Hallo, Sprachphilosophen!
Weil ja eigentlich (in der Auffassung unseres Kulturkreises) alles so genannt ist, fällt mir auf, dass dieser Ausdruck in meiner Zeitung sehr häufig auftaucht. Ich habe den Eindruck, alles, was ein Journalist zum ersten Mal hört oder auch beim zweiten Mal noch nicht versteht, ist für ihn „so genannt!“, z. B. fast jeder Fachausdruck: „ein Apfel, ein so genannter Boskop“!
Was wird korrekterweise als „so genannt“ bezeichnet?
Wo ist das definiert?
Hannes
Hi,
Was wird korrekterweise als „so genannt“ bezeichnet?
Wo ist das definiert?
Was als >so gennantder so gennante Boskoop
- Um eine Ablehnung auszudrücken,…
all das…Wenn der Zeitungsmann oder Journalist das sagt, dann vllt.
genau aus diesen oder anderen Gründen.
Hallo,
ja genau!
Die sogenannte Flexibilisierung des Lohnes ist für den Betroffenen wohl eine handfeste Lohnkürzung.
In diesem Fall hätte der Journalist ein Herz für die, die sich die Kohle noch mit Arbeit verdienen müssen.
Gruss
Uli
Hi,
ich muss da den bisherigen Antworten widersprechen. Sicherlich beschreiben diese korrekt die aktuelle Verwendung des Wortes, aber nicht, was es eigentlich bedeutet.
Eigentlich ist es ein Wort: sogenannt. Wenn man es benutzt, drückt man aus, dass man nicht glaubt (oder sich nicht sicher ist), dass die Bezeichnung wirklich angebracht ist. Siehe http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…
Wenn man also sagt, ich (miezekatze) sei eine sogenannte Englischexpertin, dann liest sich das „die antwortet immer im Fremdsprachenbrett, aber ich glaube, dass sie keine Ahung hat.“
Die Franzi
Hi,
Eigentlich ist es ein Wort: sogenannt. Wenn man es benutzt,
drückt man aus, dass man nicht glaubt (oder sich nicht sicher
ist), dass die Bezeichnung wirklich angebracht ist.
Das mag ein möglicher Verwendungsgrund sein, ist jedoch mit Sicherheit nicht der häufigste. Dein Beispiel weiter unten ist ein gutes Beispiel für deinen Vorschlag, jedoch eher eine ironische Verwendung von „sogenannt“.
Wenn man sagt, „Baskisch ist eine sogenannte Ergativsprache, weil [blablabla]“, meint man ja nicht, dass man mit der Bezeichnung unzufrieden ist, in solchen Fällen (und diese bilden wohl die Mehrheit) drückt „sogenannt“ einfach aus: ‚Achtung, jetzt kommt ein Fachbegriff‘.
Da „Englischexpertin“ nun kein Fachbegriff ist, liegt in diesem Fall die ironische Interprätation näher.
Das nur, um nicht den Anschein erwecken zu lassen, „sogenannt“ würde meist oder immer ironisch gemeint sein — das hatte ich nämlich so bei deinem Beitrag rausgelesen.
Grüße,
- André
Die sogenannte Flexibilisierung des Lohnes ist für den
Betroffenen wohl eine handfeste Lohnkürzung.
Nicht zwangsläufig. Ich seh’s nicht so. Hier könnte der Journalist auch einfach einen Fachbegriff als solchen hervorgehoben haben. Ich kann z.B. mit Flexibilisierung in diesem Bereich nichts anfangen.
Eine Sympathie mit irgendwem kann ich da nicht rauslesen.
Gruß,
- André
Hab deinen Beitrag nochmal gelesen, du schriebst ja: „Sicherlich beschreiben diese korrekt die aktuelle Verwendung des Wortes, aber nicht, was es eigentlich bedeutet.“
Gefragt war aber eher, was Journalisten meinen, wenn sie schreiben „sogenannt“. Und da zählt eher die aktuelle Verwendung als die vor zig Jahren mal verwendete.
