Was ist Steuerversäumnis und wie wird eine Strafe berechnet?

Hallo, ich schreibe gerade ein Referat zum Thema Steuern.

Die Sache mit der eventuellen Strafberechnung ist mir jedoch noch extrem unklar.

  1. Wenn z.B. eine Summe von 800€ versteuert werden sollte, und dies aber nicht getan wird > hinterzieht man dann 800€ an Steuern oder die davon zu versteuernde Summe (ca. 300€)

  2. Wenn zb. im Jahre 2012-2016 jedes Jahr 300€ „hinterzogen“ bzw. nicht versteuert wurden, wird dann die Strafe als Gesamtes bestraft (1.500€ Gesamtsumme) oder 5 x 300€.
    Macht das Straftechnisch überhaupt einen Unterschied?
    Ist eine der beiden Varianten am Ende „teurer“ für den Selteuerzahler?

3)Warum ist die Strafe (Tagessätze) in den verschiedenen Bundesländern so extrem unterschiedlich? Zum Beispiel im Norden (Schleswig-Holstein, Hamburg) teilweise doppelt so hoch wie etwa im Osten/Süden.

Würde mich freuen wenn mir jemand die 3 Fragen beantworten könnte.

Dankeschön!

Hallo!

Dann hinterzieht man 300 €, wobei man bei so einem niedrigen Betrag üblicherweise noch nicht von Steuerhinterziehung sprechen würde.

Wie bereits ausgeführt, bei 300 € wird wohl kaum jemals die Steuerstrafsachenstelle eingeschaltet, da gibt es einfach einen geänderten Bescheid und die Steuern sind nachzuentrichten. Zinsen können natürlich anfallen. Wenn mehrere Jahre betroffen sind, wird das natürlich zusammengezählt.

Wenn eine Geldstrafe nach Tagessätzen bemessen wird, richtet sich die Höhe des Tagessatzes nach dem Einkommen des Delinquenten. Das ist keine Bauchentscheidung des Richters, sondern ist nach den tatsächlichen Einkommensverhältnissen des Übeltäters festzusetzen.

Meist werden kleinere Steuerhinterziehungstatbestände bei Ersttätern noch vorgerichtlich durch Einstellung des Verfahrens gegen Strafbefehl erledigt, dabei gilt als Faustregel, dass die Höhe des Strafbefehls sich an der Höhe der hinterzogenen Steuer orientiert.

Du hinterziehst z.B. 5.000 € Steuern, wirst ertappt, zahlst dann 5.000 € Steuern nach, zahlst vielleicht noch zusätzlich 1.000 € Zinsen, hast vielleicht noch 2.000 € Steuerberatungs- und Rechtsanwaltskosten diesbezüglich und zahlst dann noch den Strafbefehl in Höhe von 5.000 €. Teurer Spaß.

Schöne Grüße!

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Meinst du mit ‚teurer‘ die Geldstrafe und mit ‚Steuerzahler‘ den Steuerhinterzieher?

Ja genau das meine ich.

Danke erstmal für die lange Antwort.

Sie schrieben: 300€ jährlich sei noch keine Steuerhinterziehung?

Ab welcher Summe im Jahr ist es denn „Hinterziehung“?
Gibt es da eine offizielle Zahl/Grenze oder ist dies komplett individuell zu betrachten?

Danke

Stell dir das vor wie beim Tempolimit. Wenn du 105 km/h auf der Landstraße fährst, dann hast du natürlich eine Ordnungswidrigkeit begangen, aber kein Polizist macht sich die Mühe, dir einen Strafzettel zu verpassen.

Wenn du 1.000 € Werbungskosten erfindest und in deiner Steuererklärung angibst, damit 300 € Steuern zuwenig zahlst, dann ist das Steuerhinterziehung, aber kein Finanzbeamter fängt deswegen an, ein Strafsachenverfahren einzuleiten. Du bekommst einen geänderten Bescheid und fertig.

„Offizielle“ Grenzen gibt es aber nicht. Das liegt im Ermessen der Behörde (bzw. des Sachbearbeiters) und wird auch sehr unterschiedlich gehandhabt.

Meinen sie mit 300€ zu wenig zahlen einmalig 300€ zu wenig zahlen oder wie in meinem oben genannten Beispiel 5 Jahre infolge 300€ (1.500€ also).

Würde das nen Unterschied machen, oder wird jedes Jahr einzeln betrachtet/bestraft?

Danke

Das, was du oben beschrieben hast, wäre keine „Strafe“, sondern eine Nachzahlung, die Strafe käme noch oben drauf! @nurmitlesen hat dir doch schon geschrieben, wenn auch an einem anderen Beispiel: