du die Analogie nicht mit Deiner Aussage übereinanderbringen kannst, dann wäre eigentlich nur noch festzuhalten, daß Du kein Philosoph bist, sondern ein Troll oder ein Trottel.