Ich betone immer wieder gerne, dass die Bedeutung eines Wortes aus der aktuellen Verwendung und dem Verständnis hervorgeht und nicht – wie viele leider oft annehmen – aus der Etymologie des Wortes, seiner wörtlichen Bedeutung oder der ursprünglichen Verwendung.
Gruß,
- André
Hi,
stimmt, die sachliche anwendung von sogenannt gibt es auch, wie in deinem Beispiel mit dem Baskischen. Ich hab mich da iirritieren lassen.
Aber es gibt definitiv einen Unterschiued zwischen Situationen wie der von dir genannten und der inflationären Verwendung bei Journalisten, wobei ich mich grad schwertue, es zu beschreiben. Vielleicht fällt mir auf, dass mit „sogenannt“ ja eher ein neuer Fachbegriff eingeführt wird (im Text für den Leser neu), und im Journalistendeutsch oft Allgemeinplätze damit eingeleitet werden? Möchte das nur mal so zur Diskussion stellen, denn die übermäßige Verwendung (in Verbindung mit einem betont überforedert wirkenden und ahnungslosen Gesichtsausdruck seitens des Sprechers)ist mir auch schon aufgefallen.
Die Franzi
Interessiert Dich der Unterschied zwischen „so genannt“ und „sogenannt“? Der hat etwas mit der sogenannten Rechtschreibreform bzw. der so genannten Sprachverhunzung zu tun.
Gruß
Marzeppa
Hallo!
Ich betone immer wieder gerne, dass die Bedeutung eines Wortes
aus der aktuellen Verwendung und dem Verständnis hervorgeht
und nicht – wie viele leider oft annehmen – aus der
Etymologie des Wortes, seiner wörtlichen Bedeutung oder der
ursprünglichen Verwendung.
Amen. So isses. Man kann natürlich kritisch hinterfragen, ob die aktuelle Bedeutung und Verwendung praktisch, logisch, verständlich, sinnvoll, vernünftig, usw. ist, aber das hat nichts mit „eigentlicher“ Bedeutung zu tun. Eine Bedeutung ist nicht besser, nur weil sie „ursprünglicher“ ist.
Gruß,
Max
Eine Sympathie mit irgendwem kann ich da nicht rauslesen.
Hallo Andre,
ich schon: Wenn ich Lohnkürzung sage, bin ich ein Arbeiter. Nenne ich denselben Vorgang Flexibilisierung, bin ich ein Arbeitgeber.
Oder
Rede ich von ethnischer Säuberung, stehe ich den Mördern nahe. Rede ich von Völkermord, signalisiere ich damit, für was ich den „Vorgang“ halte. Dagegen kann man doch gegen eine Säuberung kaum etwas haben - wenn es doch verschmutzt war …
Oder
Der Soldat schaltet einen Gegner aus. Wie wird die Witwe des „Ausgeschalteten“ das nennen?
Ich meine so: Je nach dem, auf welcher Seite ich stehe, verwende ich unterschiedliche Begriffe.
Da unsere Nachrichten auch von „Ethnischen Säuberungen“ sprechen, würde ich in diesem Fall zum Beispiel nur von „sogenannten ethnischen Säuberungen“ sprechen und distanzierte mich von dieser wie ich finde Menschen verachtenden Ausdrucksweise.
Schöne Grüsse
Uli
Hi,
Ja, da hast du sicher Recht, „sogenannt“ ist in solchen Fällen angebracht. Trotzdem kann man nicht den Umkehrschluss ziehen, „sogenannt“ wäre immer irgendwie ironisch.
Was eine Flexibilisierung ist, wusste ich nicht, so macht deine Erklärung aber Sinn. Da spielt dann allerdings die Semantik des Nomens und das Weltwissen (das bei mir in dem Fall unzureichend ist) mit rein.
Gruß,
- André